81 Jahre war er alt, aber da er ein berühmter Schütze war, beschlossen sie, ihn auch diesmal auf die Elchjagd mitzunehmen. Sie mussten ihn zu dritt auf den Hochsitz stemmen, dort saß er, die
Decke über den Knien, die ganze Nacht. In der Morgendämmerung schoss er auf einen Elch, aber der Schuss war nicht tödlich, die Jäger mussten der Spur stundenlang folgen, bis sie das waidwunde
Tier erlegen konnten.
Darauf vereinbarten sie, ihn nicht mehr auf die Jagd mitzunehmen und er, sich wegen des Fehlschusses schämend, stimmte zu, ließ aber von seiner Jagdleidenschaft nicht ab. Vor seinem Haus, in
einem alten Sessel sitzend, eingehüllt in eine Decke, die Flinte im Schoß, lauerte er auf die Ratte, die seit Wochen im Hühnerstall Eier stahl und nicht nur das, sie hatte sogar schon ein Huhn
gerissen.
Tatsächlich erlegte er eine Ratte von riesigem Ausmaß mit einem einzigen Schuss, das ging sogar durch die Lokalzeitung. Seine Frau hoffte, dass er jetzt aufgeben würde, aber er meinte, es gäbe
noch mehr Ratten, man müsse nur Geduld aufbringen, und als Jäger habe er Geduld genug.
Meine Hütte befindet sich - in Luftlinie gemessen - rund 60 Meter tiefer gelegen im Wald. Wir sind Nachbarn und kennen uns schon lange. So lange, dass mich die Nachbarin um Hilfe bat.
Als ich früh morgens wieder einmal einige Schüsse hörte, ging ich hinauf. Er saß neben der Haustreppe, die Flinte über den Knien. Ich beschwerte mich. Obwohl ich eine rote Mütze getragen hätte -
dergleichen solle man ja zur Jagdzeit im Wald tragen - habe er auf mich geschossen.
Er protestierte, das sei unmöglich. Ich zeigte ihm das Loch in meiner Mütze und er wurde still. Seine Hände zitterten und ich fürchtete schon, zu weit gegangen zu sein.
Er entschuldigte sich und versprach, mit dem Schießen aufzuhören.
Er kam nicht auf den Gedanken, mich zu fragen, was ich am frühen Morgen mit einer roten Mütze im Wald tue. Ich hätte sagen müssen: ich habe darin geschlafen. Es ist eine Wollmütze, die ich nachts
wegen der Kühle auf meinem schon ziemlich kahlen Schädel trage. Und das Loch hatte ich mit einem Messer gebohrt.
Jetzt, wenn ich im Bett liege und auf den Schlaf warte, plagt mich ein schlechtes Gewissen und wie zur Strafe habe ich manchmal das Gefühl, es zieht kalte Luft durch das Mützenloch.