Dieter Lenz

Mein Schweden

 

156 S. Softcover, 18 cm x 11,5 cm, 8,50 €

 

ISBN 978-3-922299-44-8

 

Was macht ein junger Mann,

der im Büro sitzt und total unzufrieden ist?

Er kündigt seinen Job und verlässt Deutschland.

Der Zufall führt ihn nach Schweden,

in ein Land aufregend anders als seine Heimat.

 

Zu bestellen unter shop

Astrid Manz

Geboren 22.Februar 1958
Kind der DDR
Mutter von 3 Kindern
2 gescheiterte Ehen
Gelernte Kauffrau
Lieblingssänger: Unheilig
Lieblingsessen: Grüne Bohnen
Hobbys: Malerei und Schreiberei
Liebt Tiere und die Natur
Lebt seit 1.April 2011 ihren Traum...
...ausgewandert nach Schweden

e-mail: schwedenzauber@gmail.com

 

  Astrids Schwedentagebuch 2014 

Alle Fotos im Tagebuch lassen sich per Klick vergrößern

Copyright by Astrid Manz

28.12.2014

 

Gedanken zum  Fest…

Das Fest beginnt nicht erst am Heiligen Abend,

nein, bereits Wochen zuvor.

Es wird geplant, Einkaufslisten geschrieben, Plätzchen gebacken, Geschenke gekauft - meistens die Falschen-Panikkäufe wenige Stunden vor dem Fest.

Weihnachtsgrüße versenden, per Post oder mail, bloß keinen vergessen, denn sonst ist der Ärger programmiert, doch nach den Festtagen merkt man, dass die Lieben einen vergessen haben in all „ihrem Stress“.

Ein Menü soll es werden, das allen schmeckt, viel wird gekocht, gebacken, in der Küche gezaubert, die Bäuche sind gefüllt, die Kleidung wird enger, woran liegt das wohl.

Vom Tisch bis zum Sofa, die Anstrengung ist groß, auf dem Tisch steht der Teller mit leckeren Dingen, welche die Finger zum  Munde bringen, auch dies wird mit Kilos auf die Hüften belohnt, doch der Vorsatz ist schnell ausgesprochen: ab nächste Woche, gleich nach Silvester, kommt das wieder runter, doch wie… Weniger essen, mehr laufen und turnen, na das überlegen wir noch, wir wollen das nicht übertreiben, warten wir mal ab.

Egal wo du lebst, die Zeit der Festtage bringt Aufregung und viel Arbeit, aber auch  Freude und besinnliche  Stunden, wenn man liebe Menschen um sich hat.

Zumindest ging es mir so……

 

 

Tomte Astrid macht sich auf den Weg

24.12.2014

Kurzmitteilung fürs Tagebuch...

So, mein Job als Tomte beginnt um 18.30 Uhr, ich muss mich fertig machen, eine meiner Aufgaben habe ich bereits erledigt: ich habe den Schnee besorgt, der zum Fest gehört..... Gerade hat es begonnen zu schneien, es ist 17.45 Uhr.

Perfekt oder? Besser geht‘s doch nicht ... Weihnachts-Romantik pur.

Ho,Ho,Ho,...... euer Tomte  Astrid

22.12.2014

 

Der Name ist „Mikkel“…ja, so heißt der Fuchs, der uns gestern besuchte.

Woher ich das weiß? Heute Morgen erzählte ich Tommy, was gestern Abend vor unserer Tür geschah. Er lächelte und sagte: „Dann hast du die Tomtegeschichte erlebt.“

(Kurz bevor uns der Fuchs besuchte, wurde ich hier zum Tomten ernannt, dies hat eine Verantwortung mit sich gebracht, die ich jetzt zu erfüllen habe.) 

                                                                                                                                             Nicht dass ihr denkt, nun hat es sie erwischt, nein, ich forschte im Internet und fand Folgendes:

 

Der Wichtel Tomte Tummetott wacht seit Jahrhunderten über das Wohlergehen der menschlichen und tierischen Bewohner eines Bauernhofes. Ausgerechnet zur Weihnachtszeit hat es der vom Hunger getriebene Fuchs Mikkel auf die Hühner des Bauernhofes abgesehen. Hofhund Karo erweist sich als relativ leichter Gegner für Mikkel, doch zum Glück für die Hühner greift Tomte ein und bringt das drohende Drama zu einem für alle befriedigenden Ende - während die Menschen von all der Aufregung nichts ahnen.

 

Hühner haben wir nicht, aber das konnte der Fuchs ja nicht wissen, doch der Geruch des Futters auf dem Schälchen für unsere Katze  muss ihm in die Nase gestiegen sein und ihn  angelockt haben. „Karo“ ist in diesem Fall „Emma“. Klar, sie ist kein Gegner, denn sie ist in ihrem Zwinger nicht gerade in der Lage, ihn zur Flucht zu bewegen.

Zur Weihnachtszeit stellt man hier in Schweden eine Schale mit Milchgrütze vor die Tür. Eigentlich ist sie für den Tomte bestimmt, aber er gibt sie dem hungrigen Fuchs und ermahnt ihn, den Tieren des Hofes keinen Schaden zuzufügen oder sie gar zu töten.

Hier in Schweden glaubt man, dass der Tomte in der Nacht von Hof zu Hof zieht und die Tiere beschützt, ihnen dabei Wichtelworte ins Ohr raunt wie zum Beispiel…

-Viele Winter sah ich kommen und gehen, Geduld nur, Geduld nur, auch diesem Winter folgt ein Frühling.-oder

-Viele Winter sah ich kommen und gehen, stets kehrten die Schwalben zurück und der Sommer zog übers Land.-

So macht er den Tieren Mut den harten, kalten Winter zu überstehen, auch wenn das Futter oft knapp wird.

Ich sprach gestern den Fuchs ganz ruhig an, um ihn nicht sofort zu verjagen. Wann hat man schon die Möglichkeit, einen Fuchs fast zu berühren? Mein Satz lautete: „Na was machst du denn hier?“ In der Tomtegeschichte spricht der Tomte den Fuchs mit einem ähnlichen Satz an: „Na was treibt dich denn hier her?“

Diese Ereignisse sagen mir: Ich  habe gestern die „Tomte Tummetott und der Fuchs- Geschichte“ von Astrid Lindgren erlebt.

Krass oder?

Die ganze Geschichte findet ihr auf You Tupe unter den bereits genannten Titel. Ebenso  die Tomte-Saga, sie ist in schwedischer Sprache, aber der tolle kleine Film ist für jedermann verständlich und zeigt ein Stück schwedische Kulturhistorie.

   

 

21.12.2014

 

Es ist  Sonntag, der Tag  verlief ruhig. Ich hatte mir vorge-nommen, mal nix zu tun. So schlief ich ganz lange, was mir komischer Weise leicht gefallen ist. Sonst bin ich morgens fit wie ein Turnschuh, seit Tagen jedoch könnte ich nur schlafen. Wenn ich dann ins Bett gehe, liege ich wach, tausend Gedanken kreisen in meinem Kopf, aber so langsam komme ich wieder zurück zu meinem Leben.

Ich stand also erst gegen10.00 Uhr auf, mit Jürgen lecker gefrühstückt und kurz einen Abstecher zu Ilona gemacht und sie zum Kaffee eingeladen, denn die Weihnachtsplätzchen, die ich gestern gebacken hatte, mussten doch verkostet werden. Verkostungsergebnis... und super-lecker-Weihnachten ist gerettet.

Ich backte Pfefferkuchen, Mackronen und Plätzchen mit Rosinen, Aprikosen und getrockneten Preiselbeeren. Bei den Letzteren ist die Basis Haferflocken und Butter, es war mein erster Versuch und er gelang. Alle wurden mit Schokolade oder bunten Streuseln garniert, in meine neu erstandenen Kupferkeksdosen aus Omas Zeiten gefüllt und hoffen nun darauf, dass das Schleckermaul Jürgen sie nicht alle auf einmal verputzt.

Heute war es draußen schon etwas weihnachtlich, Schnee ist angekündigt für die nächsten Tage, die Natur bereitet sich darauf vor. Der Boden ist gefroren und die Bäume tragen Reifkleider, auf den Wiesen ist das Gras mit einer dünnen Schicht aus Eiskristallen überzogen. Beim Laufen knistert es unter den Füßen.

Bevor ich weiter schreibe, wie der Tag verlaufen ist, mal was topp Aktuelles.

Ich hörte Emma immerzu bellen, Jürgen ging raus, um nachzusehen, er kam rein und sagte: „Is nix.“ Emma hörte nicht auf, also ging ich raus, denn um diese Zeit könnte es Ärger geben und da Emma sonst nicht so ein  Theater macht, wusste ich: irgendetwas löst dieses Verhalten  bei ihr aus.

Ich stand auf dem Hof, sprach Emma an, doch sie kläffte böse weiter. Ich sah in ihre Bell-Richtung und traute meinen Augen nicht. Zuerst glaubte ich, die Katze der Nachbarn sitzt dort, sie ist schwarzweiß und ich erkannte nur etwas Weißes. Ich klatschte in die Hände, doch  rührte sich die weiße Blässe des Tiergesichtes keinen Millimeter. Ich ging drauf zu … Vor mir saß ein stattlicher Fuchs im dicken Winterfell. Ich sprach ihn an, und ich denke, er hätte mir weiter zugehört, hätte ich ihn nicht mit einer Handvoll Schotter vom Weg zu verjagen versucht. Gerade mal 3 Meter lief er davon, dann setzte er sich mitten auf den Weg und wartete, bis ich wieder vor ihm stand. Neuer Versuch  mit kleinen Schottersteinen. Naja bis auf die Straße lief er, aber auch keinen Schritt weiter. Ich ging rein und erzählte Jürgen, was seine Jägerin gerade erlebt hatte, und wir gingen zur Haustür, um zu sehen wohin er jetzt läuft. Er kam dreist zurück in den Garten und schnurstracks wieder Richtung Emmas Zwinger. Eine Weile beobachteten wir ihn, dann ging ich erneut raus und Reinicke Fuchs zeigte sich ebenso dreist wie zuvor. Diesmal jagte ich ihn bis zur gegenüberliegende Wiese. Ich denke, das war nicht sein letzter Besuch.

Nun  zurück zum vergangene Tag, denn er hatte noch eine andere Überraschung für uns parat.

Jürgen war am Nachmittag joggen und Ilona war nach dem Kaffee wieder nach Hause gegangen. Als Jürgen vom Laufen zurück war, machten wir es uns gemütlich und läuteten den Abend ein. Der Fernseher hat das Programm herausgekramt, das seit vielen Jahren zur Weihnachtszeit läuft, also auch da nichts Neues. Ich ging in die Küche und machte uns Abendessen. Toast mit Schinken und Spiegelei, plötzlich klopfte es. Es war bereits stockdunkel, ich ging an die Tür und öffnete sie ,

Peter und Mika standen vor mir und redeten sofort los wie zwei Wasserfälle, ich ließ sie zuerst reden, dann sagte ich: „Stopp!“ Ich  verstehe schon sehr viel Schwedisch, doch Mika redet so schnell, so schnell kann man nicht mal hören, geschweige verstehen und antworten.

Sein Vater ergriff die Initiative, er sagte alles noch einmal, dann verstand ich, was die beiden wollten. Sie fragten mich, ob ich zu Heilig Abend den Job als Tomte übernehmen würde.

O Mann, da werde ich als deutsche Einwanderin gebeten, den Weihnachtsmann (hier heißt er Tomte) in Schweden zu spielen.

Also läuft am Heiligen Abend durch Bråbo ein Tomte, der vor fast 4 Jahren aus Deutschland nach Schweden eingewandert ist…

Ich fühle mich  geehrt… Ho, Ho, Ho!

 

 

Astrid und Barbro
Astrid und Barbro

17.12.2014

 

Ein paar Tage sind seit meinem letzten Eintrag vergangen, dies hatte einige Gründe. Wieder einmal Stress mit dem Ex, Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt in Vimmerby und Weihnachtseinkäufe, damit auch zu Hause ein paar entspannte Tage kommen können. Die brauchen wir nämlich, Jürgen und ich, denn Zeit haben wir im Moment  nicht gerade viel zusammen.

Ich  hatte vor ein paar Tagen einen Text geschrieben, den wir jedoch nicht eingesetzt haben, denn er war von Sorge und Ärger geprägt. Vom Verlag wurde ich gebeten, ein paar konkrete Beispiele zu bringen, was hier los ist, so dass es meine Leser verstehen, was ich meine. Somit habe ich mich entschlossen, einige Dinge in meinem heutigen Eintrag anzuschneiden. Ich  gehe nicht ins Detail, denn dieses macht mich wütend und ich bekomme wieder Magenschmerzen, die hatte ich fast zwei Wochen. Nun  habe ich mich daran gewöhnt, dass er mir Stress macht, und ich kann damit umgehen. Dann lege ich mal los.

Ich hatte ja berichtet, dass mein  Exmann im September 2011 ebenfalls nach Schweden gezogen ist, er wollte in der Nähe seines Sohnes sein… So  seine Aussage. Jetzt weiß ich, dass es nicht stimmt. Er ist einfach nicht in der Lage, sein Leben in eigene Hände zu nehmen und für sich zu sorgen. Fast 20 Jahre war ich für ihn da, habe für ihn gekocht, gewaschen, geputzt, eingekauft und die Kinder versorgt. 3 Jobs, so mein  Eheleben, er saß zu Hause und passte auf den PC auf. Wenn man mich fragte, warum ich so lebe, redete ich es mir schön und nahm ihn in Schutz. Bis Schweden in mein Leben trat, ich einen Neustart machte und glücklich war.

Zuerst wohnte er in einem Mietshaus und arbeitete beim Vermieter für die Miete. Nachdem es dort Ärger gab, stand er wieder vor meiner Tür und bat mich um Hilfe. Ich weiß nicht warum, aber ich half ihm. Ein  Fehler, der nicht gut zu machen ist. Er versprach sich zu ändern und für die Hilfe auch eine Gegenleistung zu bringen in Form von Arbeit an unserem Haus und an den Häusern von Michi, meiner Tochter. Gemeinsam mit meiner Tochter entschieden wir, dass er in eines der Häuser meiner Tochter zieht. Gerade mal zwei Monate zahlte er Miete, dann blieb diese aus, Strom und Wasserrechnung gingen an meine Tochter. Als es ans Bezahlen ging, war auch dafür das Geld von ihm nicht da.

 Der nächste Ärger stand an. Seit nun  über einem Jahr wohnt er gratis im Haus meiner Tochter, zu Beginn  war sie froh, dass das Haus bewohnt ist und nicht leer steht, doch  dann kam ihr Ehestress. Ihr Mann hatte kein Interesse mehr an Schweden und die Häuser, Michi blieb mit allem allein, so  auch mit den Kreditrate , die ihr über den Kopf wuchsen, und sie nun die Häuser unbedingt verkaufen will. Doch wie, wenn da einer drin wohnt. Es gibt zwar Käufer, die froh sind, wenn Mieter im Haus  sind und so das Haus Geld bringt, jedoch ist es dafür notwendig, dass der Mieter seiner Zahlungspflicht nachkommt. Nun  habe ich hier vor Ort  die Aufgabe, ihn  aus dem Haus zu bekommen, was aber in  Schweden nicht so  einfach ist. Ich  muss mir Hilfe bei der Polizei und bei  Kronofogten -Gerichtsvollzieher- holen. Das Schlimme an  der Sache ist, dass mein Exmann meinen Sohn mit einbezieht und ihn  sozusagen als Schutzschild verwendet, er versteckt sich  hinter seinem 19 jährigen Sohn.  Mehr möchte ich darüber nicht schreiben, es sind viele private Probleme und  ich bin  es gewohnt, sie alleine zu tragen und zu lösen. So mein  ganzes Leben.

Nun  zu etwas  wirklich  Schönem. Am vergangenen Wochenende war in Vimmerby der jährliche Weihnachtsmarkt. Wir waren wieder dort und in den gleichen Räumen wie im vergangenen Jahr. Die Woche vor dem Markt war voller Arbeit, ich habe in der Küche gestanden und Gelees gekocht.

Apfelgelee, Havtorngelee-Sanddorn-, Glögggelee und eine eigene Kreation: Apfelglögg-Havtongelee mit Rosinen und Mandeln. So was von lecker, hat sich super verkauft.

Eigene Etiketten entworfen und gedruckt, dann die Gläser mit ihnen beklebt und verpackt. 75 Gläser waren schon mal bestellt, für ein Unternehmen hier.  Der Chef lässt zu Weihnachten immer Präsente für seine Angestellte packen, diesmal mit meinem Gelee in der Tüte.

Freitag früh ging es dann um 6.00 Uhr los, bloß gut, dass die Straßen nicht vereist waren, denn  meistens sind sie morgens glatt und man kommt nur langsam vorwärts. Denn dann hätten  wir noch früher losfahren müssen. Um 11.00 Uhr startete der Markt, rechtzeitig waren wir fertig und hatten die Räume weihnachtlich geschmückt. Ich hatte meine Tomtenkleidung an und es konnte losgehen.

Als persönliche Begrüßung in Astrid Lindgrens Näss kam der Neffe von Astrid Lindgren zu uns und wünschte uns zwei schöne Tage in dieser wunderschönen Umgebung. Nach kurzer Zeit kam auch noch die Nichte Barbro (geboren1937) mit ihrem Mann zu uns, um einen warmen Glögg zu trinken. Wir sprachen lange miteinander und über die Familie von ihrer Tante Astrid. Ich erzählte ihr von meinem Tagebuch, und sie gab mir die Erlaubnis, ein Foto zu machen und es hier zu veröffentlichen… Dank dem Fotografen Jürgen, der immer alles so super dokumentiert!

Die zwei Tage waren ein Erfolg, viele Besucher bewunderten die gemütlich eingerichtete Stube und den Außenbereich, den wir mit Weihnachtsbaum und Tomten liebevoll hergerichtet hatten. Schon heute freuen wir uns auf die Vorweihnachtszeit im nächsten Jahr, denn dann sind wir wieder dabei, wenn es heißt: „Weihnachtsmarkt in Astrid Lindgren Näss“.

Auch zu Haus ist Weihnachten eingezogen, die Fenster waren ja bereits geschmückt, auch steht der Baum schon. Ja, ich weiß, etwas früh, aber ich dachte, ob er nun ein paar Tage vor dem Heiligen Abend steht oder nicht, ist doch egal. Mir war einfach danach, ihn ins Zimmer zu holen und festlich zu schmücken, nun steht er da und strahlt in seiner Pracht.

Morgen werde ich Plätzchen backen, Jürgen - mein kleines Schleckermaul - wartet schon sehnsüchtig darauf. Für unseren Weihnachtsbaum, an den ich natürlich auch kleinen Schokoladenschmuck gehängt habe, brauche ich so etwas wie „Wachschutz“, damit Jürgen ihn nicht jetzt schon abnascht.

 

 

8.12.2014

 

Wir haben nun bereits Dezember, der Adventskalender hat seine ersten Türchen geöffnet. So langsam habe auch ich unser Zuhause weihnachtlich geschmückt, und in den Fenstern hängen wie in den anderen Häusern Beleuchtung und Weihnachtsschmuck. Abends werden überall die vielen Lichter angeknipst und ein Spaziergang durch die Stille macht den Kopf frei. Das ist das, was ich auch zurzeit brauche. Viele Sorgen und Gedanken, die ich nicht so richtig sortieren kann, würden zwar lange, sehr lange Spaziergänge nötig machen, aber ….weg wären sie dann trotzdem nicht.

Menschen aus meiner Vergangenheit sind wieder  präsent. Ich glaubte, sie hätten ihr Leben im Griff, aber es ist nicht so, sie zeigen mir, dass es schwer ist, einem anderen Menschen Glück und Zufriedenheit zu gönnen…

 Warum treten immer wieder Menschen in dein Leben, die es dir zur Hölle machen, Boshaftigkeiten versprühen, freundlich tun und doch Feuer spucken. Dir dein Glück nicht gönnen, weil sie kein eigenes haben...oder selbst zerstören? Bei denen die Falschheit ihrem Lächeln einen bitteren Beigeschmack verleiht und das Gesicht zur Theaterbühne macht. Die versuchen, ihre Probleme zu deinen zu machen, die Lügen verbreiten, weil sie sich selbst fern der Realität des Lebens befinden und in einer Fantasiewelt taumeln. Die die Schuld ihres Versagens auf dich schieben, sich mit deinem Leben beschäftigen, weil ihres uninteressant ist, und sie nicht in der Lage sind, ihre Dinge selbst zu regeln, und mit ihrem Handeln von ihrer Unfähigkeit ablenken.

Diese Frage beschäftigt mich seit Langem...bisher erhielt ich keine Antwort... Aber ich denke, dies gehört einfach zum Leben dazu.

Menschen, die man einst  liebten, machen dir das Leben schwer und lassen die schönen Dinge des Lebens klein werden, ganz  klein.



27.11.2014


Heute war es der erste Tag ohne Regen, wir befreiten den Grillplatz wieder von seiner ganzen Weihnachtsdeko, denn in diesem Jahr wird er nicht mehr seine Dienste tun.

Morgen habe ich 24 Gäste zum Mittagessen und zur Kaffeezeit, es ist eine Gruppe von Naturliebhabern, die eine Exkursion in den Wald machen. Die Verpflegung haben sie bei mir gebucht, aus diesem Grund musste ich das Restaurant wieder in seinen Ursprung zurück verwandeln, Tische weihnachtlich eindecken und die Weihnachtsbäume mit Lichterketten vollenden.

Da am Wochenende der 1. Advent ist, sind alle Häuser bereits weihnachtlich geschmückt. Sobald es dunkel wird, leuchten überall Sterne und Pyramiden in den Fenstern, an den Hausfassaden und in den Bäumen Lichterketten. So kommt doch schon weihnachtliche Stimmung auf. Sollte ich vor Weihnachten noch etwas Zeit finden, werde auch ich meinen Weihnachtsschmuck, der seit Jahren nicht aus dem Karton kam und eingestaubt auf dem Boden steht, in Garten und am Haus anbringen. Mal sehen, ob es was wird. Bilder davon sind dann hier zu sehen.

Am Samstag sind wir auf einem Weihnachtsmarkt in der Nähe von Vimmerby, er soll einer der schönsten Märkte der Region sein, ich bin mächtig gespannt. Dort war ich in den vergangenen Jahren noch nicht, ich habe eine Einladung bekommen, denn sie sind von unseren Produkten begeistert und möchten sie gerne mit anbieten.

Im  Fernsehen laufen die ersten Filme, die uns an Weihnachten erinnern, wie jedes Jahr  sind es dieselben Märchen, Filme und Geschichten. Darum denke ich, ich werde jetzt doch des Öfteren abends Zeit haben, um ins Tagebuch  zu schreiben. Wenn draußen die Dunkelheit herrscht, eine Tasse Glögg oder Tee neben mir auf dem Tisch steht und die Kerzenflamme ein warmes Licht abgibt, dann werde ich über die „lange dunkle Zeit“ Skandinaviens schreiben, denn immer wieder höre ich von „Unwissenden“, wie dunkel und kalt es hier ist.

Von dort, wo ich lebe, sind es nur ca.1000 Kilometer bis zu meinem ehemaligen Wohnsitz in Deutschland, aber trotzdem denkt man dort an klirrende Kälte, Massen an Schnee und ewige Dunkelheit, wenn man „Schweden“ hört.

Also demnächst etwas mehr über das Land Schweden, seinen Menschen und dem Leben in Kälte und Dunkelheit…. 



26.11.2014

 

Wie lange kann man Geheimnisse bewahren? Meines schlummerte tief verborgen 40 Jahre lang in meinem Herzen. Eigentlich fast vergessen, wurde es am 18. Oktober geweckt.

Ich hatte Klassentreffen, nach 40 Jahren Schulabschluss. Das erste war nach 15 Jahren, das hatte ich organisiert, ich hatte es mit einem Partner geplant. Das zweite war vor 10 Jahren, daran habe ich nicht teilgenommen. Zu dieser Zeit steckte ich gerade in einem Tief, privat und  beruflich. Mein Mann war damals der Meinung, Tapetenwechsel zu brauchen, und mein  Geschäft ging gerade den Berg runter, so war ich nicht in der Stimmung, mein Leben meinen Klassenkammeraden darzulegen, ich  wollte meinen Frust und meine miese Stimmung nicht an andere weitergeben.

Doch in diesem Jahr habe ich  mich  schon vom ersten Tag an darauf gefreut, nachdem ich die Einladung erhalten hatte. So fuhr ich am 16.Oktober nach Deutschland bis zu Wollis und von dort am Tag des Treffens ins „Paradies“, so heißt das romantische Gasthaus mitten im Wald im Fläming.

Ich gehörte zu den ersten Gästen, somit blieb mir ein  Auftritt vor Menschen erspart, die man 25 Jahre nicht gesehen hat und so nicht unbedingt sofort erkennt.

Doch immer, wenn jemand den Saal betrat,  fiel mir sein Spitzname ein, und ich sprach ihn damit an. Auch ich wurde von den meisten erkannt, man sagte mir ich, sei immer noch wie in der Schule, eben einfach „anders“, nur etwas älter. Man begann sich zu unterhalten, was man so macht, wo man lebt und wie das vergangene Leben  so verlaufen ist. Traurig zu hören, dass 5 unserer Klassenkameraden nicht mehr leben, aber auch das gehört dazu.

Es gab ein super Essen, lecker und geschmackvoll serviert. Getränke hatte jeder selbst gewählt. Für mich stand nur alkoholfreies auf dem Plan, da ich  mit dem Auto da war, andere hatten sich ein Taxi genommen oder wurden von  Freunden gebracht und abgeholt, so  konnten sie dem Alkohol die nötige Aufmerksamkeit widmen. So auch ……… Er hatte bereits einige Bier getrunken, dann setzte er sich neben mich und fing an, wie ein Wasserfall zu erzählen. Er begann sein Herz auszuschütten, und dann kam es. Mir wurde heiß und kalt. Der Junge von  damals, in den ich  mich vom ersten Tag an, als unsere Klassen zusammen  gelegt wurden (9. Klasse), unsterblich verliebt , aber dem ich als Mädchen das natürlich nicht gesagt hatte…-  heute lacht man über so ein Denken-, er gestand mir, dass es ihm damals genau so ging. Und so gab es eine  heimliche Liebe, die nie ausgesprochen  wurde…. bis zum 18 . Oktober 2014. Noch lange saßen wir zusammen und redeten über unser vergangenes Leben, unsere gescheiterten Ehen, unser jetziges Leben und Lebenspartner und kamen zu der Erkenntnis, auch  wir wären nicht für immer glücklich  geworden, wir sind uns viel zu  ähnlich, keine Basis für eine gute und lange Beziehung. Es war ein schöner Gefühl, ihn wieder gesehen zu haben, aber auch gut zu wissen, dass es richtig war, wie das Leben verlaufen ist.

Wir freuen uns beide auf ein  Wiedersehen, denn er will mich hier in  Schweden besuchen.Das nächste Klassentreffen ist in  5 Jahren und wo ….? Hier in  Schweden. Der Plan  läuft an.

 

 

24.11.2014

 

Regen, Regen, Regen, seit heute Morgen regnet es ununterbrochen, die Wassermassen wissen gar nicht mehr wohin. Wir kommen mit dem Auto bald nicht mehr vom Grundstück, da der Weg aufgeweicht ist und glitschig. Gestern Abend kündigte der Sturm bereits an, dass es anderes Wetter gibt, denn der Weihnachtsmarkt am Samstag  war von Sonnenschein  umhüllt, keine Wolke am Himmel, die Besucher waren nicht wie üblich im Winterkleidung gekleidet, sondern kamen eher leger daher. Nach dem heutigen Tag können wir sagen, wir haben da richtig Schw…. gehabt, denn bei diesem Wetter wären diese Besucherzahlen nicht möglich  gewesen, wir schätzen ca. 2500 Gäste in unserem kleinen Ort Bråbo.

Ich habe mir nun diesen verregneten Tag als Bürotag auserwählt. Wenn ich  aber so auf meinen Tisch  schaue… viel ist nicht geworden bisher. Zu Mittag hatte ich Ilona eingeladen, es gab Rosenkohltopf mit Lamm, na dann sitz man noch und erzählt, schnell ist eine Stunde rum und die Arbeit ist  immer noch da. Zum Kaffee habe ich einen Bananenkuchen gemacht, gegen 4.00Uhr gehen wir zu Ilona, mit unserem Kuchen. Dann wird sicher danach auch nicht mehr viel werden, aber die Papiere laufen ja nicht weg, sie werden genau an dem Platz liegen, wo ich sie hingelegt habe, und ich  tröste mich damit.

Was mache ich also mit der Wartezeit bis zum Kaffee … ich  schreibe im Tagebuch. Jürgen kann draußen auch nichts machen, so  ist auch er im Zimmer und  „verwöhnt “ mich  mit Weihnachtsmusik, die ich noch gar nicht gebrauchen kann, noch  keinerlei Stimmung in  dieser Richtung. Werde in  der nächsten Woche die Deko raus kramen und damit versuchen, die Weihnachtslaune hervor zu holen.

Heute Morgen  meldete sich  unser Wikinger bei uns und teilte uns mit, dass er mit einer Erkältung im  Bett liege, sein  Marktstand steht noch  bei uns am BEF und er machte uns eine große Freude, er schenkte uns diesen schönen handgearbeiteten Stand. Er wird mich nun auf vielen  Märkten begleiten, wenn ich  draußen stehe. Ein Hingucker, der mit Liebe gebaut wurde.

„Danke Torbjörn für dieses schöne Geschenk“.

In  den nächsten Wochen bin ich wieder viel unterwegs auf den Weihnachtsmärkten, so auch in Vimmerby in der Astrid-Lindgren-Welt. Wir werden dann wieder in der alter Küche des Geburtshauses unsere Produkte verkaufen, ich  freu mich schon  drauf, da wäre etwas Schnee schön,  denn dort gehört er dazu.

Sicher werden wir auch wieder die Möglichkeit haben, mit den Nichten von Astrid zu sprechen. Sie sehen ihrer Tante sehr ähnlich und strahlen ebenso Liebe und Herzlichkeit aus.

Da in einem Monat Weihnachten ist, sollte ich mich auch daran machen, Geschenke zu basteln, denn ich  habe in diesem Jahr vor, sie selbst anzufertigen. Ich habe da so eine Idee, von der ich glaube, dass sie gut ankommen wird. Ich berichte darüber natürlich erst nach dem Fest, denn die Augen der Beschenkten sind auch hier im Tagebuch.

Gerade schaue ich aus dem Fenster. Nicht zu glauben, was ich da sehe: einen golden leuchtenden Himmel...unglaublich  schön….. mit einen Foto davon verabschiede ich mich  für heute.

                                                           -Kaffee bei  Ilona wartet-

 

Eingang zum Restaurant
Eingang zum Restaurant

23.11.2014

 

Gestern war bei uns in Bråbo der jährliche Weihnachtsmarkt. Ein voller Erfolg, wie man so sagt. Himmel und Menschen hat  es zu uns verschlagen. Ich weiß nicht, wie viele Besucher es waren, aber eins weiß ich: alle bisherigen Zahlen, egal ob Besucher, Autos oder Marktbetreiber, die Zahlen der letzten Jahre wurden weit überschritten, sehr weit.

Etwa eine Woche dauerten die Vorbereitungen an unserm Haus vom BEF, in dem sich mein Café und Restaurant befindet, wurde zu einem riesen Marktstand umgebaut. Weihnachtliche Dekoration wohin man sah. Unsere Produkte aus unseren gesammelten Äpfeln wurden liebevoll in Geschenktüten verpackt und präsentiert. Die Verkaufszahlen überschritten unsere Erwartungen. Der Aufwand hat sich  also gelohnt.

Unser Grillplatz war ein  Hingucker. Tannengrün, Lichterketten und offene Feuerstellen schafften eine romantische Stimmung. Ich habe Gulaschsuppe und Glögg verkauft. Glögg, das ist  so etwas wie Glühwein, nur ohne Alkohol (Gibt es zwar auch mit, jedoch selten. Über das Thema Alkohol  berichtete ich ja bereits des Öfteren). Ich  habe zu unserem Apfelglögg noch ein paar Dinge hinzu gefügt. Sanddorn, Mandeln, Rosinen, frischer Apfel und Bittermandelaroma machten ihn zu einem Getränk, das die Bemerkung „lecker“ sehr oft zu hören bekam.

Jürgen  half mir wie immer bei der Vorbereitung und auch am entscheidenden Tag. Danke Schatz!

Der "Wikinger" vor seinem Stand
Der "Wikinger" vor seinem Stand

Torbjörn, unser Wikinger, war auch da. Er hatte einen Stand aufgebaut, der die alte Zeit deutlich werden ließ. Selbstgefertigte Schmuckstücke, Messer, Taschen und Handwerkzeuge bot er zum  Kauf an. In Wikingerkleidung stand er da und führte vor, wie mit einfachen Werkzeugen aus Holz kleine Kunstwerke entstanden. Für die Besucher war es ein Foto gemeinsam mit ihm wert. Er ist  einfach  cool, unser Wikinger.

Als es dunkel wurde und überall die Feuer in den Feuerschalen an den Straßenränden brannten, war die Stimmung perfekt. Weihnachten kann kommen…

 

Jetzt ist Sonntagabend…. noch 4 Wochen bis Weihnachten, die Zeit läuft. Im April nächsten Jahres bin ich vier Jahre hier, in meinem schönen  Schweden. Ich habe viel Schönes berichtet und auch von der Magie Schwedens geschrieben, wie die Natur fesselt und man immer wieder zurück kehrt, wenn man einmal hier war. Jeder vergangene Tag ist ein Tag, den ich nicht missen möchte, egal ob er Gutes oder nicht so Gutes mit sich brachte.

Ein  Tag, der Gutes mit sich brachte, war der 29. Oktober dieses Jahres. Ich  fuhr am 18. Oktober nach  Deutschland  und verbrachte dort eine aufregende Woche, es gab Wiedersehen mit Freunden und  Besuche bei meinen Kindern, Arbeit und Aufregung, einen romantischen Abend und mit Farben beschmierte Klamotten.

Ich  fuhr nämlich zu Ilona, ihr Umzug nach  Schweden stand an, 3 Jahre lang geplant und nun endlich  war es soweit. Umzugs-LKW war bestellt und  Ilona hatte bereits vor Wochen begonnen zu packen und ihre Möbel an Freunde und Bedürftige zu geben, sie hatte sich entschieden, keine Möbel mitzubringen, denn hier bekam sie diese für kleines Geld, und wenn man einen neuen Lebensabschnitt beginnt und das alte Leben hinter sich lässt, dann auch  viele Dinge, die man lange besaß. In ihrem Falle war es eben die Wohnungseinrichtung.

Dies machte mir natürlich  die Sache leicht, sie hier vor Ort zu überraschen. Jürgen und ich hatten das kleine Kaffee nicht nur zu einer Wohnung ausgebaut, sondern auch  gemalert und eingerichtet, mit Möbeln, die sie sich hier bereits gekauft hatte, bei ihren letzten  Besuchen und aus dem Haus meiner Tochter. Sie möchte nämlich ihre Ferienhäuser hier verkaufen, persönliche Gründe machen diesen Schritt notwendig, wenn sie auch traurig darüber ist, so  ist dies jedoch  notwendig. Für Ilona war dies natürlich  ein  Anlass, sich im Haus umzusehen und das eine oder andere Stück als ihr neues Möbelstück zu bezeichnen. Vor meiner Abreise nach Deutschland hatten wir also das kleine Häuschen fertig, sie konnte eintreten und wohnen …in ihrem neuen  Zuhause!

Da sie in Deutschland ein Haus zur Miete bewohnte, war es notwendig, dieses zu renovieren. Ein  gemeinsamer Bekannter hatte bereits damit begonnen und ich übernahm den Rest. Wohnzimmer, Küche, Büro und Vorratsraum warteten  auf mich. Es galt, Dinge einzupacken und  die letzten Einkäufe zu machen, jeder Tag war gefüllt  mit Aufgaben, 2 Tage habe ich mir frei gelassen, da gab es etwas für die Entspannung und ein Tag  brachte ein großes  Geheimnis an den Tag, das zwei Menschen 40 Jahre lang mit sich trugen. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich hier niederschreiben werde, nicht heute, aber bald.

Bevor ich zu Ilona fuhr, machte ich einen Abstecher zu  meinen Freunden Wollis, sie hatten im Sommer Goldene Hochzeit, da war es doch klar, dass es ein  Geschenk  von mir gab, es brachte Tränen …Freudentränen … also  voll auf den Punkt getroffen, was bei Geschenken ja nicht immer der Fall ist, auch davon erzähle ich später noch.

Die Fähre nach Schweden war für den 28.Oktoker 2014 um  23.00 Uhr gebucht. Am späten Nachmittag  sollte die Reise losgehen, das Mietauto war für 9.00 Uhr am Morgen bestellt, jedoch darin  lag der Haken. Alles war haarklein geplant, da musste doch was schief gehen und so  war es auch. Als meine Freunde vor der Autovermietung standen, war kein LKW da, der Chef des Unternehmens in Brandenburg hatte es vergessen und den Mietwagen anderweits vermietet und er war abgeholt. Auf diesem Weg danke ich diesem Herrn für die Hektik und Aufregung an diesem Tag, aber Astrid ist ja nicht dumm und findet auch hier eine Lösung. Ein  Bekannter hat in der Nähe eine Autovermietung, er musste helfen. Er brachte uns den LKW sogar nach Hause und wir konnten beladen. Von  einem Nachbarn lieh ich mir dann noch einen Anhänger und so  hatten wir in 3 Stunden alles für die Abreise verpackt und es ging los.

An der Fähre angekommen, hatten  wir noch 2 Stunden Zeit, wir dachten, na dann machen wir die Augen zu und versuchen zu schlafen. Gerade hatte ich mich in meine Decke eingekuschelt, stand Eddi am Auto, schaute zum  Fenster herein und sagte: „Du hast nen Platten“. Da er grinste, glaubte ich, er veräppelt mich, doch als ich ausstieg, sah ich, dass ein Reifen am Hänger der Mut  und auch die Luft verlassen hatten. Na, auch das wurde von uns gemeistert. Wir behoben den Schaden ruckzuck, die Wartezeit war somit verkürzt, bald danach konnten wir auf die Fähre fahren und die Reise ging los. Moni hatte einen tollen Picknickkorb gepackt, den wir schnell leer hatten. Stühle zusammen gestellt und geschlafen, na ja nicht so richtig, aber zumindest  versucht. Pünktlich  kamen  wir in Trelleborg an und es ging Richtung Småland, in meine Heimat und nun auch Ilonas….

„Herzlich Willkommen in  Schweden! Auf in das neue Leben, liebe Ilona!“

 

22. November 2014

 

Ich habe das Tagebuch wieder aufgeschlagen…mein Tagebuch.

Monate habe ich meine Leser warten lassen, dies tut mir leid, denn es war mir zu einem täglichen Ritual geworden, in meinem Tagebuch über das Erlebte des Tages zu berichten. Es gab auch vieles, über das ich hätte schreiben können, jedoch war ich nicht in der Lage, emotionslos zu schreiben. Emotionen sind zwar wichtig, jedoch nicht immer und überall und hier oft fehl am Platz.

Meine Erlebnisse der letzten Monate werde ich nun ab heute wieder nieder schreiben. Sie erzählen von Begegnungen mit Menschen, die mein Leben veränderten, Erfahrungen, die mich belehren, nicht mit allen Menschen offen zu reden, private Dinge anzuvertrauen und zu glauben, dass sie deine Freunde sind, nur weil sie dich in den Arm nehmen, wenn man sich sieht. Und  das Wichtigste: dass ich weiß, wo meine Grenzen sind, egal ob körperlich oder in Bezug auf den Tagesplan.

Von Ängsten um einen Menschen, der einem nahe steht. Von einem seit drei Jahren Geplantem, aber auch von Tagen, die mich einfach glücklich sein ließen; über Treffen, die 40 Jahre alte Geheimnisse ans Licht gebracht haben; von einem ergreifenden Abend mit einem Menschen, der Gänsehaut bereitete, so wie von Ereignissen, die mal wieder bewiesen, dass es Menschen gibt, die ich als wahre Freunde bezeichnen kann, denn sie waren sofort für mich da, als ich sie brauchte.

Geschehnisse gab es genug, einige werde ich nur kurz erwähnen, denn sie machen mich traurig und ich bin so sehr enttäuscht darüber, dass ich sie vergessen möchte, sie sind so verletzend, dass die Wunden tief sind und die Heilung sicher lange auf sich warten lassen wird.

Es gab Abschiede und Wiedersehen, es gabRegenwolken und Sonnenschein, viele schlaflose Nächte und endlos kreisende Gedanken.

Nun werde ich sie hier niederschreiben und damit hoffe ich, meinen Lesern eine Erklärung geben zu können, warum das Tagebuch so lange geschlossen blieb.



19.7.2014

 

Temperaturen von über 30 Grad, die Sonne brennt, und ich schreibe das nicht nur so, das tut sie wirklich. Da die Luft hier noch viel sauberer ist und die Strahlen der Sonne geradezu ungebremst niederknallen, ist es nur im Schatten erträglich. Die Cafégäste suchen sich die Plätze unter den Bäumen, die wenigstens etwas Schutz vor der Sonne bieten.

Hauptspeise sind natürlich Eis und unsere eisgekühlten Getränke aus der Butik. Meinen gestern gebackenen Rhabarberkuchen verachten sie aber auch nicht, das Blech ist so gut wie leer und sogar die Bananentorte fand ihre Abnehmer.

Nun haben wir ja unsere Alkohollizenz, das lockt die Gäste, sich am Abend hier in den Garten zu setzen, ein Glas Wein oder Bier zu trinken und ein Menü zu bestellen.

Ich kann mich nicht mehr so recht erinnern, habe ich von unserer Idee geschrieben, dass wir einen Brandy aus Äpfel anbieten wollen? Aus den Äpfeln, die Jürgen und ich ernteten? Wir haben es getan.

Die Äpfel hatten wir nicht alle zur Mosterei gebracht, sondern 9 Zentner brachten wir auf den Weg nach Skåne in eine Kelterei. Dort wurde aus unseren saftigen, super leckeren Äpfeln ein noch leckeres Getränk.

Eine Kostprobe von 3 Flaschen haben wir erhalten, der Rest verbleibt weitere 6 Monate in den Eichenfässern, und mal sehn, was wir dann ins Glas bekommen.Wenn die Flaschen fertig etikettiert auf dem Tresen stehen, werde ich sie hier auch mal präsentieren. Zur Verkostung müsstet ihr jedoch nach Bråbo in Småland kommen. Quartier steht bereit und kann gebucht werden. Dass es hier viel zu sehen gibt und damit meine ich vor allem die wunderschöne Natur mit ihren seltenen Pflanzen und Tiere, habe ich ja schon oft geschrieben.

 

Ich habe gegenwärtig wenig Zeit für mein Tagebuch, denn jetzt ist Hochsaison. Falls ich doch etwas freie Zeit finde, so nutze ich sie, um zuhause weiter zu arbeiten. Jürgen und ich waren schon richtig fleißig beim Bau unserer neuen Küche, der Klemptner ebenfalls, und heute kommt unsere neue - na, es ist eigentlich eine alte - Außentür dorthin, wo bisher ein Fenster war. Das wird der neue Eingang, denn an der Rückseite des Hauses soll eine kleine Terrasse angebaut werden, aber das geschieht sicher nicht so schnell, mal sehen, was meine Handwerker zu meinem Auftrag sagen. Die alte Tür muss noch etwas aufgearbeitet werden, dann kommt Farbe ran, und sie erstrahlt dann in dem schönen Blau genau wie die Eingangstür an der Frontseite.

PS: Eine neuen Zaun haben wir auch...war eine sehr spontane Aktion...davon ein ander Mal mehr.

 

 

 

13.7.2014

Sonntagmorgen, 6.00. Ich bin auf dem Weg zur Arbeit... Frühstücksbüfett für 15 Gäste machen. Ich steig aus dem Auto, alles ist still.. Nichts, gar nichts lässt das Erwachen des Tagen vermuten.

Die ganze Nacht war Sturm und Regen, ich verbrachte die Zeit zwar im Bett, konnte aber nicht schlafen. Eine innere Unruhe ließ dies nicht zu, warum kann ich nicht sagen, mal sehen, was der Tag bringt.

Vielleicht ist es aber auch die große Freude darüber, dass Ilona in zwei Wochen noch einmal für ein paar Tage nach Schweden kommt. Nun steht nämlich fest, wann sie für immer zu uns kommt. Dieser Gedanke bringt jedes Mal ein Lächeln auf mein Gesicht, die kommende Zeit wird uns gemeinsam viele schöne Stunden bescheren. Wir haben uns viel vorgenommen, was Jürgen und ich mit Ilona hier unternehmen wollen.

Keine große Reisen oder Riesenaktionen, nein kleine Dinge, solche wie einfach mal spontan ans Meer zu fahren, nach einem langen Arbeitstag gemeinsame Spaziergänge zu Orten, zu denen wir gerne fahren oder gehen. Denn wenn Freude teilen, dann mit Menschen, die dies auch erkennen.

Ilona gehört zu meiner Familie wie meine Kinder, sie ist so etwas wie meine Schwester in all den Jahren geworden. Wenn wir uns hören, wissen wir schon, ob der andere glücklich oder traurig ist, ob er Sorgen hat oder krank ist.

Es regnet schon wieder, die Wetterprognose sagte es uns voraus: den ganzen Tag Regen.. Juhu.. Die Pilze bekommen das notwendige Nass, das in den letzten Tagen bei Temperaturen um die 35 Grad aus dem Waldboden gezogen wurde. Das Moos knackte bereits vor Trockenheit unter den Füßen.

Unsere neue Küche bekommt nun auch Gestalt. Nach tagelanger Baustelle und Herausreißen beginnt nun der Wiederaufbau, Deckenverkleidung und Abwasser sind fertig, Jürgen arbeitet am Fußboden und am neuen Küchenofen, wozu bereits das neue Fundament gegossen ist und die ersten zwei gemauerten Wände stehen. Nun muss der Kollos rein, na Prost Mahlzeit, das wird eine Tortur werden, aber ich kenne es aus Erfahrung. Genau wie Wut im Bauch macht auch Freude auf etwas Neues unwahrscheinlich stark. Somit werden wir auch das meistern.

Mir ist dieses Haus so sehr ans Herz gewachsen, dass ich aber auch Jürgen jede freie Minute nutzen, um daran weiter zu arbeiten. Als hätte ich die Bäume selbst gefällt und die Bretter selbst gesägt, so liebe ich all das.

Ich habe immer wieder dieses Gefühl in mir, was mir sagt, es musste alles so kommen, wie es jetzt ist, erst jetzt bin ich, wie man so sagt, "ANGEKOMMEN". Ich sollte all die früheren Erfahrungen in meinem Leben machen, damit ich für dieses Leben hier gerüstet bin, es genießen und leben kann. Ich bin in der Lage, viele Dinge alleine zu machen, zwar nicht alles, aber ich könnte mich alleine durchs Leben schlagen (was ich bereits zwei Jahre bewiesen habe, bis Jürgen in mein Leben kam). Ich war nicht nur für mich verantwortlich sondern auch für Joel, den ich nach einem halben Jahr nachgeholt habe. Es war nicht immer einfach und so manchen Tag bin ich hungrig ins Bett gegangen, aber ich konnte mir dann sagen: "Astrid, bist selber schuld, du wolltest das so!“ Und Astrid hat geantwortet: „Ja, genau so.“

 

 

6.7.2014

Die Pilz- Saison ist nun eröffnet.... Rotkappe, Stein-und Birkenpilz, Butterpilz und die hier so beliebten Kantarellen (Pfifferlinge) schießen nur so aus dem Boden. Jeden Tag holte ich nun eine Mahlzeit für Jürgen und mich aus dem Wald, Suchen ist nicht erforderlich...wie gesagt: ich hole die Pilze.

Heute waren es so viele schon nach einer halben Stunde, dass ich schnell entschlossen mein Menü am Abend erweiterte. Zum Lammbraten, den Thymian-Kartoffeln und dem frischen Gemüse gab es nun eine Pilzsauce.

Meine Gäste bezeichneten sie als "kanongott".

Nun werde ich natürlich jede freie Minute nutzen, um in den Wald zu gehen und die leckere Frucht des Waldes sammeln.

Das Wetter ist perfekt, Regen hat den Waldboden und das Moos durchtränkt, und wenn die Sonne dann scheint, kann alles wachsen. Dann herrschen sogar tropische Temperaturen.

Gestern Abend gab es ein tolles Bild am Himmel, als ich um 22.00 nach Hause gehen wollte, denn so lange habe ich nun geöffnet, sah ich einen fantastischen Sonnenuntergang. Lichtspiele zeigten die Sonne einmal ganz anders. Wie ein brennender Himmel sah es aus, davor die Kulisse von Baumkronen und Häusern. Schön und zum festhalten magisch.

Ich stand noch lange da und sah dem Naturschauspiel zu, ich machte Fotos, bis der Apparat fast streikte. Es sind Bilder, die viele Menschen gar nicht wahrnehmen, ich kann nur jedem raten, bewahrt euch die Schönheit der Natur und nehmt sie bewusst wahr, sie gibt so viel...

 

5.7.2014

Wieder ist eine Woche vergangen.

Viel zu tun und wie seit einiger Zeit bleibt keine Lücke fürs Tagebuch.

Wir haben zu Hause begonnen, die alte Küche abzubauen, sie wird einen Ehrenplatz in unserem Außenhaus bekommen. Denn sie hat auch ihre Geschichte und, denke ich, so einiges zu erzählen, wenn sie es könnte.

Ich habe von einem Freund hier in Schweden eine Küche geschenkt bekommen. Er suchte in Schweden ein neues Zuhause und ich half ihm dabei. Da er sich in Deutschland eine gekauft hatte, benötigte er die im Haus nicht und wir konnten sie ausbauen.

Nun bekommt sie einen neuen Anstrich und wird ihren Aufgaben bei uns im Haus gerecht. Am Dienstag beginnt nun auch der Installateur seine Arbeit, Wasserleitungen verlegen und Wasseraufbereitung installieren, damit endlich warmes Wasser aus der Wand kommt.

Vor einer Woche kamen Gäste in einem der Ferienhäuser an, das ich betreue. Sie sind aus Deutschland, und vom ersten Moment an waren wir auf einer Wellenlänge. Haben viel über mich und mein Leben hier wissen wollen und verliebten sich auch sofort in dieses traumhafte Land und vor allem in diese natürliche Natur. Warum „natürliche“ Natur, na, weil hier alles so bleibt, wie die Natur es geschaffen hat, da kommen keine Maschinen und Menschen und glauben, eingreifen zu müssen. Bäche und Flüsse dürfen ihren Verlauf nehmen, wo sie sich einst ihren Weg gebahnt haben. Keiner hat den Drang, sie zu begradigen, Wiesen und Weiden trocken zu legen. Hier sind die Wiesen lange in das Jahr hinein an vielen Stellen überflutet, von all dem Tauwasser. Das bietet vielen Tieren die Möglichkeit, dort sich fortzupflanzen und zu leben.

Erst zum Sommer werden sie dann durch Öffnen von Schleusen in den Bachläufen entwässert, so dass saftige Weideflächen hervor treten. Hier gibt es keine Überschwemmungen und Katastrophen, die auf die Natur und deren Gewalten geschoben werden können, denn die Ursache dafür ist der Mensch ganz allein.

 

28.6.2014

Wochenende....

Um 6.00 klingelt der Wecker, Frühstück für den Gast im Gästehaus und dann los, um Fenster an einem Ferienhaus zu streichen. Muss bis Dienstag fertig sein, denn dann sind die Gäste da.

Aber alles kommt anders.... Ich mache meine Augen auf und schaue direkt aus dem Fenster in einen grauen Wolken verhangenen Himmel, es regnet in Strippen, so dass man keinen Hund vor die Tür jagen möchte.

Da fällt mir aus meinen Kindertagen ein Regengedicht ein. Frau Stuhlmann, eine ältere korpulente Frau, war meine Kindergärtnerin, sie lehrte uns Kindern das Lied, als ich in den Kindergarten ging. Wenn das Wetter uns daran hinderte, draußen zu spielen oder spazieren zu gehen, saßen wir im Gruppenraum in einem Kreis und hörten Geschichten, Märchen oder lernten eben Gedichte und Lieder. So auch dieses..

 

Was ist das für ein Wetter heut,

es regnet ja wie toll,

die Straße ist ein großer See,

die Gosse übervoll.

Der Sperling hockt sich unters Dach,

so gut er eben kann,

und Karo liegt im Hundehaus

und knurrt das Wetter an.

 

Von wem es ist, weiß ich nicht, doch habe ich es immer in meinem Kopf und werde es meinen Enkeln beibringen.

Heute werden PC, Handy oder TV nicht mehr aus den Augen gelassen, für Gedichte oder Lieder ist da kein Platz mehr. Egal ob Regen, Wind oder Sonnenschein, egal ob hell oder dunkel, das wird gar nicht mehr wahrgenommen. Schade oder?

Zu diesem Gedicht kann ich sogar Bildmaterial liefern aus der heutigen Zeit. Eine Elster setzte sich gestern hier bei mir auf der Terrasse auf die Bank und wartete die Regenschauern ab.

Und Emma, mein Dackel, streckt auch nur die Nasenspitze heraus, auch ihr passt das Wetter nicht, denn sonst liegt sie auf ihrer Terrasse vor der Hütte auf einer kleinen Matratze, die sie sich selbst aus der Hütte geholt hat.

Zu dem Regen kommt nun auch noch Wind dazu, somit werden sich sicher heute keine Gäste heraus wagen, abgesehen von den Touristen, die nur ein paar Tage hier sind, sie machen sich bei jedem Wetter auf den Weg, um die schöne Natur zu erkunden, denn es bleibt ihnen oft nicht genügend Zeit, um alles zu sehen. Da lassen sie sich vom Wetter den Urlaub nicht vermiesen.

Hier im Gästehaus kommen auch heute wieder neue Gäste an, sie haben einen weiten Weg bis hierher vor sich und werden sicher erst in den späten Abendstunden ankommen. Ich lass mich mal überraschen.

So, die Gäste sind da, ich habe ihnen noch ein Abendessen zubereitet, Salatteller und Kartoffelgratin und kleine deutsche Bratwürsten auf Wunsch. Ein schönes dunkles Bier dazu und die Gäste sind glücklich und somit auch ich.

Nun ab nach Hause denn morgen früh muss zeitig das Frühstück für alle auf dem Tisch stehen.

 

27.6.2014

Freitagabend und wieder ist eine Woche rum, die Zeit rennt, der Monat Juni geht zu Ende und ein halbes Jahr ist vorbei.

In diesem einen Satz habe ich die Schnelllebigkeit der Menschen, der Natur und der Ereignisse kurz vor meinen Augen gesehen. Was brachte uns die vergangene Zeit?

Einen geselligen Start ins neue Jahr, gemeinsam mit Torbjörn, unserem Wikinger und seiner Anna. Später viel Sorge um unseren Freund, als Anna sich von ihm trennte. Nun ist er wieder der Alte, arbeitet mit viel Liebe an seinen Möbeln aus der Wikingerzeit und kann wieder lachen.

Beide haben wir unsere Geburtstage in diesem Jahr hinter uns, ohne großes Fest, denn viel Arbeit und wenig Zeit ließen diese Tage fast vergessen. Ich habe mir aber fest vorgenommen, dass wir im kommenden Jahr diese zwei Tage richtig genießen.

Ilona ist dann schon hier und wir werden dann sicher an meinem sowie an Jürgens Geburtstag etwas unternehmen. Eine Fahrt nach Kalmar ins Wasserschloss könnte man zum Beispiel an Jürgens Ehrentag planen. Meinen werden wir mit einer Schlittenfahrt und Glühwein im verschneiten Småland durch die Wälder machen. Dann kam die ganze Vorbereitung der Hochzeit mit all den Problemen der Übernachtungsplatzsuche, denn so schnell mal 60 Leute ein Bett zu organisieren, war gar nicht so einfach. Die zugesagten Ferienhäuser mussten aus verschiedenen Gründen wieder aus der Buchung genommen und neue Ferienhäuser gesucht und fertig gemacht werden. Rechtzeitig war alles klar, hat mir aber so manche schlaflose Nacht beschert.

Ab und zu mal einige Bauarbeiten bei uns zu Hause und all die baulichen Veränderungen im BEF. Grillplatz, Tresen und die Zimmerumbauten so mal zwischendurch, denn zur Saisoneröffnung musste auch das alles fertig sein.

Wenn man diesen Text noch einmal in aller Ruhe liest, stellt man fest, wie oft das Wort Zeit verwendet wurde, und das, obwohl ich doch einmal geschrieben habe, dass die Menschen hier in Schweden ohne Uhr und ohne Zeit leben. Sie gehen alles ruhig und gelassen an und sind doch immer pünktlich und schaffen ihre Arbeit.

Dies gibt mir zu denken, ich muss etwas ändern, auch ich muss einen Gang runter schalten. Die Arbeit nimmt mir niemand weg, ich muss lernen, auch Arbeiten abzugeben, denn sonst bekomme ich wohl bald die Rechnung. Einmal in diesem Jahr hat es mich ja schon richtig umgehauen, lange Zeit war ich mit mir selbst unzufrieden und unausgeglichen, ohne Power und ohne Energie. (Dies sind Worte, die ich eines Morgens mal gehört habe, ich war da in diesem Moment sprachlos und das soll bei mir schon etwas heißen.)

 

26.6.2014

Heute am Abend noch schnell 4 Torten gebacken, denn da ich am Wochenende mit einigen Touristen rechne und morgen keine Zeit ist, musste ich es eben auf den heutigen Abend legen.

Morgen, am Freitag, kommt meine ehemalige Nachbarin aus Fagelfors mit ihrer Frauentruppe, sie machen oft gemeinsam Ausflüge. Vor ein paar Wochen, als wir hier das Pelagonien-Sticklings-Fest hatten, besuchte sie mich mit 2 weiteren Damen in meinem Cafe. Sie waren so begeistert, dass sie gleich einen Termin für einen Besuch bei mir machten und ein Mittagsmenü bestellten, dann haben sie im Nachhinein eine Planänderung vorgenommen und beschlossen, dass sie auch noch am Nachmittag Kaffee und Torte bei mir haben möchten. Sie werden eine Wanderung zwischen den zwei Mahlzeiten auf unseren ausgeschriebenen Wanderwegen machen.

Ich freue mich schon auf diese Gruppe, denn es sind einige dabei, die ich bereits kenne aus der Zeit, als ich mit Joel in Fogelfors lebte. Die Oma, die bei uns nebenan wohnte ,ist sehr lieb, sie lächelt immer und wenn sie sieht, dass ich mal wieder dort im Haus bin, winkt sie. Es tat ihr damals sehr leid, als ich ihr sagte, dass ich dort weg ziehe. Als ich ihr aber erklärte, wie umständlich für mich dieser tägliche Weg wäre, hat sie mein Handeln verstanden.

Nun hofft sie wie ich, dass dieses Haus bald wieder einen Bewohner findet, denn ich möchte es verkaufen, mir fehlt die Zeit. um mich darum zu kümmern. Vielleicht findet sich ja auf diesem Wege hier unter meinen Lesern ein Interessent, ich beabsichtige es preiswert zu verkaufen, da hier und da noch einige Dinge zu machen sind, jedoch habe ich es ja in liebevoller Alleinarbeit damals her gerichtet. Als Ferienhaus super geeignet, tolle Lage und nur 10 Minuten zu Fuß zum Bade- und Angelsee.

Nun aber noch etwas in einer anderen Sache. Ich bin froh und dankbar, dass in diesem Portal das „Gästebuch“ ins Leben gerufen wurde, so erfahren wir Schreiberlinge, was unsere Leser sich wünschen. So wie ich zum Beispiel… Kerstin gab mir die Anregung, auch einmal einige meiner Rezepte preiszugeben, wenn ich von einigen Gerichten schreibe, die ich gerade gekocht oder die ich in meiner Speisekarte aufgenommen habe. Ich werde dies nun ab und an tun. Wenn ich dann einmal Zeit haben sollte, werde ich mein Kochbuch endlich schreiben, in ihm sollen Schwedenkultur und Deutsche Hausmannskost von Astrids Kochlöffel und Kuchenblech vereint werden, lasst euch überraschen, ich sage, wenn es soweit ist...

 

25.6.2014

Nun, wo Fingerhut und Margerite Wald und Wiesenwege besäumen, macht es Spaß, durch die Natur zu fahren oder zu wandern. Zum Wandern bleibt mir leider keine Zeit, aber das Fahren habe ich heute in vollen Zügen genossen.

Am Morgen hatte ich einen Termin bei der Kommune in Mönsterås, nachdem ich ihn hinter mich gebracht hatte, bummelte ich einmal durch die Hauptstraße der Stadt. Ich schaute gedankenlos in die Auslagen der Schaufenster, ich hatte nicht vor, etwas zu kaufen. Der Sommer ist auch die Zeit des „LÖPPIS“, das heißt des Trödelmarkts. Na, das ist etwas für Astrid, ich finde immer etwas, ist es auch noch so klein und unscheinbar. So auch heute. Eine kleine Kupferpfanne für unseren neuen Herd in der Küche, welcher in den nächsten Wochen seinen Einzug hält, sowie eine kleine Zinkmilchkanne. Sie wurde sofort als Blumenvase für einen Wiesenstrauß genutzt.

Ich sitze das erste Mal seit langer Zeit wieder an meinem alten Sekretär, den ich bereits in Fogelfors hatte. Ich habe ihn heute geholt und auch er hat seinen Platz im nun „so-gut-wie“-fertigem Wohnzimmer gefunden. Er wird meinem Laptop einen Platz einräumen, dort wo früher Tintenfass und Feder standen. Er ist sehr alt und birgt seine Geschichte in sich. Ich bekam ihn von einem sehr lieben Menschen zur Erinnerung und immer, wenn ich daran sitze oder vorbei gehe, denke ich an ihn.

Es ist schon wieder spät, doch habe ich heute noch keinen Drang ins Bett zu gehen. Jetzt, wo das zweite Zimmer wieder wohnfähig ist – in den letzten Tagen, war das nicht so richtig der Fall –, macht es mir Freude, darin zu sitzen, ein Glas Wein zu trinken, den Ilona und Ulli beim letzten Besuch mitbrachten, ein paar Zeilen ins Tagebuch zu schreiben und dann noch einige Seiten in einem Buch zu lesen, das von der Jahrhundertwende erzählt (18./ 19. Jahrhundert ). Es berichtet von den Menschen in Schweden und Norwegen aus dieser Zeit und von deren Leben, wo die Frauen Kinder gebaren und sie in der Hungersnot wieder verloren, die ihr Leben weiter leben mussten in harter Arbeit und wo keine Zeit zur Trauer blieb. Ein fesselndes Buch, das mir zeigt, egal wie hart einen das Schicksal trifft, es geht weiter, weiter und weiter…

 

24.6.2014

Dienstagabend, ich hatte bereits vor, ins Bett zu gehen, denn der Tag war arbeitsreich und ich bin müde. Jürgen hatte sich bis eben das Fußballspiel angesehen, nun kam er auf die Idee, doch noch zu laufen, zwar nur 10 Kilometer, aber für mich wäre jeder Schritt zu viel.

Nun werde ich warten, bis er nach Hause kommt und diese Zeit nutzen, um im Tagebuch zu schreiben. Wieder ist ein Tag mit Regenschauern und kurzen Gewittern zu Ende gegangen, es ist wie gestern kalt und ungemütlich. Man sollte im Ofen Feuer machen, denn wenn man so im Zimmer sitzt ist es kalt, jetzt habe ich eine Decke um die Schultern und dicke Socken übergezogen.

Mache mir schnell einen Tee und dann schreibe ich weiter, Moment….. so, bin zurück. Hatte vor einer Weile in Kalmar in einem Teegeschäft ganz viele leckere Tees entdeckt, die ich nicht kannte, habe mir 3 verschiedene gekauft und bereut, dass ich nicht noch weitere gekauft habe, denn alleine der Geruch beim Öffnen der Tüte ist vielversprechend. Und genau so schmeckt er auch.

Gerade kommt Jürgen zurück, er erzählt mir, dass er unterwegs wieder einen großen Pilz entdeckt hat, fast an der Stelle, wo ich vor kurzem einen Elch begegnet bin. Ein stattlicher Elchbulle überquerte die Straße in aller Ruhe, nachmittags gegen 15.00Uhr.

Das wären dahin etwa 3 Minuten Fahrt, somit machte ich mich um dreiviertet Zehn am Abend auf den Weg, um diesen Pilz zu holen, einen großen Birkenpilz. Ich habe ihn nun noch geputzt und in den Kühlschrank gestellt. Morgen Abend gibt es neue Kartoffeln und Rührei mit Pilze.

 

23.6.2014

Seit gestern könnte man vermuten, dass wir Herbst haben, kalt und regnerisch ist das Wetter. Vor einigen Tagen wusste man nicht, wie man sich eine Abkühlung verschaffen sollte und nun ist wieder Jackenwetter. Der Himmel ist grau, dann kommt wieder mal die Sonne hervor, plötzlich pfeift Wind um die Hausecken, dass es einen fast davon weht. Da sage noch einer "Sommer", wir hatten doch gerade den Startschuss des Sommers, wo ist er?

 

Bereits vor einer Woche hatten wir ja einen Irrläufer der Natur, einen Pilz...riesig und wohlschmeckend.

Jürgen und ich waren unterwegs, wir hatten auf dem Anhänger eine Dusche geladen, nach einigen Kilometern wollte Jürgen sehen, ob noch alles gut verschnürt ist. Er hielt am Wegesrand an, mitten in einem Waldstück, dicht bewachsen mit sattgrün getränkten Tannen. Am Wegesrand dicke Moospolster und wuchernde Farnwälle.

Ein Bild wie im Märchenbuch. Ich stieg aus dem Auto aus, weil mich eine große Scheibe auf der anderen Straßenseite auf sich aufmerksam machte. Ich glaubte an eine dicke Baumscheibe, aus der sich doch sicher mal wieder etwas machen ließe.

Ich ging über die Straße und traute meinen Augen nicht: ein Pilz, riesengroß.

Ich kämpfte mich durch den hohen Farn, der den Straßengraben nicht mehr erkennen ließ. Ich pflückte den Pilz und das Abendessen war gesichert. Eine Rotkappe, fester Stiel, keine Made. Eine dicke fleischige Kappe würde sich sicher mit Zwiebel und Sahne gut neben der Hähnchenbrust machen.

Kaum zu Hause angekommen, machte ich mich an die Zubereitung der Mahlzeit und wie vermutet war sie absolut lecker.

 

Der Kachelofen in "neuer Umgebung"
Der Kachelofen in "neuer Umgebung"

22.6.2014

Mein Laptop ist kaputt, ich habe kein Schreibprogramm, mit dem ich in meinem Tagebuch weiter schreiben kann. Daher geht es auf Umwegen weiter...über eMail ins Tagebuch...

„Man kann noch so dumm sein... man muss sich nur zu helfen wissen.“

So die Worte meines Vaters, wenn ich vor ihm stand und fragte, wie soll ich das machen, es geht nicht, wie ich es mir dachte. Dann kam der Spruch und so etwas wie eine Bedenkzeit, bis ich die Lösung selbst gefunden hatte.

Ich bin zur Zeit nicht gerade „entschleunigt“, ich renne von einer Arbeit zur anderen, fahre dann schnell mal für zwei Tage nach Deutschland, eine Nacht hin, die andere zurück … hab ja weiter nix zu tun.

Nun mal im Ernst. Die große Hochzeit, die viel Zeit, Arbeit, aber auch Nerven kostete, ist vorbei, hatte super funktioniert, das Essen stellte alle voll zufrieden, die Übernachtungen waren auch perfekt organisiert, so dass die Übernachtungsgäste morgens gar nicht aus den Betten wollten und der geplante Brunch für 80 Personen somit sich auch noch von 8.30 bis 15.00 hin zog. Die Küche wurde von Jürgen sauber gehalten, das Spülbecken und er sind sich nun ganz „dick“. Petra, eine liebe Freundin, half mir bei der Bedienung und beim Auffüllen des Buffets.

Verschnaufpause gab es nicht. Gleich, nachdem das Restaurant wieder sauber und aufgeräumt war, stand das nächste große Essen auf dem Plan. Mittwoch um 12.00 Uhr 48 Personen, 3-Gänge-Menü, danach Kaffee und Kuchen. Hinterher gemütliches Zusammensein bis 17.45 Uhr. Die Zeit rannte, denn um 23.00 Uhr ging meine Fähre nach Deutschland, und 380 Kilometer trennten mich und das Schiff. Die Fahrt dorthin verlief entspannt. Zuvor noch kaputt und müde, saß ich nun locker am Steuer, ich konnte das auch sein, denn ich wusste, dass Jürgen die Küche und das Chaos, das ich hinterlassen hatte, von ihm voll beseitigt wurde.

 

Der nächste Tag war mit einer Sternfahrt durch Deutschland ausgelastet. Natürlich lag der Besuch meiner besten Freunde und - ich will mal sagen: so etwas wie meine Ersatzfamilie - bei Wollis auf dem „Muss-Plan“. Es sind für mich mit die wichtigsten Menschen in meinem Leben, neben meinen Kindern, Ilona und Jürgen. Sie nehmen ständig teil an meinem Leben, sie machen sich Gedanken und Sorgen um mich, wenn sie eine Weile nichts von mir gehört haben, und somit war es für uns alle gut, dass wir uns wieder gesehen und mal wieder herzhaft gelacht haben. Es tat uns gut und gibt neue Kraft.

Sie staunten darüber, wie und was ich alles mache, ich aber im Moment auch...glaubt mir.

Denn es gab hier einige Ereignisse, die Nerven und viel Kraft gekostet haben.

Nur ganz kurz, will nicht näher darauf eingehen, denn es ist ein Erlebnis, das ich aus meinem Leben streichen möchte......

Ich habe mal wieder einem Menschen vertraut und an ihn geglaubt. Dieser Mensch ist jedoch nur darauf aus, anderen weh zu tun, Streit und Hass in die Welt zu setzen... Warum gibt es solche Menschen? Ich glaub, ich kann es sagen .... Sie sind mit ihrem Leben unzufrieden und unglücklich, gönnen anderen ihr Glück nicht und versuchen funktionierende Beziehungen zu zerstören, was auch fast gelungen ist. Lügen und Intrigen waren an der Tagesordnung, alles Dinge, die ich in meinem Leben in Schweden nicht mehr kannte.

Diese Person wurde jedoch aus unserem Leben hier wieder weg geschickt, zurück woher sie kam. Ruhe ist wieder eingekehrt!

Zwischendurch habe ich mir auch mal kurze Gespräche mit den Gästen aus Deutschland gegönnt, es sind Gäste, die ich zu meinem Bekanntenkreis aus meiner früheren Zeit mit in mein neues Leben genommen habe, denn es sind nicht viele über geblieben. Sie kamen um mich hier zu besuchen, wohnten hier in der Nähe oder sogar im Gästehaus, und so konnten wir wenigsten ab und zu ein paar Worte wechseln.

 

Als ich von Deutschland wieder zurückfuhr, ist Ilona mit unserem gemeinsamen Bekannten mit nach Schweden gekommen, zwar wieder nur für 3 Tage, aber die haben wir zusammen verbracht. Ich habe mir „frei genommen“. Auch das brachte Probleme, aber wozu gibt es diese... um sie zu lösen natürlich.

An einem der Tage fuhren wir nach Tuna in den Elchpark, mit einer Safari Fahrt, also Elche „fellnah“, zum Anfassen und „Knutschen“, was ich auch tat.

Jetzt ist Ilona wieder zurück in Deutschland und beginnt ihr neues Leben zu planen und zu organisieren. Wir auch.

Das kleine Café wird zu einem Wohnhaus umgebaut, die alte Fassade wird wieder hergerichtet, im Innenbereich werden Zimmer entstehen und eine Terrasse kommt im nächsten Jahr ans Haus, dann kann „meine Ilona“ nah bei uns sein und auch endlich etwas kürzer treten, denn sie ist ebenfalls ein Mensch, der sich selbst hinten anstellt. Zum Jahreswechsel soll ihr Reich einzugsbereit auf sie warten.

Nun habe ich mal einige Gründe geschrieben, warum ich so lange nicht von mir habe hören lassen. Bei so viel Arbeit und Ärger bleibt das Schreiben auf der Strecke. Schlechte Laune und Müdigkeit sind keine gute Basis. Mir fehlte die Lust und wenn ich geschrieben hätte, wäre es nicht mehr mein Tagebuch, sondern eine Ablage von traurigen und freudlosen Gedanken gewesen.

 

Seit drei Tagen habe ich wieder Lust und Laune etwas Neues zu tun, also ging es an die Arbeit. In dem kleinen Wohnzimmer zu Hause verändert sich gerade viel, ganz viel, dieser Raum wird eines Tages die Verbindung von Küche zum Wintergarten sein, also so etwas wie ein „Durchgangszimmer“. Nun kam mir der Gedanke, in diesem Raum alte schwedische Geschichte zu zeigen, was bietet sich da nicht besser an als die Wände.

Farbe und Pinsel raus und los ging es, Ideen habe ich ja zu tausenden im Kopf, schnell mal durchgekramt und schon war das erste Bild fertig.

Jürgen saß sehr skeptisch im Raum und konnte sich gar nicht vorstellen, was ich da wohl mache. Jetzt, wo die ersten Bilder ihren Rahmen haben, sagt er: „Unser kleines Museum ist schön. Ich werde der Pförtner und verteile die Eintrittskarten“.

Heute am Vormittag half er mir, die ersten Leisten anzubringen, am Abend geht es weiter. Da hier ja Mittsommer war und keine Menschenseele zu dieser Zeit auf der Straße ist, auch nicht ins Café geht, habe ich es kurz entschlossen diese zwei Tage zugelassen und mich meiner Malerei gewidmet.

In den nächsten Tagen kommt dann der Fußbodenbelag ins Zimmer, die neu angestrichenen Möbel an ihren Platz, und wieder ist ein Raum fertig.

Dann geht es ans Badezimmer, denn das ist sehr wichtig, der Winter kommt ja wie jedes Jahr überraschend und dann wäre es schon schön, wenn warmes Wasser aus der Leitung käme und nicht Eiswürfel...

 

15.5.2014

Drei Jahre lang war mir die Entfernung zwischen meinen Freunden nicht so bewusst wie heute…

Was sind 1000 Kilometer, man plant einen Besuch, setzt sich ins Auto und fährt los, ein paar Stunden- und man steht sich gegenüber, nimmt sich in die Arme und sagt: Na, die paar Kilometer sind doch kein Problem.

Was ist aber, wenn man nicht planen kann, weil Dinge geschehen, die sich nicht planen lassen.

So der Tod. Die Mutter meiner Freundin war zwar seit einiger Zeit krank, sie war in einem Alter, wo man an den Tod denkt, jedoch nicht weiß, wie nahe er sein kann. Vor zwei Tagen rief man meine Freundin an und man teilte ihr mit, dass die Mutter im Sterben läge. Nach einem Besuch bei ihr teilte sie mir mit, dass es nur noch eine Frage von Stunden sei.

Bereits da wäre ich gerne an ihrer Seite gewesen, um sie in den Arm zu nehmen, um einfach in diesen Stunden bei ihr zu sein. Nun ist die Mama heute eingeschlafen, meine Freundin muss mit dieser Situation alleine fertig werden, die erforderlichen Schritte alleine erledigen und das Schlimmste: alleine in ihrer Wohnung sitzen und alleine weinen. Ich bin nicht in der Lage, sofort ins Auto zu steigen und zu ihr nach Deutschland fahren, viel Arbeit, Veranstaltungen und die Vorbereitung der 3tägigen Hochzeitsfeier lassen dies nicht zu.

Ich wollte in dieser Zeit bei ihr sein, ich hatte es ihr versprochen, kann dieses Versprechen nicht halten und fühle mich schlecht dabei….

 

 

10.5.2014

Kurz nach 5.00 Uhr morgens, seit Stunden drehe ich mich von einer Seite auf die andere. Ich kann nicht schlafen, also werde ich diese Zeit für mich und mein Tagebuch nutzen.

Wochenlang habe ich nichts von meinem Leben erzählt, der Grund war fehlende Zeit, und wenn ich ehrlich bin, auch etwas fehlende Lust. Sonst habe ich mich schon am Tage darauf gefreut und hatte in Gedanken das, was ich niederschreiben werde, im Kopf, wenn auch meistens das, was am Ende da stand, während des Schreibens so auf die Tastatur floss.

Dass es diesmal anders war, hatte den einfachen Grund, dass mein sonst so schönes Leben etwas aus den Fugen geraten war. Langsam, ganz langsam kehrt es in seine Bahn zurück. Meine Gesundheit hat wohl erkannt, dass sie mich nicht klein bekommt. Sie kommt zurück und wenn auch hier und da noch Baustellen sind, glaube ich, dass auch mein Körper jetzt in den Frühling startet.

Ich hatte geschrieben, dass der Bau eines Grillplatzes rechtzeitig zur Grillsaison fertig sein sollte… und er ist es. Am vergangenen Wochenende wurde der Grill das erste Mal angeheizt. Es gab unsere jährliche TIPS-PROMENAT. Diese findet jedes Jahr zu dieser Zeit statt, es ist ein Ereignis, das sich durch viele Gebiete Schwedens zieht. Wir würden dazu Schnipseljagd sagen. Groß und Klein macht mit, Wege werden erkundet, Fragen beantwortet und am Ende gibt es Kaffee, Kuchen, Tees, Säfte und eine „Grillwurst“. Es gibt natürlich auch Gewinner und diese erhalten kleine Präsente. Das Wetter spielte mit, zumindest für die Wanderung durch die schöne schwedische Natur. Bei uns am Grillstand wehte ein kräftiger Wind, er sorgte für kalte Füße und als Folge ein paar Tage „Unwohlsein“. Auch im Garten hatte ich meine mir gestellten Aufgaben soweit geschafft, hier und da noch ein paar Kleinigkeiten, die Judith übernommen hat, und dann ist er fertig.

Wochen ohne Regen sorgten dafür, dass die Blumen nicht so richtig wachsen wollten, doch nach den letzten Tagen, die uns viel Wasser von oben brachten, zeigen auch sie sich in leuchtenden Farben. Die Vielfalt der Schmetterlinge ist groß. Dicke Hummeln durchkreuzen ihre Flugbahnen, man wundert sich, dass es keinen Zusammenstoß gibt, zumindest habe ich noch keinen beobachtet.

Reges Treiben in der Natur lässt daraus schließen, dass der Nachwuchs da ist. Egal ob in der Luft oder am Boden, überall ist junges Leben, oft klein und unscheinbar und erst bei genauerem Hinsehen zu erkennen, oder bei den etwas größeren Tieren, wie zum Beispiel bei den Elchen. Was wiederum zu besonderer Aufmerksamkeit im Straßenverkehr aufruft. Wenn auch die noch wackligen auf den Beinen stehenden Kälber laufen und springen können, ist ein Zusammenstoß für sie tödlich. Erst wenn sie groß genug sind, gewinnen sie den Kampf gegen Mensch und Auto.

Gestern Morgen hat der erste Kuckucksruf die Sonne aus ihren Schlaf geholt. Dazu gibt es eine alte Bauernregel, sie fiel mir sofort wieder ein, denn sie ist ein Teil meiner Kindheit….

Mit dem ersten Rufen des Kuckucks darf der Schinken in der Räucherkammer angeschnitten werden. Auch bei uns zu Hause war es so, das war so etwas wie ein Gesetz. Bis zu diesem Zeitpunkt durfte nur der Schinken des Vorjahres gegessen werden, insofern noch welcher vorhanden war. War meistens natürlich nicht, denn der war richtig lecker. Selbst geschlachtet, selbst gewürzt und geräuchert, da bleibt doch nichts liegen oder hängen und schon gar kein Schinken. Dies ist etwas, was ich aus meiner Kindheit vermisse. Es waren immer harte Tage, wenn es hieß: „Wir schlachten!“ Abgesehen davon, dass es ein Schwein war, das ich morgens und abends gefüttert und ..lacht nicht…mit dem ich geredet hatte, gab es viele Vorbereitungen für diesen Schlachtetag und der Tag selbst war anstrengend, aber schön, und die Aufräumarbeiten sowie die ganze Arbeit des Einweckens hätte ich gerne an andere abgegeben, doch war kein anderer da…. Aber zum Essen saßen alle brav am Tisch. Tja das ist der Nachteil, wenn man zu Hause wohnen bleibt und die Kleene ist.

Ich freute mich als Kind und auch später als junge Frau darüber, wenn Freunde kamen und die leckere Wurst lobten, denn das war eine Bestätigung dafür, dass mein Patenonkel Heinz da etwas Tolles vollbracht hatte und ich da mitmischen durfte. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn bei der Mischung der Wurstzutaten war ich dabei, mit Riesenspaß und immer guter Laune.

So, nun habe ich so viel vom Schlachten und vom Schinken geschrieben und das nur, weil ein Vogel diese Erinnerungen in mir weckte. So ist es oft. Kleinigkeiten, ein paar Worte, Musiktöne oder Bilder können uns Vergangenes hervorrufen. Manchmal zaubert das ein Lächeln hervor, manchmal aber auch Tränen.

 

 

 

8.5.2014

Hier kurz der Grund, warum ich seit einiger Zeit nichts geschrieben habe:

Vieles ist geschehen, Schönes, Interessantes, Stressiges und Kraft Zehrendes.

Einige Dinge gibt es, über die ich nicht schreiben werde, sie nahmen mir viel Kraft und Freude, aber sie sind vorbei. Denn nur wer an das Gute glaubt, kann auch die schlimmsten Attacken des Lebens überstehen, so auch ich.

Gesundheitlich hatte es mich total aus den Fugen geschmissen, ich verspürte nicht einmal Lust, in meinem so geliebten Tagebuch zu schreiben. Aber auch da bin ich auf dem Weg der Besserung.

Im Moment weiß ich nicht, wo mir der Kopf steht, jeden Tag volles Programm im BEF und 2mal in der Woche abends Schwedischunterricht, an den anderen Tagen entweder etwas fürs BEF oder das Café: Lehrgang, Kurs oder Schulung. Es gibt viele neue Gesetzesregelungen, die ich als Einwanderer kennen muss. Dazu kommt noch die Schulung für die Alkohollizenz. Zwischendurch Autofahrten, die auch nicht gerade um die Ecke sind, um Material ran zu holen für die Arbeit am Haus.

Heizung, Küchenherd, Küchenmöbel, Badeinrichtung – das alles sorgt dafür, dass wir abends fix und fertig ins Bett fallen. Auch meine Freunde kommen zu kurz...

Gestern und heute Nacht hat es geregnet, das tat Not, denn die Wälder rochen bereits nach Feuer, es war Waldbrandgefahr ausgerufen. Nachdem die Natur das Wasser wie ein Schwamm aufgesaugt hat, ist das Gras sattgrün und die frischen Triebe der Bäume leuchten zartgrün. Balsam für die Seele.

Der Frühling ist die schönste Zeit, das neue Leben in Natur und in der Tierwelt lässt mich auf etwas Ruhe für mich hoffen, ich werde mir auch wieder einfach mal Zeit nehmen: NUR FÛR MICH.

 

 

 

9.4.2014 Randbemerkungen

 

Die Welt da draußen schläft, es ist gerade 2.00 Uhr, Durch die unsagbare Stille ist nur das Singen eines Vogels zu hören. Auch er kann scheinbar nicht schlafen.... Als ich hierher kam, es waren am 1.April genau drei Jahre, hatte ich oft solche Nächte, schlaflos, aber nicht müde..... Dann zog ich mich wieder an und machte mich auf den Weg, hinaus in die verzaubernde Ruhe Schwedens. Sollte ich das heute auch tun?

Warum liegt man im Bett, unruhig sich hin und her drehend, wenn es die Möglichkeit gibt, diese Welt einen Moment für sich alleine zu haben...

In dem Sinne... Schlaft schön weiter... Ich bin dann mal weg!

 

Heute Morgen war ich noch ein armseliges Etwas aus dem Baumarkt, nun bin ich nach stundenlanger liebevoller Behandlung das neue Werbeschild für "Bråbo Gästhus och Astrids Café & Restaurang“. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Tagen an meinen geplanten Platz komme, dann dürft ihr mich alle bewundern, ich freu mich auf euch.

Bis dahin macht`s gut...

Das Brett

 

Als ich ihn das erste Mal sah, stellte ich mir viele Fragen:

Wie alt möge er sein, was kann er mir aus seinem Dasein berichten, mit wie vielen und wie oft ist er hinaus gefahren auf den See, wie viele Fische brachte er nach Hause, hat er romantische Stunden erlebt, wurde er nur benutzt oder auch geachtet, gab es jemanden, dem sein Zerbrechen auffiel, gibt es jemanden, der ihm für seine Arbeit dankte.....?

Ich denke schon.... Denn seine Zeit war eine andere.

 

25.3.2014

Auf jede Frage gibt es eine Antwort.

Nicht immer bekommt man sie gleich, oftmals vergehen Jahre, ich jedoch habe nach nur zwei Tagen,

auf die Frage nach dem Sohn erhalten, welcher der Grund für die Pflanzung der fast hundertjährigen Eiche war.

Er hieß Jan- Erik Nuberg und wurde um 1930 geboren. Da lag ich mit meiner Schätzung der hundert Jahre ja gut.

Der kleine Ort, eine Ansammlung von kleinen Farmen, gehörte damals zu Libbehult und hieß Huggebo, entstanden um 1800. Wie viele Häuser dazu gehörten, weiß ich noch nicht, aber wenn das Wetter eine Erkundungstour zulässt, werden wir sie unternehmen, verbunden mit einem Picknick. Tommy kommt auch mit.

Bis 1930 lebte auf dieser kleinen Farm der Bauer mit seinem Sohn. Nach dem Tod des Vaters hat Jan Erik sein Elternhaus in mühevoller Arbeit abgetragen und an einem anderen Ort wieder errichtet. Und ich kann auch genau sagen wo: in Bråbo im Bereich Applekulla. Dort lebte er mit seiner Frau bis zu seinem Tod im Herbst 2012.

Seine Frau hat es im vergangenen Winter an einen entfernten Verwandten weiter gegeben, so dass es in der Historie der Familie bleibt.

Es hat sich für mich wieder bestätigt, dass sich viele Fragen von selbst beantworten, wenn man nur ein wenig Interesse an deren Beantwortung behält.

 

 

 

24.3.2014

Spuren der Vergangenheit…. Am Sonntag war das Wetter super, Sonne satt und eine Luft, die man einatmen muss. Klar und voller Energie.

Am Nachmittag kam Jürgen auf die Idee, zum See zu fahren, den ihm Tommy vor einiger Zeit beim Jogging gezeigt hatte. Nachdem wir mit dem Auto in Richtung Libbehult gefahren waren und Jürgen einen Platz gefunden hatte, um das Auto zu parken, machten wir uns zu Fuß auf, um in einen Waldweg einzubiegen. Emma freute sich sichtlich, mal wieder einen Spaziergang mit Frauchen zu machen. Brav und ohne an der Leine zu zerren, lief sie neben uns her. Auf einmal blieb sie stehen, stellte ihre Ohren auf und blickte in das Dickicht des Waldes. Auch wir blieben stehen und lauschten, was da wohl sei. Elch, Fuchs oder Wildschwein, alles ist in dieser Gegend anzutreffen. Es hämmerte in der Baumkrone eines alten Baumes, ein Schwarzspecht war an der Arbeit. Erstaunlich mit welcher Kraft er den spitzen Schnabel in das Holz schlägt. Würden wir unseren Kopf so gegen Wand oder Baum schlagen, oh Mann, wie viele Schmerztabletten brauchten wir danach.

Wir gingen den dicht mit Moos bewachsenen Weg weiter. Nach einer Weile hörte ich das Plätschern eines Baches. Wir folgten dem Weg, dann kam eine Brücke, sie ging über den Bach. Nach einer Biegung konnten wir durch das Grün der Tannenbäume den See erkennen. Ein traumhafter Anblick. Die Sonne ließ ihn silbern glänzen. Um das gegenüberliegende Ufer zu sehen, mussten wir gegen die Sonne schauen. Die Felsen und Bäume gegenüber erschienen wie eine schwarze Kulisse. Schön, einfach schön. Bilder, die danach verlangten, an einem anderen Tag näher erkundet zu werden.

Direkt am Ufer, dicht mit Moos und Gras bewachsen, lag ein alter vermoderter Kahn. Wie oft mochte der Besitzer damit auf den See hinaus gerudert sein und hatte für seine Familie Fische geangelt. Wie alt waren wohl der Kahn und der Mann, als sie zum letzten Mal hinaus fuhren? Ich hatte Bilder vor meinen Augen, die mir das Leben von damals näher brachten.

Nachdem wir den See verlassen hatten und durch den Wald den Heimweg antraten, sahen wir auf dem Weg, den der Regen der vergangenen Nacht mit lehmvermischter Erde überspült hatte, viele Fährten. Reh, Hirsch, Fuchs, Wildschwein und mindestens zwei Elche nutzten ihn, um an den See hinunter zu gelangen. Ca. 300 Meter führte er zwischen großen Felsen hindurch, Spuren aus einer Zeitepoche unserer Erde und vor allem Zeichen ihrer Kraft.

Zurück auf dem Hauptweg kamen wir an einen Platz, wo einst einige Häuser gestanden hatten. Nichts war mehr von ihnen zu erkennen. Nur die Grundstücksbegrenzungen aus den typischen Steinmauern oder den alten Zäunen aus Wacholderstämmen erzählten vom damaligen Leben. Sie haben schon so viele Jahre überstanden, sie werden noch viele weitere überstehen und aus vergangener Zeit berichten. Mitten auf einem Hügel entdeckten wir eine große alte knorrige Eiche, vermutlich wurde sie gepflanzt, als ein Sohn auf dem Hof geboren wurde, denn dies ist ein Ritual, das sehr lange hier in Schweden erhalten blieb.

Nun stelle ich mir die Frage: Lebt dieser Sohn, der bereits sehr alt sein muss noch, lebt er hier in seiner Heimat oder zog es ihn weg in eine andere Region?

Eine Frage, die ich sicher nie beantwortet bekomme.

 

 

20.3.201

Frühlingsanfang, so zumindest auf dem Kalender. Ich habe seit Tagen das Gefühl, dass er längst Einzug gehalten hat. Ich schrieb ja, dass ich mit der Gartenarbeit angefangen habe. Im Normalfall würde man mich für verrückt erklären, wenn ich sage, dass ich im März in Skandinavien den Garten vorbereite, denn um diese Zeit sollte es noch sehr kalt sein, wenn nicht sogar Schnee liegen. Im letzten Jahr hatten wir bis zum Mai die weiße Pracht.

Nun ist aber das Gras schon saftig grün. Das Moos hat in den letzten Tagen wie ein Schwamm das Regenwasser aufgesaugt und die Kissen im Wald ergeben zusammen mit den flechtenbewachsenen Felsen eine Kulisse, die zu einem Spaziergang durch die erwachende Natur lockt. Wenn Sonntag das Wetter schön ist und den Frühling noch näher bringt, werden wir einen Spaziergang machen.

Morgen arbeiten wir am Grillplatz weiter, Joel ist auch hier, er kann mit dem Streichen beginnen und ich werde mein Blumenbeet mit Erde auffüllen und die Blumen an ihren geplanten Platz bringen. Am Morgen habe ich erst in der Küche meine Aufgabe. Tommy hat ein Treffen mit naturbewussten und intensiv an deren Erhaltung arbeitenden Bürgern. Sie planen Aktivitäten in diesem Jahr für die Touristen, die extra hierher kommen, um Pflanzen und Insekten, Vögel und Bäume zu sehen, die selten geworden sind und als ausgestorben gelten.

Auch ich habe viele Pläne in meinem Kopf, um Natur und Gastronomie zu kombinieren. Da fällt jedem das übliche Picknick ein, nein, das ist nicht mein Plan, ich denke an andere Überraschungen für unsere Wandergruppen. Ich verrate mal noch nichts. Wenn es hier richtig los geht und die Saison startet, werde ich darüber berichten und wie es bei meinen Gästen angekommen ist.

Und nun zu einer Neuigkeit…. Ich habe doch von einer jungen Frau geschrieben, die mein Tagebuch im Internet entdeckt hatte, darin las, neugierig wurde und sich sofort entschloss, herzukommen und sich selbst vom Wahrheitsgehalt meines Tagebuchs zu überzeugen. Schon nach einem Tag war sie es, sie fuhr schweren Herzens nach 4 Tagen zurück, nun kommt sie am Sonntag wieder und ... bleibt. Für wie lange weiß noch keiner. Jedenfalls hat sie in Deutschland alle bürokratischen Dinge geregelt, um für immer hier zu bleiben. Sie wird mich im Café und Restaurant unterstützen. Für sie soll eine kleine Wohnung ausgebaut werden. Also an Arbeitsmangel leiden wir nicht und wir versuchen, es ihr gemütlich zu machen. Sonntagabend kommt sie an und dann hat sie einige Tage Zeit „zum Ankommen“.

 

 

19.3.2014

Ich habe ein ganz schlechtes Gewissen… .Lange Zeit keine Zeilen in meinem Tagebuch. Nun, denke ich, wird es aber Zeit, dass ich die Feder schwinge.

Viel ist passiert. Der Frühling kommt mit großen Schritten und zwingt mich, die geplanten Arbeiten, die ich für die nächsten 8 Wochen angedacht hatte, in nur 3 bis 4 Wochen zu erledigen.

Der Grillplatz, die Blumenbeete, die Kräuterspirale, das Aufstellen der Gartenmöbel, das sind nur ein paar Dinge, welche in den nächsten Tagen erledigt werden müssen. Blumenbeet und Grillplatz sind in Arbeit. Am Wochenende geht es weiter. Am vergangenen Samstag sollte es noch einmal etwas Winter hier werden, Schnee war angekündigt, es kam jedoch Regen und somit war die Erleichterung groß, denn ich hatte bereits befürchtet, dass es noch einmal weiß draußen wird und angefangene Arbeiten liegen bleiben, was ja nun absolut nicht mein Ding ist. Morgen habe ich einige Termine, so dass ich nichts draußen machen kann, aber am Samstag geht es weiter, es soll ja warm werden.

Um 6.00 Uhr morgens wird es hell und der Gesang der Vögel zeigt, dass auch sie an die warme Zeit glauben. Egal ob Elster oder Meise, alle sind eifrig dabei, ihre Nester zu modernisieren und für den Nachwuchs herzurichten. Direkt vor dem Fenster meines Büros im Restaurant begann vor ein paar Tagen ein Elsternpaar in einem Birnenbaum mit dem Nestbau. Da es hier in der vergangenen Woche einen mächtigen Sturm gab, liegt das Baumaterial direkt vor der Tür oder - sage ich mal - direkt unter dem Baum. Aber nicht jeder Zweig gefällt der Frau Elster, er schleppt rann und sie verweigert die Annahme und er muss es wieder wegbringen oder einfach fallen lassen.

Wusstet ihr, dass Elstern ihr Nest mit einem Dach versehen? Es schützt etwas vor Regen und Wind. Das wusste ich bis vor einiger Zeit auch noch nicht, aber wie sagt man so schön…man lernt nie aus! Ich denke, bei dem Bautempo drängt die Dame des Hauses, dass der Neubau fertig wird, denn das erste Ei soll wohl ins Nest.

Zu Hause sind auch unsere Grünspechte fleißig bei der Arbeit. Die alten Ameisenhügel wurden durchlöchert. Nur wo die Ameisen auch wieder an die Oberfläche kommen, sitzen die Spechte in dem Zweigen über dem Hügel in Lauerstellung und stürzen sich auf das Gewimmel. Wenn ich das Spechtpaar so beobachte, vermute ich, dass sie direkt in dem Baum über ihrem gedeckten Tisch ihre Bauplanung beginnen. Es ist schön, endlich wieder das Treiben in der Natur zu sehen und hören.

Für mich ist das Erwachen der Natur aus ihrem Winterschlaf die schönste Zeit. Täglich entdeckt man etwas Neues im Garten. Egal ob Krokus oder Osterglocke, die leuchtenden Farben sind bereits von weitem zu sehen. Ich habe zu Hause begonnen, meine Zinkwannen und Kannen mit Erde zu füllen, und in den nächsten Tagen kommen auch die Sämereien in den Boden. Ich habe hier im Garten in einem der Ferienhäuser einen selten gewordenen Frühlingsblüher gefunden, den Märzbecher. Ein paar Knollen sind auch in unserem Garten zu finden und werden im nächsten Jahr sicher ihre Blüten zeigen.

Dekoartikel haben ihren Platz gefunden und wenn dann noch einige Farbtupfer in Form von Blumen dazu kommen, ist alles fertig und perfekt, aus meiner Sicht. O.k., nicht jeder teilt meinen Geschmack, aber alle die mich kennen, finden es schön und sagen: „So weiß man wo du wohnst. Das bist du ...“

 

 

 

11.3.2014

 

Kannst Du sie hören.....

 

Nichts, rein gar nichts ist zu hören,

ich bleibe verhalten stehn.

 

Kann es denn sein, dass ich nur meinen eigenen Atem höre,

kann es denn sein, dass ich meine Schritte als Störung empfinde?

 

Ich ermahne mich, diese absolute Ruhe nicht zu stören.

Am Horizont, versteckt hinter den Baumkronen,

erwacht der Tag, ebenfalls ohne einen Laut.

 

Nein, ich kann etwas hören. Das Rufen der Kraniche,

weit in der Ferne, durchbricht die Stille.

 

Leuchtendes Rot, strahlendes Gold, so zieht der neue Tag

über das noch schlafende Land.

 

Guten Morgen... Småland!

 

 

26.2.2014

Eine kurze Nacht ist zu Ende. Um halb Eins ging ich ins Bett und um 6.00 klingelte der Wecker. Spät abends hatte mich Tommy angerufen und gesagt, dass sich gerade zwei Gäste bei ihm gemeldet und eine Übernachtung mit Frühstück gebucht hätten.

Also bin ich ins Gästehaus und habe sie in Empfang genommen und mit ihnen die Frühstückszeit abgesprochen. Gegen 22.00 Uhr sah ich, dass Sunny online ist, schnell angeschrieben und nachgefragt, wie es ihr geht, denn auch sie hatte gerade Geburtstag und ich hatte meinem Sohn ja ein Überraschungspaket für sie mitgegeben.

Darin lag auch eine Einladung zu einem Abend mit Dirk Michaelis (wer ihn nicht kennt, hier zwei bekannte Lieder von ihm: „Wie ein Fischlein unterm Eis”, „Als ich fort ging”) .Nun wollte ich wissen, ob sie auch überhaupt Lust auf so einen Abend hat - sie hat-. Das ist im Oktober und wie der Zufall es will, ist eine Woche zuvor Klassentreffen (nach 40 Jahren). Somit steht mein Urlaub schon mal fest. Oktober 2 Wochen Freunde und Familie in Deutschland besuchen und um ein Bett bitten.

Muss mir aber keine Sorgen machen, schon Asyl gefunden. Ich will ja auch keinen auf die Nerven gehen oder Arbeit machen, aber nach nun fast 2 Jahren ist ein Besuch von mir willkommen, denn nicht alle lesen das Tagebuch, doch wenn ich gerade so überlege, doch alle! Aber trotzdem gibt es viel zu erzählen, Dinge, die ich hier natürlich nicht schreibe, denn wenn auch nicht viel, aber ein wenig kann ich doch für mich behalten. Dass ich so viel rede, das hat sich gelegt, na, man wird ja auch älter und vor allem weiser. Nicht allen sollte man alles erzählen, so meine Lehre aus meinem Leben, nicht alle, die sich Freunde nennen, sind auch welche.

Aber Sunny ist eine Freundin, sogar eine gute, denn egal wie lange wir uns nicht gehört oder gesehen haben, unsere Gespräche sind so, als wäre es kürzlich, dass wir uns zuletzt sprachen. So war es auch gestern, zwei Stunden Skype waren schnell rum. Nachdem wir dann beide feststellten, dass wir müde sind, verabschiedeten wir uns bis „zum nächsten Mal”. Mal sehen wann das ist.

Freundschaft heißt nicht, sich tagtäglich auf der Pelle zu hängen, nein, Freundschaft ist etwas Besonderes, was man auch nicht richtig beschreiben kann. Ich weiß nur, dazu gehören Vertrauen, Liebe, gegenseitige Achtung und Verständnis, Geborgenheit und vor allem Ehrlichkeit.

Sunny und ihr Mann Peter werden in ihrer nächsten Urlaubsplanung einen Abstecher nach Schweden mit auf den Zettel setzen, das steht schon mal fest. Oft genug hatten sie es bereits vor, so sagte Sunny gestern, doch kamen immer wieder wichtige Dinge dazwischen. Egal ob beruflich oder privat, immer wieder gibt es etwas, das es erforderlich macht, Pläne zu ändern. Aber das Versprechen nach Schweden zu kommen habe ich und ich weiß, dass es auch so sein wird. Auf diese Zeit freue ich mich jetzt schon, ich bin sicher, dass es ein paar superschöne Tage werden.

 

 

25.2.2014

Der Schrank steht, sauber gemacht und schon eingeräumt. Ein paar Blumentöpfe und frische Kräuter auf dem Fensterbrett machen das Ganze rund. Ich freue mich schon auf das erste ausgiebige Frühstück am Wochenende.

Am Vormittag waren wir in Oskarshamn im Maxi ICA einkaufen, dort gibt es eine große Auswahl an Blumen. Ich habe einige kleine Töpfe ausgesucht, die den Frühling ins Haus bringen. Osterglocken, Krokusse und Anemonen werden in den nächsten Tagen das Fenster freundlich gestalten, rechtzeitig zum Wochenende, denke ich.

Heute habe ich ein Ren gesehen, es stand mitten im Geschäft. Zwar lebte es nicht, war aber ein schöner Anblick. Ein präpariertes Tier, das einst durch die Natur hoch im Norden streifte.

Als ich vor 20 Jahren in Finnland war, im tiefsten Winter bei 45 Grad minus, wollte ich unbedingt Rentiere sehen. Nachdem ich am Morgen Fährten dicht an unserem Haus entdeckt hatten, setzte ich mich am späten Abend ans Fenster, der Rest der Familie war schon zu Bett gegangen war. So verbrachte ich drei Nächte. Hundemüde und ohne Erfolg beschloss ich dann auf den Anblick dieser fantastischen Tiere zu verzichten. Am folgenden Tag mussten wir in den Ort 6 Kilometer entfernt von unserem Ferienhaus, um einzukaufen. So gegen 9.00 Uhr am Morgen kamen wir aus dem Markt, in dem man alles kaufen kann, was man braucht.

Ich glaubte zu träumen. Da standen 5 Rentiere in voller Pracht vor mir, und das am helllichten Tag. Sie standen mitten im Ort, die Menschen beachteten sie gar nicht, so wurde mir schnell klar, dass dies vollkommen normal ist, sie hier am Tage zu sehen. Sie standen still und ich ging langsam auf sie zu. Wie werden sie reagieren, wenn ich sie zu berühren versuche? Ich ließ es darauf ankommen. Die Schritte wurden immer kleiner, aber bestimmt in Richtung eines Hirsches mit einem prächtigen Geweih. Ich brauchte nun nur noch langsam meine Hand auszustrecken und ich berührte das warme weiche Fell. Weiß-Grau und eine schöne Zeichnung des Haares, so schön hatte ich es mir nicht vorgestellt. Das Tier ließ die Berührung zu. Nach einem wunderschönen Moment wandten sie sich ab und zogen auf ihrem Weg weiter, langsam, ganz langsam.

Wir gingen zum Auto und sahen, dass sie in die Richtung unseres Ferienhauses liefen. Wir fuhren noch zu einem anderen Geschäft und machten uns dann auf den Heimweg. Da waren sie wieder, sie liefen am Straßenrand direkt neben der hohen Schneemauer. Ganz langsam fuhren wir an ihnen vorbei, total ohne Angst setzten sie ihren Weg fort. Ein Erlebnis, das ich nicht vergessen werde und das heute, wie gerade erlebt, wieder da war.

 

 

 

24.2.2014

So, Montagabend, ich denke das Resultat kann sich sehen lassen. Drei Tage Arbeit mit nur kurzen Unterbrechungen liegen hinter uns. Ich hatte mir ja das Esszimmer zum Geburtstag gewünscht. Bis auf den Schrank haben wir es geschafft. Wollten wir eigentlich heute am Abend noch machen, aber ich hatte keine Lust mehr, den Anhänger von Tommy zu holen. Morgen ist auch noch ein Tag.

Als ich mit dem Gast, der hier ein Haus suchte, unterwegs war und wir ein Haus besichtigten, lag auf der Terrasse eine alte Lampe. Ich fragte die Eigentümerin des Hauses, was sie damit vor habe, denn es lag Schnee und die Lampe lag darin. Ich erfuhr, sie wolle die Lampe wegwerfen. Da sie mir gefiel, fragte ich, ob ich die Lampe mitnehmen kann, was bejaht wurde.

Nun hat sie ihren Platz im Esszimmer über dem Tisch befunden, passt perfekt.

Ich habe mir für die Wände noch etwas Besonderes einfallen lassen. Als ich nämlich heute ins Zimmer kam, waren einige Stellen nicht so gut gemalert, also dachte ich: noch mal die Farbe raus und komplett drüber. Dann hatte ich die Idee, Marmorstruktur aufzubringen, ist auch ganz gut gelungen, glaube ich. Jürgen war jedenfalls erstaunt, als er die Veränderung an der Wand sah. Handgefertigte Keramik, die ich im Milijöhuset gekauft hatte, verwendete ich zur Dekoration. So sieht es in diesem Raum nicht so modern, sondern eher aus älterer Zeit aus.

Das Grün der Wände strahlt angenehme Wärme aus. Obwohl es ein dunkles Grün ist, wirkt es nicht erdrückend.

Jetzt kann es mit unserem Bauvorhaben weiter gehen. Wir starten am Bad. So nach und nach haben wir uns die Ausstattung dafür zusammen gekauft, mal sehen, wie lange wir für dieses Projekt brauchen. Da in 4 Wochen die Saison wieder losgeht, wird die Zeit für Arbeiten am Haus kürzer, aber ich bin guter Hoffnung, dass wir es nach und nach schaffen.

Heute schien den ganzen Tag die Sonne, der Frühling scheint doch nicht mehr warten zu wollen.

Im Garten entdeckte ich Schneeglöckchen, Krokusse und Osterglocken schieben ihr Knospen aus der Erde, und wenn das Wetter so bleibt, werden auch sie bald blühen. In Deutschland ist es ja ebenso, für skandinavische Verhältnisse ist das total ungewöhnlich. Ich denke, ich kann bald damit beginnen, die Gartenmöbel aufzufrischen und sie vors Café zu stellen, dann kann man sich für eine Tasse Kaffee an der frischen Luft nieder lassen und die Sonne genießen.

Im Restaurant ließ ich heute den Frühling Einzug halten. Auf den Tischen stehen Gestecke mit Frühlingsblumen und in den Fenstern Orchideen in leuchtendem Gelb.

Es ist startklar für die neue Saison und die Gäste können kommen….

 

 

22.2.2014

Wie fange ich heute an…. Na, ich sage einfach mal Danke. Danke für so viele Glückwünsche und Überraschungen zu meinem heutigen Geburtstag!

Schon gestern bekam ich eine Nachricht von der Post, ich könne ein Paket abholen. Also standen wir heute Morgen auf, tranken einen Kaffee und fuhren nach Kristdala zur Post. Ilona hatte mir ein Paket geschickt, darin ist superschöne Bettwäsche. Kuschelig warm in Stickoptik. Habe sie gleich aufgezogen und freu mich schon auf die erste Nacht darin. Ein lieber Kartengruß lag bei und übers Internet hatte sie mir einen lieben Videogruß gesendet. (Danke meine Süße.)

Von Wollis hatte ich ebenfalls eine liebevoll geschriebene Geburtstagskarte im Briefkasten und heute kam eine Mail, in der stand, dass auch mein Überraschungspaket den erwünschten Erfolg hatte. Darüber freue ich mich und somit ist das ein weiteres Geschenk für mich. (Ganz liebe Dankesgrüße nach Plaue.)

Petra rief mich heute Morgen an und sang mir übers Handy ein Ständchen. In meinem Tagebuch hatten sie und Klaus gelesen, dass ich immer noch krank bin, sie erzählte mir von einem natürlichen Heilmittel: Lakritze Pur. Schmeckt absolut nicht, als Medizin darf es auch nicht schmecken, denn wie ich als Kind schon gesagt bekommen habe, dann hilft sie auch. Da wir auf dem Weg nach Kristdala unterwegs waren, fuhren wir gleich zu ihnen und holten die Lakritz-Medizin ab. Liebe Glückwünsche und ein herzliches Lächeln kamen mir als Begrüßung entgegen. (Fühlt euch gedrückt ihr zwei, denn das haben wir aus Ansteckungsgefahr lieber am Morgen gelassen und Abstand gehalten.)

Und alle die heute nicht bei mir sein konnten, schickten mir per Mail oder über Face so liebevolle Grüße, dass mir mal wieder bewusst wurde, wie viele tolle Menschen ich um mich habe.

Ich sage einfach mal hier in meinem Tagebuch „Danke“ an alle, die so lieb an mich denken, denen die Entfernung zwischen uns nichts ausmacht, die die Freundschaft bewahren und denen sie genauso wichtig ist wie mir.

Jürgen ist fleißig dabei, die alte Farbe von der Decke im Esszimmer zu entfernen. Eine Arbeit, die sicher keinen Spaß macht, es sieht aber toll aus, was er da macht.

Ich habe mittlerweile meine Tapetenbeweise der gesamten Lebenszeit des Hauses sorgfältig zusammengestellt. Ein alter Brief mit Feldpostangaben auf dem Umschlag kam dazu. Alles zusammen wird in einem Bilderrahmen an einem schönen Platz im Zimmer die Geschichte des Raumes unseren Gästen berichten, mit denen wir hier gemütlich Kaffee trinken und so manche lustige Stunde verbringen werden. Die Zeit zurück verfolgen kann ich bis 1902, denn die Zeitungsreste tragen dieses Datum. Später kamen in einer Tapetenschicht welche mit dem Nachweis 1921 ans Tageslicht. Der Brief wurde 1942 von einer Inga geschrieben, ich glaube ihre Tochter zu kennen. Sie wird mir sicher mehr erzählen können, ich schicke ihr eine Kopie des Briefes per Mail. Auf der einen Tapetenschicht steht mit Bleistift ein Name geschrieben, den ich als „Hilpid“ entziffern kann, ich werde Inga Marie auch dazu befragen. Einen Damenstiefel, den wir aus der Deckenisolierung holten, werde ich als Foto zu ihr schicken, so kann auch sie ein Stück ihrer Vergangenheit und die ihrer Mutter mit mir zusammen erleben. Ist ein eigenartiges Gefühl, mir scheint alles vertraut, und wenn ich die Fundstücke in meinen Händen halte, wünsche ich mich in diese Zeit. Ich hätte hier gern meine Kindheit verbracht. Wie das Leben damals war, wie die Felder bewirtschaftet wurden ,die Tiere gehalten und die Höfe geführt wurden ist, mir bekannt, denn in meiner Kindheit war es nicht anders, doch ging sie an mir vorbei.Ich kann mich nicht mehr an Kinderspiele erinnern, ich habe noch 2-3 Kinderlieder im Kopf und weiß fast alles über die notwendigen Arbeiten, die auf einem landwirtschaftlichen Hof anstehen. Anstatt mit dem Puppenwagen oder auf einer Decke im Garten zu spielen, war mein Spielplatz das Feld und die Stallungen. Manchmal bin ich traurig, dass meine Kindheit so verlaufen ist, doch in bestimmten Situationen muss ich dankbar sein, diese Arbeiten erlernt zu haben und davon berichten und mein Wissen anderen Menschen weitergeben zu können.

Die Erkenntnis ist also, egal wie schwer, wie hart und wie traurig das Leben einmal war, eines Tages wird es schön und die Vergangenheit lässt los….

 

20.2.14

Freitagabend, die Woche war von meiner Erkältung geprägt. Seit heute kann ich eine wesentliche Verbesserung verzeichnen. Ich fühle mich zwar noch nicht richtig fit, doch merke ich, dass ich wieder Kraft in den Beinen und Armen bekomme. Heute haben wir am Esszimmer gearbeitet, die schadhaften Stellen aus dem Deckenbereich haben wir mit neuen Brettern ersetzt, morgen machen wir weiter. Nach dem Frühstück wird Jürgen die Decke von der alten Farbe befreien und dann kann die Malerarbeit beginnen. Wir waren am Nachmittag in Oskarshamn, ich habe mir Farbe mixen lassen. Ich werde das Zimmer in einem typisch alten schwedischen Charakter gestalten. Die Grundfarbe ist das Königsgrün, sie werde ich teils dunkel, teils ganz hell in das Zimmer integrieren. Mal so nebenbei: Sollte mal einer von meinen Lesern hier in Schweden etwas streichen wollen, kauft Farbe, wo immer ihr wollt, aber nicht hier, denn da muss man sich entscheiden: entweder einen vollen Kühlschrank oder 3 Liter Farbe.

Für Morgenabend habe ich mir ein Ziel gesetzt und mir als Geburtstagsgeschenk bei Jürgen gewünscht, mal sehen, ob wir das hin bekommen. Sonntag dann den Feinschliff und am Montag die Möbel. Durch meine arbeitslose Woche ist leider alles etwas in Verzug geraten. Dachte zwar, dass wir das Esszimmer mit meinem Geburtstagskuchen einweihen, aber wie gesagt, was nicht ist, ist nicht. Früher hätte ich ein schlechtes Gewissen bekommen bei dem Gedanken, „meine Aufgaben nicht erfüllt zu haben“. Jetzt habe ich eine andere Meinung. Es steht auch keiner mehr vor oder hinter mir und fragt: „Warum?

Mein Vater
Mein Vater

Heute war aber auch noch ein anderer wichtiger Tag in meinem Leben, Papa hätte Geburtstag, er wäre 99 Jahre alt geworden, ich dachte heute bei vielen Gelegenheiten an ihn.

Er fehlt mir sehr. Da bin ich selbst bereits 56 Jahre und vermisse meinen Vater, der seit über 20 Jahren tot ist. Ich vermisse ihn, weil ich ihm doch eigentlich all das zeigen und erzählen möchte, was ich hier sehe und erlebe. Ich bin mir sicher, dass er sich hier genauso wohlfühlen würde wie ich, denn genau wie ich liebte er die Natur. Auf diesem Weg, ganz liebe Glückwünsche auf seine Wolke, von der aus er sicher zusieht. So manches Mal würde er die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, über mich lachen, aber er wäre auch sehr oft stolz auf mich…. da bin ich mir absolut sicher.

 

19.2. 2014

„Der Tag ruft nach dir, er kann doch ohne dich gar nicht anfangen!“ so wurde ich heute Morgen von Jürgen geweckt. Im Haus roch es nach frischem Kaffee, ich hatte nicht das Bedürfnis aufzustehen, dann habe ich mir selbst in den H…. getreten. Zumindest bin ich jetzt im Wohnzimmer, angezogen und so gut wie startklar. Verschiebe den Start noch. Ich erlebe hier im Moment eigentlich nichts, was sich zu schreiben lohnt. Aber wie das so ist, man schreibt ein Tagebuch und da kommt alles rein, Wichtiges, Unwichtiges, Lustiges, Trauriges, eben alles, was so passiert.

Seit zwei Wochen hat mich ein Virus voll im Griff, ich habe Husten und fühle mich absolut leer. Ich will so viel machen und die Arbeit häuft sich, ich bin aber nicht in der Lage, meine gewohnte Power zu erwecken, ich mache also eine Zwangspause, die mir mein Körper verordnet hat.

Ich liege auf dem Sofa und habe meinen Lappi vor mir. Ich muss ja drauf achten, ob Buchungen reinkommen, denn das kann ich nicht schleifen lassen. Ich muss sie sofort bestätigen, damit die Gäste ihrer Buchung sicher sein können. Bloß gut, dass in den nächsten Tage keine Gäste kommen, so kann ich mir diese Auszeit nehmen. Die liegen gebliebene Arbeit werde ich schon aufholen.

Gestern war ich noch schnell zu einem unserer Ferienhäuser, das wir verwalten. Ich habe nach dem Rechten geschaut und ein paar neue Fotos für unsere Buchungsseiten im Internet gemacht.

Als ich durch den Garten ging entdeckte ich den Frühling….. Leuchtend gelbe Winterlinge und kleine weiße Glocken: die Blüten von Schneeglöckchen. Ein Lächeln bei ihrem Anblick glitt über mein Gesicht. Handy raus und schnell festgehalten, als müsse ich befürchten, sie wären gleich wieder weg.

Es ist Mitte Februar und der Winter sicher noch nicht zu Ende, doch lassen diese kleinen Blumen die Frühlingszeit erahnen. Zusammen mit den ersten intensiven Sonnenstrahlen verbreiten sie eine gewisse Vorfreude.

Gestern kam Jürgen nach Hause, er war mit Tommy laufen. Tommy führte ihn zu einem See, von dem er mir bereits berichtet hatte, doch war ich noch nicht da. Jetzt kennt Jürgen diesen Ort und er sagte, er habe eine neue Badestelle und er sei sich sicher, dass es mir dort sehr gefallen werde, weil die Natur in ihrer Kombination „Wald-Wasser Stein“ total meinen Vorstellungen entspräche. Wollte mit mir gleich mal da hin, aber heute werde ich keinen Schritt vor die Tür machen, ich passe auf mein Sofa auf….

 

18.2.14

Heute Morgen bin ich zur Arbeit gegangen und mir kam Joel entgegen, er hat eine Woche Ferien, dies sind hier die sogenannten Sport-Ferien. Sie wurden in der Vergangenheit eingeführt, weil im Februar hier die kälteste Zeit des Winters war und die Kosten für die Beheizung der Schulen so hoch waren und die wenigen Schulkinder dies nicht rechtfertigten. Diese Tradition wird bis zum heutigen Tag weiter geführt und ermöglicht so den Familien im Winter, eine Zeit zusammen zu verbringen und gemeinsam etwas zu unternehmen.

Die Tage werden wieder länger und heller. Heute schien bereits am frühen Morgen die Sonne, ich habe mich jedoch entschlossen, wieder ins Bett zu gehen. Joel ist mit mir nach Hause gegangen und arbeitet in dem Raum, der das Esszimmer werden soll. Von der Decke hatte ich die Verkleidung entfernt und nun stecken tausend kleine Nägel in den Deckenbrettern, die raus müssen, damit ich sie abschleifen und streichen kann. Ich möchte diesen Raum wieder in ein Zimmer verwandeln, das die alte Geschichte des Hauses wiedergibt. Mal sehen ob es mir gelingt. Die Wände wollte ich ebenfalls bis auf die Bretter von all den auf gebrachten Tapetenschichten befreien, doch ist es nicht an allen Wänden möglich. Jetzt sieht man das damals verwendete Material. Es ging nicht um Schönheit, sondern um Sinn und Zweck. Einfache Hilfsmittel halfen bei der Behebung von kleineren Schäden und Mängeln.

Morgen hoffe ich einfach mal, dass es mir besser geht, ich möchte gerne die Wände zu streichen beginnen und die Holzkassetten auf die Wände anbringen, mit denen ich dann alte Historie präsentiere. Der alte Fußbodenbelag muss raus, ein neuer liegt schon bereit. Ich kann dann auch meinen schönen alten Schrank aufstellen und am Wochenende, rechtzeitig zum Geburtstag, ist wieder ein Stück an unserem neuen Heim geschaffen.

Dann geht es in der Küche weiter, auch da werden uns einige Überraschungen erwarten. Der Fußboden muss raus, denn an dieser Stelle des Hauses ist keine Unterkellerung und die Balken und Bohlen liegen knapp über der Erde auf einem Feldsteinfundament. Einige Stellen der Balken sind marode und brechen auf, der Boden wölbt sich an einigen Stellen und ist uneben. Wir werden die alte Einbauküche ausbauen und den Boden neu verlegen, dann kann die Küche mit den gekauften Einbaugeräten kombiniert wieder aufgebaut werden, und das Kochen macht Spaß.

Ein alter Gasherd, die Küchenhexe und etwas Fortschritt durch einen Ceranherd werden die Küche komplettieren. Bis dahin ist noch etwas Zeit, aber im Kalender als „notwendige Arbeiten“ eingetragen.

 

17.2.2014

Vor zwei Wochen kam Tommy ins Kontor, er sah krank aus, er hustete und hatte Fieber. Ich redete auf ihn ein, dass er ins Bett gehört. Am nächsten Tag konnte er es nicht verlassen, das Virus hatte ihn umgehauen. Nach zwei Tagen kam er wieder zur Arbeit, zwar noch krank, aber er sagte, ihm ginge es besser. Muss es ja auch, denn dieses Virus hatten nun André und ich. Auch uns warf es um. André lag ein paar Tage im Bett. Ich hatte ein volles Haus und versuchte weitestgehend alles zu erledigen. Jürgen war mir eine große Unterstützung. Bis zum Sonntagabend kämpfte ich mich über die Zeit, am Abend fiel ich fix und fertig ins Bett.

Das war vor einer guten Woche. Ich schlug mich mit einem so starken Husten rum, dass ich nicht in der Lage war zu arbeiten. Aus diesem Grund habe ich auch nichts in mein Tagebuch schreiben können, weder klare Gedanken noch Geduld zählten in dieser Woche zu meinen Fähigkeiten.

Für unsere Buchungsseiten im Internet hatte ich mir viel vorgenommen, wie ich sie z.B. gestalten und beschreiben soll. Viele neue Fotos zum Saisonstart liegen bereit, um für einen Trip hierher nach Schweden zu werben.

Nun konnte ich feststellen, dass auch mein Tagebuch Menschen nach Schweden lockt. Das Lesen darin hat sie neugierig macht, zu sehen ob es auch wirklich so ist, wie ich darin schreibe, und ob mein Erlebtes auch anderen helfen kann, einen neuen Weg einzuschlagen, einen Neustart zu versuchen und sich auf etwas Neues einzulassen. So geschieht es gerade mit einer Frau von 40 Jahren.

Zu Beginn der letzten Woche bekam ich eine E-Mail von einer Leserin. Sie fragte nach einem Zimmer bei mir im Gästehaus und berichtete in groben Zügen von ihrem Leben und dass sie es ändern will, dazu plante sie, eine sogenannte Auszeit bei mir zu nehmen.

Das tat sie auch, Freitagabend war sie hier und heute Morgen fuhr sie zurück nach Deutschland, ihre Fähre geht um 15.30Uhr. So, wie es aussieht, wird sie im April wieder hier sein und ein neues Leben beginnen, indem sie die Sommermonate in Schweden lebt und arbeitet und in den Wintermonaten in Deutschland mit ihrem bisherigen Job die Zeit ausfüllt.

Mal sehn, wann ich mehr über ihre Pläne berichten kann. Sie kam hier an ohne klare Vorstellungen vom weiteren Leben, doch nach drei Tagen fuhr sie mit einem neuen Lebensziel zurück. Sicher ist es schwer zu glauben, dass es so etwas gibt. Aber ich habe es selbst erlebt, wie ja in meinen Berichten hier im Tagebuch zu lesen ist, und jetzt konnte ich es ein zweites Mal mitverfolgen, wie ein Wandel in einem Menschen vorgeht, wie er beginnt, über sein Leben nachzudenken, ob es das ist, was er will und ob er damit glücklich ist.

Da sie aus der Nähe meiner Heimat kommt und wir sogar gemeinsame Bekannte haben, was wir am 2. Tag feststellten, war es naheliegend, dass ich sie bat, ein Geschenk für Wollis mitzunehmen. Sie wohnen im Nachbarort und werden staunen, wenn in den nächsten Tag ein lieber Gruß aus Schweden in Form eines Paketes bei ihnen vor der Tür steht. Ich habe typische schwedische Dinge liebevoll verpackt und heute mit auf die Reise geschickt. Na, die Gesichter würde ich gerne sehen.

Bereits in der vergangenen Woche war mein Sohn mit seiner Frau hier. Sie haben hier für meine Tochter einige Dinge erledigt und auch sie wurden als Überraschungsboten benutzt.

Ein Paket für Ilona und eins für Sunny, die am Samstag Geburtstag hatte, gingen mit auf die Reise. Basti und Sandra fuhren am Samstag gleich zu Sunny und überreichten das Geschenk an ihrem Geburtstag, die Überraschung ist gelungen. Auch Ilona rief mich an und sagte, dass sie über diese Geste sich sehr gefreut hat und wieder ein Stück Schweden bei ihr ist. Die Monate, bis sie für immer hier in Schweden sein wird, vergehen auch, wenn sie auch hart sind und noch viele Dinge zu erledigen sind. Doch erhält sie alle erforderliche Hilfe, wenn es soweit ist. Ich organisiere alles von hier aus, um ihr diese Arbeit abzunehmen, denn ich habe das Gefühl, es ist höchste Zeit, dass sie aus dem Kreislauf, in dem sie gerade steckt, heraus kommt.

Sie wurde dort zu einem Zuhörer für alle Sorgen und Probleme mit Gott und die Welt, aber wer hört ihr zu, wenn sie mal reden will und muss …….

 

 

 

30.1.2014

Heute Morgen stand ich nach einer schlaflosen Nacht auf und um viertel vor 8 holte mich Tommy ab. Wir mussten nach Oskarshamn, um uns im Touristikcenter über ein Internet-Programm zu informieren. Wir bekamen eine Rundum-Schulung, die bis zum Mittag dauerte. Die Zeit war mir aber nicht zu lang, im Gegenteil, es war äußerst interessant und ich nahm viel nach Hause mit. Nun werde ich mich am Wochenende damit beschäftigen, eine Internetseite einzurichten, auf der ich unser Haus und mein Café sowie die Buchungszimmer präsentiere, ebenso die Ferienhäuser, auf Schwedisch: Stuga bzw. Stugor (Mehrzahl). Ich werde sie mit Fotos und Werbetexten einsetzen und so Schweden-Urlaub-Interessierten den Aufenthalt bei uns schmackhaft machen. Dann trafen wir Marian, er war ebenfalls zu einem Termin in Oskarshamn.

Gemeinsam gingen wir essen. Ich aß einen großen leckeren Salatteller und Tommy sündigte. Obwohl er genau wie ich dieses Anti-Kohlenhydrate- Programm mitmacht (er motivierte mich dazu), setzte er sich mit einem Teller voller Eierpfannkuchen mit Sahne und Obstmus vor mich hin. Na, dem hab ich das aber madig gemacht. Trotzdem war der Teller schnell leer, hinterher war das schlechte Gewissen da, und er gestand sich ein, dass er inkonsequent sei.

Anschließend fuhren wir nach Hause. Nachdem hier seit Tagen die Sonne scheint, sind die Straßen natürlich nicht so freundlich, so war ich froh, wieder in Bråbo zu sein. Dort klingelte mein Telefon, ein Anruf aus Västervik. Unser Freund, der gestern in die Klinik eingeliefert wurde, bat mich, ihn abzuholen. Ich fragte ihn, ob er abgehauen sei und wo er sei. Er sagte nein, er sei noch in der Klinik und dass ich ihn von dort abholen müsse. Voraussetzung für seine Entlassung sei, dass er jemanden habe, der ihn nach Hause bringt. So fuhren wir bei diesem tollen Wetter 4 Stunden über vereiste Straßen, zwei davon mit unserem Freund im Auto. Es geht ihm besser und er weiß, was er da gestern gemacht hat, das war Blödsinn und dumm. Er gestand sich ein, dass Alkohol und Depression ihn dazu gebracht hatten. Er versprach, an sich zu arbeiten, und wenn er jemanden zum Reden braucht, soll er zu uns kommen oder uns anrufen egal ob Tag oder Nacht. Dazu sind Freunde schließlich da. Dass er das tut, dieses Versprechen musste er uns geben.

 

 

 

29.1.2014

Was tut man, wenn man weiß, dass sich zwei ganz liebe Menschen, die sich doch so sehr lieben, trennen?

Sie trennen sich, weil beide zu lange alleine gelebt haben. Jeder hatte sein eigenes Leben und seine Gewohnheiten und seine Freiheiten. Plötzlich ist aber einer da, mit dem man alles teilen sollte, dies jedoch unbewusst nicht tut. Gewohnheiten, und sei es das Essen, muss man ändern. Was mag der Andere, womit mache ich ihm eine Freude, welche Fehler habe ich und wie reagiert der Andere darauf? Kann ich die Fehler abstellen oder es zumindest versuchen, um dem Partner zu zeigen, wie wichtig er mir ist? Doch zu spät oder gar nicht merkt man, dass der Mensch, den man doch so liebt, sich wieder langsam, still und unbemerkt entfernt und entfremdet… Warnungen und Signale werden nicht richtig gedeutet, man fühlt sich selbst missverstanden, verletzt und schaltet auf stur. Anstatt zu reden, zieht sich jeder zurück, verkriecht sich in seine Arbeit und beginnt, den anderen zu vergessen und - was das Schlimmste ist - ihm weh zu tun.

Was mich aber an der ganzen Sache traurig macht: dass man als Freund nichts davon merkt und nicht da ist, um zuzuhören, wenn einer reden will; nicht merkt, dass da zwei sind, die zwei Leben führen, eins gemeinsam mit seinen Freunden und eins hinter verschlossenen Türen.

Nun habe ich heute einen Schock bekommen, als ich erfahren musste, das sich diese zwei Menschen aus dem Weg gehen, ja, wieder ihre eigene Wege gehen lassen, den einen in die Arbeit, viel Arbeit und den Anderen… in die Verzweiflung, Ratlosigkeit , Kraft und Mutlosigkeit, und wäre da nicht ein Mensch gewesen, der dies bemerkt und die Polizei informiert hätte, wäre der Zweite auf den Weg aus dem Leben .

Heute sitzen Jürgen und ich im Wohnzimmer und fragen uns, warum wir das nicht gemerkt haben. Oder waren da bereits vor Wochen Signale, die wir nicht verstanden haben, weil wir glaubten, da sind zwei Menschen, die sich über alles lieben und glücklich sind. Wir wissen beide, was es heißt, sich zu trennen, einen Menschen gehen oder ihn zurück zu lassen müssen, den man so geliebt hat. Doch die Zeit lässt auch diese Wunden heilen, man muss es nur zulassen.

 

 

 

28.1.2014

Der Staub von Jahrzehnten hatte sich auf dem Fußboden eingetreten, die Dielen waren grau davon. Es war auch nicht zu erkennen, wie er beschaffen ist. Reicht es, ihn zu streichen oder muss ich Belag aufbringen? Das waren Fragen, die ich erst heute endgültig klären konnte.

Nachdem ich alles gestrichen und die Deckleisten angebracht hatte, machte ich mich daran, den Fußboden Stück für Stück zu scheuern. Starke Seifenlauge, eine harte Bürste und ein Lappen waren meine Helfer. Drei Stunden Arbeit liegen hinter mir und das Resultat kann sich sehen lassen. Wie neu und akkurat verlegt liegen sie da, die Dielenbretter, sie sind es wert, gezeigt zu werden. Im Sommer, wenn ich den Raum gut durchlüften kann, werde ich eine Schicht Bienenwachs aufbringen, dann sieht es natürlich aus und ist geschützt.

Morgen gebe ich dem Zimmer seinen letzten Schliff. Ich habe zwei handgewebte Flickenteppiche gekauft und diese kommen auf den Boden. Ein Tisch und mein kleines Sofa , das ich mir kaufte, als ich in meinem Café im Dachgeschoss wohnte und in einer Aktion á la Astrid dorthin gebracht habe, kommen ebenfalls in das Zimmer. Ein Fernseher steht auf dem Bord und wird auch für mich so manchen Tag flimmern. Da ja nun die Zeit des Sports beginnt und das nicht unbedingt mein Programm ist, werde ich mich hierher zurückziehen und meine Filme schauen. Bietet sich ja an. Jürgen kam vorhin hoch, sah sich im Zimmer um und sagte: „Wenn wir uns jetzt streiten, muss ich dann in das Zimmer? Das ist ja dann keine Strafe, denn es ist sehr schön geworden.“ Zum Ersten, wir streiten uns nicht so, dass einer von uns beiden ausziehen muss. Streit muss ab und zu sein, denn wenn nicht, kuscht einer und sagt zu allem Ja und Amen. Also lieber mal ein kleiner Streit und Diskussion bis zum Abwinken. Zum Zweiten: ich würde dann in das Zimmer gehen, denn mir gefällt es auch. Und Drittens: ein schöneres Kompliment für meine Arbeit konnte er mir nicht machen.

Na mal sehen, wer der erste Gast ist, der in diesem Raum in einen wunderschönen Traum versinkt.

 

 

 

27.1.2014

Wie bereits gestern geahnt, mussten heute Morgen der Besen und Schneeschieber her. Es war zwar nicht so viel Schnee wie erwartet, doch hat ihn der Sturm tatsächlich zu Wehen aufgetürmt. Sie waren genau auf dem Weg platziert.

Im selbst gebauten Vogelhaus ist wieder Futter für unsere gefiederten Freunde. Eine dicke Speckschwarte ist das Lieblingsfutter und es gibt auch mal Streit um den beliebten Platz. Äpfel und Gemüsereste liegen unter dem Baum, das weiß unser Reh. Kaum wird es dunkel, ist es zur Stelle und lässt nichts übrig. Heute, als ich auf dem Dachboden war und die Wände des neuen Zimmers strich, begann Emma zu bellen. Ich sah aus dem Fenster. Auf dem Hof, neben dem Auto, stand das Reh, vollkommen ohne Angst. Als Emma intensiver bellte, drehte es sich um und ging ganz langsam den Weg zurück. Ich denke, es weiß, dass es bei uns nichts zu befürchten hat.

Ich habe mehr geschafft, als ich dachte. Der Raum wird nun langsam wohnlich. Morgen den Rest streichen und dann den Fußboden gründlich reinigen. Ich will versuchen, die Dielen in Natur zu belassen, aber das entscheide ich nach der Reinigung.

Heute erfuhr ich, dass Michi nun doch nicht kommt. Die Idee war wohl doch zu spontan, sie konnte nicht mehr alles organisieren und nun verschiebt sie den Besuch. Ist vielleicht auch besser, denn es soll die ganze Woche schneien, da kann es auf den Straßen ungemütlich werden. Am Abend in Trelleborg angekommen, müsste sie in die Nacht hinein fahren, und ich wäre sicher nicht gerade die Ruhigste bei dem Gedanken. Ilona wäre zwar bei ihr, doch als Beifahrer auch keine Hilfe, sie hat keinen Führerschein hat und kann Michi nicht ablösen. Genau wie ich hatte sie sich auf ein Wiedersehen gefreut, nun müssen wir es eben verschieben, aber wie heißt es so schön: „Aufgeschoben ist nicht Aufgehoben“.

 

 

 

26.1.2014

So Feierabend. Bis vor einer halben Stunde habe ich an meinem Gästezimmer gearbeitet, es soll ja nun endlich fertig werden. Die letzte Wandverkleidung ist dran und die Balken sind mit Lasur gestrichen. An der Fensterfront habe ich mir etwas Besonderes einfallen lassen. Diese Wand habe ich mit alten Zeitungen beklebt, das sind die Funde, als wir den Dachboden aufräumten und mit dem Ausbau begannen. Es sind Zeitungen aus den Jahren von 1930 bis 1950 mit Werbung für Geschäfte und Veranstaltungen, Produkte für Heim und Garten. Kleine Geschichten und Gedichte, Notenzeilen und Karikaturen. Ich will in diesem Raum etwas aus der Vergangenheit festhalten. Wer sich später hier aufhält, kann in der Vergangenheit Schwedens lesen. In dem Raum stand ein altes Bettgestell, auch das habe ich heute etwas auf Vordermann gebracht. Ich werde eine Schaumgummiauflage mit einem Stoff beziehen, der gleichfalls aus alten Zeiten stammt, und fertig ist die Liege, auf der man entspannen oder, mit Bettzeug bestückt, in die schönsten Träume sinken kann, nachdem man aus dem Fenster direkt unter die dicke Eiche geschaut hat. Egal, ob sich Specht, Rotkelchen, eine freche Elster oder gar unser Grauhörnchen in den Zweigen und Astgabeln tummeln, ein Beobachten lässt die Zeit vergessen und die Hände ruhen.

Morgen beginne ich die Wände weiß zu streichen. Sie bilden einen schönen Kontrast zu den dunkelbraunen Balken. Ich hoffe, das Trocknen der Farbe geht schnell, damit ich mit dem Einräumen beginnen kann, denn ich werde langsam ungeduldig, es dauert mir einfach zu lange. Ist nämlich überhaupt nicht meine Art, dass eine Arbeit so schleppend voran geht. Da ist noch das Zimmer im Erdgeschoss, das auf ein Weiterarbeiten hofft. Dort müssen die neue Decke eingezogen und die Wände gestrichen werden. Auch hier will ich die Haushistorie einbringen, darüber später mehr, wenn es soweit ist.

Draußen stürmt es, der Wind drückt gegen die Fenster, und morgen früh wird der Schnee sicher wieder tolle Figuren im Garten aufgestellt haben. Er fällt in ganz kleinen Flocken, man sollte nicht meinen, dass dies so viel Arbeit macht. Jürgen war gerade draußen. Genau vor der Haustür türmt sich bereits eine Schneewehe. Somit ist die erste Arbeit morgen das Schneefegen. Das Auto bleibt stehen und der Schlitten, mit dem wir im vergangenen Jahr unsere Schlittenwanderungen machten, kommt zum Einsatz. Jürgen wartet schon seit längerem darauf, seinen Weggefährten wieder nutzen zu können. Obwohl Schnee lag und die Straßen vereist sind, ging es nicht, denn der Winterdienst hat Sand gestreut, somit können die Kufen des Eisschlittens nicht rutschen. Es ist ein sehr alter Schlitten, davon gibt es nicht mehr viele. Wenn wir mit ihm unterwegs sind, wird er bestaunt und als etwas Besonderes bezeichnet.

So nun läute ich den Feierabend ein, Lappi aus und Fernseher an. Ein Glas Wein und Kerzenlicht, Füße hoch und den Rest des Wochenendes genießen….

 

 

 

25.1.2014

Habe gerade erfahren, dass meine Tochter wahrscheinlich am Wochenende für einen Kurzbesuch nach Schweden kommt. Wenn alles klappt wie geplant, kommt sie am Freitag und am Sonntag. Und sie bringt Ilona mit, meine Freundin. Michi hat auf der langen Fahrt Gesellschaft, die Fahrt ist ja doch ganz schön lang, wenn man alleine unterwegs ist. Ich habe das im ersten Jahr so einige Male gemacht und es war immer eine Tour, die am frühen Morgen so gegen 3.00 Uhr begann und erst in der Nacht endete, da ich mit der Fähre Malmö- Lübeck gefahren bin. Es ist die Trucker Fähre und nur zu empfehlen. Die Trucker haben alle ein ruhiges Gemüt, dazu hat die Fähre ein leckeres Buffet, an dem man sich bedienen kann. Gemütliche Sitzgruppen geben die Gelegenheit zu entspannen. Die Fahrt dauert 9 Stunden, also eine Minikreuzfahrt. So kann man sich auf Schweden vorbereiten, die Ruhe beginnt und der Urlaub kann starten.

Jetzt war ich schon seit fast zwei Jahren nicht in Deutschland, keine Zeit und wichtige Ereignisse machten das unmöglich. Ich werde versuchen, wenigstens einen Kurztrip, so wie Michi ihn vorhat, für mich und Jürgen zu planen. Zwar stehen wieder viele Termine auf meinem Kalender im Café, aber irgendwo werde ich eine Lücke finden, denn meinen Freunden steht ein Besuch zu, und für mich ist es wichtig, ein paar Stunden mit ihnen zu verbringen. Ich weiß jetzt schon, die Zeit, so kurz sie auch sein wird, wird schön und herzlich. Die Freunde sind in Gedanken sicher oft bei mir und in bestimmten Situationen wünsche ich mir sie an meine Seite. Auch aus diesem Grund schreibe ich dieses Tagebuch. Es soll ihnen zeigen, dass es mir gut geht, dass ich liebe Menschen

an meiner Seite habe und es die beste Entscheidung meines Lebens war, hier „neu zu leben“.

 

24.1.2014

Wochenende-Start… Ich habe heute nicht viel geschafft, aber trotzdem hatte ich meinen Spaß. Joel hat vor zwei Wochen seine Bestätigung und seinen ersten Scheck für das Studiengeld bekommen. Er erhält so etwas wie ein Taschengeld dafür, dass er fleißig zur Schule geht und es soll ein Ansporn fürs Lernen sein. Für die nächsten Monate hat er nun die Zusage und er ist ein glücklicher Mensch. Für die vergangenen Monate erhielt er einen Scheck, den wir in der Bank eingelöst haben und mein Sohn strahlte, als er sein erstes eigenes Geld in die Geldbörse steckte. Zu sehen, wie stolz er war, sorgte dafür, dass in mir Freude aufstieg. Er wollte gleich mit dem Ausgeben beginnen, obwohl er auch sparen will, denn er hat mit der Fahrschule begonnen und möchte sich ein Auto kaufen, sobald er die Prüfung bestanden hat. So erfuhr ich, dass er sich einen Bildschirm für seinen Rechner bestellt hat und wir fuhren ihn abzuholen. Ein Lautsprecher für seine Musikanlage fiel auch noch ab. An der Kasse sah ich den Stolz in seinen Augen. Ich sag’s mal so: „Ich bin stolz auf Joel, er war schon immer ein Kind, das mir keine großen Sorgen machte. Mal kleine Meckereien, die jeder Jugendliche bei seinem Erwachsenwerden hat, aber jetzt denke ich, er ist auf dem richtigen Weg. Also, alles richtig gemacht!“

Die Lieferung der Waschmaschine und des Trockners ist geregelt, ich war heute beim Verkäufer, er wohnt auf der Strecke zu Joels Schule. Einfach gefragt und einfache Antwort: „ Ja ich bringe dir die Maschinen.“ Was will ich mehr.

Morgen fahre ich nach Fågelfors, denn ich habe einen Interessenten für das Ferienhaus, für mich wird die Arbeit und der Weg dorthin zu viel, irgendwo muss ich Abstriche machen und kürzer treten. Ich fange an, indem ich mich für den Verkauf entschieden habe. Mal sehen, was bei der Besichtigung raus kommt.

Es sind fast 50 Kilometer von Bråbo nach Fågelfors und immer wenn Feriengäste kommen, muss ich ja hin und die Reinigung hinterher macht diesen Weg erneut notwendig, da aber gerade im Sommer mein Tag 48 Stunden haben müsste, ist das kaum zu bewältigen.

 

Jürgen hatte heute Mittag Feierabend, er kam auf die Idee, Brot zu backen. Die Küchenhexe wurde eh geheizt, und so dachte er, warum nicht mal die Backröhre nutzen. Schnell war der Teig geknetet und ab in den Ofen. Ich kam nach Hause und wir redeten über das Erlebte vom Tage, dann kam ihm der Gedanke „Brot“. Es sollte ein Mischbrot werden, es wurde ein Schwarzbrot, aber trotzdem noch warm geschnitten und selbstgemachtes Pflaumenmus darauf, den wir von Petra geschenkt bekamen, schon war es lecker. Da vergesse ich für zwei Scheiben Brot auch mal, dass ich keine Kohlehydrate esse. Es ist aber wirklich selten, dass ich so denke, ich halte mich an meine eigene Regel um meiner Gesundheit willen … und es funktioniert.

 

 

23.1.2014

Wasserleitung eingefroren, der Horror eines jeden.

Wir haben die Wasserpumpe und die Leitungen gut eingepackt. Leider liegt der Schnee nicht in der Höhe des letzten Jahres, denn eine dünne Schneeschicht reicht nicht aus, um vor dieser Kälte zu schützen. Als wir heute Morgen aufstanden und den Morgenkaffe kochen wollten, ging nix, die Leitung gab keinen Tropfen Wasser her.

Somit war die erste Arbeit für Jürgen klar: Leitung auftauen, was auch schnell geschah, und alles wieder warm verpackt. Ich ging ins BEF und begann im Büro mit meiner liegen gebliebenen Arbeit der letzten Tage. Mails und Nachrichten im Face warteten auf Antwort. Vor zwei Tagen habe ich in Blocket eine Waschmaschine und einen Wäschetrockner entdeckt und telephonisch reservieren lassen, nun musste die schriftliche Bestätigung weg. In der nächsten Woche holen wir beide Maschinen und dann habe ich eine wesentliche Erleichterung, wenn ich viele Buchungen für die Zimmer habe.

Am Samstag hatte ich ja die große Gruppe mit einem Abendessen, es war ein voller Erfolg, Begeisterung auf der ganzen Linie. Petra meine liebe Bekannte half mir an zwei Tagen in der Küche, genau wie Jürgen, er half mir ebenso wie bei meinen anderen Großaktionen. Als wir dann am Samstag am sehr späten Abend nach Hause kamen, war ich fix und fertig, meine Beine wollten nicht mehr. Die Nacht war schlaflos und so wandelte ich am Sonntagmorgen müde durch Bråbo, hin zu meinen Bergen von Abwasch und einem Saal, der wieder in Schuss gebracht werden musste. Wieder war Jürgen an meiner Seite und half mir, so dass es nicht zu lange dauerte.

Gestern bekam ich aus dem Krankenhaus einen neuen Termin zugeschickt. Nachdem sich mein Arzt die Auswertung vom Zuckertest angesehen hat, plant er weitere Untersuchungen. Am 6. Februar muss ich wieder hin und dann geht’s weiter, so dass ich hoffentlich bald mal Ergebnisse erfahre. Ich fühle mich bereits besser, denn ich habe meine Ernährung umgestellt und esse keine Kohlenhydrate mehr, na nicht absolut ohne, aber Kartoffeln, Nudeln, Mehlspeisen und Süßkram sind tabu. 4 Kilo sind runter und ich hoffe weitere folgen.

Gestern bekam ich eine Fußreflexzonen-Massage, einfach toll, das sollte man sich öfter gönnen, aber man stellt sich ja hinten an, wenn es um die Verteilung von Verwöhnen ist. Aber nachdem ich weiß, wie gut das tut, werde ich das doch öfter in Anspruch nehmen.

Es ist Abend, dunkel und wenn man vor die Tür kommt, schlägt einem nun die skandinavische Kälte entgegen. Es sind gefühlte 15 Grad minus, das Thermometer sagt jedoch 10 grad. So soll es in den nächsten Tagen auch bleiben, dann ist Schnee angesagt und weitere Minusgrade. Es ist Winter, so wie man ihn hier kennt, nicht so ein langer wie sonst, aber sicher genauso magisch, genau so schön…..

 

 

 

15.1.2014

Da ist es fast 16 Uhr und es ist wirklich heller draußen als vor ein paar Tagen um diese Zeit.

Möge es an dem Schnee liegen, der seit einer Woche zwanzig Zentimeter hoch liegt, oder machen sich doch schon die länger werdenden Tage bemerkbar, denn Mitte Januar geht es ja wieder aufwärts mit der Sonne.

Heute habe ich zweihundert Bouletten gebraten. Zuvor habe ich aber aus dem Fleisch, das ich hier frisch von einer Schweinefarm kaufte, Hackepeter gemacht. Zwanzig Kilo Fleisch ,3 Kilo Zwiebeln, die ich unter Tränen ihrer Schale entledigt hatte, mussten durch den Fleischwolfs.

Ich selbst habe zwar einen aus Urgroßmutters Zeiten, aber im Zeitalter der Entwicklung teilte Tommy mir mit, dass seine Frau eine Küchenmaschine hat, an der ein Fleischwolf angeschlossen werden kann. Diese Nachricht erfreute mich und ich sah mich und mein Fleisch in der Küche, und die Vergangenheit erschien vor meinen Augen.

Ich habe ja schon mal geschrieben, dass ich Hausschlachten in meiner Kind und Jugendzeit miterlebt habe, da war es nämlich meine Arbeit, den Fleischwolf zu bedienen, die Fleischmassen für die Wurstzubereitung mit Gewürzen zu mischen, die Wurst zu stopfen und dann auch darauf zu achten, dass sie beim Garen in der Wurstbrühe nicht platzt. In solchem Fall gab es eine Rüge von meinem Paten Onkel „Heinz“.

Aber nun zurück zu gestern. Ich hatte die Küchenmaschine und auch so manches Kilo Fleisch schon zerkleinert, dann passierte es: die Spindel im Wolf brach am Ankerstift ab. So, geschafft! Geliehenes Gerät und Astrid bekommt es kaputt …

Sofort machte ich mich auf die Suche nach einem Ersatzteil im Internet. Über den Preis schweige ich, sonst bekomme ich wieder Magenschmerzen, denn diese stellten sich gestern sofort ein. Mir war klar, dass ich auch in der Nacht nicht schlafen werde, ich ärgerte mich über mich selbst.

Jürgen hatte von meinem Malheur erfahren und sich gedacht, dass ich mir Sorgen mache. Er kam von der Arbeit und wir fuhren zu Eva –Lotte, um ihr das Problem zu beichten. Sie freute sich über meinen Besuch und wollte gleich Kaffee kochen, ich begann mit meiner Beichte und das einzige was sie sagte: „Ist doch nicht schlimm, kaufen wir neu, mach dir keine Sorge“.

Ich traute meinen Ohren nicht. Da schwitze ich Blut und Wasser, und sie nimmt das locker, Mann, bin ich froh. Jetzt werde ich mich natürlich um das Ersatzteil kümmern und dann ist alles ok.

Den Rest habe ich wie gewohnt in alter Art und Weise mit einem handbetriebenen Fleischwolf durchgedreht. Abends wusste mein Arm, was er gemacht hatte.

Morgen muss ich am Morgen wieder zum Arzt, ich habe den Termin zur Einstellung wegen meines Zuckers. Drückt mir die Daumen, dass es nicht so schlimm ist. Wenn ich am Mittag wieder zurück bin, warten 240 Kartoffeln, die geschält werden wollen. Warum gerade 240? Tja 3 Stück für jeden Gast und es werden 80 Gäste sein. Dann noch Champignons und Möhren müssen auch vorbereitet werden, und so wird es morgen sicher auch etwas länger.

Auch für uns habe ich (Elch)Bouletten gebraten, wir essen sie jetzt am Abend, ab 20.00 ist Fasten angesagt, so steht’s geschrieben auf meiner Einladung für das Date im Krankenhaus.

 

 

 

13.1.2014

Der erste Tag der Woche ist geschafft, es ist 20.15. Ich sitze auf dem Sofa, neben mir sitzt Jürgen, kurz mal über alle Sender gefegt und nix ist da, was man sich ansehen kann. Überall Krimi, Gewalt und Streitigkeiten. Da liebe ich doch die Filme aus Schweden oder aus den bayerischen Bergen, Ruhe, Besinnlichkeit und Eintracht sind da maßgebend. Natürlich ist das Leben nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen, aber müssen wir es uns selbst schwer machen? Lassen wir doch jeden so leben, wie er will, jeden seine eigene Meinung haben und vor allem aber jeden sein eigenes Leben. Ich habe mich früher auch um Gott und die Welt gekümmert, meine Bedürfnisse hintenan gestellt, und wenn einer Hilfe brauchte, habe ich geholfen. Das ist im Großen und Ganzen ja richtig, doch darf das eigene Interesse nicht verloren gehen. Ich war, bevor ich hierher kam, wie ein Pulverfass, jede Kleinigkeit brachte mich auf die Palme, ich fühlte mich unwohl und war unglücklich.

Dann reiste ich nach Schweden, um meiner Tochter bei der Renovierung des Ferienhauses zu helfen. Gleich der Tag nach meiner Ankunft sollte mein Leben verändern. Ohne dass es mir bewusst wurde, begann ein neuer Abschnitt in meinem so ereignisreichen Leben. Nun sind es fast drei Jahre, die ich hier lebe, richtig lebe. Ich wusste bis zu diesem Tag nicht, was es heißt, sein Leben so zu leben, wie man will. Jetzt weiß ich es, und ich bin froh darüber, denn ich kann die Erfahrung anderen weiter geben.

So sollte ein Zufall vor zwei Tagen einen Gast zu uns treiben, der gerade diese Hilfe brauchte. Ein Gast aus Deutschland hatte für eine Nacht gebucht, nach einer Irrfahrt kam er am Abend an. Sein Navi war ausgefallen und so irrte er im Dunkeln umher, fand dann mit Hilfe einer Frau an einer Tankstelle den richtigen Weg zu uns. Dank der unbekannten Person!

Hundemüde fiel er ins Bett, konnte jedoch nicht schlafen. Am Morgen zum Frühstück brachte er einen Ausdruck aus dem PC mit. Es waren Häuser und deren Beschreibung sowie eine Karte mit den Standorten. Er wollte von mir wissen, wie er dort hinkommt, ich gab ihm die gewünschten Auskünfte.

Am Nachmittag kehrte er zurück. Die Enttäuschung stand in seinem Gesicht, das mit dem Hauskauf an einem Tag war wohl nix. Ich erklärte ihm, wie ich hierher kam und berichtete von meinen Erfahrungen, von meinen Kontakten, die sich im Laufe der Zeit aufgebaut hatten, und von meinem Wissen über Häuser in Schweden, über deren Kauf und vor allem über deren Ausstattung .

Er hatte gewisse Vorstellungen von Inventar und Ausstattung, egal ob Sanitär oder Küche. Wir Deutschen erwarten einen Standard, der eigentlich Luxus ist, ohne dass wir es wissen, sondern schlichtweg voraussetzen. Dinge die uns ja „so“ wichtig sind, sind oft unwichtig, im Grunde brauchen wir sie nicht, es geht auch ohne sie.

In Schweden auf dem Land ist das Leben einfach. Keine Fußbodenfliesen, keine Badewanne, sondern nur eine Dusche, Wände aus Brettern, weiß gemalt, spiegeln hier das Leben wider. Soll jedoch dies alles im Haus vorhanden sein, muss ein Haus gesucht werden, das junge Schweden bewohnt und modernisiert haben, oder schon deutsche Eigentümer hatten. Heute bin ich mit ihm durch unsere Region gefahren. Wir sahen uns Häuser an, die wir im Internet herausgesucht und für die wir einen Besichtigungstermin vereinbart hatten.

Er sah die Häuser aus seinem Blickwinkel. Nach einigen Fragen, die er mir stellte, begann er eine andere Ansichtsweise zu bekommen. Am Nachmittag waren wir zurück, er war ziemlich ruhig, ich sah ihn an und er sagte: „Jetzt muss ich erst mal anfangen, das Gesehene zu verarbeiten. Ich kann keine Entscheidung fällen. Meine Vorstellung, mit der ich hierher kam, war falsch.“

Morgen, auf dem Heimweg, schaut er sich zwei weitere Häuser an, dann wird er in Deutschland erst einmal „Schweden“ verarbeiten und die Häuser nach anderen Kriterien betrachten und entscheiden.

So, wie ich ihn nun einschätze, glaube ich zu wissen, welches Haus er nimmt. Es ist ganz anders als er zu Beginn „sein neues Heim“ beschrieben hat. Warten wir ab ….

 

 

 

Freitag, 10.Januar 2014….

Es ist 7.45Uhr. Ich bin zwar fertig, um zur Arbeit zu gehen, doch bin ich heute wieder länger im BEF und da habe ich meine anstehenden Hausarbeiten bereits erledigt, um das nicht noch am Abend erledigen zu müssen. Seit Tagen regnet es und somit ist es ungemütlich und die Nässe zieht in jede Ritze. Man hofft jetzt auf ein paar Minusgrade und auch Schnee, denn Wasser haben wir jetzt genug. Die Wege sind alle aufgeweicht, man glaubt auf Schmierseife zu fahren, breite Fahrspuren markieren die Wege zu den Häusern.

Morgen Nachmittag um 16.00 Uhr soll es zu schneien beginnen, zuvor muss also die Spur eingeebnet werden, denn wenn der Boden gefriert, ist ein Sturz programmiert, unter dem Schnee wird sie ja nicht mehr zu sehen sein. Da ich von Arztbesuchen vorerst genug habe, ergreife ich diese Vorsichtsmaßnahme. Weil auch Jürgen ein großes Talent für Verletzungen hat, ist es auch für ihn besser. Jetzt werde ich ihm Harke und Schippe auffordernd ans Auto stellen, vielleicht ist die Arbeit ja erledigt, wenn ich nach Hause komme, er hat früher Feierabend.

Morgen fahren Gisela und Dietmar wieder zurück nach Deutschland, ich habe mit ihnen gesprochen und sie werden eine aus Weide geflochtene Wäschetruhe mit auf die Reise nehmen.

Ich hatte ja in meinem Tagebuch geschrieben, dass wir das Haus von einem Deutschen übernommen haben. Als er das Haus verließ, legte er die Dinge, die ihm wichtig sind, in die Truhe und bat uns, eine Möglichkeit für den Transport zu finden. Nun sind 1,5 Jahre vergangen, ich war nicht in Deutschland und alle, die dorthin fuhren, hatten leider keine Platzmöglichkeit. Wenn jetzt die Truhe das Haus verlässt, geht wieder ein Stück von ihm weg, aber….da ich weiß, dass er Schweden genau so liebt wie ich, bin ich sicher, dass er sich oft in meinem Tagebuchgeschichten sieht und auch Bilder vor sich sieht, wenn ich von Orten berichte. Sobald unser Gästezimmer fertig ist, ist er einer der Ersten, den wir einladen, ein paar Tage hier Urlaub zu machen, um Erinnerungen aufzufrischen.

Wer einmal hier war, egal ob Urlaub, Saison-Schwede oder so etwas wie ich, will immer wieder hierher und Energie tanken….

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Am Abend

So, die Truhe ist auf Reisen gegangen, und sie wird in den nächsten Tagen bei ihrem Eigentümer ankommen. Wenn er sie öffnet und seine persönlichen Sachen in den Händen hält, bin ich mir sicher, ziehen Bilder vom Haus und den Zimmern an ihm vorbei, in denen jedes Teil lag oder stand. Sie werden voller Leben sein, voller Erinnerungen und voller Momente in seiner einstigen Wahlheimat. Da wir noch Kontakt haben, weiß ich, dass ich sein Leben hier weiter lebe, ich halte ihn auch über alle Baumaßnahmen am Haus auf dem Laufenden, so lebt er irgendwie hier weiter und auf einen Besuch von ihm freuen wir uns.

Morgen soll es ja nun zu schneien beginnen, da hat Jürgen geplant, am Morgen zu laufen. Danach werden wir oben im Zimmer weiter arbeiten, damit es fertig wird. Ich hoffe, es wird, wenn Michi mit den Kindern im Februar oder Anfang März kommt, für sie ein gemütliches Zimmer sein, dass sie ihr Reich haben, so lange sie hier sind. In Gedanken ist es schon eingerichtet. Ich kann es kaum erwarten.

Ich habe ein paar originelle Ideen, um auch in diesen Raum etwas schwedische Historie einzubringen. Ein Bett aus alten Zeiten, ein alter Schminktisch und eine alte Wäschetruhe stehen schon bereit. Heute war ich im Milijöhuset, das ist ein großer Markt, auf dem man alte Gegenstände kaufen kann, weil die Hausbesitzer keine Verwendung mehr dafür haben. Ich finde immer etwas. Heute fand ich zwei alte Zinkbehälter, die ich bepflanzen werde und dann kommen sie auf die Terrasse im Sommer. Und für die Küche einen kleinen süßen Zinkwasserkessel, zwar nur Deko, aber der musste mit. Auch für ihn lasse ich mir was Schönes einfallen, sicher findet er eine gute Verwendung.

 

 

"Winterpfifferlinge"
"Winterpfifferlinge"

8.1.2013

Um 6.00 Uhr klingelte der Wecker, Jürgen stand gleich auf, ich dagegen drehte mich um und äußerte ganz leise die Bitte, er solle mich weckenl, wenn er zur Arbeit fährt. Ich hatte die ganze Nacht kaum geschlafen, mir gingen tausend Dinge durch den Kopf und immer, wenn ich am Einschlafen war, rissen sie mich wieder wach.

Was ist so wichtig, dass ich mich damit in der Nacht beschäftige? Tja, das weiß ich auch nicht so genau, aber ich habe nun alles zu Papier gebracht, was ich in der Nacht geplant und durchdacht habe.

Ich m achte eine Zeichnung vom Haus und den Außenbauarbeiten, die ich gerne haben möchte. Eine Terrasse und einen Wintergarten ähnlichen Anbau, der uns im Sommer als Zentrum dient. Wenn Freunde und Bekannte kommen, werden wir dort so manche schöne Stunde verbringen. Auf der angrenzenden Terrasse sollen Blumenkübel und Gartendeko ihren Platz finden, und mittendrin eine gemütliche Gartenbank. Sie ist schon vorhanden und kann, glaube ich, eine lange Geschichte ihres Daseins erzählen. Wir entdeckten sie zwischen alten Brettern, Platten und Kisten, als wir unser Lager aufräumten. Sie braucht nur ein bisschen Farbe und dann ist sie ein Hingucker. Ich freu mich schon darauf, wenn wir das erste Mal auf ihr sitzen und einfach diesen Moment genießen.

Gestern sprach ich mit Tommy über meine Pläne, er sagte, dass wir eine Baugenehmigung benötigen und dazu ist eine richtige Bauzeichnung notwendig mit allen Maßangaben und Materialien. Jetzt habe ich das gemacht und der Antrag kann auf den Weg gehen. Bestimmt wird es einige Zeit dauern, aber hoffentlich im Frühling mit Stempel und Unterschrift zurück kommen.

Nun mal was Besonderes, doch bei der Witterung nichts Ungewöhnliches…

Gisela, eine gute Bekannte von mir, ist zum Jahreswechsel nach Schweden gekommen mit ihrem Mann. Die beide sind wie wir Naturmenschen, Gisela ist Archäologin und immer unterwegs, um etwas aus der Vergangenheit zu entdecken. So war sie auch am Neujahrstag unterwegs in Wald und Flur. Abgesehen von dem saftigen Moos und den schwer grünen Tannenbäumen standen da doch Pilze…. Pilze zum Essen… Pfifferlinge.

 

7.1.2013

Dienstag, es ist gerade 16.00 und draußen ist es so dunkel, als sei es mitten in der Nacht.

Aber so ist es in Schweden im Winter nun mal. Würde Schnee liegen, fiele diese Dunkelheit nicht so auf. Ich bin gerade nach Hause gekommen, Jürgen war eine halbe Stunde vor mir gegangen, er hat bereits Feuer im Wohnzimmerkamin an gemacht und so ist es etwas durchgewärmt. Auf mich wartet ein Berg Wäsche, die zusammengelegt und in die Schränke sortiert werden muss. Geschätzte 100 Socken wollen mit ihrem Partner zusammengefügt werden, das ist meine Aufgabe beim Fernsehen. Ich bin gespannt, wie viele einsam bleiben, denn unsere Waschmaschine verschluckt immer wieder mal welche. Und das höre ich auch von anderen, dass nach der Wäsche immer wieder Socken fehlen.

Ich habe eine Idee, was ich aus den „Singelsocken“ mache. Ich werde im Winter oder schon jetzt an den langen Abenden für Emma Spielgefährten nähen, da sie einen großen Verschleiß an Kuscheltieren hat. Immer, wenn sie eins bekam, wurde es solange gequält, bis die Füllwatte in alle Richtungen flog und überall verstreut lag. Die Watte ist gefährlich für unsere vierbeinigen Freunde, das kann ich jetzt durch meine Idee beenden. Ich werde die Einzelsocken mit anderem füllen und fest zuknoten, da kann nicht viel passieren, und Emma hat immer mich oder Jürgen in Form von einer Socke bei sich.

Ilona hat mir vor Weihnachten ein Paket geschickt, es ist noch nicht bei mir angekommen. Sie wunderte sich, dass ich gar nichts sage oder mich bedanke und fragte mich, ob ich es noch nicht erhalten habe. Ich erzählte ihr, dass ich noch keine Nachricht im Briefkasten hatte, denn hier werden die Pakete nicht ausgeliefert. Sie werden im nächstliegenden Supermarkt an der Poststelle aufbewahrt. Finden wir in unserem Briefkasten einen Benachrichtigungsschein vor, holen wir die Sendung ab. Nun ist jedoch schon einige Zeit vergangen, in der das Paket schon hier sein müsste. Ilona hat eine Paketnummer und kann mit deren Hilfe den Weg des Paketes verfolgen. Erstaunlich, was heute alles möglich ist. Gerade schrieb sie mir, nach Eingabe der Paketnummer hätte sie diese Nachricht erhalten: „Die Sendung wird dem Empfänger übergeben“. Also werde ich morgen noch einmal Weihnachten haben. Bin gespannt was da so drin ist, ich habe keine Ahnung…

 

 

 

6. Januar, was bedeutet das für den Weihnachtsbaum? Sein Job ist beendet, er verliert seinen Schmuck, die Lichter werden ausgeknipst.

Bis zum heutigen Tag der Heiligen Drei Könige, so ist es in Deutschland Tradition, bleibt der Baum in unseren Zimmern. Auch hier in Schweden ist es so, ich habe aus diesem Grund im BEF alle Bäume, Lichterketten, leuchtenden Sterne im Fenster und die „Tomten“ in ihr Quartier gebracht, wo sie auf ihren erneuten Einsatz warten im nächsten November zu unserem Weihnachtsmarkt.

Einige Dekoartikel habe ich aus meinem kleinen Café geholt und sie im Restaurant platziert. Bei dem Wetter hätte ich Lust, Frühlingsstimmung in die Räume zu zaubern, aber wenn ich auf den Kalender sehe, ist das wohl doch noch zu früh ist, wenn auch die Temperaturen dies zulassen würden und das wachsende Gras den Frühling erahnen lässt.

Meine „Hexe“, fast so groß wie ich (da gehört ja nicht viel dazu, 1,68 m) habe ich auch mitgebracht, und sie begrüßt nun unsere Gäste direkt am Eingang gegenüber der Rezeption. Tommy war heute nicht im Kontor. Er wird sich sicher erschrecken, wenn er morgen rein kommt, denn sie lacht und ihre Augen leuchten rot auf, sobald sie ein lautes Geräusch im Raum wahrnimmt.

Zu Hause habe ich ebenfalls die Spuren von Weihnachten in Kartons und Tüten verpackt und sie in die Bodenkammer geräumt. Der Weihnachtsbaum hat seinen Job gut gemacht, aber jetzt, als ich ihn nur leicht berührt habe, ruckzuck stand nur noch der Stamm mit kahlen Ästen vor mir, keine einzige Nadel mehr am Baum. Ich schnitt die Äste ab und ab in die Holzkiste, wo er uns ein paar Tage als Anmachhilfe für den Kamin dient. Dabei fiel mir wieder etwas aus meiner Kindheit ein. Ich sah mich mit meinem Vater die Weihnachtsbäume Jahr für Jahr ebenso zerlegen. Waren wir am oberen Teil ca. 60 Zentimeter, von der Spitze an gemessen, wurde der Stamm dort abgeschnitten. Nach oben hin wurden alle Äste und auch die kleinsten Zweige entfernt, bis auf den letzten Kranz. Dann wurde die Rinde abgeschält, auch von den meist fünf oberen Ästen, die auf eine Länge von ca. 15 Zentimeter gekürzt wurden. Vorsichtig wurden diese Äste nach unten gebunden, sie ergeben so eine Rundung, dies musste jedoch sehr vorsichtig geschehen, denn die Äste brechen leicht und dann ist die Arbeit umsonst gewesen: und dann ist der SCHLACHTEQUIRL kaputt. Dieses Gebilde muss für ca. 3 Jahre an einen Ort gehängt werden, der beste Platz ist der Dachboden. Kopfüber muss er dort ganz langsam trocknen. Löst man zu früh die Schnüre, bleiben die Äste nicht in der gewünschten Stellung und der Quirl kommt nie zum Einsatz.

Wozu braucht man so ein Quirl? Beim Schlachten ist er ein wichtiges Utensil. Wenn während des Schlachtens das Blut aufgefangen wird (das später zur leckeren Blutwurst wird), muss es ständig gerührt werden, damit es nicht gerinnt. So ein Hilfsmittel ist dabei nicht wegzudenken. Ich kann euch nicht sagen, wie oft ich das gemacht habe, jedenfalls: das Hausschlachten fehlt mir. In jedem Jahr haben wir mindestens zwei Schweine geschlachtet, immer war ich dabei und lernte, wie Schlackwurst, Blutwurst, Leberwurst und Co. Hergestellt, geräuchert und eingeweckt wurden.

Mein Patenonkel, Heinz Näther (leider verstarb er durch einen tragischen Unfall) brachte mir vieles bei und freute sich, in mir jemand gefunden zu haben, der da mit Schwung und Elan mitmichte und das im wahrsten Sinne des Wortes…

 

 

 

5.1.2014

Mal etwas Spontanes… Sonntag, eigentlich sollte ich am Herd stehen und uns ein Mittagessen zubereiten, aber nein, mir kam eine Idee. Wir fahren schoppen.

Jürgen war sofort dazu bereit, wir zogen uns um, die begonnene Arbeit ist sicher auch noch da, wenn wir zurück kommen. Ich glaube zwar an Trolle und Elfen, aber im Haus hatte ich noch keine bemerkt, so werde ich am Abend das liegen Gelassene erledigen.

Ich hatte Joel Turnschuhe zu Weihnachten geschenkt, sie waren eine Nummer zu klein und sie mussten umgetauscht werden. Aus diesem Grund ging die Reise nach Västervik, ca. 70 Kilometer von uns entfernt. Es war gerade 12.00Uhr, als wir das Haus verließen und so schätzte ich, dass wir gegen 13.00 im Einkaufscenter sind und so war es auch. Der Parkplatz war wie bei meinem letzten Einkauf wieder voll, daraus schließe ich, dass nicht nur ich die Idee hatte, am Sonntag einen Bummel durch die Geschäfte zu machen. Besonders in den Geschäften für Technik und Sportbekleidung waren viele Kunden zu sehen. Die Turnschuhe waren schnell umgetauscht und ich machte für mich einen „Schnäppchenkauf“ , eine so genannte Übergangsjacke (DDR Bezeichnung für eine Jacke, die weder für den Sommer noch Winter, eben für den Übergang ) ist. Diese Bezeichnung sorgte bei Jürgen für Belustigung, er kannte den Ausdruck nicht. Ich habe jetzt eine Jacke für 99 Kronen gekauft (ca. 10 Euro), dick gefüttert, Regen abweisend und mit Signalstreifen versehen, die vor kurzer Zeit noch 499 Kronen gekostet hatte. Ich freute mich darüber und auch Jürgen ist glücklich über seinen Einkauf, er hat jetzt neue Laufschuhe. Seit Wochen suchte er welche, doch immer gab es ein Hindernis, entweder zu groß, zu klein oder einfach zu teuer. Heute nun wurde sein Wunsch erfüllt, morgen werden sie eingeweiht.

Ein paar Lebensmittel noch schnell im Supermarkt gekauft und wir machen uns auf den Heimweg. Es war ein schöner Ausflug und vor allem eine Abwechslung, da wir sonst nicht gerade weit weg vom Gartenzaun kommen außer bis zur Arbeit oder mal nach Oskarshamn. Unsere Freizeit ist eigentlich keine, das müssen wir ändern. Darum werden wir solche Aktionen wie heute öfter machen, spontan und einfach so…..

 

4.1.2014

Vertrauen… In den letzten Tagen des vergangenen Jahres habe ich dieses Wort mal erwähnt. Ich schrieb, dass es einen Knacks bekommen hat. In Deutschland waren meine letzten Jahre davon geprägt, dass mein Vertrauen ausgenutzt und missbraucht wurde. Ich vertraute Menschen, von denen ich glaubte, sie seien meine Freunde.

Zum Beispiel eine in meinen Augen liebe Freundin. Wir halfen uns gegenseitig und waren für einander da. Als ich ihr von meinen Plänen erzählte, nach Schweden zu gehen, ihr sogar den Vorschlag machte, mitzukommen, denn sie hatte auch nichts zu verlieren, sie ist absolut allein, hatte keinen Job und musste aus ihrer Wohnung, sagte sie, nein, das traue sie sich nicht. Sie war traurig, dass ich gehe und weinte bitterlich, als wir uns trennten.

Eine Mail in drei Jahren, das blieb von dieser Freundschaft. Heute weiß ich, es war keine, mein Vertrauen wurde ausgenutzt.

Ebenso hatte ich zu einem Mann, von dem ich glaubte, er sei ein Freund, soviel Vertrauen, dass ich ihm fast alles aus meinem Leben erzählte, meine Erfahrungen und Enttäuschungen. Auch er erzählte mir viel von seiner viel jüngeren Frau und seinem kleinen Sohn, wie sehr er die beiden liebe - und kurz danach musste ich erfahren, dass er im Gefängnis sitzt… Grund: Heiratsschwindler.

Als ich nach Schweden kam, war ich vorsichtig, ich bin der Meinung sogar übervorsichtig, jemandem etwas über mich zu erzählen. In Tommy fand ich endlich wieder jemanden, dem ich voll vertraute und ebenso ging es ihm. Wir erzählten und erzählen uns noch heute Dinge, von denen kein anderer Mensch etwas weiß.

Ich musste lernen, dass hier das Vertrauen den Mitmenschen gegenüber wichtig ist, es ist die Grundlage für das gesamte System. Im Sinne von Astrid Lindgren leben die Menschen offen und vertrauensvoll miteinander.

So begann auch ich mein Misstrauen abzubauen, eventuelle Vorurteile zu verdrängen und so sollte ich nun eine Lektion bekommen, die mir einen Knacks verpasste. Am 20.Dezember rief mich ein Anders an, er sagte, er komme mit dem Zug von Helsingborg und benötige ein Quartier für 7 Nächte, ob etwas frei sei, was ich bejahte.

Wir holten ihn von Oskarshamn am Abend ab. Ein älterer Mann stand da vor uns, er sah traurig aus und wir glaubten an einen Menschen, der vor der Einsamkeit flieht. Viele Möglichkeiten gingen uns durch den Kopf, wir machten uns sogar Sorgen um ihn, doch hatten Jürgen und ich ein eigenartiger Gefühl, das uns hätte vorsichtiger sein lassen müssen. Aber nein, wir nahmen ihn mit und brachten ihn in das liebevoll extra für Weihnachten hergerichtete Zimmer. Zweimal am Tag gingen wir zum Gästehaus, um zu sehen, ob es ihm gut geht. Zum Fest selbst richtete ich ihm ein Weihnachtsmenü her, das er dankend annahm. Am 28. Dezember wollte er wieder abreisen, ich bekam am 27ten weitere Gäste und diese frühstückten am 28ten. Ich bediente diese Gäste und sah, dass Anders aus dem Haus ging, ich ging ihm nach und fragte, ob ich ihm helfen könne. Er sagte, er fahre nach Oskarshamn und würde am Abend um 17.00 Uhr wieder hier sein und ob ich dann im Haus wäre, er wolle alles bezahlen, denn er hatte ja einige Lebensmittel bei mir eingekauft und sein Weihnachtsessen sowie die Abholung und Unterkunft standen zu Buche…. Und da stehen sie heute noch, denn er ward nicht mehr gesehen.

Nun wissen wir, dass er schon bei vielen Unterkünften diese Masche benutzte und der Polizei als Betrüger bekannt ist. So, und was brachte diese Aktion? Mein gerade gewonnenes Vertrauen den Menschen gegenüber ist mächtig zusammen geschrumpft …

Aber ich arbeite am Wiederaufbau.

 

 

 

3.1.2014

Das Jahr ist drei Tage alt, bald ist der erste Monat um und die nächsten elf dann auch, die Zeit vergeht wie im Fluge, schnell und unaufhaltsam. Nur an uns selbst merken wir, dass da wieder ein Jahr vergangen ist. Die Knochen sind nicht mehr so fit, das merke ich gerade jetzt.

Ich habe angefangen, das Esszimmer zu renovieren, na sagen wir mal: daraus ist sanieren geworden. Ich muss die Decke abhängen, das wäre für mich vor Jahren kein Problem gewesen, Papa hatte mir das mit all seinen Arbeitsgängen beigebracht. Zwar habe ich das alles noch im Kopf, doch packe ich das nicht mehr alleine und ich kann ein paar Hände zum Zufassen gut gebrauchen. Ich habe Joel gebeten morgen, mitzukommen, denn sein Vater kommt morgen und wird weiter an dem Dachausbau mit Jürgen arbeiten. So geht es auch hier vorwärts. Ich möchte nicht zu lange in unserer Baustelle wohnen. Bis die Saison für Café und Restaurant im April startet, möchte ich es geschafft haben. Mit Jürgens Hilfe könnte es klappen, er ist handwerklich auf nicht auf den Kopf gefallen und so ergänzen wir uns bei den anliegenden Arbeiten.

Hier soll für die nächste Woche das Wetter noch so bleiben wie es ist, damit haben wir die ersten zwei Wintermonate anders hinter uns, als von den Bauern befürchtet. Alle in Schweden waren auf einen Winter wie im vergangenen Jahr eingestellt. Zwar ist ein richtiger harter Winter noch möglich, aber nicht so andauernd lang wie der letzte.

Das hat auch etwas Positives, unser Holzvorrat reicht für diesen Winter. Wir hatten ja im Herbst mit 15 Kubikmetern Brennholz Vorsorge getroffen. Aus Deutschland hörte ich von einzelnen Kirschblüten und blühenden Veilchen, bei diesen Temperaturen kein Wunder. Ich habe Ilona gebeten, ein Foto zu machen und es mir zu senden, ich werde es hier nachreichen …. als kleinen Frühlingsgruß aus Deutschland mit einem kleinen Abstecher über Schweden. Den Duft müssen wir uns jedoch vorstellen, was uns allen nicht schwer fallen sollte, denn dieser ist einer der schönsten Düfte der Welt: der Duft von Veilchen.

 

 

 

"Hexe" Anna
"Hexe" Anna

1.1.2014

Wie oft werden wir uns verschreiben…..

Nun heißt es 2014, bei Briefen, Formularen und Verträgen, überall sind das Datum und die Unterschrift wichtig. Sie entscheiden oftmals über Gültigkeit und vor allem Rechtzeitigkeit.

Was wird uns das Jahr bringen, diese Frage stellen wir uns alle, das alte Jahr beenden wir mit Vorsätzen, um uns zu verändern, unser Leben gesünder zu gestalten, ob es Sport treiben ist oder aufs Essen zu achten, aufhören zu Rauchen oder andere Dinge. Lassen wir es doch mit diesen sogenannten Vorsätzen, wir sind doch nur enttäuscht, wenn wir sie nicht erreicht haben. Anstelle von gesünder zu essen und Sport zu treiben, sind Kilos dazu gekommen, aus fünf sind sieben oder gar mehr Zigaretten geworden, der Haussegen hängt schief, obwohl man sich doch ewige Liebe versprochen hatte, tja dann verfällt man in Traurigkeit, und man kann das Leben gar nicht genießen, weil man ja so beschäftigt war, mit sich selbst und der Umwelt.

Alles Quatsch… Lebe und genieße, jeden Tag neu!

Verbringe die wertvolle Zeit nicht mit unwichtigen Sachen, denn was einst wichtig, kann jetzt schon total nebensächlich sein. Was wir früher keine Beachtung geschenkt haben, kann nun unser Leben komplett verändern. Also lassen wir es herankommen und entscheiden, wenn es so weit ist, was wir tun und lassen. Ich werde so ins neue Jahr starten, da ich am gestrigen Abend etwas über das nun Folgende erfahren habe. Wie ich das erfahren habe … ganz einfach: Anna unsere „Hexe“ hat mir das gesagt. Nicht aus einer Glaskugel oder aus der Hand, sondern aus den Karten und aus Steinen, die ich selbst aus tausend gewählt habe.

Stellt euch einen Korb vor. In ihm liegen ca. tausend Steine, Mineralien und Kristalle, ich entscheide mich für neun von ihnen. Bei der Auswahl geht es nicht um die Schönheit des Steines, es sind andere Dinge, die dich einen bestimmten Stein nehmen lassen und auf den Tisch legen. Dazu kommen neun und sechs Karten. Auf die neun Karten, die aufgedeckt auf dem Tisch liegen, lege ich meine ausgewählten Steine. Auch das geschieht unbewusst. Dann beginnt die „Hexenarbeit“. Anna wusste nichts von meinen Plänen und Ideen, die in meinem Kopf kreisen und als Bild bereits vorhanden sind. Sie hat sie ausgesprochen. Ist das Hexerei oder Zufall? Jedenfalls kann ich jetzt schon sagen, langweilig wird es hier nicht, es kommt ganz viel auf mich und mein Umfeld zu.

Aber noch mal kurz zurück zu dem Silvesterabend, er war super, echt super. Zwei Wikinger-Paare und wir zwei an einem langen schweren Bohlentisch, im ganzen Raum Kerzen verteilt, dies war das einzige Licht und die Atmosphäre war toll. Krabben, Wildschwein, Lamm, Bier, Wein und Kräuterschnaps gesellten sich zu den alten Wikingerleuchtern auf dem Tisch. Rustikal und schön. Da reden vier schwedisch, Jürgen und ich dazwischen, kein Problem, wir haben uns verständigt und geredet, schwedisch, englisch und deutsch, jeder wusste, was der andere sagte und meinte.

Um Mitternacht hieß es dann, das neue Jahr begrüßen, ohne Knallerei und Feuerwerk, genau o wie ich es auch tun würde. Nur ein einziger Knall wurde gezündet, ein Schuss aus einer uralten „Hand- Kanon“. Eine Waffe aus dem frühen Mittelalter. Geladen mit Zeitungspapier, die in die Mündung gestopft wird. Eigentlich kommt dann die Kugel dazu, aber die ist aus Sicherheitsgründen und Gesetz natürlich nicht im Lauf. Dann wird ins Zündloch Schwarzpulver gefüllt und mit einer Lunte gezündet. Auch das muss man mal gesehen haben. Wenn ich mir so vorstelle, wie damit eine Jagd damals abgelaufen ist, na viel Spaß. Da sollte der erste Schuss schon sitzen.

Wir sind so gegen 1.00Uhr nach Hause gegangen, und waren schon wieder zum Frühstück um 9.00 Uhr eingeladen. Das hieß: schnell schlafen. Aber trotzdem haben wir verschlafen, um 9 wurde ich wach, ich habe Jürgen geweckt und wir starteten wieder in Richtung, Torbjörn und Freunde.

Als wir dort ankamen war Anna schon tüchtig dabei Aniswaffeln zu backen (oh Mann, sind die lecker!) Torbjörn stand nur als Hülle vor uns, er sagte: „Ich bin noch gar nicht da und habe einen riesigen Kater.“ Trotzdem übernahm der das Sahneschlagen und machte das auch gut. Wieder saßen wir an dem schweren Tisch in der alten Runde und ließen uns die Waffeln mit Sahne und Fruchtmus schmecken. Die Zeit verging und nach zwei Stunden sind wir jetzt wieder zu Hause und gehen den Tag langsam an und machen „nichts“…. Stimmt ja nicht, ich schreibe in mein Tagebuch…..

 

 

 

31.12.2013

So der Tag ist so gut wie vorbei….

Wieder Ereignisse, die ich hier schreiben werde, doch nicht heute, denn ich komme sonst nicht in den Schlaf, also es bleibt spannend. Lest in den nächsten Tagen, was mich so wütend macht. Nur so viel, mein gerade wieder gewonnenes Vertrauen den Menschen gegenüber wurde wieder etwas kleiner…. Schade.

Denken wir lieber an Morgen. Torbjörn, der Wikinger, war am Nachmittag bei mir, ich war noch mitten in der Jahresinventur und meinem Monats- und Jahresabschluss, also absolut trocken und langweilig.

Er kam um mir zu sagen: „Morgenabend um 8.00 Uhr, sollt ihr bei uns sein.“ Anna. unsere Hexe mit Leib und Seele, richtet ein Magisches Fest zum Jahresende aus und wir sind eingeladen, ist das cool.

Wir freuen uns riesig. Ich kümmere mich um das Hauptmenü und sie macht andere Leckereien.

So das wollte ich schnell noch loswerden, ganz liebe Grüße an meine Leser, ich wünsche Euch alle einen guten Rutsch ins neue Jahr, all Eure Wünsche und Träume sollen in Erfüllung gehen … bleibt mir treu. Es bleibt aufregend und spannend hier bei mir in meinem wunderschönen, verträumten Bråbo in Småland in Schweden.

„Guten Rutsch und ein gesundes Neues!“

Eure Astrid

 

 

 

30.12.2013

Dann ist es alt …

 

Wir sagen: „Tschüss, du altes Jahr!“

Doch ist es wirklich alt?

Es sind doch nur Monate, die da vergangen,

und grad erst hatte es doch angefangen.

 

Was geschah mit dem Jahr zuvor,

wie können wir es nennen,

warum entschied man sich dazu,

die Jahre zu benennen?

 

Die Tage fügen sich zusammen,

wir sagen dazu Wochen,

zu Monaten reihen sie sich auf,

bei zwölf davon wird vom Jahr gesprochen.

 

Für jeden Monat wurden Namen erfunden,

die Jahre benennen wir mit Zahlen,

und der Dezember schließt es ab,

dass wir etwas zu feiern haben.

 

 

 

 

29.12.2013

Da hatte ich mich auf die Fahrt nach Sätra gefreut. Den ganzen Tag fällt leichter Regen und der Waldboden ist sicher aufgeweicht und eine schadensfreie Abholung meiner Möbel wäre nicht möglich. Die Möbel würden nass werden, egal wie gut wir sie abdecken. Nun haben wir das ganze verschoben. Wenn leichter Frost ist und der Weg fest, werden wir hinfahren und das Haus winterfest machen und die Möbelstücke transportieren, die ich auswechseln will. Es kommt nicht auf ein paar Tage an, denke ich. Wichtig ist nur, dass nicht viel Schnee liegt, denn dann geht gar nichts.

Da ist Jürgen gestern kurz entschlossen mal wieder gelaufen, das habe ich ausgenutzt und mich an die Arbeit gemacht. Im Nebenraum von der Küche soll ja das Esszimmer entstehen, so nahm ich mir meinen Farbeimer und Pinsel und wollte loslegen. Farbe und Holzleisten sollten einen Raum machen, der die alte Geschichte des Hauses widerspiegelt. Ich hatte die Idee, eine Wand von der Tapete zu befreien und die alten Bretter sichtbar zu machen, so wie es eben früher war. Gut, dass ich diese Idee hatte…

Ich begann die Tapete und darunterliegende Tapete und die darunter liegende und darunterliegend und … und …. abzureißen. Dann kam die Pappe, die typisch ist, um die Wände abzudichten. Sie war feucht und zerfiel. Darunter kamen feuchte Späne zum Vorschein. Im Sommer hatte Jürgen eine Stelle im Dach entdeckt, die Regenwasser durchließ. Jetzt wissen wir, wo es endete.

Ich beschloss, die Deckenverkleidung auch mal zu kontrollieren, und das sollte meinen Verdacht bestätigen. Auch da hatte das eingedrungene Wasser einen Schaden angerichtet. Ein Brett darunter war bereits komplett durchfressen, jedoch nach der Dachreparatur trocken und zeigt somit, dass kein Regenwasser mehr eindringt. Jetzt werden wir eine neue Zwischendecke einziehen müssen und diese weiß streichen, so wie es die Farbspuren der alten Deckenbretter verraten. Wie ich die Wände gestalte steht auch fest. Wie vorgesehen, kommen die Wände in einem typisch alten schwedischen Stil und an einer Wand werden Tapetenreste die Generationsgeschichte des Hauses und - in diesem Fall speziell - von diesem Raum wiedergeben. Ich freue mich schon auf das Resultat. Ich habe 11 verschiedene Tapetenschichten abgetragen. Jede von ihnen könnte eine spannende Geschichte erzählen, über Freude, Familienglück, die Geburt der Kinder in diesem Haus, aber auch von schlechten Zeiten und Trauer.

Als ich die Verkleidung abzureißen begann, dachte ich mal wieder an meinen Vater. Wie würde er das machen, was würde er nun tun. Mir fiel eine ähnliche Situation ein und schon hatte ich eine Lösung. Ich hatte das Gefühl, er schaute mir über die Schulter und gab mir Ratschläge. Ich musste manchmal schmunzeln und ich gehe mit neuem Elan an die Arbeit.

Jürgen kam vom Laufen und Duschen zurück. Von außen durchs Fenster sah er, was ich da gemacht hatte. Er sagte nur: „Astrid du bist verrückt“, doch als er in den Raum kam und das ganze Ausmaß sah, verstand er, was ich da getan hatte. Wir beschlossen gemeinsam die Lösung und gemeinsam werden wir sie in den nächsten Tagen angehen.

 

 

 

 

27.12.2013

Freitagabend. Weihnachten ist vorbei, so wie jedes Jahr viel zu schnell. Auch ein Tag Arbeit ist vorbei (der hatte es in sich, Ereignisse, die kaum zu Glauben sind) und wir haben Wochenende, für Samstag haben wir nun die Fahrt nach Sätra vor. Da es ja noch schneefrei ist, ist auch der Weg dorthin ohne Schwierigkeiten möglich, denn zum Haus sind es fast zwei Kilometer durch den Wald. Ein romantischer Waldweg führt dahin, Ruhe und Natur pur. Ein dicht mit Fichten und Birken bewachsener Wald bildet den Garten. Felsen, mit Moos und Farm bedeckt, machen das Ganze perfekt.

Wie in einem der schwedischen Filme muss man sich alles vorstellen. Ein altes Ehepaar lebt abgeschieden, fern von Lärm und Hektik. Der Mann macht das Holz für Kamin und Küchenhexe und fertigt kleine Schnitzereien vor dem lodernden Kamin, und die Frau sitzt auf dem an den Lehnen abgegriffenen alten Sofa mit ihrer Handarbeit. Als ich das erste Mal dieses Haus betrat, überlief mich ein Schauer, ein Schauer der Rührung. Jedes Möbelstück, jede Tasse erzählte eine Geschichte, selbst Tassen, die angeschlagen waren oder einen Sprung hatten, standen liebevoll sortiert im alten Hängeschrank in der Küche. Im Wohnzimmer über dem Tisch hing eine Petroleum-Lampe, denn Strom gibt es hier nicht. Auf dem hochlehnigen Sofa lag eine zerschlissene Wolldecke, wie oft wird sie die kalten Beine des Paares gewärmt haben? Genau wie sie habe ich einen Dachstein in der Küchenhexe zu liegen. Wenn er heiß ist, schlage ich ihn in ein Handtuch ein und stelle meine Beine darauf, nach einem Spaziergang im Winter. Mit dem Unterschied, dass sie wohl keine großen Spaziergänge gemacht haben, denn im Winter waren sie ans Haus gebunden. Die einzigen Wege führten zum Brunnen, der 50 Meter vom Haus entfernt am Fuße des Felsens liegt, auf dem das Haus und die Scheune stehen, und in den Schuppen, um das Holz zu holen, das akkurat aufgereiht war.

Das Haus wird mit Hilfe des offenen Kamins und der Hexe in der Küche erwärmt, das bedeutet viel Arbeit im Sommer. Holz gab es ja genug da, doch in Gestalt von hohen Fichten.

Wenn ich daran denke, wie der alte Mann dies alles bewältigte, wächst in mir Achtung ihm gegenüber. Ich weiß, was es heißt in den Wald zu gehen, Bäume zu sägen, sie zu zerschneiden und später Holzscheite zu hacken, dies musste auch ich als Kind tun. Da war ich froh, als wir eine Zentralheizung bekamen und die benötigte Holzmenge abnahm. So reichte das geschlagene Holz länger.

Das alte Paar hatte in den letzten Jahren seines Lebens sogar noch einen Garten angelegt, in dem sie Johannesbeer- und Stachelbeersträucher pflanzten und einen Walnuss-Baum. Das Aufwachsen des Baumes muss beide sehr glücklich gemacht haben, denn das gelingt nicht immer. Ich fand eine Zeichnung des Grundstücks. Darauf ist außer Haus, Scheune, Brunnen und Fundament des alten Hauses (des Ursprunghauses) auch der Platz eingezeichnet an dem der Walnuss Baum gepflanzt wurde. Hinter der Scheune kann man erkennen ,dass da einmal ein Gemüsegarten war, doch das Alter und wohl auch der gesundheitliche Zustand der beiden ließen es nicht mehr zu, ihn in Schuss zu halten.

Es ist bewundernswert, dass im Dachboden vom Hausherrn ein Schlafzimmer ausgebaut wurde, das gemütlich und handwerklich einwandfrei ist. Ich erfuhr, dass dies erst in den letzten Jahren passierte, bevor die zwei auszogen. Wenn ich das alles so sehe, bin ich mir sicher, dass sie nicht gern von dort weggegangen sind. Mit dem Herzen sind sie sicher noch heute da, nur der Verstand und die Vernunft brachten sie zu dem Entschluss, zu den Kindern zu ziehen. Sie starben beide im folgenden Jahr. Wer dieses Haus, dieses Drum und Dran sehen würde, würde verstehen, dass es so kommen musste. Als ich das Haus damals betrat, sah es aus, als seien sie nur mal kurz weg und stünden jeden Moment wieder in der Tür.

Sie wurden heraus gerissen und ließen ihre Wurzeln dort. So alte Bäume wachsen in keinem neuen Boden an, egal wie sie gehegt und gepflegt werden, sie welken und sterben…

 

 

 

26.12.2013

„Wenn Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen“,

wie oft hat man diesen Spruch schon gehört, aber vor allem wie weit ist dieser Tag noch entfernt. Ich denke nicht mehr weit, wir haben Weihnachten, Dezember und ich lebe in Skandinavien, also herrschten jetzt eigentlich Winter, Kälte und Schnee, aber was haben wir wirklich?

Im Durchschnitt 10 Grad plus, weit und breit kein Schnee, sondern frisches Grün, Das Knoblauchgras, das im Frühjahr mit das erste Grün ist, zeigt sich bereits und ist Zentimeter hoch.

Maulwurfshaufen, frisch aufgestoßen, sind im Garten zu sehen. Ich kann mich daran erinnern, dass meine Oma immer sagte: wenn der Maulwurf aufstößt, ist er Winter vorbei. Wir hatten noch gar keinen richtigen Winter. Gibt uns das nicht zu denken? Bleiben die Temperaturen so, haben wir bald die ersten Schneeglöckchen und Krokusse, auch sie sind schon groß aus dem Boden heraus gewachsen.

Wenn ich an den Film „ Michel in Lönneberga“ denke, denn der spielt ja um die Weihnachtszeit, da gab es einen mächtigen Schneesturm. Es begann am Abend zu schneien und Wind zog auf, er kam aus dem Norden und brachte einen Schneesturm mit, der über ganz Småland zog und das Land tief verhüllte. Solche Stürme sind hier nicht selten und sie bringen Unmengen an Schnee. Tommy berichtete uns von einem solchen Sturm, der vor Jahren hier tobte, und Schnee in Höhe von vier Metern fiel in nur einer Nacht. Es war Pulverschnee, der die Häuser unter sich begrub, und die Anwohner über die Dächer hinaus kletterten und ihre Häuser von den Schneemassen befreiten. Im Laufe des Tages sackte der Schnee zusammen und die Schneehöhe schrumpfte auf 1,5 Meter. Durch die Luftfeuchtigkeit wurde der Schnee erst jetzt schwer und die bisher leichten kristallenen Flocken bildeten eine Schneemasse, der nicht mehr wie Puderzucker war, denn so, konnte man glauben, fiel der Schnee vom Himmel.

Ich lege keinen Wert darauf, einen solchen Winter zu erleben, aber das Wetter gegenwärtig ist auch nicht das Wetter, wie es sein sollte. Tommy berichtete uns von einem Winter, der gar keinen Schnee brachte, und das Gras auf den Wiesen schon im Februar richtig grün und saftig war.

Wie nennt man das? Verrückte Welt oder Klimawandel… ?

 

25.12.2013

Da laufen tagelang die Vorbereitungen für die Festtage und ruckzuck gehen sie vorbei, heute ist nun der 25.Dezember 2013 und somit auch das Weihnachtsfest in diesem Jahr so gut wie Historie.

Die Historie des Weihnachtsfestes in meinem Leben in wenigen Worten:

Während meiner Kindheit gab es dieses Fest zwar auch wie in jedem Haus. Heimlichkeiten kurz vor der Weihnachtszeit: mein Vater zog sich in seinen Schuppen zurück und wenn ich zu ihm gehen wollte, durfte ich nicht weiter als bis zur Tür, die auch immer verschlossen war, wenn mein Vater nicht zu Hause war. Im Haushalt musste ich bereits als kleines Kind kräftig bei den Vorbereitungen helfen: Kuchen backen, Enten bratfertig machen, nachdem sie mein Vater geschlachtet hatte, und Hausputz sowie das Baum-Anschmücken am Heiligen Abend. Meine Schwester hatte das Talent, sich vor all diesen Tätigkeiten zu drücken, sie hatte die Freizeit, die ich als Kind nicht hatte Später wurde die Vorbereitung und somit Arbeit immer mehr, ich hatte jetzt selbst Familie und wollte alles besser machen, aber vor allem anders. Mit den Kindern habe ich gebastelt und geschmückt, ein selbstgebastelter Adventkalender begleitete sie durch die Wartezeit auf den Weihnachtsmann, der natürlich pünktlich am 24. zur Bescherung an die Tür klopfte.

Nun haben meine zwei Großen selbst eine Familie und sie machen es genauso, wie sie es in ihrer Kindheit erlebten.

Einige Jahre gab es dann kein glückliches Weihnachten mehr bei mir, mein letztes Jahr in Deutschland hatte ein Blitzweihnachten… Am 24 . vormittags Baum geschmückt, die weihnachtlich verpackten Geschenke für Joel unter den Baum gelegt und nach der Bescherung Fenster auf …. Baum raus. Ich war nicht mehr da, in Gedanken befand ich mich schon in Schweden.

Das erste Weihnachtsfest in S chweden verbrachte ich mit Joel alleine in Fogelfors, ich habe Wochen vorher begonnen das ganze Haus zu schmücken, mit Joel Plätzchen zu backen, und wir hörten Weihnachtslieder. Es war gemütlich und vorweihnachtlich, zu Weihnachten kam Michi mit Familie, wir holten viele „Nichtweihnachtsfeste“ nach. Wir erfreuten uns an den strahlenden Augen der zwei Mäuse. Mia May und Johann Desmond erlebten ihr erstes Weihnachten zusammen mit ihrer glücklichen Oma. Joel war damals 16 Jahre, auch er wurde wieder zu einem kleinen Jungen und spielte mit den beiden vor dem knisternden Feuer im Kamin.

Seit zwei Jahren ist nun Jürgen hier und wir machen es uns gemütlich und genießen die Zeit ohne Stress. Wenn die Tage zuvor auch arbeitsreich waren, jetzt ist Ruhe eingekehrt, wir sitzen im Wohnzimmer, sehen das Weihnachtsprogramm, trinken Enbärdrycker und Jürgen ist gerade in der Küche verschwunden, um uns einen Tee zu kochen.

Joel und Frank waren heute bei uns zum Mittagessen und Kaffee trinken. Joel freute sich über seine Geschenke, die er bei u, aber ich wusste aus Gesprächen, was er gerne haben wollte.

Er wird erwachsen, er wünscht sich ganz normale Dinge, die er braucht und die sinnvoll sind. Eine dicke Jacke, eine Thermoarbeitshose, Handschuhe und ein Sweetshirt, alles ist für seine Arbeit wichtig, denn er muss mit dem Bus täglich am frühen Morgen los und steht oft lang an der Bushaltestelle. Wir habe Turnschuhe, dick gefütterte Winterstiefel drauf gelegt, was die Überraschung perfekt machte, ebenso der riesige bunte Teller, denn dafür ist man nie zu groß oder zu alt…

 

23.12.2013

Morgen Kinder wird`s was geben…

Nun sind drei Tage so etwas Ähnliches wie Urlaub. Ich hatte sturmfreie Bude, denn Jürgen ist shoppen gefahren und ich konnte zu Hause sauber machen und den Weihnachtsbaum aufstellen. Joel war heute hier und er half mir, den Baum ins Haus zu bringen, ich habe ihn geschmückt, sparsam und fast naturbelassen. Es sind Dinge aus Holz, Filz und Sisal, die aus dem unscheinbaren Bäumchen „unseren Weihnachtsbaum“ machen.

 

Du bist nun in den nächsten Tagen

Gast in unserem kleinen Heim,

unscheinbar hast du am Wegesrand gestanden,

wir luden dich zum Feste ein.

 

Nicht gerade, eher etwas schief,

das macht es aus, dass wir uns für dich entschieden.

Ein Ast mal kurz, ein Ast mal lang,

es fällt kaum auf, sind schmückende Dinge dran.

 

Sisal, Filz, Stroh und Holz, machen diese einst

unscheinbare Fichte, zum Weihnachtsbaum……

und somit stolz.

 

Jürgen kam gerade nach Hause, so richtig zufrieden ist er mit seinen Einkäufen nicht, glaube ich, doch die Frage nach Geschenkpapier und Schleifenband lässt mich vermuten, dass er doch etwas gefunden hat. Als er ins Wohnzimmer kam und den Baum sah, freute er sich und erteilte das Lob ab, dass aus dem nicht gerade makellosen Baum ein Weihnachtsbaum wurde.

Ich habe schon die verpackten Geschenke für Joel und Jürgen unter den Baum gelegt, das macht die Neugier und die Spannung größer. Jürgen sagte, als er sie sah, dass er heute Abend beginnen würde, sie sorgfältig auszupacken. Ich weiß, dass es ein Spaß war und auch er artig warten wird.

Morgen steht dann Backen und die Vorbereitung des Abendessens auf dem Plan.

Ich mache eine Pfefferkuchentorte, man muss sich einen riesigen Dominostein vorstellen, mit Creme, Gelee und Marzipan gefüllt und mit Schokolade überzogen, nur in rund.

Zum Abendessen gibt es Kartoffelsalat, Hähnchenschenkel, kleine Bratwürstchen und eine Käseplatte. Einfach und unkompliziert. Ich stehe nicht stundenlang in der Küche. Man kann da auch später noch einmal zufassen, wenn der kleine Hunger kommt.

Am ersten Feiertag gibt es Wildschweinbraten und am zweiten gibt es Fisch auf Gemüsebett.

Nicht gerade weihnachtstypisch, wir haben uns aber gesagt es soll ein Essen geben, das wir uns wünschen, und da Jürgen und auch Joel von Ente und Ganz nicht begeistert sind , entschied ich mich für diese Gerichte. Die bunten Teller fallen auch wieder größer aus als geplant und daher wird sicher zur Mittagszeit der Satz zu hören sein: „Ich habe noch gar kein Hunger“. Denn der bunte Teller ist dann nicht mehr ganz so bunt.

 

 

 

20.12.2013

Freitag, in vier Tagen ist Heilig Abend…

Gestern war ich zu meinem Arzttermin, den hätte ich mir sparen können. Nachdem ich fleißig die verordneten Medikamente einnehme, sind natürlich auch die Beschwerden geringer geworden und der Finger sieht wieder „normal“ aus. Da sagt der Orthopäde: „Das muss ich sehen, wenn die Beschwerden extrem sind. So kann ich da keine Diagnose stellen.“

Also eine Reise durch Småland, ohne so richtig was erledigt zu haben. Na egal, mein Weg führte mich an einem Einkaufscenter vorbei, ich hatte ja noch viel Zeit und so machte einen Schlenker in Richtung Eingang.

Ein riesiger Parkplatz, und trotzdem kaum ein Platz zu finden, das ließ mich schon richtig vermuten: volle Geschäfte und Schlangen an der Kasse. So war es auch, doch da ich ein paar Überraschungen fürs Weihnachtsfest gefunden habe, nahm ich das in Kauf.

Zu Hause angekommen, wollte ich noch einmal nach Mails und Buchungen schauen. Der Schreck war groß, bereits vor 3 Tagen machte mein Lappi mir Sorgen: ich kam nicht mehr auf mein Benutzerkonto. So, und das nächste Problem: auch mein Administrator war gesperrt. Ich kam nicht mehr an alle Dateien und ich habe heute den ganzen Tag daran gearbeitet, zu retten was zu retten geht.

Da steht das Weihnachts-, Geburtstags-, Oster – und Sonst-was-Geschenk für die nächsten Jahre fest: ein neuer Laptop, denn der ist so wichtig für meine Arbeit wie der Kuchen für den Kaffee.

Wenn ich mal so zurück denke, vor 4 Jahren, da habe ich noch nicht mal gewusst, wie ein Computer an und ausgeht. Ich glaubte, so ein Ding nie zu brauchen und nun ist es das erste Teil, das morgens angeschaltet wird. Es ist die Verbindung zu meinen Kindern, meinen Freunden und zu meinem Tagebuch.

 

 

21.12.2013

Jetzt ist Samstag, gestern habe ich spontan aufgehört zu schreiben, ich wollte Fernsehen gucken. Hier wird auch deutsches Fernsehen empfangen und da gibt es ab und an mal Sendungen, die ich mir mit Jürgen ansehe. Gerade zur Weihnachtszeit kommen Filme und Unterhaltungssendungen , die mich abschalten lassen, und wenn ich dann so gegen 22.00 Uhr zu Bett gehe, denke ich nicht mehr über meine vielen Pläne und Ideen nach, sondern falle in einen entspannten Schlaf. Die Temperaturen sind mild und es genügt, wenn Jürgen, kurz bevor wir ins Bett gehen, den kleinen Ofen anheizt. 2-3 Scheite Holz reichen aus, um das Schlafzimmer etwas aufzuheizen, denn sonst wäre es doch etwas frisch und ungemütlich.

Marian, einer unserer Mitglieder, hat sich im vergangenen Jahr einen Ofen gekauft, der Zentralheizung und Küchenherd in einem sind, so etwas werden wir uns auch suchen und uns eine Zentralheizung ins Haus bauen. Die Heizkörper haben wir bereits und auch einen großen Teil der Verrohrung. Anschlüsse und eben dieser Ofen machen die Materialien komplett, und wir legen auch mit dieser Baumaßnahme los.

Montag kommt ein Freund mit seinem Sohn und einem Bagger, sie werden im Garten eine Grube für unseren Abwassertank graben, so geht auch das weiter, und ein Wannenbad ist nicht mehr weit weg, sollte ja eigentlich zu Weihnachten fertig sein, aber die Hausbauweise lies dies nicht zu.

Vor zwei Stunden rief mich ein älterer Mann aus Helsingborg an, er buchte für eine Woche ein Zimmer bei uns, da er mit dem Zug kommt und in Oskarshamn Endstation für seinen Zug ist, werde ich ihn mit Jürgen abholen, er ist gegen18.00 Uhr auf dem Bahnhof in Oska.

Oska ist das Stichwort. Oskar, ein junger Mann, heiratet im Mai und wird das Fest in Bråbo feiern, es sind ca. 70 Gäste geladen. Für 60 von ihnen benötigt er eine Unterkunft. Ich habe ihm versprochen, mich darum zu kümmern und ihm Angebote und Fotos zu senden. Gerade rief er mich an und teilte mir mit, dass er das alles in der nächsten Woche benötigt. Da er die Einladungen an seine Gäste versenden will, ist es wichtig, dass er alle Infos von mir erhält.

Somit ist meine Arbeit für Montag/ Dienstag klar. Fotos und Preise zusammenstellen und per Mail los. Für die Gäste ist dann ein Frühstück im Restaurant bestellt. Ich werde ein Buffet zusammenstellen, denn ich denke, das Frühstück erstreckt sich über eine lange Zeit.

Da es im Frühling stattfindet, lasse ich mir etwas Cooles einfallen, um auch den Außenbereich des Restaurants mit einzubeziehen, um diese große Gruppe von Gästen „abzufrühstücken“.

Wenn es soweit ist, schreibe ich hier meine Ideen nieder und werde auch Fotos von dem Fest beifügen. Nun aber genug vom Frühling, der muss noch warten. Zwar ist der Winter noch nicht richtig hier, aber er kommt und bleibt sicher auch einige Monate.

 

19.12.2013

Donnerstag, es ist sehr neblig und gerade mal 6.30 Uhr, ich muss mich jedoch aufraffen und zum BEF fahren. Schnell noch einen Kaffee mit Tommy trinken und wenn Jürgen rechtzeitig zurück ist auch mit ihm.

Er ist mal wieder „joggen“, was in letzter Zeit sehr selten ist. Fehlende Zeit durch die im Moment reichhaltige Arbeit, fehlende Motivation durch nasskaltes Wetter und ein wenig- LUST VERLUST- sind wohl die Gründe dafür. Wenn wir unsere kleine Runde mit Kaffee und Tagesplanung beendet haben, mache ich mich auf den Weg nach Västervik, muss ja heute zum Krankenhaus.

Werde dann auch gleich noch etwas fürs Weihnachtsfest einkaufen, denn meine Wünsche wurden nicht erhört: Baustopp und so was wie ein paar Tage frei. Aber Tommy hat bereits ein Essen am 27.Dezember für 6 Personen angemeldet. Weihnachten findet nächste Woche statt - also wird nun doch eingekauft und geschmückt.

Es gibt ein JULBORD, das heiß Julschinken, Weißbrot, Butter, Senf, als Vorspeise etwas Typisches zu Weihnachten: Milchreis mit Zucker und Zimt und Früchtemus und danach wie nach jedem Essen Kaffee und Kuchen, dafür habe ich einen Jul-Ostkaka geplant.

Am Sonntag haben wir Vorstandsitzung und unseren Jahresabschluss, ebenfalls mit einem Essen. Ich werde das Essen zubereiten und meine Leute hier sind die Versuchskaninchen, denn es ist das erste Mal, dass ich dieses Gericht koche. Nun könnte man sagen, was ist da falsch zu machen? Klar, Milchreis und so sind kein Problem, aber dieser Schinken und der spezielle Ostkoka sind hier sehr beliebt und etwas Besonderes, wo man VIEL falsch machen kann. Also Daumen drücken, dass ich das hin bekomme und nicht zum Jahresende einen Flop hinlege.

Gestern habe ich ein Päckchen für meine lieben Freunde in Deutschland gepackt, was sage ich ,es sind nicht meine Freunde, sie sind so was wie meine Familie, denn sie waren immer für mich da , wenn ich Sorgen und Probleme hatte. Sie haben mein vergangenes Leben sozusagen miterlebt und verstanden, dass ich einen dicken Strich darunter zog und den Weg nach Schweden ging. Sie wollten mich eigentlich mal besuchen, aber auch bei ihnen macht die Gesundheit diese Pläne zunichte. Ich will versuchen, dass ich im Frühjahr mal runter komme und dann ein paar Tage bei ihnen bin, ich brauch mal wieder die Gemütlichkeit und Fürsorge von Marlis, sie ist so ein lieber Mensch und egal wie es ihr geht, sie wuselt und macht. Günter ist herzensgut und ein wenig ruhiger geworden, als er früher war, er verbringt viel Zeit im Wald, wo auch sonst, denn er ist ein Jäger, seit ich ihn kenne und das ist lange, 50 Jahre. Mit Wilma, einem frechen Rauhaardackel-Fräulein, macht er lange Spaziergänge, und in diesem Jahr, so habe ich gehört, hat er Marlis mit Pilzen versorgt, die sie verarbeitet hat und die sicher auch mal auf meinem Teller zu finden sind, wenn ich wieder bei ihnen bin und das leckere, von Marlies liebevoll zubereitete Essen vorgesetzt bekomme. Ich freu mich jetzt schon drauf.

In dem Päckchen befindet sich der dritte Teil meines gedruckten Tagebuchs, denn sie haben kein Internet, und so haben sie etwas „Handfestes von mir“. Diana versorgt sie zwar immer mit dem Lesestoff, liest ihnen vor oder druckt es auch mal aus und so können sie mich abends bei sich haben, wenn sie auf dem Sofa sitzen in ihrer gemütlichen, weihnachtlich geschmückten Stube. Etwas über mich lachen und vor allem aber in Erfahrung bringen, wie es mir geht, denn sie nehmen großen Anteil an meinem Leben hier und machen sich auch mal Sorgen, wenn sie eine Weile nichts von mir hören.

Also Wollis… mir geht es gut, die Wehwehchen gehen vorbei und ich bin glücklich mit meinem Leben hier, es ist eine tolle Natur, ich habe liebe Freunde gefunden und das Leben macht einfach wieder Spaß, macht’s gut und wir sehen uns….

 

 

 

17.12.2013

Heute habe ich einen Brief mit dem Termin für den Besuch in Västervik beim Orthopäden bekommen. Am Donnerstag muss ich mich am Morgen auf den Weg dorthin machen. Da ich nicht so richtig weiß, wo ich hin muss, plane ich mal ein paar Minuten mehr ein, sicher ist sicher. Ich hatte zwar für Donnerstag andere Pläne, denn da planten wir eine Fahrt nach Sätra. Wir wollten alles winterfest machen und noch einmal das Gefühl der absoluten Ruhe und Abgeschiedenheit genießen. Wir werden einen anderen Tag für diese Tour nutzen, sicher wird es der Freitag oder Samstag sein, denn am Sonntag bin ich in Berga auf dem Weihnachtsmarkt, denn dorthin wurde ich als Gaststand eingeladen und dies werde ich auch genießen. Ich freue mich schon darauf, denn ich werde meinen Stand so weihnachtlich schmücken, dass ich meiner Gastrolle gerecht werde.

Nun mal wieder etwas über das Geschehen hier in Bråbo. Ich hatte ja geschrieben, dass bei uns der Winter Einzug hielt, Schnee hatte einen Teppich über die ganze Natur gelegt und die Entschleunigung begann. Der Winter ist die Zeit, in der man sich Zeit für seine Familie nimmt, seinen Hobbys nach geht und Dinge tut, für die man im Rest des Jahres keine Zeit hat. Der Körper kommt zur Ruhe und die Seele bekommt Streicheleinheiten in Form von Glück und Zufriedenheit. Handarbeiten, Basteln und Lesen sind nur einige Dinge, die wieder die Abende am Kamin ausfüllen, wenn draußen der Schnee vom Himmel fällt und an den Fensterscheiben Eisblumen wachsen und blühen.

Aber… der Schnee ist weg und sicher noch weitere zwei Wochen, so dass das Weihnachtsfest ohne Schnee stattfindet, ebenso der Jahreswechsel. Zumindest sagt das die Wetterprognose. Die letzten Tage ließen allen Schnee tauen, und wenn ich aufs Thermometer schaue, glaube ich eher an den kommenden Frühling. Aber im Januar wird sich das sicher ändern.

In der alten Scheue, die wir erwarben, stehen auch drei alte, sehr alte Pferdeschlitten, die werden wir restaurieren und dann kann Anne Rose ihre Pferde anspannen. Kutschfahrten gehören dann zu unserem Angebot, mit einen Picknick bei einem romantischen Lagerfeuer mit Schinken, Käse, Brot und Äpple-Glögg. Von der ersten Fahrt berichte ich in Schrift und Bild.

 

 

 

16.12.2013

Heute habe ich im Dienste des Weihnachtsmanns Geschenke verpackt. Fünfzig Jutesäcke, die ich zuvor genäht habe, mussten gefüllt und dann mit einer Schleife verschlossen werden. Heute Nacht werde ich wohl weiter packen. Ja und zu Hause geht es auch weiter, ich hatte ja geschrieben dass wir die Badbauidee ändern müssen. Nun ist das kleine Bad im Obergeschoss fertig, nur noch die Toilette und dann kann es im Erdgeschoss weiter gehen, auch da machen wir am Bad weiter. In den nächsten Tagen kommt Jan mit dem Bagger und hilft uns bei der Grube und dem Kanalgraben. Da der Schnee sich entschieden hat, uns das anzubieten, nehmen wir dies auch an und legen los.

Im Haus machen wir nach den Festtagen weiter. Ich werde versuchen, das Esszimmer noch zu malern und den Fußbodenbelag verlegen. Wenn es die Zeit erlaubt, kommen die Möbel auch noch vor dem Fest an ihren neuen Platz. Der Schrank, den ich ja schon mal im Tagebuch vorgestellt habe, wird dann der Knüller.

Die vergangene Woche war anstrengend denn meine Hand machte mir immer noch Probleme, wenn es auch eine Besserung zu vermelden gibt. Ich war noch mal beim Arzt und dieser möchte eine Behandlung durch einen Orthopäden, um sicher zu sein, dass seine Diagnose richtig ist. Die verordneten Medikamente schlagen an und ich bin froh darüber.

Am Donnerstag begannen die Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt in Vimmerby: Produkte zusammenstellen, Hänger beladen, Dekoration einpacken und Tasche füllen mit privaten Dingen… Am Wochenende waren Jürgen und ich dann in Astrid Lindgren Näs, das ist das Grundstück, auf dem Astrid Lindgrens Geburtshaus steht.

Jürgen war mit, um mich zu unterstützen, denn ich sollte meine Hand schonen, Anweisung von Arzt und Tommy, denn der machte sich große Sorgen um mich und meine Gesundheit. Ich hatte eine Übernachtung in der Nähe von Vimmerby für uns gebucht, was auch gut war, denn als wir am Freitagmorgen los fuhren, war es so neblig, so dass wir keine 10 Meter sehen konnten und viel länger für den Weg brauchten, als wir geplant hatten. Da am Abend ja das Lucia Fest war, wussten wir, dass es spät wird und wir am Samstag wieder zeitig los müssen, wollte ich diesen Stress verhindern.

Wir übernachteten in Kloster Garden und konnten ausschlafen, was in letzter Zeit sehr selten war. Frühstück und ab nach Vimmerby zum zweiten Markttag. Im Gegensatz zum Freitag, an dem schönes Wetter herrschte und die Besucher des Marktes sich Zeit ließen beim Schlendern, regnete es und war etwas unfreundlich, was auch auf die Stimmung der Besucher drückte.

Nun aber das Schöne von diesem Marktwochenende. Freitag angekommen, wurden wir zu unserem Platz geführt, aufs Privatgelände von Astrid Lindgren, neben dem Geburtshaus befindet sich ein weiteres Wohnhaus, das an diesem Wochenende auch bewohnt war: von den Enkelinnen der Astrid Lindgren. Sie lassen meine Leser grüßen!

Wir bekamen den Raum, in dem sich die kleine Küche befand, es war gemütlich und man fühlte überall die Historie von Astrid. In den Nebengebäuden waren ebenfalls Händler und es gab eine kleine Scheune, in der der Weihnachtsmann die Kinder begrüßte. Um 18.00 schloss der Markt. Wir gingen in den Glaspavillon und warteten auf den Chor, der singend durch den Garten kam, um im Pavillon sein Programm aufzuführen. Es war ein schöner Abend. Wir fuhren in unsere Pension und fielen ins Bett und schliefen sofort ein.

Samstag kam dann auch der Weihnachtsmann zu uns in die kleine Küche, um uns ein besinnliches Weihnachtsfest zu wünschen. Egal wie alt man ist, es berührt einen und geht ins Herz. Für einen Moment ist man wieder Kind.

 

9.12.2013

Wieder ist Sonntag, das heißt der zweite Advent. Ich liege auf dem Sofa und mache mir so meine Gedanken, wie ich all die Arbeit bis zum Weihnachtsfest noch schaffen soll. Die Bauerei am Bad bekam einen anderen Verlauf, unvorhergesehene Situationen machen das erforderlich.

Ja, warum liege ich auf dem Sofa und schlimmer noch, warum habe ich die ganze Woche nichts von mir hören lassen. Gesundheitlich war ich ja etwas angeschlagen. Seit einigen Wochen habe ich in meiner rechten Hand am Mittelfinger eine Gelenkerkrankung. Mal mehr, mal weniger machen sich da Schmerzen bemerkbar. Am Dienstag, in der Nacht um halb 3, war ich bereit, Jürgen zu wecken und ihn zu bitten, mit mir ins Krankenhaus zu fahren. Die Schmerzen in Finger, Hand und Arm waren so stark, dass ich fast soweit war. Ich entschied mich dann aber, ihn schlafen zu lassen, mich selbst tröstend, dass diese Nacht auch mal zu Ende geht. Gleich am Morgen ging es dann ins Krankenhaus, dort angekommen fühlte ich mich erleichtert und gut aufgehoben. Denn mein Finger war bereits auf das doppelte Maß geschwollen, glühend heiß und hämmerte extrem. Eine Assistenzärztin sah sich das an und rief einen Arzt dazu, dieser ordnete sofort eine Blutvergiftungsuntersuchung an. Es handelte sich um eine schwere Entzündung im Gelenk. Antibiotika und eine septische Lösung zur Kühlung und Abschwellung bekam ich dann in der Apotheke.

Die Schmerzen lassen mich nicht gerade sagen, es geht mir besser, nein das in keinem Fall, ich halte die Hand ruhig und da es die linke Hand ist , die meine Arbeitshand ist, macht es mir natürlich viele Arbeiten unmöglich, und meine Stimmung nicht gerade besser. Trotz der Medikamente verändert sich nichts, am Dienstag schaut es sich ein weiterer Arzt an. Ich bin kein Mensch, der wegen kleinen oder gar größeren Wehwehchen jammert, aber das hier macht mir doch zu schaffen. Liegen und Schlafen geht nicht, denn sobald die Hand nicht mehr hochgehalten wird, glaube ich, im Schraubstock zu stecken und jemand dreht immer weiter zu.

Nun sitze ich also mit meinem Läppi auf dem Sofa und schreibe mit dem „Einfinger-Suchsystem“ in mein Tagebuch. Ein Spaziergang wäre mir zwar lieber, denn seit drei Tagen ist hier nun Winter, Ruhe kehrt ein, die Natur trägt ihr weißes Kleid. Gerade schaue ich aus dem Fenster, der Schnee fällt in so zarten kleinen Kristallen, dass es aussieht, als würden Nebelschwaden am Fenster vorbei ziehen. Schaut man jedoch länger genauer hin, kann man die einzelnen Flocken erkennen. Es ist wohl nun der Anfang des lang anhaltenden Winters, die Temperaturen lassen ein Schmelzen nicht mehr zu. Nun werden uns etwa vier Monate Schnee, Eis, Kälte und unser Eisschlitten begleiten. Jürgen wollte bereits gestern eine erste Tour starten und mit Emma und Schlitten losziehen, ist nix draus geworden. Die Straße hat noch keine durchgängige Eisschicht, somit muss die Starttour noch ein paar Tage warten, Jürgen und Emma stehen in den Startlöchern.

 

Nun noch einmal zu meinen Bauplänen. Im nichtausgebautem Raum sollte ja das Wannenbad entstehen, jedoch kann ich meinen Traum mit dem Blick aus dem Fenster direkt unter der dicken Eiche, wenn ich in der Wanne sitze, nun nicht umsetzen Egal, eine Lösung muss her und die ist auch schon da. Da die Unterkonstruktion des Bodens eine Wanne nicht zulässt, schon gar nicht mit Wasser und meiner Person, kommt die Wanne nun ins Erdgeschoss. In den Raum unterm Dach werden wir das Gästezimmer und meinen Arbeitsbereich bauen. Ins kleine, bisherige Gästezimmer kommen eine Toilette und ein Waschbecken, dann haben unsere Gäste ihren eigenen Bereich, gemütlich im Seemannslook Weiß / Blau. Es ist fast fertig, die Toilette und Wasser müssen noch installiert werden. Bei einen Holzhaus ist diese Baureihenfolge möglich, wäre es ein Haus aus Stein und Zement sähe das ganz anders aus.

Der Schleier aus Schnee verdichtet sich und etwas Wind kommt auf, da werden morgen wieder Figuren aus Schnee im Garten aufgetürmt sein, welche die Natur gebaut hat und die wir nicht schöner bauen könnten.

 

 

1.12.2013

Der Sonntag nach Totensonntag…. Andere sagen dazu erster Advent, bei mir kommt leider keine Weihnachtsstimmung auf. Arbeit, Gesundheit und fehlende Zeit lassen mich den Wunsch aussprechen, das Fest noch etwas zu verschieben, wenn das ginge. Jedoch glaube ich, dass dies nicht möglich ist und ich also mit dem Zustand klar kommen muss.

Gestern war ich in Vena zum Weihnachtsmarkt, es war kein Erfolg, dies macht mich traurig, und ich denke darüber nach, dass ich meine Zeit verschenkt habe. Ich verschenke gerne, denn wenn man sieht, dass der Beschenkte sich freut, freue auch ich mich. Doch wenn es um meine Zeit geht, die ich im Moment nur sehr knapp bemessen besitze, habe ich eine andere Einstellung dazu.

Ja, warum war es gestern kein Erfolg? Ganz einfach… Vena ist ein kleiner Ort. Ja, das hat nichts zu sagen, Bråbo ist das auch, und wir hatten 2500 Besucher auf unserem Weihnachtsmarkt.

Die Räumlichkeiten, in denen der Markt stattfand, waren überhaupt nicht geschmückt, weder außen, noch innen. Kein Schild geschweige ein Weihnachtsbaum wiesen auf den Markt hin.

Innen sah es aus wie in einem ausgeräumten Versammlungsraum: karge leere Wände, grelles Licht von großen Deckenlampen, alles so, dass man eine weihnachtliche Stimmung nicht einmal erahnen konnte. Meine Enttäuschung war groß. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, so glaubte ich an das Gute und somit auf Gäste, die gleich herein strömen, und ich warte immer noch. Ich habe viel erlebt und gehört, aber so etwas noch nicht. Ich konnte mir die Frage an den Veranstalter nicht verkneifen, ob dies der Probelauf für den „richtigen Weihnachtsmarkt“ sei.

Die Antwort war ein müdes Lächeln und der Satz „Im vergangenen Jahr war es auch so“. Ich habe angeboten, im nächsten Jahr bei der Gestaltung des Marktes zu helfen, da habe ich also so was wie eine Marktlücke hier entdeckt…. Marktgestalter.

Er freute sich über diese Idee, denn er war in Bråbo auf dem Markt, sagte er und zeigte mit seinen funkelnden Augen und einem strahlenden Lächeln seine Begeisterung. Nun gab ich ihm meine Mail- Adresse, die er sofort haben wollte, und besiegelte mit einem Handschlag diese Idee. Wenn ich es schaffe, im nächsten Jahr 104 Besucher auf den Markt zu locken, habe ich eine 100%-Steigerung, das ist doch ein Erfolg ….oder?

So nun aber genug von diesem gestrigen Tag, streichen wir ihn erst einmal, und machen dann am Montag mit Tommy eine Auswertung dieses gelungenen Tages.

Heute ist 1. Advent, und ich mache mich nun auf den Heimweg, nachdem ich für einen Überraschungsgast Frühstück zubereitet habe und es schon 11.30 Uhr ist.

Morgen wieder mehr...brauche eine Auszeit!

 

 

29.11.2013

Nun ist der Tag gekommen, an dem Familie und Freunde Abschied nehmen, von einem lieben und bis zum Ende kämpfenden Menschen: Annette.

Bereits am Vormittag war das Begräbnis, die Familie hatte darum gebeten, dass man diesen Moment der Familie lässt. Weder Freunde noch Bekannte sollen beim Abschied der Familie dabei sein. Dies ist in Schweden oft der Fall, es ist der Wunsch des Sterbenden, genau so die Nicht-Bekanntgabe Derjenigen oder Desjenigen, für die die Spenden aufgewendet werden sollen. Nun kommt sicher die Frage was für Spenden. In Schweden werden keine großen Blumengebinde am Grab niedergelegt, diese Gabe soll den Lebenden zu Gute kommen. Der Tote hat nichts von großer Blumenpracht auf seinem Grab. Sein wir mal ehrlich, das ist „Was für die Leute“. Das Begräbnis selbst findet nur mit den Hinterbliebenen statt, Partner und Kinder. Nach diesem Abschied findet eine Feierstunde statt, entweder am selben Tag oder einige Tage später, In der Zeitung wird dieser Termin mitgeteilt und man kann sich anmelden, wenn man daran teilhaben will, dies tut man bei den Begräbnisunternehmen. Gleichzeitig wird in der Presse auch die Möglichkeit einer freiwilligen Spende und deren Verwendung mitgeteilt.

Eine solche Art des Abschieds ist eine gute Möglichkeit, den Verstorbenen noch einmal zu ehren und zu zeigen, dass man seine Wünsche respektiert. Annette hatte viel Zeit über ihren Abschied nachzudenken und ihn gemeinsam mit ihren Lieben zu planen. Nicht jedem ist diese Möglichkeit gegeben und nicht jeder kann dieser Realität ins Auge sehen. Schieben wir nicht alle die Frage der Klärung nach dem Tod vor uns her, viele denken, das geht dann schon seinen Gang… Bürokratie und Familienstreitigkeiten werden dabei nicht beachtet. Ein fehlendes Testament und die Art und Weise der Bestattung sind die häufigsten Streitigkeiten unter den Hinterbliebenen und führen nicht selten zum Bruch.

Ab einem bestimmten Alter oder wenn wir wissen, dass wir mit einer Krankheit leben, sollten wir uns im Klaren darüber sein, dass wir Streitigkeiten verhindern können, wenn wir vorsorgen. Nicht das dicke Konto ist entscheidend, das Geschriebene, nämlich das, was wir wollen und wünschen, sollte nicht in Vergessenheit geraten.

So wie dieser Tag heute für Annette ein Abschied ist, so hat sie sich ihn gewünscht, sie wäre glücklich zu sehen, wie viele Menschen ihr „Vi ses“ sagen.

 

28.11.2013

Die Termine, wann und wo ich zum Weihnachtsmarkt fahre und unseren leckeren Glögg mit Ingwer verkaufe, stehen fest: Samstag bin ich in Vena, das ist gar nicht so weit entfernt von Bråbo, ich fahre etwa 30 Minuten mit meinem Marktgespann. Total auf Winter und natürlich Weihnachten eingestellt geht es los. In Kristdala hole ich Petra ab, eine liebe Freundin, die wie ich vor drei Jahren nach Schweden zog. Im vergangenen Jahr folgte ihr Mann, er musste solange arbeiten, ist jetzt Pensionär und genießt die weiteren Jahre hier. So gegen 9.00 Uhr wollen wir starten. Um 12.00 beginnt der Markt und der Aufbau soll ja Spaß machen und nicht in Stress und Hektik ausarten, und außerdem wollen wir uns vorher auf dem Markt umsehen. Gestern waren wir bei Petra und Männe eingeladen. Das war schon lange fällig, dass wir wieder mal einfach quatschen, im Moment kommt auch das zu kurz. Um 18.00 Uhr sollten wir zum Essen da sein, Petra hatte lecker gekocht und alles liebevoll hergerichtet. In ihrer Vergangenheit, sagte sie, gab es viele Fertiggerichte, gut und schnell auf den Tisch. Doch seit sie in Schweden ist mit einem eigenen Obst- und Gemüsegarten, hat sie die Liebe zum Kochen entdeckt. Selbst gemachtes Tomatenpesto auf frischgebackenem Brot, ein super leckerer Salat mit Himbeeressig, den sie ebenfalls selbst gemacht hat, waren der Start des gemütlichen Abends. Ein Glas Rotwein dazu und der Abend war gerettet, das hatten wir schon lange nicht, einfach mal an den gemachten Tisch setzen und sich bedienen lassen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das das letzte Mal hatte.

Danach gab es Salzkartoffeln mit Grünkohl und Met-Enden. Das esse ich für mein Leben gern und gehört zum Winter wie Schnee und Kälte. Und als Abschluss: ein Bratapfel mit einem im Herzen ausgebackenen Dominostein.

Und dann kam selbst gewürzter Glühwein mit Orange und Mandeln, da sage einer, es ist nicht gemütlich. Wir haben über dies und das geredet und oft herzhaft gelacht. Die Beiden sind zwei liebe Menschen und wir sind glücklich, sie zu unserem Freundeskreis zu zählen. Danke, es war ein toller Abend, Gegeneinladung folgt, versprochen!

Zurück zu meiner Weihnachtsmarktaktion. Ich habe mich auch in Vimmerby angemeldet, dort findet der Weihnachtsmarkt in der Astrid-Lindgren-Welt statt. Allein das ist schon mal was Besonderes, wenn ich aber nun noch sage, wo mein Stand ist, werden einige sicher neidisch werden. Als sie in der Anmeldung meinen Namen erfuhren, stand für sie sofort fest, wo mein Stand stehen würde…

Ich bin mit ihm im Geburtshaus von Astrid Lindgren und darf die alte kleine Küche und ein kleines Wohnzimmer für zwei Tage „mein Reich“ nennen. Noch kann ich es gar nicht richtig glauben, aber morgen soll ich den Vertrag geschickt bekommen und auch Fotos, dann stelle ich alles gleich ins Tagebuch .Bin total aufgeregt! Der 13. und 14. Dezember 2014 gehen in meine Geschichte ein…