„Was hältst du von der Unsterblichkeit?“ fragte sie.
„Die Sonne“, sagte er, „wird ein sonderbares Bild vom Menschen haben. Morgens sieht sie die Menschen aus den Betten kommen und abends legen sie sich wieder hinein. Dazwischen herrscht ein
völliges Durcheinander. Und das eine Ewigkeit lang. Die Sonne muss ja verrückt werden..“ Nach einer kleinen Pause sagte er: „Das wollen wir doch nicht oder?“
„Aber ich mein doch nicht ein ewiges Leben auf der Erde.“ sagte sie. „Ich meine im Universum. Und ich meine unsere Seelen, nicht Körper. Und am schönsten wäre das mit einem Geliebten!“
Er überlegte, was man als Seele mit einem Geliebten anfangen kann, ihm fiel nichts ein. Aber das sagte er nicht. Er sah ihre sehnsüchtigen Augen und wie sich ihre Schultern bewegten, als fühlte
sie sich schon in einer ewigen Umarmung.
„Nein, sie ist doch zu romantisch“, dachte er. „Ich sollte von ihr lassen.“
Sie kannten sich schon seit Wochen und er hatte noch immer nicht ihren Körper berühren dürfen. Mit jeder Bewegung, mit jedem Blick, jedem Laut ihrer Stimme zog sie ihn zu sich heran.. und ließ
ihn abprallen.
Endlich sagte er ihr, was er wolle. Ohne Umschweife. Ganz direkt.
Sie lachte.
„Das tu ich ja! Und zwar aus Gesundheitsgründen.“
„Und warum nicht mit mir?“
„Du bist mir ein Heiliger! Du bist Parzival, der Reinste von allen. Und ich will dich nicht aus Gesundheitsgründen lieben. Ich will dich richtig lieben!“ rief sie. „Mit meiner Seele will ich dich
lieben!“
Er wusste nicht, wie es geschah. Aber er sah sich selber, wie er langsam, mit hängenden Schultern, zur Tür ging.
„Bleib doch“, rief sie. „Warum gehst du?“ Sie stellte sich vor ihn. „Tun wir's! Spürst du denn nicht, wie unsre Seelen es wollen?“