Manchmal stand er auf der Mülltonne und sah sich von dort die Welt an. Das tat er aber nur, wenn er einen sitzen hatte, denn schließlich gehört Mut dazu, um auf eine wackelige Mülltonne zu
steigen.
Dann stand er da, kleinwüchsig und doch viel größer als die anderen und blickte um sich, erst auf den eigenen Hinterhof, und dann über die Mauer in den Nachbarhof. Dort wohnte Klara, verheiratet,
eine Pracht von einem Weib, voluminös und rund und lecker wie ein Eierkuchen.
Beide unterhielten sich gern, er von oben, sie von unten, bloß mussten sie aufpassen, dass der Erich nicht dazwischen funkte. Das war ihr Mann, Erich Luszinski, er war nicht viel größer als Winni
und trug ständig ein Lächeln auf den Lippen, weiß der Teufel warum, während Winni da ein keckes Schnauzbärtchen hatte.
Es ist eine warme Sommernacht, schon halb zwölfe, Winni kann nicht schlafen, er duscht sich, genehmigt sich einen, dann fällt ihm ein, der Müllbeutel muss seit Tagen in die Tonne, er geht
runter und hat nichts an als den Bademantel
Der Mond am Himmel kollert durch den Baum. Winni versinkt in Betrachtung, er wirft den Beutel in die Tonne, dann geht er hoch, die Tür ist zu und kein Schlüssel da. Aber Winni hat ja noch ein
zweites Zuhause.
Er geht in die Kneipe im Vorderhaus, da spielt Musik. Er setzt sich mit einem Bierchen und summt mit.
In der Zwischenzeit gibt es bei Luszinskis Stunk. Das ist immer so, wenn in einer Sommernacht der Vollmond am Himmel steht, genau an dieser Stelle, nachts um 12 Uhr32, das weiß jeder, der in
Neukölln geboren ist. Worauf Klärchen Luszinski sich vornehm anzieht, sie geht bloß in die Kneipe, wo Winni sie mit einer Verbeugung zum Tanz auffordert. Beim Tanzen geht der Bademantel auf, aber
das stört weder Winni noch Klärchen
Da kommt Erich Luszinski, setzt sich, spielt den Gelassenen. Aber immer wieder geht der verdammte Bademantel auf.
„Was soll das! Das machste extra..“
Darauf Winni: „Wat regste dich uff.. Hängt er oder steht er?“
Und dann gehen sie auf einander los, und der Wirt hat die Nase voll, er schmeißt sie auf die Straße, und dann sitzen sie draußen zu dritt am Tisch, eine prachtvolle Frau zwischen zwei kleinen
Männern, die sie verwundert anstarren: wie weiß ihr Gesicht ist im Mondlicht und wie die Augen glänzen.
„Und ihr Busen ist angeschwollen wie das Meer bei der Flut“, sagt Winni auf einmal.
„Jetzt gehen wir aber..“ sagt Erich. Sie stehen auf, Klara ein wenig zögerlich. „Na komm schon..“
„Und was mach ich?“ sagt Winni.
Dann legt er den Kopf auf den runden kühlen Tisch, so schläft er, bis ihn um halb sechs ein Spritzer des Sprühwagens der Straßenreinigung erwischt.
Er fährt hoch, greift in die Taschen des Bademantels, findet den Wohnungsschlüssel und geht nach oben, um weiterzuschlafen.