Auf einmal sitzt da ein Gespenst, es muss ein Gespenst sein, ich sitze am PC und links von mir im Sessel hockt es: das Gespenst.
„Es ist Mitternacht“, sagte ich. „Typisch. Die Zeit für Gespenster.“
„Klar“, sagte das Gespenst, „darum bist du ja hier. Ehrlich: ein Gespenst hab ich mir interessanter vorgestellt.“
„Spinnst du? Ich soll ein Gespenst sein?“
„Was denn sonst?“
„Hör mal“, sagte ich, „lass den Unsinn. Du bist das Gespenst!“
„Ach ja? Rühr mich mal an. Versuch's mal!“
Ich griff zu, da war nichts.
Das Gespenst lachte.
„Siehst du.. Du bist stofflos! Du kannst nichts anrühren.“
„Dann fass doch du mich mal an“, sagte ich, „Wirst schon merken, du bist das Gespenst!“
Das Gespenst gab einen höhnischen Lacher von sich, dann sagte es:
„Ein Gespenst anfassen? Wo gibt’s denn so was.. Aber meinetwegen.. Bitte sehr!.. Was gemerkt? Ich wollte dich vom Stuhl reißen. Geht nicht. Du bist ja nichts! Die reinste Verkörperung von
nichts!“
Das ging zu weit.
„Erhebe dich, Gespenst!“ befahl ich
und das stand auf, ich auch und dann ging ich geradewegs in das Gespenst hinein, wirbelte herum, schlug mit den Armen um mich, das Gespenst musste regelrecht zerfetzt sein, aber da stand es vor
mir in voller Größe und lachte.
„Aber wenigstens hast du was gespürt!“ sagte ich trotzig.
„Nichts hab ich gespürt“, kicherte das Gespenst. „Nicht die Bohne!“
Jetzt wurde es mir flau im Magen. Ich hatte auch nichts gespürt.
„Gib dir keine Mühe“, sagte das Gespenst. „Alles hier ist gespenstisch. Es ist deine Geisterwelt. Und das schon seit ewigen Zeiten, fürchte ich. Übrigens, Mitternacht ist gleich vorbei, du musst
verschwinden. Hoppla, es geht schon los..“
Plötzlich war ich allein.
Ich sprang zur Wand. Sie war hart. Total undurchlässig. Und dahinter? Ist da die Wirklichkeit?
Und hier .. das ist die Geisterwelt? Und ich... gütiger Gott... was bin ich?
Ich muss ins Bett, sofort. Und morgen früh... Gespenster müssen sich doch nicht rasieren? Oder??