Immer, wenn's dämmert, hör ich seinen sanften Ruf und bin ein bisschen gerührt, weil in ihm ein Hauch von Fürsorge liegt.
Verheiratet sind sie seit ungefähr fünfzig Jahren, haben getrennte Schlafzimmer, gemeinsam das Wohnzimmer mit Polstergruppe und Flachbildschirm, den er nutzt, wenn er nicht gerade Holz macht oder im Garten arbeitet.
Sie hat den Raum neben der Eingangstür – schmales Bett mit Aussicht auf ein kleines Fernseh-Gerät – das „von früher“. Reden müssen sie nicht mehr miteinander.
Es gibt schlimmere Arten, alt zu sein.
Beide wissen genau, was zu tun ist: Er macht – wie gesagt – Holz und die Gartenarbeit, sie macht die Wäsche und kocht.
Beide führen den Hund aus: Sie geht mit dem Rollator um die verlängerte Ecke – Ben, der Collie ist eher zuhause als sie. Er fährt mit dem Motorroller zur nächsten Kreuzung, der Hund läuft hinterher, er ist eher zurück als der Hund.
So ist alles geregelt seit Jahr und Tag. Was gibt's da zu reden?
Dann aber sein Ruf in der Dämmerung: Es ist immer derselbe Ruf,
„Mieze, Mieze!“ ruft er.
Dann kommt die kleine Katze und er trägt sie ins Haus und legt sie aufs Bett seiner Frau, damit sie über Nacht etwas Warmes hat.