Aktuelles
Das Wort
Es gibt da ein uraltes Wort,
von dem muss ich berichten,
weil es im deutschen Land rumort
mit schrecklichen Geschichten.
Im Zorne wird es oft genannt,
missbraucht von Patrioten.
Es nennt sich: „Vaterland“,
gefüllt ist's mit Verboten.
Doch gibt es noch ein andres Wort:
als Heimat ausgesprochen.
Es kennt nicht Wut, es kennt nicht Mord,
ruhig lässt es Herzen pochen.
Damit das Leben gut gelingt,
wird dort der Hass gemieden.
Denn Heimat ist, wo Menschen sind
in Freiheit und in Frieden
Du zweifelst noch? Du glaubst es nicht?
Ich sag es dir mit Freuden:
Hörst du, dass jemand Heimat spricht,
kann das nur Glück bedeuten.
Die Reichen und die Schönen
Drei Villen zur Ruhe,
nen Jet und ne Jacht.
Mit Glanz und Getue
wird Highlife gemacht.
Und Drogen zum Lifestyle,
gestrafftes Gesicht,
Champagner ist geil,
Kaffee wär zu schlicht.
Das Leben ist Mode,
zur Party geschminkt..
Man lacht sich zu Tode.
Mal sehn, ob's gelingt.
Das Zitat
Das Leben der reichen unabhängigen Men-
schen ist vorläufig noch lächerlich, grotesk,
wertlos und daher zugleich tragisch. Das
zu erkennen ist kolossal wichtig, erstens für
die, die nichts besitzen, damit ihr Neid und
ihre Verzweiflung absterben, zweitens, damit
die Reichen eventuell zur Besinnung
kommen, was für gottverlassene Trotteln sie
sind!
Peter Altenberg in „Einleitung zu einem Buch“
Ich, die KI und meine Gene
„Dumm ist, wer nur stets logisch denkt“,
sprach ich zu der KI. „Ich lass
mich nicht von dir belehren.
Ich bleibe ungelenkt.
Das Träumen macht mir Spaß,
kannst du mir nicht verwehren.“
Ein Lampenzwinkern. Dann ein Klick
und dann die kühle Stimme:
„Du findest das Verrückte schick?
Das ist ja grad das Schlimme!
Mit Gefühl und Träumequatsch
wirst du die Welt versauen.
Das ist nur Wasser mit viel Matsch,
nichts kannst du damit bauen.
Das Denken auf Computerart
durch den Dateien fließen,
das bringt dein Leben erst in Fahrt,
macht dich vom Zwerg zum Riesen.“
„Halt deine Klappe!“ fuhr ich los.
„Ich weiß schon, was ich sage.
Auch dich Klugscheißer gibt’s ja bloß
durch meine tollen Tage.
Wenn ich den Ausgeflippten spiele,
bewegt vom Sturm der Fantasie,
dann finde ich die fernsten Ziele
und zwing Probleme in die Knie.
Vielleicht wirst du das erst kapieren,
wenn dir das Kabelhirn durchschmort,
wenn deine Speicher explodieren
und dich dein eigner Blick durchbohrt!“
Als Antwort kam ein Pfiff.
Verblüfft sah ich mich um.
Dann heulte ne Sirene.
Noch eh ich es begriff,
schlug ich den Rechner krumm,
das warn wohl meine Gene.
Gott und die Menschen
Am Bart hängt ihm der Sterne Reif,
die Augen sind wie Schlitze,
und seine Finger sind zu steif
zum Schleudern seiner Blitze.
Wie hatte er sich abgemüht,
uns eine Welt zu bauen.
Und merkte nicht, was da geschieht:
wir fingen an zu klauen.
Er ließ sich auf ein Bündnis ein,
wir brachen die Gesetze
und mit dem Drang, wie er zu sein,
verlorn wir unsre Schätze.
Es kommt der Tag, dann werden wir
tief in das Weltall spähen
und sehen eine offne Tür,
die führt zu goldnen Sälen.
Und drinnen ist ein Tisch gedeckt,
Gott sitzt dort mit den Tieren.
Man sieht, wie es den Gästen schmeckt.
Uns lässt man draußen frieren.
Doch Gott ist gnädig und er spricht:
"Kommt rein zu meinem Feste.
Und bitte sehr, geniert euch nicht,
für euch gibt es die Reste."
Ein Neues, bitte!
Du Mensch in alter Weltanschauung
auf ausgetretner Bahn:
du seufzt in geistiger Ergrauung,
es schmerzt beim Biss dein letzter Zahn.
Sei nicht der Angst zum Untertane!
Wirf ab der Dinge Hörigkeit
- des Wohlstands listige Schikane -,
lös dich aus der Habseligkeit.
Und die den Rückschritt preisen,
lass sie vorüberziehn.
Sie zählen zu den Greisen,
die sich nicht gern bemühn.
Berühr mit deinem Finger
des allerfernsten Lichtes Spur,
du wirst zum Lebensbringe
der in dir träumenden Figur.
Der Rebell
Ins Abendrot geschaut,
sieht mancher da sein Leben.
Schon klingt ein Jammerlaut,
als würd’s kein Morgen geben.
Doch hört, wie einer spricht,
er gibt die bessre Kunde,
hat eine andre Sicht
zu dieser Abendstunde:
"Beim Sonnenuntergang
fühlt ihr der Wehmut Schauer
und singt den Grabgesang
des Lebens kurze Dauer..
Ich aber rühr die Sterne an,
weil in der Lebensdauer
ich unsre Welt verändern kann.
Ich pfeif auf eure Trauer."