Aktuelles
Die alte Geschichte
Leis im Buch mit blutgen Seiten
blättert unsres Schicksals Hand
und sie malt aus alten Zeiten
Menetekel an die Wand.
Irgendwas riecht sehr nach gestern.
Alles schien so schön und gut.
Steigt aus tief versteckten Nestern
der Geruch von fauler Brut?
Und sie regen sich und lärmen,
ihre Zukunft käme bald
und verstellte Stimmen schwärmen
von der Süße der Gewalt.
"In die Gräber, ihr Gestalten!"
ruft da wer, "zurück, zurück!"
Wo einst Schreckensschreie schallten,
dröhnt schon wieder Marschmusik.
Und es wehen Nebelschwaden
ihre Fahnen übers Land,
und die Luft ist schwer zu atmen,
ferner Rauch erzählt vom Brand.
Zur Lage
Wächst mit der Vergesslichkeit
auch der Unverstand?
Zeichen der Besessenheit,
Lust auf einen Brand?
Schatten der Vergangenheit
treiben Furcht durchs Land..
Hört, wie’s aus den Gräbern schreit:
"Ist schon Hass entflammt?“
Wie zu einem Kampf bereit
stehn uns Tote zugewandt,
denn sie haben unsre Zeit
als erlebt bekannt.
Hoffnung in Zeiten der Jagd
Hoffnung, kleines Entelein,
werde doch ein Schwan!
(Und mein Herz wird rein
und gesund mein Zahn).
Stacheldraht hängt im Museum,
Minen kennt man nur mit e.
In Kasernen laufen rum
Kühe, euterhoch im Klee.
Ich leb mit entblößten Zähnen.
Keiner haut sie dafür ein.
Und statt eisengrauer Tränen
werd ich bunte Reime spein.
Doch ich fürchte, eh’s geschieht,
wird es Herbst noch manches Mal
und manch Ochs von Jäger sieht
Enten nur als Mittagsmahl.
Appell an die UNO
Lasst uns für den Menschen
eine Schonzeit beschließen.
Zu sehr wird er gejagt.
Der glücklich
Überlebende
schwitzt Blut
unter den Füßen.
Sagen wir: Im Mai,
da Mütter die Kleinen
das Gehen im Freien
lehren,
ist das Töten
des Menschen
verboten.
Bedenkt: Was wären wir
ohne uns!
Ausgerottet,
langweilten wir
uns
vielleicht zu Tode.
Auf dass auch in Zukunft
noch Menschen
unsrer Jagdgeschichte
gedenken:
UNO! Erwirk
eine Schonzeit
des Menschen.
Die jungen Astronauten
Statt Tränen
Training der Gedanken.
Den tragischen Schwänen
Angelhaken in die Flanken!
Nur keine Angst! Revolution
wird zur Regel. Wie Zähneputzen.
Wer vor uns wusste denn schon,
den Mond als Zielscheibe zu nutzen?
Unsre Ahnen krochen
im Moos
und ihr Zukunftsdrang
erzwang
den Fortschritt der Stühle.
Wir sind zu groß
für bequeme Gefühle.
Wir schlagen
Schneisen durch die Rinde
des Himmels.
Raketen tragen
uns durch Wellen und Winde
des Sternngwimmels.
Am Ziel wird Stille sein.
Wir treten in die Geschichte ein.
Wir suchen den Platz
für ein besseres Leben
und hüten den Schatz
des neuen Planeten.
Wir haben die Zukunft gewählt
und Frohsinn und Mut.
Wer sich mit Ängsten quält,
ist schlimmer
dran als ein Schwimmer
in Mantel und Hut.
Der Rebell
Ins Abendrot geschaut,
sieht mancher da sein Leben.
Schon klingt ein Jammerlaut,
als würd’s kein Morgen geben.
Doch hört, wie einer spricht,
er gibt die bessre Kunde,
hat eine andre Sicht
zu dieser Abendstunde:
Beim Sonnenuntergang
fühlt ihr der Wehmut Schauer
und singt den Grabgesang
der kurzen Lebensdauer..
Ich aber rühr die Sterne an,
weil meine Lebensdauer
mich und die Welt verändern kann.
Ich pfeif auf eure Trauer.
Gott und die Menschen
Am Bart hängt ihm der Sterne Reif,
die Augen sind wie Schlitze,
und seine Finger sind zu steif
zum Schleudern seiner Blitze.
Wie hatte er sich abgemüht,
uns eine Welt zu bauen.
Und merkte nicht, was da geschieht:
wir fingen an zu klauen.
Er ließ sich auf ein Bündnis ein,
wir brachen die Gesetze
und mit dem Drang, wie er zu sein,
verlorn wir unsre Schätze.
Es kommt der Tag, dann werden wir
tief in das Weltall spähen
und sehen eine offne Tür,
die führt zu goldnen Sälen.
Und drinnen ist ein Tisch gedeckt,
Gott sitzt dort mit den Tieren.
Man sieht, wie es den Gästen schmeckt.
Uns lässt man draußen frieren.
Doch Gott ist gnädig und er spricht:
"Kommt rein zu meinem Feste.
Und bitte sehr, geniert euch nicht,
für euch gibt es die Reste."
Spaß und Spott
Berliner Jammer
Da haun sie dir nen Altbau weg,
da buddeln sie was ein.
Ich fresse Sand und steh im Dreck..
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!
Und dann nervt mich so ein Tourist,
er hätte gern nen Stein
und fragt, wo denn die Mauer ist?
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!
Und meine Miete ist so hoch,
das könnt im Adlon sein.
Und meine Fenster ziehn wie'n Loch.
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!
Und setz ich mich am Kudamm bin,
da hör ich welche schrein:
Mach Platz, da kommt ein Promi hin!
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!
Und will ich mit der U-Bahn fahrn,
muss mir die Bank was leihn.
Das nennen die im Rathaus „Sparn“.
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!
Ich bin geschafft, ich liege flach
und penn gerade ein.
Da gibt's beim Nachbarn Ehekrach …
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!
Genug! Mir langt's! Ich hau jetzt ab,
ich zieh nach Bonn am Rhein
Da ist es friedlich wie im Grab,
da macht es Spaß, Berliner zu sein.
Die Reichen und die Schönen
Drei Villen zur Ruhe,
nen Jet und ne Jacht.
Mit Glanz und Getue
wird Highlife gemacht.
Und Drogen zum Lifestyle,
gestrafftes Gesicht,
Champagner a go, weil:
Kaffee wär zu schlicht.
Das Leben als Mode,
zur Party getrimmt..
Man lacht sich zu Tode.
Mal sehn, ob's gelingt.
Das Zitat
Das Leben der reichen unabhängigen Men-
schen ist vorläufig noch lächerlich, grotesk,
wertlos und daher zugleich tragisch. Das zu
erkennen ist kolossal wichtig, erstens für
die, die nichts besitzen, damit ihr Neid und ihre Verzweiflung absterben, zweitens,
damit die Reichen eventuell zur Besinnung kommen, was für gottverlassene Trotteln
sie sind!
Peter Altenberg in „Einleitung zu einem Buch“
Es ist versext
Wo kann man noch gehen,
ohne was vom Sex zu sehen?
Auf Plakaten, in Schaufenstern,
überall tut er gespenstern.
Dass die Läden profitieren,
soll der Sex uns animieren
und wir nach den Dingen fassen
mit den Händen, den schweißnassen.
Irgendwo geschah es dann.
Ein Bikini bot mir an
etwas Teures abzukaufen,
Gott, wie schnell konnt ich da laufen.
Und es hat mal eine Stadt,
dass sie mehr Besucher hat
und die Reichen bei ihr blieben
sich als arm, aber sexy beschrieben.
Sollen Frauen euch anstarren,
hallo Männer, kauft Zigarren!
Könnt beim Flirt sie gut gebrauchen,
sieht so sexy aus beim Rauchen.
Und zum Schluss: Nach all den Sachen
wird den Tod man sexy machen
und bestimmt hab ich im Grabe
Sextoys als ne Reisegabe.