Astrid Manz

Geboren 22.Februar 1958
Kind der DDR
Mutter von 3 Kindern
2 gescheiterte Ehen
Gelernte Kauffrau
Lieblingssänger: Unheilig
Lieblingsessen: Grüne Bohnen
Hobbys: Malerei und Schreiberei
Liebt Tiere und die Natur
Lebt seit 1.April 2011 ihren Traum...

...ausgewandert nach Schweden

e-mail: schwedenzauber@gmail.com

Astrids Schwedentagebuch 2015

Alle Fotos im Tagebuch lassen sich per Klick vergrößern

Copyright by Astrid Manz

17.12.2015

 

In einer Woche ist Weihnachten, ich bin gespannt, wo ich diese Festtage verbringe. Vor 2 Tagen war ich wieder beim Arzt. Da trotz der starken Medikamente, die mich so durch den Tag taumeln lassen, nicht die erwartete Wirkung haben, sind Mascjek die Hände gebunden. Er sagt, er glaubt ein guter Arzt zu sein, doch ist er bei meinem Krankheitsbild am Ende. Er hat nun einen Kollegen kontaktiert und mit ihm gemeinsam beschlossen, mich in eine Klinik einzuweisen, um schnellst möglich weitere wichtige Untersuchungen einzuleiten. Ich stimmte sofort zu, obwohl mir auch gleich mitgeteilt wurde, dass ich dann wahrscheinlich die Festtage im Krankenhaus sein werde. Das ist mir jedoch vollkommen egal, ich möchte endlich Klarheit haben und eine Besserung verspüren. Warscheinlich gehe ich nach Västervik in die Neurologische Klinik. Mancher denkt vielleicht, die hat wohl ein psychisches Problem, nein, so ist es nicht, der Kopf ist meines Erachtens in Ordnung. Es besteht der Verdacht einer Nervenerkrankung im Körper, denn ständig kommen neue Symptome dazu, die mich nicht gerade beruhigen.

Heute habe ich in Facebook meinen Jahresrückblick erhalten. Ich muss erkennen, dass ich dieses Jahr gern gestrichen hätte. Natürlich gab es auch schöne Momente, doch sind die Enttäuschungen, Erkenntnisse und Geschehnisse in der Überzahl. Ich verbrachte viel zu viel Zeit damit, mich um die Probleme und Dinge von anderen zu kümmern. Erste Signale habe ich ignoriert. Doch es gibt auch Menschen, die oft nachfragen, wie es mir geht, die mich besuchen oder einfach mal anrufen. Und wenn ich dann gerade nicht zu Hause bin, hinterlässt derjenige sein Präsent und löst somit Rätsel aus.

Vor 2 Tagen waren wir nicht zu Hause. Als wir in die Veranda kamen, stand eine Schachtel Pralinen im Regal, weder ich noch Jürgen konnte sich vorstellen, wer sie dort hinterlassen hatte. Tagelang rätselten wir, dann kam ein Anruf von Torbjörn, unserem ”Wikinger”. Er bat mich, um die Betreuung seiner Katzen, denn er fährt wieder für einige Tage nach Skåne zum Wikingertreffen. Er fragte mich, ob ich vor einigen Tagen sein Präsent aus Schokolade gefunden habe. Jürgen freute sich, dass er mit seinem Verdacht recht gehabt hat, aber auch deswegen, weil er erst jetzt die Pralinenschachtel öffnen durfte. Sie sollte so lange geschlossen bleiben, bis wir wussten, wer sie uns geschenkt hatte.

Der heutige Tag war ungemütlich. Den ganzen Tag hing Nebel in der Luft, am Nachmittag regnete es. Nichts deutet auf Winter hin, abgesehen von den letzten Tagen. Da war es kalt und alles war mit weiß wie mit einer Zuckerschicht überzogen. Gestern Nachmittag kam die Sonne hervor und ermöglichte die schönsten Bilder der Natur. Jürgen war mit seiner Kamera draußen und ich habe nun die Ehre, dieses schöne Bild zu zeigen. In der Nacht stiegen die Temperaturen an und am Morgen war wieder alles grau. In den nåchsten Tagen soll es so bleiben, so dass es wohl nichts mit weißer Weihnacht wird, so wie in Deutschland haben auch wir dann zweistellige Plustemperaturen. Die Bäume – ob Haselnuss, Flieder oder Ziersträucher – haben dicke Knospen, als würden sie in den nächsten Tagen aufbrechen, das ist beängstigend. Der Klimawandel ist und bleibt ein wichtiges Thema. Ich hoffe, allen Menschen wird, wie wichtig es ist, nicht achtlos mit der Natur umzugehen, denn wir haben sie nur für unser Leben geliehen, sie gehört uns nicht.

 

 

 

8.12.2015

Da kommt ein Anruf und ich werde gebeten, mir ein Haus anzusehen, das ein guter Bekannter kaufen möchte. Er wohnt noch in Deutschland, möchte aber gerne in den nächsten Jahren nach Schweden ziehen. Er selbst hat bereits ein Haus hier in Småland, nun sucht er ein weiteres, um damit eine regelmäßige Einnahme durch Miete zu haben. Er fand ein Haus im Internet und hat einen Termin bei der betreuenden Maklerin bekommen. Leider kann er selbst den Termin nicht wahrnehmen, daher bat er mich. Nach einem ausgiebigen Gespräch über alle Kriterien war ich einverstanden.

Um 15.00 Uhr war es soweit und ich stand vor einem schönen Haus. Ein gepflegter Garten rundete das ganze ab. Pünktlich kam die Maklerin, sie schloss uns das Haus auf (ich war nicht die einzige, die zu dieser Besichtigung kam) und alle erhielten ein Exposé. Es ist professionell gestaltet und enthält alle Fakten. Ich war vom Haus begeistert, der Preis war 175.000,- Kronen, das sind nicht einmal 20.000 Euro. 6 Zimmer, eine schöne Küche, ein Bad und eine Terrasse, im Keller eine weitere Dusche und 2 bewohnbare Räume, ein direkter Zugang zur Garage und ein Trockenraum für die Wäsche. Ich beschloss sofort zuzusagen, doch war mir bewusst, dass dies wohl ohne ein Gebot nicht funktionieren wird. In Schweden kann man nicht einfach sagen: Ich will das Haus kaufen. Wenn mehrere Interessenten da sind, muss jeder ein Gebot abgeben, also startete es bei den 175,000 Kronen. Die Gebote gehen dann an den Eigentümer und dieser entscheidet nach einem gewissen Zeitraum, an wen der Zuschlag geht. Ich fuhr nach Hause und im Minutentakt kamen die Gebote der Interessenten.

Ich riet unserem Bekannten, vom Bieterverfahren auszusteigen, denn die Häuser hier sind gerade in der Winterzeit für super günstige Preise zu bekommen, wenn man sie vom Eigentümer direkt kauft. Man muss sich einfach nur die Mühe machen und ausgiebig im Internet danach suchen. Die Eigentümer sind daran interessiert, ihre Immobilie vor dem Kälteeinbruch zu verkaufen, denn ein auch nur ein Jahr lang leer stehendes Haus verliert sofort an Wert. Kälte und Nässe rauben dem Haus das Leben und ist es nicht mehr vorhanden, so ist es oft schwer, es wieder zu beleben. Aus diesem Grund geht es dem Eigentümer nicht um einen hohen Preis, sondern einfach darum, das Haus so schnell wie möglich zu verkaufen. Ich denke, im heutigen Fall wird die Entscheidung in der nächsten Woche fallen, denn die Bewerber möchten auch die milden Temperaturen nutzen und so schnell wie möglich ihr neues Heim beziehen. Ich warte ab, ob ich noch mal losgeschickt werde, um zu begutachten, was der Immobilienmarkt hier so anbietet. Wenn ich so nachdenke, es war ein schöner Nachmittag und darum gerne wieder…



7.12.2015

Montag, den ganzen Tag Sonne, das war wohl die Entschädigung für die stürmischen Tage. Ich machte mich am Mittag auf den Weg nach Oskarshamn, dort traf ich mich mit Joel und wir kauften etwas ein. Außerdem holte ich in der Apotheke die Medikamente ab, was heute so etwas wie ein Tagesausflug war: 2 Stunden Warten auf die notwendigen Tabletten. Nicht weil sie nicht da waren, nein, weil die Technik nicht funktionierte.

Mal von vorne. Ich habe ja schon mal geschrieben, wie es hier mit Rezepten funktioniert, nämlich total einfach. Kein ständiges neues Ausschreiben des Rezeptes, nein, du bekommst die verordneten Medikamente für lange Zeit ausgeschrieben, doch kannst du sie nicht auf einmal abholen, sie werden gestaffelt. Immer, wenn die Packung leer ist, gehst du zur Apotheke deiner Wahl, nennst deine Personennummer und bekommst das gewünschte Medikament. Es ist auf der Auflistung, die du jedes Mal bekommst, ersichtlich, wie viel du bereits erhalten hast und wie lange du dieses oder jenes noch bekommst. Heute ging ich also, um mir 2 der verordneten Medikamente zu holen. In der Apotheke sagte man mir dann, dass ich eines nicht mehr erhalte, ich müsse Rücksprache mit meinem Arzt nehmen. Ich ging daher zur Praxis, sprach mit der Schwester, sie kümmerte sich sofort darum und ich wurde wieder zur Apotheke geschickt. Das neue Rezept sei dorthin unterwegs, so die Schwester. In der Apotheke war jedoch kein Rezept im Computer auf meinem Namen. Voller Optimismus wartete ich, nach 20 Minuten wurde ich langsam unruhig. Die Mitarbeiterin schaute in den PC, nichts. Sie rief wiederum in der Praxis an und sprach selbst mit dem Arzt, der bestätigte die Verordnung, zumindest war jetzt sicher, dass mir das Medikament bald gehören würde. Man wies mich darauf hin, dass schon den ganzen Tag in allen Einrichtungen der Apotheken erhebliche Probleme mit der Technik bestanden. Da alle Apotheken Schwedens miteinander vernetzt sind, gab es sicher noch mehr Wartende als mich. Endlich kam die Liste in der Apotheke an, ich erhielt mein Medikament gegen den zu hohen Blutdruck, der bei dieser Aktion erheblich gestiegen war und somit seine Wirkung gleich beweisen konnte.

Wenn die Angelegenheit auch viel Zeit in Anspruch genommen hatte, so freue ich mich doch über die Hilfe der Apothekenangestellten, die sich so sehr einsetzte, und vor allem über ihre Gewissenhaftigkeit. Auch sie war sichtlich erleichtert und wir wünschten uns gegenseitig ein frohes Weihnachtsfest in der Hoffnung, dass wir uns bis dahin nicht mehr sehen, zumindest nicht in der Apotheke.

Ich wurde ganz schnell von meiner schlechten Laune kuriert, denn auf dem Heimweg rief mich Jürgen an, wo ich denn so lange sei, er mache sich Sorgen, ich sagte, ich wäre sauer, um ihn sozusagen auf meine Laune vorzubereiten, doch als ich nach Hause kam, gab es einen duftenden heißen Kaffee und alles war wieder gut.



6.12.2015

Na, wer hat denn seine Schuhe heute gefüllt vorgefunden (oder sagen wir mal: gestern geputzt) und von einem lieben Menschen wurde es beachtet? Unter Erwachsenen wird diese Tradition nicht oft weiter geführt, schade eigentlich. Wir haben uns gegenseitig beschenkt, auch wenn es nur ein Schokoladen-Nikolaus für Jürgen war und für mich eine Schachtel mit Datteln und Feigen.

Gestern stand ich vom Morgen bis zum späten Abend in der Küche und buk Weihnachtsplätzchen, es waren 7 verschiedene Sorten und, nach der Verkostung durch Jürgen, war das das Resultat „lecker und schmeckt nach mehr“. Ich muss noch meine Dinkelkekse backen, da werden wohl auch noch einige Bleche für Jürgen und liebe Gäste dabei sein, dazu auch noch 2 Stollen. Sollten sie gelingen, kann man sie auch zu anderer Jahreszeit essen, wer sagt denn, dass es nur zu besonderen Zeiten besondere Dinge geben darf.

Seit 3 Tagen herrscht hier Sturm, ein richtiger Sturm. Tag und Nacht pfeift der Wind ums Haus. Laubhaufen, einst in den Wäldern aufgehäuft, sind nun in Gärten und auf den Wegen unterwegs. Die Temperaturen liegen zwischen 10-15 Grad, sieht nicht gerade nach Winter aus. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf, dass zur Weihnachtszeit etwas Schnee liegt, muss ja nicht viel sein, aber eine dünne weiße Decke hebt ja doch die Stimmung. Am Donnerstag haben wir unseren Goldahorn umgepflanzt, sie fanden nun endlich ihren Platz bei uns zu Hause gefunden. Jürgen grub sie aus den Kübeln vor dem BEF Gebäude und wir pflanzten sie im Garten rechts und links neben der Eingangspforte. Im nächsten Jahr kann man dann schon sagen: „Das Haus, dort wo die 2 Goldahorn stehen“. Ohne ihr leuchtendes Laub sind sie jetzt kaum zu erkennen, und ich freue mich schon darauf, wenn sie im Frühjahr ihre Knospen bekommen und zeigen, dass sie gut angewachsen sind. Habe heute erste Fotos gemacht, immer wenn ich daran dachte, war es bereits zu dunkel dazu. Jetzt ist es schon um 15.00 Uhr dunkel, auf den Straßen wird es still und in den Fenstern leuchten Weihnachtssterne und Lichterketten. In den Gärten blinken in Bäumen, Sträuchern und Hecken Lichterketten, weihnachtliche Motive in allen Farben. Wir haben unseren Elchen ebenfalls eine weihnachtliche Dekoration gegeben und vorbei kommende Menschen bleiben stehen und machen Fotos.

Ich hoffe, morgen am Montag lässt der Sturm nach, denn ich muss nach Oskarshamn um einige Dinge zu erledigen, z.B. Vorräte für den Winter kaufen, denn wenn es wirklich Schnee geben sollte, kann er in einer Nacht in größerer Menge fallen, so dass eine Fahrt mit dem Auto dann keine Freude macht. Wir haben aus diesem Grund wie die Schweden immer einen gewissen Vorrat an Lebensmittel im Haus. Wir sind keine Freunde von Dosengerichten, doch können sie hilfreich sein, wenn mal der Strom für längere Zeit ausfällt, dann ist schnell etwas auf der Küchenhexe zubereitet. Also werden auch diese in unserem Vorratsschrank ihren Platz finden. Ich habe in der vergangenen Woche einige Großpackungen an Fleisch im Supermarkt Maxi ICA entdeckt, dazu habe ich Fleischrouladen, Gulasch, und Buletten in größerer Menge zubereitet, in Portionen abgepackt und dann ab in den Gefrierschrank. Außerdem steht noch ein Backtag für verschiedene Brotsorten auf dem Plan, Dinkel und andere Körner will ich in Brot verwandeln. Da ich etwas auf meine Ernährung achten muss, gehört Brot dazu, Kohlenhydrate dürfen nun nicht mehr auf meinem Speiseplan stehen, ebenso alles, was gerade zur Weihnachtszeit so lecker und süß ist. Der Weihnachtsteller wird aus diesem Grund für mich wohl eher ein kleines Schälchen sein. Es gibt ja auch viele gesunde Leckereien…



1.12.2015

Dienstagabend, der Tag war eines Wintertags würdig, zwar noch kein Schnee, doch sind die Wiesen mit einer dünnen Reifschicht überzogen. Es war ziemlich kalt, der Wind wehte in heftigen Böen, es waren die Ausläufer des über Deutschland gezogenem Sturmes, schon gestern spürten wir sie. In der Nacht zum Montag wurde durch den Sturm ein Baum bei unserem Nachbarn umgebrochen. Wir hatten Glück, dass die Stromleitung und unser Gartenzaum verschont blieben, wenn auch nur um wenige Zentimeter. Der Wind hat auch etwas Gutes, ich habe ihn ausgenutzt, um die Wäsche draußen zu trocknen, es ist ja sonst zu dieser Jahreszeit fast unmöglich.Gerade habe ich alle Stücke abgenommen, bügeltrocken.

Gestern fuhr ich am Morgen ins Krankenhaus, ich bekam auch ganz schnell einen Termin bei Macjek, meinem behandelnden Arzt. Er hat einen Neurologen dazu gezogen, er geht von einer Nervenentzündung aus, die nun ebenfalls abgeklärt werden muss. Wieder neue Medikamente und Untersuchungen. Mit den neuen Medikamenten sollte es mir in den nächsten Tagen bald besser gehen, sagte mir Macjek. Von einer stationären Aufnahme will er erst einmal absehen, er kennt mich schon sehr gut und weiß, dass es nicht so mein Fall ist, den ganzen Tag im Zimmer zu sitzen oder gar im Bett zu liegen. Er ist der Meinung, dass ich zu Hause Ablenkung habe und selbst einschätze, wann ich eine Pause brauche, und weiß ich das nicht, erinnert mich mein Körper oder Jürgen.

In den nächsten Tagen werde ich mich mit leichterer Arbeit beschäftigen. Plätzchen backen ist angesagt, verschiedene Sorten für mein Schleckermäulchen Jürgen, eine Dose für Joel und speziell für mich aus Dinkelmehl. Hoffentlich finde ich ein paar Rezepte im Internet, denn bisher habe ich mich mit Dinkel noch nicht so viel in der Küche beschäftigt, mal ein Brot oder einen Kuchen, aber in der Weihnachtsbäckerei ist es Neuland für mich. Als ich gestern in Oskarshamn beim Arzt war, machte ich anschließend auch gleich noch einige Einkäufe, hier gibt es ja auch Lidl und Netto. Wenn wir mal Sehnsucht nach deutschen Produkten haben, mache ich dort hin einen Abstecher, so auch gestern. Ich suchte nach einigen Leckereien für Jürgens Adventskalender, den ich füllen wollte. Als ich an den Kühlregalen vorbei kam, entdeckte ich Enten und Gänse aus deutschem Lande, ich nahm je eine mit, und der Speiseplan zu den Festtagen steht somit fest. Ich habe noch Fisch im Kopf, muss jedoch dabei immer an Jürgen denken, der ein nicht so großer Freund der im Wasser lebenden Tiere ist. Da wir zwei über die Feiertage allein sein werden, es sei denn, Joel kommt an einem Tag vorbei, wird es sehr ruhig und besinnlich sein. Es ist das erste Jahr, in dem wir keine großen Pläne machen, sondern die Zeit einfach genießen. Am Heiligabend werden wir nach Döderhult in die Kirche fahren, denn dort ist wieder ein Konzert, bei dem auch Karin singt, die Tochter von Tommy. Sie ist eine gute Opernsängerin und durch die Akustik in der Kirche ist das schon etwas Besonderes.

Eigentlich hatte ich ja den Plan, für 3 Monate nach Deutschland zu gehen, dann wäre ich rechtzeitig zum Nikolaus bei meinen Enkelkindern gewesen, doch meine Erkrankung machte das Vorhaben zunichte. Bis Ende Februar wollte ich dort bleiben, um auch den einst so geliebten Urlaub mit meiner Freundin Sunny über die Geburtstage von uns beiden an der Ostsee zu verleben. Nun ist das anders gebucht, wir werden nach 8 Jahren wieder diese schönen Tage erleben, wir fahren in das Hotel, wo wir unser Ritual vor vielen Jahren begonnen haben. Wir zwei freuen uns darauf wie Kinder auf das Weihnachtsfest. Hoffentlich spielt das Wetter mit und die Ostsee zeigt sich von der romantischen Seite. Sunny schrie laut „Juhu“, als ich ihr erzählte, dass ich uns diesen Urlaub gebucht habe. Ihr fehlt diese Woche genau wie mir, das soll wieder anders werden. Ab nächstem Jahr nehmen wir uns wieder diese „Auszeit“, nur für uns zwei.

Sonntag, 29.11., 1.Advent,

Wir haben 1 Woche lang gehämmert, genäht, gemalert und geschraubt. Da ich immer noch krankgeschrieben bin, aber doch wieder zu 50 % arbeiten könnte und daher keine einzige Krone verdiene, muss ich mir was einfallen lassen. Nächtelanges Wachliegen gab mir genug Zeit dazu. Neben der starken Schmerzen im Bein, komme nun auch noch der linke Arm und der Rücken dazu. Am Montag gehe ich freiwillig in die Notaufnahme und werde hoffentlich stationär aufgenommen, um die ganzen Untersuchungen zu beschleunigen, denn ich habe für mein MRT noch keinen festen Termin, etwa in 3 Monaten, soviel weiß ich aber. Aus diesem Grund habe ich das vergangene Wochenende für die Teilnahme an einem Weihnachtsmarkt nutzen wollen. Ich hatte die Idee, für die gefiederten Freunde etwas zu bauen, dabei brauchte ich Unterstützung vom stärkeren Geschlecht, was natürlich Jürgen übernahm. Wenn ich auch sonst alleine mit Säge, Hammer und Co. umgehen kann, im Moment ist es etwas problematisch, der Arm will das nicht.

Was ich vorher zu Papier gebracht hatte, war schon mal viel versprechend, nun sollte es in die Realität umgesetzt werden. Materialien wurden heran geschafft und los ging es. Nach einigen Stunden konnte sich das Resultat sehen lassen. Ungewöhnliches, etwas verrückt, eben genau so wie ich, sollte Aufmerksamkeit erregen. Am Samstagmorgen ging es dann los, das Auto beladen, nix passte mehr rein, die Fahrt ging nach „Ingebo Hager“, einem alten Hof, der ein kleines gemütliches Café und eine Butik beherbergt, dazu viele Tiere, wie sie zu einem richtigem Hof gehören und ein Garten, der zum Verweilen einlädt.

Auf dem gesamten Gelände waren Stände aufgebaut, als ich gegen 9.00 dort ankam, meine anfänglich gute Stimmung trat in den Hintergrund getreten und ich wurde nachdenklich. Der Grund dafür lag in einem Bild, das ich auf der Fahrt sehen musste und sich bei mir eingebrannt hatte, und das fast im wortwörtlichen Sinne. Schon aus größerer Entfernung sah ich große Rauchwolken aufsteigen, dick und schwarz,anders als jetzt zu dieser Zeit, wo überall weißer, manchmal hellgrauer Rauch aus den Schornsteinen zum Himmel steigt. Je näher ich kam, desto unangenehmer wurde das Gefühl, ich hatte fast Angst vor dem, was mich erwarten wird, wenn ich um die nächste Straßenbiegung komme. Ist es ein Unfall auf der Straße, bei dem ein Auto in Brand geraten ist, oder ist es etwas, was jeden Hausbesitzer in Schweden schwer treffen kann: der Brand des Hauses. Ich wurde unbewusst langsamer in meiner Fahrt, doch dann da sah ich, was ich nie wieder sehen möchte: ein wunderschönes großes alter Bauernhaus brannte lichterloh, dicht um das Haus standen kleinere Gebäude,eines davon war schon herunter gebrannt. Ein seltsamer Geruch drang ins Auto, beißend und beängstigend. Ich setzte langsam meine Fahr fort, im Rückspiegel sah ich noch lange die aufsteigenden Flammen, aus Glutrot wurde glühend Gelb und dann war am Himmel nur noch der schwarze Rauch in weiter Ferne zu sehen.

Mir krümmte sich der Magen, ich dachte und denke noch immer an die Menschen, die dort wohnten. Kamen sie in den Flammen um, wurden sie im Schlaf überrascht, war es ein Defekt der Elektrik oder war die Ursache ein Schornsteinbrand, der in Schweden die häufigste Ursache eines Brandes ist? Die Bewohner haben alles, aber auch alles verloren, Erinnerungen aus der Vergangenheit, aller Wert ist in Rauch aufgegangen und unwiederbringlich dahin. Mir wird klar, wie schnell und wie nah das Schicksal ist bei jedem von uns. Als ich am Abend gegen17.00 Uhr dort wieder vorbei fuhr, war die Feuerwehr noch da und ein glühender, rauchender Haufen aus verkohltem Holz und Asche zeugte von dem Geschehen.

Auf dem Markt lief es nicht so, wie ich es mir erhofft hatte. Da es den ganzen Tag diesig war und ein leichter Regen fiel, blieben die Besucher aus, und die, die da waren, wollten nur ins warme Café, um sich bei Kaffee und Käsekuchen aufzuwärmen. Den Besuchern an meinem Stand lockte meine Idee fast immer eine Bemerkung heraus, ein Gefallen und Bestaunen. Einige der etwas ungewöhnlichen Futterplätze werden nun in den Gärten oder an den Hauswänden in Småland unseren gefiederten Freunden helfen, keinen Hunger im schwedischen Winter zu erleiden. Zwar ist er noch nicht da, aber er kommt, ganz sicher.


 

 

20.11.2015

Die Tomten-Saga habe ich im vergangenen Jahr hautnah erlebt, angefangen vom Fuchs, der zu mir in den Garten kam und nicht weg lief, bis hin zu meiner Rolle als Tomte bei den Nachbarskindern mit dem Schneefall rechtzeitig zum Fest.

In diesem Jahr beginnt es mit dem Auftrag, ein Schild zu malen, das wieder für ein Wurfspiel für die Kinder genutzt werden soll. So habe ich die Tomtegeschichte mit dem Pinsel auf die große Platte gebracht, etwas Besonderes ist diesmal das 3D-Bild. Die Auffangkästen habe ich in das Bild integriert, ich glaube, das ist mir ganz gut gelungen. Als das Schild abgeholt wurde, erhielt ich gleich einen neuen Auftrag: ein Hinweisschild für den Weihnachtsmarkt und 4 Aufsteller für die Öffnungszeiten, die an den Straßenrändern stehen werden. Heute sind sie fertig geworden, morgen noch den Wetterschutzlack drauf und dann ab zum Markt. Auf ihnen habe ich ebenfalls ein paar Bilder der Tomtengeschiche wiedergegeben, er wird ja eigentlich nie gesehen, er kommt in der Nacht, wenn alles schläft, er beschützt Mensch und Tier. Wen diese Geschichte interessiert, kann in meinem Tagebuch des letzten Jahres zur Weihnachtszeit nachlesen oder sich im Internet die Tomtensage ansehen, sie ist nicht nur in Schwedisch, sondern auch in Deutsch zu finden. Ich selbst sehe sie mir immer wieder gerne an, sie wird so liebevoll erzählt, dass sofort eine winterliche Stimmung einzieht.

Aber auch meine Deko rechtzeitig zur Weihnachtszeit trägt dazu bei. Mit dem Zauber der weihnachtlichen Stimmung begann ich in den Zimmern und im Garten. Helge und seine Frau sind in einem weihnachtlich geschmückten Unterstand, die Blumenkästen mit Zypressenzweigen und zusätzlich mit Hagebuttenzweigen bestückt, sie werden im Winter den gefiederten Freunden eine wichtige Nahrungsquelle sein. Wenn Schnee liegt, kommen Äpfel und Samenkörner dazu, doch wirklich erst, wenn die zwitschernde Freunde selbst nichts mehr finden, denn wenn wir zu früh mit der Fütterung beginnen, tun wir ihnen keinen Gefallen damit. Unseren Rehen werde ich in diesem Jahr nichts hinlegen, denn das letzte Jahr zeigte mir, dass die Vertrautheit der Tiere ihnen zum Verhängnis werden kann. Sie kommen hier überall in die Gärten, erhalten Obst, Gemüse oder Heu von den Menschen, sie verlieren die Angst und erkennen zu spät die Gefahr der Jäger, die sie mit ihren Hunden hetzen und erschießen. Zur Zeit sehe ich am späten Abend direkt vor unserm Fenster einen Bock in Begleitung einer Ricke auf der Wiese äsen, auf der Nachbarwiese ist oft eine Ricke mit ihren zwei Kitzen aus diesem Jahr, ich hoffe, sie entkommen dem Jäger und seinen Hunden.

Da es in diesem Jahr Massen an Äpfeln gab und viele wildwachsende Apfelbäume an den Wegrändern stehen oder mitten im Wald auf Lichtungen, weil dort einst Höfe waren, denke ich, dass die Tiere dort lange ihren Hunger stillen können und nicht gezwungen sind, direkt in die Orte zu kommen. Der Wetterbericht zeigt zwar für Freitag den ersten Schnee an, wäre auch super, denn unser Weihnachtsmarkt am Samstag könnte einen Hauch von Schnee gut vertragen, denn so steigt die weihnachtliche Stimmung und die Besucher werden auf die Vorweihnachtszeit eingestimmt.

Ich gehe mit Freunden hin und schaue mir die vielen Stände an, denn die Jahre zuvor war es mir leider nicht vergönnt dorthin zu gehen, der Markt im BEF ließ mir keine Zeit. Die letzten drei Jahre habe ich den Weihnachtmarkt im BEF mit organisiert und viele Tage zuvor begonnen, alles weihnachtlich zu schmücken. Jürgen und ich klebten nächtelang Etikette auf unsere Flaschen mit den Produkten unserer gesammelten Äpfel. Am Markttag waren wir die Ersten und abends die Letzten, denn rechtzeitig zum Aufräumen waren alle weg. Aber nun ist alles anders. Drei Männer versuchen da einen Markt zu organisieren, die Stimmung ist im Keller, meine aber nicht, zwar habe ich keinen Job, dafür Zeit und werde uns das Fest gemütlich gestalten, dazu gehört natürlich eine entspannte Vorbereitung für ein paar besinnliche Tage.

In diesem Sinne: eine schöne Vorweihnachtszeit!

 

 

5.11.2015

Heute Morgen um 9.30 waren wir auf dem Weg nach Kalmar ins Krankenhaus, ich hatte einen Termin zu weiteren Untersuchungen. Der Himmel war mit Dunst und Nebelwolken verhangen, es wollte nicht so recht hell werden. Als ehemalige Jägerin hatte ich den Gedanken, das sei eigentlich perfekt für das Wild, um auf den abgeernteten Wiesen und Feldern nach Essbarem zu suchen. Ich hielt Ausschau nach rechts und links. Plötzlich stand er da, der Elch, ca. 100 Meter vom Waldrand entfernt, mitten auf dem Stoppelfeld eines Maisfeldes. Er ließ sich überhaupt nicht von den vorbei fahrenden Autos stören, und um diese Zeit ist die E22 viel befahren. Statt wie sonst überrascht aufzurufen, war ich total entspannt und sagte zu Jürgen: „Da steht ein Elch, er ist sehr groß“, denn irgendwie hatte ich erwartet, einen zu entdecken.

In Kalmar suchten wir das Krankenhaus und die entsprechende Abteilung, es dauerte nicht lange dank guter Ausschilderung und freundlicher Mitarbeiter des Krankenhauses. Die Untersuchung ging schneller als erwartet. Danach sind wir im Krankenhaus gleich in ein dort befindliches Restaurant essen gegangen, anschließend fuhren wir zur „Skatte“, der Steuerbehörde, gestern hatten wir die Nachricht bekommen, unsere ID-Karte abzuholen. Kaum zu glauben, schon nach 10 Minuten verließen wir das Amt mit der ID-Karte, für die wir drei Jahre gekämpft haben… Juhu!

Kurz noch durch die Einkaufspassage und ein paar Kleinigkeiten gekauft und dann ab nach Hause, es war15.00 Uhr und man konnte bereits die nahende Dunkelheit spüren. Jetzt werden die Abende länger, ich kann wieder mehr im Haus machen und alles für die nahenden Weihnachtsmärkte vorbereiten. Ich werde selbst auf die Weihnachtsmärkte in der Umgebung fahren und selbstgefertigte Dinge verkaufen.

Zuerst einmal muss ich sehen, was die Auswertung der heutigen Untersuchung bringt, nach dem Gespräch mit der untersuchenden Ärztin gehe ich mal nicht davon aus, dass es mir bald wieder besser geht, im Gegenteil, sie sprach von schwerwiegenden Problemen, die unbedingt behandelt werden müssen und keinen langen Aufschub erlauben. Es wurden gleich MRT und andere Untersuchungen angeordnet, na was wird dies noch bringen?



1.11.2015


Ihr Blätter, wollt ihr tanzen? so sprach im Herbst der Wind...“ Dieses Kinderlied, das ich mit 5 Jahren im Kindergarten lernte, fiel mir spontan ein, als ich heute Morgen vor die Tür trat.

Auf dem Boden lag ein dicker Teppich aus tausenden Blättern, die sich gestern noch an den Ästen der alten, knorrigen Eiche fest klammerten. Zuerst wollten wir sie wie all die Tage zuvor zusammenharken und mit der Schubkarre wegräumen, doch diesmal entschieden wir, sie liegen zu lassen für 2-3 Tage, denn diese Zeit hat etwas Wunderschönes, wie die Bilder zeigen. Ich erinnere mich, wie ich als Kind vor unserem Haus die Blätter von drei dicken alten Linden zusammengeharkt hatte, vor mir lag ein riesiger Berg, und es war geradezu eine Pflicht, sich hinein fallen zu lassen, auch wenn es nachher hieß, alles wieder zurück auf den Haufen zu harken. Das Gefühl war unbeschreiblich, ich rieche gerade das trockene knisternde Laub, ebenso kann ich hören, wie das Laub unter den Füßen raschelte bei einem Spaziergang mit der Kindergartengruppe durch die Laubwälder. Und was man auch aus all den Dingen basteln kann, die uns der Herbst zu Füßen legt! Ob Eichel oder Kastanie, Buchecker oder Hagebutte: ein paar Stöckchen dazu, Zahnstocher und Sisalfäden und mit flinken Fingern und etwas Geschick war ein Tierpark mit all seinen Tieren fertig, und aus dem bunten Laub wurden Girlanden für die Tür oder das Treppengeländer gezaubert. All diese schönen Dinge sind leider in Vergessenheit geraten, die Kinder wissen gar nicht mehr, was uns die Natur so bietet, um sich damit zu beschäftigen.

Jetzt haben wir unsere Holzvorräte gestapelt und sehen dem Winter mit Schnee, Eis und Kälte entspannt entgegen. Nur ein kleiner Haufen Holz ist noch zu sägen und zu spalten, dann ist auch die Menge an Anmachholz ausreichend. Da wir aber immer noch Temperaturen von 10° plus und mehr haben und die Sonne den ganzen Tag vom Himmel lacht, ist der Winter wohl noch nicht so schnell vor der Tür und wenn doch, egal, der Sommer und der Herbst haben ihren Namen alle Ehre gemacht.

Langsam wird es Zeit, dass die Regenzeit beginnt, denn in Gräben und Seen ist der Wasserspiegel so gefallen, dass die kleineren Gräben kein Wasser mehr führen und die Seen am Ufer um Meter zurück gegangen sind. Steine, sonst unter dem Wasserspiegel nicht zu sehen, tauchen auf und eine ganz andere Landschaft zeigt sich uns. Felsen und Gräser, die sonst nie ans Tageslicht kommen, zeigen sich und lassen uns staunen, was die Natur ihren Seen birgt. Wenn die Regenfälle den Wasserspiegel wieder ansteigen lassen, wird alles wieder verschwinden und beim Vorbeifahren werde ich sicher genauer hinschauen, ob nicht vielleicht doch hier und dort eine Felsplattform zu entdecken ist, die nur darauf wartet, dass der Spiegel wieder fällt.




18.10.2015


Sonntag. Die Sonne konnte sich doch wieder durchsetzen, der verregnete Tag gestern war also so etwas wie ein „Ausrutscher“, was zu meiner Freude wäre. Denn im Garten ist noch viel zu tun, bis der Schnee kommen kann. Die Blumenkübel brauchen einen Platz im Haus und andere Stauden möchte ich gerne noch in den Boden bringen. Doch die Zeit verrinnt, ich habe am 27. Oktober einen weiteren Termin bei meinem Arzt, die Auswertung meiner Wirbelsäulenuntersuchung. Es hat sich bestätigt, dass ich ein Knochenmarksödem an der Wirbelsäule habe, nun wird über eine Behandlung gesprochen und welche Folgen das alles für mich haben kann. Mir ist sehr mulmig und die Worte meines Arztes in Deutschland sitzen tief im Kopf. Da passt es ganz gut, dass ich einige Arbeiten, Laufereien und Ämtergänge los bin, denn eine Freundin hat sich dafür entschieden, der Meinung zu sein, dass ich nur an mich denke, obwohl ich mich die letzten 2 Jahre sehr viel um ihren neuen Start hier in Schweden gekümmert habe. Aber gut, wie ich im letzten Eintrag schrieb, Dinge kommen, Dinge gehen, so auch „Freunde“. Sie ist nicht alleine, sie hat in meinem Exmann einen neuen Helfer gefunden.

Gestern Abend hat unsere kleine Rinderherde ihr Winterquartier bezogen, die Weide neben uns ist abgegrast, die alte Wanne mit dem Trinkwasser der Kühe ist leer und die Kälbchen haben sich mit einem Blick zu uns und Emmas Garten verabschiedet. Ab heute werden sie ohne ihre Mütter im großen Offenstall den Winter verleben und im Frühling kehren sie zu uns zurück.

Heute ist wieder so ein Tag, an dem ich an mich denke, ich setze mich am Nachmittag ins Auto und fahre raus in die Natur und zum Kaffee zu einer Bekannten, deren Mann gerade auf Geschäftsreise ist und die mich schon lange mal eingeladen hat. Ich denke, es werden ein paar entspannte Stunden für mich und meine Seele.  



16.10.2015


8°, dicke graue Regenwolken verhängen den Himmel. Ich bin auf dem Weg nach Fröreda, ca. 50 Kilometer von uns entfernt. Ein Freund hat in seinem Schuppen einen Gefrierschrank zu stehen, den er nicht benötigt. Das kommt mir gerade recht, denn der Winter naht und ich möchte Vorräte anschaffen. Wenn es wirklich so ein langer, harter Winter werden soll, wie die Bauern vorhersagen, ist es gut, einige Vorräte an Lebensmitteln im Haus zu haben, denn bei Eis und Schnee Einkaufen fahren, das machen nur welche, die weder planen noch vorausschauen können.

Auf dem Weg durch eine herbstliche Waldlandschaft, die mit ihren Tannen und Laubbäumen jeden Naturfreund verzaubert, sah ich plötzlich einen Auerhahn. Ein stattliches Tier, er postierte sich am Wegesrand und zeigte sich in all seiner Balzschönheit. Die Dame, um die es dabei ging, war nicht zu sehen, sie wird sich im braunen, welken Farm das Schauspiel ansehen und dann entscheiden, ob sie mit ihm Hahn die neue Familienplanung eingeht.

Hier ganz bei uns in der Nähe war bis zum vergangenen Jahr schon ein Paar, doch nachdem der Wald abgeholzt und gerodet war, waren sie verschwunden. Schade, doch so sind die Natur und ihre Bewohner. Ein Kommen und Gehen, egal, ob Baum, Strauch, Pflanze oder eben die Tiere. So auch die Elche, die Jagd ist eröffnet, wie ich ja schon vor Tagen geschrieben und mit einem Foto belegt habe. Schüsse sind zu jeder Tages- und Nachtzeit zu hören. Gestern trafen wir eine Gruppe Jäger, Weidgenossen aus Deutschland. Sie kommen seit Jahren hierher, um an der Elchjagd teilzunehmen. ie hatten auch schon einen Jagderfolg, zwar keinen Elch, aber ein Wildschwein. Elche hatten sie gesehen, auch eine Rotwildkuh mit Kalb. Diese waren aber zu weit weg und sind so verschont geblieben.

Es wird heute gar nicht richtig hell, es bleibt grau und diesig, ich denke, das mit der Sonne hat sich für dieses Jahr erledigt. Andererseits, es ist Mitte Oktober, da hatten wir bis gestern noch das schönste Wetter, Sonne schon am Morgen bis in die Abendstunden, da sage mal einer, Skandinavien sei kalt und dunkel und überall nur Schnee. Wer hier war und den wunderschönen Herbst erlebt hat, wird dem mit ruhigem Gewissen widersprechen.

Ich bin mir sicher, sie haben Lust auf noch mehr Schweden bekommen und wollen auch die anderen Jahreszeiten erleben.


 

 

14.10.2016

 

Mittwochabend, wir sind wieder zu Hause, den ganzen Tag strahlender Sonnenschein. Schon als wir heute morgen am Frühstückstisch saßen, gab es einen wunderschönen Sonnenaufgang. Durch die Bäume schickte die Sonne glühend rote Strahlen, am Himmel war die Dunkelheit der Nacht noch nicht ganz verschwunden. Um 9.00 Uhr fuhren wir dann los nach Kalmar, denn um 11.00 Uhr ging der Zug in Richtung Kopenhagen, die zwei Urlauber stiegen in den Zug und eine tolle Woche ging zu Ende. Genau wie die beiden werden wir sicher noch lange an diese Zeit denken, wie viel wir gelacht haben und vor allem werden wir ihre erstaunten Augen immer wieder vor uns sehen. Der nächste Besuch ist bereits geplant, sie wollen hier den Frühling erleben, daher kommen sie im Mai wieder, dann wahrscheinlich für 2 Wochen. Somit haben sie, wenn sie Sehnsucht nach Schweden bekommen, immer den baldigen Besuch als Trost.

Als wir nach Hause kamen waren unsere vierbeinigen Nachbarn hier, die Kühe, sie werden nun ihre letzten Tage auf der Weide in diesem Jahr bei uns verbringen. Die Kälber sind fast nicht wieder zu erkennen, sie haben mächtig an Größe zugelegt, müssen sie ja auch. Wenn sie in den nächsten Tagen in den Stall kommen, der in den nächsten Monaten sie vor Schnee und Kälte schützt, werden sie dies ohne ihre Mütter tun. Sie müssen dann selbständig fressen und trinken, die Bar der Mama ist für sie nicht mehr verfügbar.

In Kalmar habe ich mir Wolle und Stricknadeln gekauft, in den kommenden Tagen wird aus jeder einzelnen Wolldogge ein Schal entstehen. Dazu habe ich Nadeln gekauft, dass es diese Stärke gibt, wusste ich gar nicht: 20 mm, das gibt Sicherheit und alles ist an einem Abend fertig. Lege heute Abend los.



 

13.10.2015


Die Zeit vergeht wie im Fluge. Morgen ist bereits die Heimreise der Kinder, eine Woche, die für sie aufregend war und deren vielen Eindrücke sie sicher noch einige Zeit beschäftigen werden. Egal ob die Natur oder die vielen Loppis, alles ist für sie neu und lässt sie staunen. Jamila hat Fotos ohne Ende gemacht, sie möchte am liebsten ganz Schweden nach Deutschland mitnehmen.

Heute waren wir noch einmal in verschiedenen Läden, um einige Mitbringsel für ihre Freunde zu suchen. Jürgen und ich nutzten die Gelegenheit, um Platten für die Dächer zu kaufen, die wir für unser „Ved“ (Brennholz) gebaut haben. Am Donnerstag, denke ich, werden sie montiert und somit ist unser Holz im Trocknen, die ersten 10 Kubikmeter sind geliefert und noch am selben Abend haben wir sie aufgereiht. Mit der Hilfe von den beiden ging es ruck-zuck. In der nächsten Woche kommen weitere 10 Kubikmeter und ich denke, damit kommen wir über den Winter. Die alten Menschen und vor allem die Bauern sprechen von einem langen kalten Winter. Schon im Oktober soll der erste Schnee fallen und liegen bleiben. Wenn wir uns den Himmel anschauen, kann die Prognose zutreffen. Dicke schwere Schneewolken lassen es erahnen. In den nächsten Tagen werde ich die Blumen aus dem Garten, die keinen Frost vertragen ins Haus holen, denn leichte Fröste hatten wir schon und am Morgen zeigten die Blumen Spuren davon. Die Wiesen sind weiß und die Blätter der Dahlien sind schwarz. Höchste Zeit, die Pflanzen in Sicherheit zu bringen. Dann bekommen auch die zwei Goldahornbäume ihren Standort, genau wie ich hat auch Dieter Lenz einen perfekten Platz für sie: am Zaum zur Straße, rechts und links zur Eingangspforte.

Es ist eine gute Pflanzzeit für Laubbäume. Jetzt, da sie ihre Blätter verlieren und all ihre Kraft in die Wurzeln leiten, haben sie eine gute Chance anzuwachsen und werden im nächsten Jahr ihren ersten Frühling bei uns erleben. Mit meinem Start des Löppis-Cafés werden auch sie ins Leben starten und wenn dann jemand im Ort nach meinem Löppis fragt, wird die Antwort lauten: „Dort, wo die zwei Goldahorn am Eingang stehen.“

Und es kann sein, dass man später das Haus so nennen wird: „Das Haus mit den zwei Ahornbäumen“.


 

 

12.10.2015


Kurz bevor sich die Natur unter dem schneeweißen Teppich in die Winterruhe begibt, hat sie noch einmal alle Register gezogen, die Laubbäume in die verschiedensten Farbtöpfe getaucht, die Apfelbäume mit leuchtenden Früchten geschmückt, Hecken ein strahlendes Lachen gegeben und die Reste in den Farbtöpfen liebevoll in der Weite des Schwedischen Landes verteilt.

Da sage noch einer, dass die Natur traurig oder gar trostlos ist, genau das Gegenteil ist der Fall, sie ist jedem Künstler Inspiration für seine Werke. Auch nach den Jahren, die ich hier lebe, kann ich mich noch immer nicht an der Farbvielfalt satt sehen.

Stundenlag könnte ich durch den Wald laufen und die Ruhe aufsaugen, damit ich mit neuer Kraft an die weiteren Vorhaben gehen kann. Doch seit heute darf ich nicht mehr in den Wald, die 24-Stunden-Jagd auf Elche hat begonnen, egal wohin man schaut, überall sitzen Jäger auf Hochsitzen. Es gibt Regeln und Gesetze, wie und wie viele Elche geschossen werden dürfen. Man will die Wildschäden so niedrig wie möglich halten und gleichzeitig den Bestand sichern.

Als Jürgen heute zum Ferienhaus kam, um Nils und Jamila abzuholen, glaubte er seinen Augen nicht. Da hing am Ladearm einer Landmaschine ein Elch, aus der Decke geschlagen, das Haupt war bereits abgelöst, für jeden Jäger ist es eine wunderschöne Trophäe. Es war ein Veterinär anwesend, der die Untersuchung des Tieres vornahm. Er stellte fest, dass bereits vor Wochen mit Schrot auf das Tier geschossen wordenn war, es hatte den Elch nicht getötet, schon gar nicht in dieser Größe. Ein Jäger, der mit Schrot auf so ein Tier schießt, sollte seine Lizenz zum Jagen verlieren. Wie viel Leid hat das Tier ertragen müssen, bis es von einer Jägerin erlegt wurde. Das Fleisch ist bleiverseucht und darf nicht verwertet werden. Für die Jägerin in zweifacher Hinsicht ein Verlust, zum Ersten die Fleischmenge und zum Zweiten darf sie in diesem Jahr nicht noch einmal auf die Elchjagd gehen, denn jeder Bauer darf nur einen Elch schießen. Die junge Frau ist nun traurig darüber, kann aber sagen, ich habe ein Tier von vielem Leid erlöst. Als ehemalige Weidgenossin fühle ich mit ihr und sage „Weidmannsheil“ für ihren Jagderfolg, wenn er auch für sie nicht so glücklich war.




9.10.2015

 

Da ist Jürgen schon 3 Jahre hier, und wir haben unseren ersten „schönen“ gemeinsamen Tag. Ich meine so richtig schön, von dem man zehren kann und beide sagen: „Es hat Spaß gemacht, es hat mir gefallen, ich wünsche mir noch mehr solche Tage.“

Klar gab es schon schöne Tage, doch waren das eigentlich normale Tage, wie wir sie alle erleben. Nein gestern war anders. Es begann damit, dass wir an diesem Tag Jürgens Sohn und seine Freundin vom Bahnhof in Kalmar abholen wollten. Da wir noch andere Dinge in Kalmar erledigen konnten, planten wir, nach dem Frühstück aufzubrechen. So machten wir das dann auch, ein entspanntes Frühstück und dann los. Wir fuhren mit beiden Autos bis zur Werkstatt, denn mein Auto hatte seine jährliche Besichtigung und es gab ein paar Mängel, die behoben werden müssen. Ein paar liebe Worte mit dem Inhaber der Werkstatt, denn wir kennen uns gut, und der Tag konnte mit unserem Ausflug nach Kalmar weiter gehen. Nach langer Zeit fanden wir auch die Möglichkeit zu „Skatte“ zu fahren, um unsere ID-Karten zu beantragen. Wir hatten uns auf eine lange Wartezeit eingestellt und waren angenehm überrascht, dass wir nach 1 Stunde wieder das Amt verlassen konnten. Anträge waren gestellt, Fotos gemacht und nun folgt der bürokratische Weg, bin gespannt, wie lange es dauert, bis die Karten zur Abholung bereit liegen.

Weiter ging es zum Einkaufen, wir fuhren in die „Giraffen- Passage“, ein Einkaufscenter, in das wir sehr gerne gehen, wenn wir in Kalmar sind. Dort gibt es ein Geschäft mit außergewöhnlichen Tees und Gewürzen. Ich habe tüchtig zugeschlagen und Jürgen ging in das danebenliegende Sportgeschäft, wo auch er fündig wurde. In einem gemütlichen kleinen Café tranken wir einen Kaffee, ich aß etwas sehr Leckeres, ein Brot mit verschiedenen Salaten und Fleischarten. Wieder etwas Neues kennen gelernt. Der Zug aus Malmö sollte gegen 19.00 ankommen, telephonisch informierte uns sein Sohn, dass es 2 Stunden Verspätung gibt, also mussten wir die Zeit bis dahin überbrücken, was uns auch gut gelang mit der Idee über die Brücke nach Öland. Jürgen war noch nie dort und fand die Fahrt über die lange Brücke natürlich toll, ein großartiger Blick entlang der Brücke und ebenso über das Geländer, hinaus aufs Meer. 

Auf Öland angekommen, fuhren wir auf der Windmühlenstrasse ohne Ziel immer an der Küste entlang. Hier stehen Bockwindmühlen wie aneinander gereiht. Gut erhalten und restauriert, sind sie jedes Foto wert. Plötzlich entdeckten wir einen Platz. auf dem Kürbisse in allen Größen angeboten wurden, keine Frage, da mussten welche mit. Wir suchten uns 10 Stück verschiedener Art aus und steckten das Geld in die „Kasse des Vertrauens“, gedanklich fanden diese Zeugen des Herbstes schon ihren Platz bei uns zu Hause. Im nächsten Jahr werde ich wohl selbst welche ernten können. Ich freu mich schon drauf, zuzusehen wie die Schmuckstücke aus den Blüten entstehen und heranwachsen.

Wir fuhren anschließend direkt runter zur Küste, die Sonne ließ uns im Freien sitzen und ein Stück Kuchen essen, hinunter direkt bis ans Wasser gehen und dort das Spiel der Wellen beobachten, die durch Windböen über das Meer gerollt kamen.

Letzte Blüten wiegten sich im Wind, Mohnblumen ließen ihre roten Blütenblätter los und wehten im Wind davon, die einsame Blüte an einem Rosenbusch bot ein schönes Motiv für mein Tagebuch, in zwei drei Tagen ist auch ihre Schönheit Vergangenheit.

Die Sonne ging unter und es wurde sofort kalt, wir machten uns auf den Weg zurück nach Kalmar, zurück über die Brücke und dann ins Centrum von Kalmar vorbei am Schloss direkt zum Bahnhof. Es war zwar immer noch viel Zeit bis zur Ankunft des Zuges. Wir suchten uns einen Parkplatz in einer Nebenstrasse und schlenderten durch die Einkaufsstraßen. Als wir zum Bahnhof kamen, hörten wir laute Musik. Vor dem Bahnhof parkte ein alter Bus, auf dem in großen Buchstaben stand „Partybuss“, junge Leute machten Musik und Passanten blieben stehen, hörten zu, tanzten und erfreuten sich einfach an der Gelassenheit dieser jungen Leute.

Mir wurde kalt, denn der Wind frischte wieder auf, so gingen wir in die Wartehalle und warteten dort bis zur Ankunft des Zuges. Pünktlich mit 2 Stunden Verspätung kam er an. Die Zwei stiegen müde von der langen Fahrt aus, nach einer langen herzlichen Umarmung ging es dann Richtung zu Hause und ins Ferienhaus, das wir für die zwei angemietet haben. Heute Morgen ging es dann mit einem ausgiebigen Frühstück in eine sicher schöne Urlaubswoche mit den beiden.

 


 

5.10.2015

 

Da schreibe ich gestern von dickem Nebel und was kam heute für ein Tag! Als Jürgen auf mich wartete, weil ich im Krankenhaus wieder einige Untersuchungen hatte, bekam er fast einen Sonnenbrand..Und er sagte, als ich zurück kam: „Den ganzen Sommer über kein Sonnenbrand und so kurz vor dem Winter doch noch..“

Es war zur Untersuchung meines Beines, man maß den Blutdruck an verschiedenen Stellen, um die Durchblutung und die Nervenströme festzustellen. Nun stehen weitere Untersuchungen im Krankenhaus Kalmar an. Mit der Post kam gerade heute eine Mitteilung, die Wirbelsäule röntgen zu lassen, da ich beim die Diagnose einer Knochenmarkblase im Rücken bekam. Kann ich mir nicht „normale“ Krankheiten aussuchen? Nein, es muss etwas Kompliziertes und Ernstes sein. Bloß gut, dass ich auf Optimismus umgeschaltet habe.

Ich erfreue mich an dem, was ich sehe und höre. Zum Beispiel an diesem:

Wir wollten zum Einkaufen fahren, auf der Autoscheibe entdeckten wir einen Schmetterling. Seine Farben waren kräftig, er musste gerade das Licht der Welt erblickt haben, ein wunderschöner Schmetterling. Natürlich war sofort die Kamera in der Hand. Jedes einzelne Härchen war zu erkennen, so sah ich noch nie einen Schmetterling, und das Schönste war, ich  konnte ein tolles Bild schießen: Jürgen und eine Naturschönheit. (Jürgen diskutiert gerade mit mir, wer wohl die Naturschönheit ist….. Keine Frage!)

Ebenso freue ich mich darüber, was Jürgen mir am vergangenen Dienstag erzählte, als er von  Figerholm zurück kam. Er war dort zum Rasenmähen, direkt an der Ostseeküste. Ein  Nachbar machte ihn auf etwas im Wasser aufmerksam. Jürgen erkannte jedoch nichts, dann kam der Mann zu ihm und berichtete von zwei Delphinen ganz nah am Ufer.

Liebend gern hätte ich das miterlebt, aber schon dieser Bericht erfreute mich, und ich sah im Internet nach, ob auch andere die zwei Tümmler gesehen hatten, ja man hatte sie gesehen und zwar zwei Tage zuvor am Timmendorfer Strand in  Deutschland, und jetzt also an der Ostküste Schwedens. Ich bin gespannt, wo sie als nächstes gesichtet werden, ich hoffe nur nicht in den Fangnetzen der Fischer.

Die Wiesen sind nicht mehr so grün und saftig, dass ihr Gras als Futter für die Kühe mit ihren  Kälbern ausreichend ist. Nach und nach kommen sie wieder in  ihr Winterquartier, wo im Außenbereich große Heuballen als Futterquelle bereit liegen. Kleine Herden werden mit Hilfe der Viehtransporter am Traktor dorthin gebracht, die größeren Herden machen sich „zu Fuß“  auf den Weg dorthin. Das führt auch mal zu kurzen Staus auf der öffentlichen Straße und ich  finde Zeit, ein paar Fotos zu machen. Für die nächsten Monate sind die Tiere nun im Stall und die Wiese neben uns bleibt leer.

Ich gehe wieder mit offenen Augen  hinaus, sehe  Dinge, die mich wochenlang nicht berührt haben, den kleinsten Käfer, die letzte Blume des Sommers, den glühenden Himmel beim Sonnenuntergang, es sind Momente, die mir sagen: „Astrid …Hier bist  du  richtig! 




4.10.2015

 

Ein Tag, in Nebel gehüllt, neigt sich dem  Ende zu. Als ich nach einer fast schlaflosen Nacht vor die Tür ging, war im Gegensatz zu gestern von der Sonne nichts zu sehen, aber auch gar nichts. Dicke Nebelschwaden lagen über der gegenüberliegenden Wiese, Bäume und Sträucher waren nur zu erahnen. Es wird ein Tag zum Ausruhen, so mein Entschluss.

Na ja fast, denn ein paar Sachen stehen an, nichts, was unbedingt passieren muss, aber ich doch gerne erledigt haben möchte.

Gardinen in den Zimmern wechseln und waschen, so dass auch im Haus herbstliche Stimmung einzieht. In zwei Tagen kommt Jürgens Sohn mit Freundin für eine Woche zu Besuch. Hoffen wir mal, dass der Herbst uns noch ein paar schöne Tage beschert, denn wir wollen noch einige Ausflüge machen und ihnen die Gegend zeigen, in der sein Vater seit einigen Jahren lebt.

Leider haben die Elchparks geschlossen und auch ein Besuch am Zaun ist aus Sicherheitsgründen nicht möglich, denn  nach Informationen der Parkleitung sind die Elche in der Brunftzeit und in diesem Jahr besonders aktiv. Wir werden also  die Zeit anders nutzen und ihnen die schönen Plätze zeigen, die wir lieb gewonnen haben.

Buchtitelbild
Buchtitelbild

Vor zwei Tagen hatte ich in der Post eine Buchsendung, sie kam aus Deutschland vom Stadthaus-Verlag. Es war das angekündigte Buch von Dieter Lenz „Mein  Schweden“. Ein Belegexemplar, da als Titelfoto eines meiner Schwedenfotos gewählt wurde. Und sofort begann ich zu lesen. Doch dann beschlossen Jürgen und ich, es gemeinsam zu lesen, das heißt, ich lese vor und Jürgen hört zu. Am Nachmittag kochten wir uns einen Kaffee und machten es uns im Wohnzimmer, wo im Kamin ein kleines Feuer loderte, auf dem Ecksofa gemütlich und los ging‘s.

Schon bei den ersten Auszügen aus dem Tagebuch erkannten wir das Schweden, das auch wir lieben gelernt haben.  Wir sahen den jungen Tagebuchschreiber in einem småländischen Dorf leben und im Wald arbeiten, als Holzfäller und Hüttenbauer. Und etwas  Überraschendes las ich auf Seite 36. Dort beschreibt er einen Ahornbaum mit „goldenen  Tatzen“. Sofort musste ich an meine Mitbringsel aus Deutschland denken, die ich als Abschiedsgeschenk bekommen hatte: „Goldahorn-Bäumchen“. Ich  pflanzte sie in Holzkübel und stellte sie damals vors BEF als Eingang zu  meinem Café. Im Moment habe ich noch keinen endgültigen Platz für diese zwei  besonderen Bäume gefunden. Sie sollen bei uns zu Hause stehen, doch können wir uns nicht so recht entscheiden, wo sie für ihr langes Leben ihre Wurzeln in den småländischen Boden wachsen lassen sollen. Vielleicht hat ja Dieter eine Idee, gerne kann er mir einen Rat geben, denn so wie damals dieser alleinstehende Ahornbaum seinen Blick gefangen hielt, so geht es mir heute mit meinen in der Zwischenzeit halbwüchsigen Ahornbäumen „mit den  goldenen  Tatzen“.

 

 

 

3.10.2015

 

Gestern Abend wurde es plötzlich windig, die Baumkronen bogen sich, Blätter in allen Farben wirbelten durch die Luft, sollte das den angekündigten Regen bringen? Es blieb beim Wind, der die ganze Nacht andauerte, und pünktlich mit dem Sonnenaufgang kam die Wärme. Den Kaffeepott geschnappt und raus….

Jürgen und ich schauten uns an, was wir da gestern vollbracht hatten. Der Vorgarten ist fertig, um ihn im Frühjahr nach dem Schnee schöner zu gestalten. Ein kleiner Teich soll seinen Platz  finden, ich habe schon viele Gräser gekauft und Wasserpflanzen aus Deutschland mitgebracht, die Günter mir aus dem Froschteich holte. Früher war der Teich ein wunderschöner Platz zum Verweilen, doch nun ist er zugewuchert und die Wasserpflanzen gewannen die Oberhand, so dass das Gleichgewicht der Natur verloren ging. Die Krebsschere, eine schöne Wasserpflanze, ist aber nur als Einzelpflanze ein schöner Anblick, zusammengedrängt verliert sie ihre Schönheit. Im  hauseigenen Garten haben Wollis Wasserhyazinthen, auch sie vermehrten sich im vergangenen Jahr so stark, so dass ich auch von ihr einige Abkömmlinge erhielt. Ich hoffe, ich bekomme sie gut über den Winter und im nächsten  Jahr schmücken sie unseren neuen Teich. Ich weiß nicht, ob ich hier Fische für den  Gartenteich bekomme, mal schauen, würde gerne welche einsetzen.

Da ich gerade bei Tieren bin, ebenfalls im Frühjahr, denke ich, sollten wir uns 5 Hühner anschaffen, natürlich mit Hahn. Wie oft geschrieben, bin ich mit vielen Tieren groß geworden, ob Schwein, Pferd, Kuh, Hund, Katze, Hühner, Enten, Kaninchen, alles war vertreten. Jetzt möchte ich gerne Hühner haben, denn  immer bleibt in der Küche etwas übrig, was für den  Abfall zu schade ist. Wir essen gerne Eier und ein frisches Ei ist doch etwas ganz anderes als ein Ei aus dem Supermarkt. Jürgen ist von meiner Idee nicht überzeugt, ich hoffe aber, ihn noch umstimmen zu können. Ein Hühnerhaus mit Auslauf hätte schon einen schönen Platz, und gedanklich ist es auch schon fertig. Ach so, richtig, Zwerghühner sollen es sein!

Gestern waren wir noch kurz in Oskarshamn. Auf dem Heimweg hatten wir die Sonne im Rücken, was für ein Anblick, wenn man in die herbstlichen Wälder schaut. Da die Sonne tief steht, dringen die Sonnenstrahlen tief in den Wald, dort wird das Licht von den Blättern und dem Moos aufgesaugt und festgehalten. Die Lichtspiele sind faszinierend. Ich nehme die Schönheit in mir auf und halte sie wie der Wald tief in mir fest.

Ich ertappe mich dabei, dass ich lächle, was ich lange nicht getan habe.

Wieder ein Schritt vorwärts.

2.10.2015

 

Seit Tagen Sonne satt,  morgen soll es jedoch mit diesem herrlichen Herbstwetter vorbei sein. Bloß gut, dass wir das, was wir uns für den Garten, vorgenommen haben, so gut wie fertig haben.

Der Zwinger von  Emma bekam einen neuen Platz. Hinter dem Haus direkt unter dem  Wohnzimmerfenster ist ein schöner Hundegarten entstanden. Dort hat sie am Nachmittag  Sonne, die dort bis zum späten Abend scheint. Ich werde morgen ein paar Bilder machen. Ihre Hütte hat ein zweites Dach bekommen, versehen mit einer Naturbepflanzung.

Gestern hatte ich ihr ein Kissen in die Hütte gelegt. Kaum  hatte ich den Zwinger verlassen, sah es dort aus, als wäre der erste Schnee gefallen. Ich habe sie nur fragend angesehen und sie verschwand in der Hütte, ein  neues gibt es erst einmal nicht.

In der nächsten Woche bekommen wir unser Brennholz, ca. 15 Kubikmeter habe ich bestellt. Etwas ist noch vom Vorjahr da und dann haben wir auch noch von Mika ca. 2 Kubikmeter Holz bekomme. Jürgen hat es  zersägt und zu dünnen Scheiten gespalten. Es wird uns als Anmachholz gute Dienste leisten. Ich  habe es im Vorraum gestapelt und somit kann  der Winter dann kommen.

Für das Brennholz bauten wir 2 Lager gebaut. Jeweils dicht am  Haus werden wir das auf 30 Zentimeter geschnittene Holz stapeln. Wenn im Frühjahr die Lager leer sind, wird aus einem ein schöner Sitzplatz hinter dem Haus mit Blick auf die Wiese, wo dann wieder unsere kleine Kuhherde sein wird, und der andere Vorratsschuppen ist dann gut für all die Dinge, die im  Sommer so  gebraucht werden: Grill, Holzkohle, Sitzauflagen und all das was sonst so ein trockene Platz in der Nacht braucht.

Da ja heute der letzte schöne Tag gewesen sein soll, dachte ich. den  ganzen Wildwuchs von  den  Pflaumenbäumen im Garten abzuschneiden. Weil das aber nicht so die richtige Arbeit für mich  ist, war es an Jürgen, dies zu  tun. Ich  habe das abgeschnittene Gestrüpp weggebracht und siehe da, der Garten ist gleich noch einmal 

so groß. Wo all die kleinen Bäume und Sträucher standen, kamen alte Zaunstiele zum Vorschein.

Wir haben  beschlossen, dort den Zaun, den uns Mika zur Straßenseite baute, weiter zu führen, so entsteht sicher ein schöneres Bild und wenn ich dann den Loppis mache, ist auch gleich eine Möglichkeit der Dekoration von Gartenutensilien gegeben

Na, und dann habe ich auch noch etwas gebaut:

Helge und seine Frau haben ein Winterquartier bekommen. Damit sie im Winter nicht im Schuppen eingelagert werden müssen, haben sie ein eigenes Dach über dem Kopf bekommen.

Zur Weihnachtszeit wird dann dort eine Beleuchtung das Ganze abrunden.

Wie man sieht, ich bin wieder auf dem Weg der Besserung, werde aber die Notbremse ziehen, wenn nötig.

 

 

 

 

1.10.2015

 

Ich bin seit einer Weile wieder zu Hause, vieles ist seitdem passiert. Ich schreibe einfach mal  über meine Heimreise und welche Gedanken ich bei der Überfahrt auf der Fähre nieder geschrieben habe……

Nach 2 Wochen Deutschland wieder auf der Fähre, gleiches Schiff, gleicher Platz wie bei der Hinfahrt. Es ist 7.00 Uhr, nach einer 3 1/2stündigen Anfahrt nach Rostock, die  nicht so  entspannt ist wie das Fahren in Schweden, hatte ich noch 2 Stunden  Zeit vor dem Auffahren zur Fähre. Augen zu und abschalten.

Gerade geht die Sonne auf, das Wasser im Hafenbecken bewegt sich in kleinen gleichmäßigen Wellen, sicher wird es eine ruhige Überfahrt. Ca. 14.00 werde ich in Trelleborg ankommen und so gegen 19.00 Uhr zu Hause sein. Kurze Berichterstattung und ab ins Bett. Ab  Morgen werde ich mein Leben ändern.

Heuchelei und Scheinheiligkeit sind mir zuwider, ich mag es nicht, wenn  man  mir zum  Munde redet,  mir alles nachspricht und hinterher jammert. Entscheidungen müssen getroffen  werden und ich werde auch nicht mehr jedes Wort auf die Goldwaage legen.

Warum ich so denke? Ganz einfach:

Der Arztbesuch in  Deutschland hat mir die Augen geöffnet. Ein sehr langes Gespräch mit meinem Arzt, der mich seit über 20 Jahre kennt,  trägt einen großen Anteil daran.

Bei der Begrüßung sagte er: „So habe ich dich aber nicht nach Schweden  entlassen,  was ist  mit Dir passiert? Du  bist nicht die Astrid, die ich kenne. Höchste Eisenbahn, dass ich dir helfe, aber dass du dir auch selber hilfst“.

Schon nach den ersten Untersuchungen sagte er mir, wie ernst mein  Gesundheitszustand sei.  Viel zu lange habe ich das auf die leichte Schulter genommen. Andere Menschen waren mir wichtiger als ich mir selbst. Sagen wir mal so: „Ich habe mich selbst vergessen“. Ich nehme mir jetzt vor, mein Leben wieder so zu leben, wie ich es tat, als ich nach Schweden ging. Freude über Natur und Menschen… Das tun, worauf ich  Lust  habe…  Pläne und Ideen,  die mir seit langem im Kopf rumschwirren, in die Tat umsetzen.

Als erstes muss ich lernen, mit meinem Diabetes umzugehen. Weitere Untersuchungen zu  diesem Thema stehen in Schweden auf dem Zettel, es muss untersucht werden, ob Tabletten  ausreichen oder Spritzen erforderlich sind. Gemeinsam werden beide Ärzte Untersuchungen  anordnen und auswerten, dies ist  gut, denn  mein Schwedisch ist nicht so gut, dass ich die Fachbegriffe verstehe.

Nachdem auch festgestellt wurde, dass ich eine Thrombose im Bein  hatte, die ich nicht so  richtig wahr genommen habe und ich somit schwerwiegende Folgen mit mir rumtrage, muss auch dagegen was getan werden.

Wie immer, wenn ich in Deutschland bin, besuchte ich liebe Freunde. Es tat mir sehr gut  und es hat sich gezeigt, was wahre Freunde sind. Es war sogar Zeit für einen Spaziergang und die sehr erfolgreiche Suche von Pilzen, gekrönt von einer „Fetten Henne“. Am  Abend geputzt und ab  in die Pfanne, es verschwanden noch einige Pakete in der Kühltruhe.

Gerade verlassen wir das Hafengebiet, nix mit ruhiger See, Schaumkronen auf den  Wellen und ein tüchtiges Schwanken der großen Fähre „Mecklenburg Vorpommern“ lassen erahnen,  dass es eine schauklige Überfahrt wird. Ich  freu mich, das ist nicht so langweilig und die See sieht schön aus mit ihrer Sahne auf den  Häubchen. Am  Horizont ist die Fähre zu sehen, die   in der Nacht  in Schweden  ausgelaufen  ist. In der aufgehenden  Sonne eine traumhafter Anblick.

Es sind nicht so viele Autos und LKWs auf der  Fähre, die Urlaubssaison ist so gut wie zu Ende, aber trotzdem ist das Schiff voller Menschen. Ich schätze mal, so  um  die 250 Flüchtlinge sind mit uns an  Bord. Sie wollen in Schweden um Asyl  bitten. Wenn ich in all  diese traurigen  Augen schaue, in denen nun ein  Hoffnungsschimmer einen Platz findet,  glaube ich, so manchen Gedanken lesen zu können. Sehe ich die Babys, die  friedlich in den  Armen der Mütter schlafen, geht mir das Herz auf. Die größeren  Kinder spielen in einem  extra für sie hergerichteten Spielbereich. Zu Beginn ist noch ein zaghaftes Lachen zu  hören,  doch nach einer Weile wird es ausgelassener. Haben sie je zuvor so  gelacht? Ich  wünsche ihnen eine glückliche Zukunft.

 

Wellen  tragen  weiße Kronen,

gleiten  übers weite Meer,

keine gleicht der anderen,

obwohl  aus einem  Element.

 

Was für eine Schönheit!

Soweit das Auge blickt,

dort am  Horizont, verhüllt im  Nebel,

Schiffe groß, beladen schwer.

 

Rollend schiebt der Eisenkoloss

landwärts sich, mit halber Kraft,

bin  vom Anblick  ganz gefangen,

voll Respekt, Bewunderung

dieser wunderschönen Macht.

 

Morgen  werde ich darüber schreiben, was sich in den  letzten Tagen hier zugetragen hat,  oder sagen  wir mal: was ich so gemacht habe. Handwerkliche und andere Ergebnisse bezeugen, dass ich die Zeit für Jürgen und mich nutze.




Deutschland, 12..9.2015

 

Kläglich drängen sich einzelne Blüten durch das kurz gemähte, leicht mit Laub bedeckte Gras am Wegesrand. Ich stelle fest, hier hat sich nichts verändert. An den Straßen wird die Natur kontrolliert und im Zaum gehalten, nicht wie bei uns, wo jede Blüte ihr Daseinsrecht hat.

Hier gibt es Staus, Tausende von Ampeln und Baustellen, Bahnschranken, die stundenlang zu sind, und Autofahrer, deren Fahrleistung auf Drängeln und Hupen beschränkt ist. Oh Mann – Deutschland, du hast  mich wieder. Ich kann nur hoffen, dass ich nicht zu lange hier bleiben muss, dass meine Untersuchungen schnell ablaufen, positive Diagnosen folgen und eine baldige Buchung meiner Heimfähre erfolgen kann.

In der Nacht zum Dienstag bin ich um eins bei meiner Tochter angekommen, todmüde ins Bett gefallen und habe trotzdem kein Auge zugemacht. Der Dienstag verlief ruhig und entspannt, ich besuchte eine Schulfreundin und ihren Mann. Es wurde viel erzählt und ein  ausgiebiger Spaziergang gemacht, leckerer selbstgebackener Pflaumenkuchen gegessen. Zurück bei Michi ging ich zeitig ins Bett, die Augen fielen schon von alleine zu, doch wieder fand ich keinen Schlaf. Am frühen Morgen dann nach Potsdam zum Arzt, für eine Wegstrecke von sonst  1 Stunde benötigte ich geschlagene 2 Stunden. Das aus all den bereits aufgezählten  Gründen, dies trug nicht gerade zu einer guten  Stimmung bei, wo meine ohnehin schon so tief im  Keller ist. Ich stelle fest, es gibt noch  tiefe dunkle Verließe…da bin  ich  gerade. Ich denke jedoch, bei meinem geplanten Besuch bei lieben Freunden  Moni und Eddi nach  meinem Arztbesuch, steigt die Stimmung wieder. Weiter geht es zu Kuno und Sabine und am Abend dann zu Wollis, wo ich hoffentlich meinen wohlverdienten Schlaf bekomme, denn dort schlafe ich  immer tief und fest. Na mal sehen, was die Nacht bringt.

Donnerstag, 14.00 Uhr, noch ca. 30 Minuten, dann erfahre ich die ersten Befunde, denn gestern wurde mir ein gefühlter Liter Blut abgenommen. Es werden Tests gemacht, von  denen  ich gar nicht wusste, dass es sie gibt. Ich habe entgegen meiner Hoffnung wieder eine fast schlaflose Nacht hinter mich gebracht, denn wieder schwirrten mir tausend Gedanken durch den Kopf.

Der Grund…Ich  kam  spät bei Wollis an, wie immer war ein leckeres Abendessen für mich  zubereitet und wartete bereits auf dem Küchentisch. Danach saßen wir noch 2 Stunden und redeten über dies und jenes, über ihre Urlaubswoche bei uns, in der es gerade sehr turbulent zu ging und über Krankheiten. Der Urlaub bei uns war für sie keine so schöne Zeit, sie erlebten  meine Probleme und sahen eine traurige weinende Astrid, die sie sonst immer nur lächelnd und fidel kannten. Nach ihrer Abreise hörte ich wochenlang nichts von  ihnen, ich  war nun der Meinung, ihre Enttäuschung über den Urlaub war zu groß und sie sind mit mir böse, denn Grund genug gab es. Ich war kein guter Gastgeber, hatte wenig Zeit für sie, war zu sehr mit mir beschäftigt, es war die falsche Zeit für ein Wiedersehen mit so lieben Menschen. Ich  glaubte fest daran, die Menschen verloren zu haben, die mir genauso wichtig sind wie meine Kinder, denn sie kennen mein  ganzes Leben. Aber Irrtum, sie hatten sich gleich nach  ihrer Ankunft zu Hause in Schweden gemeldet und gesagt, sie wären gut angekommen und trotz  all der Zwischenfälle hätte es ihnen  gefallen. Diese Info kam aber erst am gestrigen Tag  bei  mir an.

So die Wartezeit ist rum, ich werde hoffentlich erfahren, was mit mir los ist. Hoffentlich  gibt es einen Plan dazu, wie ich wieder glücklich und ich „ich“  bin.

Freitagmorgen 5.00 aufstehen und wieder Richtung Potsdam, weitere Tests stehen an.

Die Anzahl der Überweisungen in meiner Hand ist groß, so dass ich sicher mit einer Woche in  Folge hier nicht auskomme. Trotzdem habe ich Glück, ich bekomme schnelle  Untersuchungstermine, die Schwestern sind bemüht, mir zu helfen, denn sonst gibt es die Termine erst ab Mitte Januar.

Die erste Diagnose habe ich bereits: Diabetes, und das bei  meiner Liebe zu Obst. Am  Wochenende werde ich zu Sunny fahren, sie ist  seit langer Zeit sehr krank  und da passen  wir zwei zusammen. Was haben wir früher gesagt, wenn  ältere Menschen bei Kaffee und Kuchen sich über ihre Krankheiten und den  Tod unterhielten: „So werden  wir nicht…mit Sicherheit.“ Doch jetzt sprechen wir darüber, denn es ist Thema Nummer eins, jeder Mensch trägt sein Päckchen mit sich herum, für einen sichtbar für den andern versteckt  im  Inneren.




1.9.2015

 

Da schreiben wir nun schon den 1. September, wo ist die Zeit, die uns allen doch so wichtig ist. Im Eiltempo vorbei gerauscht. Aus gerade erlebter Gegenwart wurde Vergangenheit und  ebenso wird  die Zukunft  in ein paar  Monaten der Vergangenheit angehören. Heute sage ich, warten wir ab, was die Zukunft bringt, egal ob gesundheitlich, beruflich oder privat. Viele Pläne schwirren durch  meinen Kopf, verrückte Ideen werden plötzlich zu ernst gemeinten, Gedanken bringe ich in Wort und Bild zu Papier, sie gewinnen an Farbe und Gestalt.

Die nächsten Monate werde ich nutzen, um für das kommende Jahr einen Start zu schaffen. Mit Saisonbeginn will ich auch einen neuen Traum beginnen, eigentlich doch nicht so neu, denn als ich nach Schweden kam, war es die Basis, für mein Café  zu leben. Ich  werde versuchen, ach was schreibe ich da, ich werde 100%tig einen Löppis haben, darin integriert ein  kleines Café. Klein, superklein, dafür urgemütlich und zum Verweilen einladend. Meine Idee dabei  ist es, dass jeder Gast kaufen kann, was ihm gefällt, egal ob es die Kaffeetasse ist, aus der er gerade seinen Kaffee trinkt, oder der Stuhl, auf dem er sitzt, ob es  die Gardinen am Fenster sind oder die kleine Lampe über dem Tisch, die einen leichten Lichtschein wirft.

Vor einiger Zeit war ich unterwegs und sah ein solches Café, die Gäste ließen genau wie ich  den Blick durch den Raum streifen, er blieb an verschiedenen Dingen haften, auch ich wurde fündig  und so wird es sicher dann auch meinen Besuchern gehen.

Das ist mein beruflicher Plan, der gesundheitliche geht hoffentlich in den nächsten Tagen in Erfüllung mit nicht allzu schlechten Nachrichten, baldiger Besserung und neuer Energie für die anderen Pläne.

Private Pläne habe ich keine, eher Wünsche, dass Jürgen mir weiterhin so zur Seite steht wie in der Vergangenheit, Joel sein Leben in den Griff bekommt und seine Ausbildung erfolgreich  weiter führt, Michi, meine Tochter, wieder gesund und glücklich wird und dass mein Sohn  Basti mit seinem neuen Job zufrieden ist.

Für einige Schritte auf dem Weg zu meiner neuen  Idee habe ich mir ein Zeitfenster  gesetzt, mal  sehen, ob ich das schaffe. Ein  wichtiges Datum ist der alljährliche Weihnachtsmarkt in  Bråbo im November… Drei Monate noch, eine relativ lange Zeit, doch was ist schon relativ.

 

 

 

 

31.8.2015

 

Nun habe ich genug über meine Leiden geschrieben und es ist  höchste Zeit, etwas dagegen  zu tun, ich fahre nach Deutschland und lasse bei meinem früheren Hausarzt einen Groß- Check  machen. Er kennt mich und meine Beschwerden seit 20 Jahren,  ich  denke, es ist der richtige Weg, um Klarheit zu bekommen, was mich so „umhaut“. Die Leere muss ja einen Grund haben, und nur wenn ich den  Grund kenne, kann ich etwas tun,  um wieder die Power zurück zu bekommen, die ich hatte und auch brauche.

Vor einigen  Wochen bekam ich für den  Sticklingsdag (das ist der Tag, an den die Hobbyzüchter für Geranien ihre Neuzüchtungen vorstellen und verkaufen) die Aufgabe  für ein  Spiel an einer großen Tafel, diese zu bemalen. Man brachte mir eine Tafel  1,5 Meter hoch  und 3 Meter breit. Darauf verteilt waren 8 Löcher in verschiedenen Durchmessern. Es handelt sich um ein Wurfspiel. Ich  sollte sie mit einem Motiv bemalen, das  Kindern gefällt und Freude am Spiel macht. Die Platte war eigentlich keine Platte. Durch die vielen Löcher  konnte man sich noch so große Mühe geben, ein zusammenhängendes Bild war so nicht machbar. Ich fragte nach, ob es möglich sei. dieses Spiel etwas abzuwandeln. Ich bekam für  meinen Vorschlag das „OK“ und legte los. Das Motiv stand fest: Dschungel-Grün und viele Tiere sollten die Platte ausfüllen.

So  war es dann auch nach drei Tagen. Bild fertig, noch eine wetterschützende Lackschicht aufgebracht, und die Fangkörbe in verschiedenen Größen konnten von  Jürgen und mir angeschraubt werden. Am Vortag  der Veranstaltung holte man das Kunstwerk ab, bereits da wurde es gelobt, doch richtiges Lob erhielt ich erst, ,als ich sah, wie viele Kinder und Erwachsene ihr Glück und ihre Zielsicherheit testeten und sich über Treffer riesig freuten. Rechtzeitig zum Weihnachtsmarkt ist bereits ein weihnachtliches Motiv in  Auftrag  gegeben worden, eine weitere Tafel wird dann die Tomtengeschichte zeigen. Im  Kopf ist das Bild schon gemalt und lackiert.

Ich machte auf der Geranienausstellung eine Runde, um mir die Vielfalt an Neuheiten  dieser Blume anzusehen, kaufte einen Strauß Dinkel und wollte gerade nach Hause gehen, da sprach  mich mein Nachbar an. Er  sagte, ich werde gesucht, ein Mann wolle mich kennenlernen, ich  fragte, wo  dieser Mann sei und was er von mir wolle,  in diesem  Moment kam ein  älterer Herr auf mich zu und fragte: „Astrid?“  Ich  sagte „ja“. Als Antwort kam: “Leif, Leif Hultgren“, noch bevor ich nach seinem Namen  fragen konnte.  Er war einst der Besitzer des Hauses, in dem  wir leben. Wir sprachen eine Weile miteinander und er fragte, ob er mich  besuchen könne, um „ sein altes Haus“ noch einmal von innen zu  sehen. Die Leute hatten  ihm bereits viel von  unseren  Arbeiten am Haus erzählt, dass wir es so herrichten, wie es 1927 etwa aussah. Das Äußere hatte er bereits bewundert und war glücklich darüber, wie viel Liebe wir in dieses Haus und seinen Garten  stecken. Dass ich versuche, die Geschichte des Hauses wieder zu erwecken, erfreute ihn sehr. Leider kam dann etwas dazwischen, sodass er den  Besuch bei uns verschieben musste, er kommt später einmal  vorbei. Wir freuen uns darauf….

 

 

 

 

28.8.2015

 

Die Ereignisse reißen nicht ab, jeden Tag kommt etwas Neues dazu. Da habe ich das Café und Restaurant gedanklich und auch vom Herzen her fast hinter mir gelassen, hatte das Gästehaus, von mir mit viel Liebe eingerichtet, aus meiner Lebensaufgabe gestrichen, jetzt muss ich mit ansehen, wie es drei  Männer betreiben: herzlos, freudlos und vor allem lustlos, nur nach persönlichem Vorteil trachtend. Ich stellte aber fest, dass es nicht mehr schmerzt. Somit kann ich für mich sagen: ein weiterer Lebensabschnitt ist abgeschlossen.

Nachdem meine Handoperation so weit wie möglich überstanden ist, hat meine Hand zwar noch nicht ihre volle Kraft und Motorik zurück, doch kann ich eine Besserung melden. Trotzdem bin ich wieder aus der Bahn geworfen. Seit ein paar Wochen habe ich eine stark geschwollene Ferse und starke Schmerzen, ich kann zeitweilig nicht auftreten, und der Weg zum Arzt war unumgänglich. Diagnose: Fersensporenentzündung, Fersennerv und Muskelentzündung. Drei Tage später war auch noch der Minuskelnerv „genervt“ und zeigte es in Form von sehr starken Schmerzen. Ich bekam starke Medikamente, morgens, mittags, abends, sie machten mich kraftlos und leer. Darum habe ich den Entschluss gefasst, mich mit meinen ehemaligen Hausarzt in Deutschland in Verbindung zu setzen und mich von Kopf bis zum kleinen Zeh durchchecken zu lassen.

Bin gerade dabei, alles Notwendige zu  erledigen und dann geht’s ab in die Gewissheit. Dies ist unbedingt notwendig, denn ich habe an mir eine Veränderung festgestellt. Ich nehme die Schönheit der Natur nicht so wahr wie bisher und dies gibt mir zu denken. Außerdem lasse ich wichtige Dinge liegen und gehe Diskussionen aus dem Weg, bin Gesprächen über belanglose Dinge müde, habe keine Lust auf Kaffeklatsch und Probleme anderer, ich habe selbst genug und mit mir zu tun.

Ich will wieder die Astrid sein, die sich über die Schnecke auf dem Gartenboden, die Raupe, die einmal ein wunderschöner Schmetterling sein wird, und den Wandel der Natur zu jeder Jahreszeit erfreut.




27.8.2015

 

Flüchtlinge - egal ob man den Fernseher anschaltet oder eine Zeitung  aufschlägt - wen dieses Thema kalt lässt, hat selbst noch keine Not, Armut oder Gewalt erfahren. Ich saß oft an der Seite meines Vaters und er erzählte mir von der Kriegszeit. Schon als Kind berührte es mich, von all dem Leid zu hören, das Menschen anderen Menschen zugfügten. Wenn ich  heute die flüchtenden Menschen sehe, denke ich an die Worte meines Vaters, an die traurigen Augen, in die ich sah, wenn er vom Krieg erzählte.

Welch schwere Zeit haben diese Menschen die letzten Monate auf der Flucht durchlebt und welche blutigen Jahre im Krieg haben Kinder bereits in ihrem kleinen Leben ertragen müssen! Ich finde es traurig, dass man da über Hilfe nachdenken und diskutieren muss, anstelle sofort zu handeln. Noch trauriger macht mich die Tatsache, dass es Menschen gibt, die gegen Menschen demonstrieren, die zu uns kommen, weil sie unsere Hilfe brauchen, und dass ihre Unterkünfte zerstört werden und in Flammen aufgehen.

Auch hier in Schweden kommen viele Flüchtlinge an und hoffen auf ein neues Leben. Nachdem sie in den Auffanglagern waren und den  ganzen Ämterwirrwarr hinter sich gebracht haben, suchen sie mit ihren Familien ein neues Zuhause. So auch Muhammed. Ich  habe ihn kennengelernt, als wir in einer Autowerkstatt waren. Nach einem kurzen Gespräch und einer schnellen Besichtigung eines der Häuser, das  meiner Tochter gehörte, wurde mit Handschlag und nach zwei Tagen schriftlich mit Mietvertrag die Sache besiegelt. Sofort zog er ein und brachte den Garten in Ordnung, malerte das ganze Haus. Wenn wir ihn besuchten, strahlte er, doch glücklich war er nicht. Seine  Familie ist verstreut, Bruder in Deutschland, Schwester  noch  auf der Flucht, Mutter noch in Syrien, Vater im Krieg getötet. Nun  möchte er gerne eine Familie, doch  in einem kleinen Dorf in Schweden ist nicht gerade die Voraussetzung  gegeben, um eine Frau kennenzulernen. Er sprach mit mir darüber und brachte einen Freund, der eine Familie mit 4 Kindern hat als Nachmieter. Sie zogen sofort ein, nachdem wir sie kennengelernt hatten. Super freundlich und dankbar auch für die kleinsten Gesten, die  man ihnen zeigt. Dann kann der Schock. Die neuen Eigener, die  mit ihnen als Mieter einverstanden waren, kamen  nach nur drei Tagen mit dem Wunsch, ich solle der Familie sofort wieder kündigen, sie haben es sich überlegt und wollen doch  keine Mieter und schon  gar nicht eine solche Familie. Mir fehlten die Worte. Die neuen  Eigener des Hauses waren  Freunde von mir, ja richtig „waren“, nach diesem Vorfall sind sie es nicht mehr. Denn  so  ein Verhalten verstehe ich nicht und lehne ich ab.

Da die Familie noch nicht so viel  ausgepackt hatte, war es gut. dass wir so was wie einen  Plan  B hatten. Das Ferienhaus. das  Ilona kaufen  wird und wir gerade eingerichtet haben, wurde nun permanent vermietet. Jedoch  unmöbliert, das heißt ausräumen und  somit viel Arbeit.  Damit die Familie sofort einziehen kann,  haben sie selbst das Haus soweit wie möglich  beräumt und alles in  zwei  Zimmer zusammen  gestellt, jetzt  fahren wir hin und holen Möbel, Geschirr und Wäsche ab. Das bedeutet, ein  paar Tage Krankheit und Schmerz hinten anstellen. Doch danach werde ich  weiter an  meiner Genesung  arbeiten, denn es wird höchste Zeit, dass ich wieder auf die Beine komme,  die  mir zurzeit große Sorgen  machen. 

Entzündete Achillesferse, Fersensporenentzündung, Ischias-Nerv eingeklemmt, nur um  ein paar Sachen  aufzuzählen. Astrid ist  eben  vielseitig…

 

 Siehe auch  Der Heilige ohne Fuß

 

 

19.7.2015

 

So, der Sonntag ist so gut wie vorbei, mal nichts gemacht, außer einem Topf „Mostrichgurken“, das ist  ein  Rezept aus lang vergangener Zeit,  der „DDR-Zeit“, da habe ich  dieses Rezept von einer lieben alten Omi bekommen. Damals arbeitete ich im Konsum und bei den Gesprächen mit den Kunden wurden  immer wieder mal auch über alte Rezepte gesprochen. Da ich gerne etwas Neues ausprobiere, fragte ich natürlich nach, ob ich  das Rezept bekommen könnte, und so war es eben auch mit den  Gurken. Bei diesem Rezept werden die Gurken in richtigem Mostrich mit Essig, Wasser, Zucker, Salz und in Gewürzen  eingelegt, nach einer Woche kann man schon  probieren.

Gestern  dagegen haben wir etwas Schönes gemacht, Jürgen und ich bauten  am ganzen Haus die Markisen an. War gar nicht so einfach, ich mit lädierter Hand als Handlanger, doch am Abend waren alle an ihrem Platz, und nun kann die Sonne kommen.

Vor ein paar Tagen fand ich die ersten Pfifferlinge, es waren zwar nicht viele, aber in der Sauce des Geschnetzelten waren sie ausreichend. Ich  denke in, den nächsten Tagen werde ich  an den Stellen nachsehen, wo ich im vergangenen Jahr welche fand, ob auch in diesem Jahr wieder der Pilz-Korb gefüllt wird.

Heute war ich mit Ilona im Nachbarort zum  Einkauf, ich brauchte einen Steintopf für die Gurken, auf dem Rückweg hielt ich am Waldrand. Wir pflückten uns eine große Handvoll Blaubeeren, die gibt es in diesem Jahr in Hülle und Fülle, die Wälder sind mit Teppichen von  Blaubeerpflanzen  bedeckt. Hätte ich nicht das Problem mit den Schlangen, wäre ich kräftig mit dem Pflücken der Beeren beschäftigt. Da ich aber nur schauen würde, ob sich so ein Reptil nähert, würde meine Schüssel nie voll werden. Damit ich wenigstens einen  Kuchen  backen  kann, werde ich versuchen, am Wegesrand genügend zu pflücken, denn nichts geht über einen leckeren Blaubeerkuchen mit Vanillesauce oder Schlagsahne, die bei mir auch  keinen Schaden  mehr anrichten kann.






17.7.2015

 

Es sind einige Tage vergangen seit meinem letzten Eintrag, ich bin zurzeit noch nicht in der Lage, täglich über mich und mein Leben zu berichten. Immer und immer wieder passieren  Dinge, die mich daran erinnern, wie viel Spaß mir mein Job gemacht hat. Des Öfteren bekomme ich Anrufe von Gästen, die eine Buchung fürs Gästehaus machen wollen. Ich muss dann mitteilen, dass ich nichtmehr dort arbeite. Dann kommen bedauernde Worte und dass man sich um eine andere Unterkunft kümmere.

Ich werde nun die Vergangenheit abhaken, wie man so schön sagt, und was Neues anfangen. Natürlich brauche ich auch da Hilfe, doch werde ich erst einmal einen vernünftigen Plan fassen und alles durchrechnen und dann legen wir los. Ich hoffe und denke, Jürgen und Joel werden mich dabei unterstützen, denn bei den baulichen Arbeiten brauche ich  sie. Nach  meiner Handoperation ist nix wie es war. Schon nach geringer Anstrengung habe ich Schmerzen und die Hand schwillt im Narbenbereich an.Weil die linke Hand meine Arbeitshand ist, ist es für mich schwer. Da tut es gut, mal wieder etwas Schönes zu erleben und auf andere Gedanken zu kommen.

In  Blocket, das ist hier in Schweden so etwas wie ebay in Deutschland ist, habe ich Markisen fürs Haus gefunden, bereits im vergangenen Jahr wollte ich sie haben. Da den ganzen Tag die Sonne auf die Fenster steht und die Blumen auf der Fensterbank dies nicht vertragen, hatte ich den Wunsch, Markisen am Haus zu montieren. Und außerdem …weil ich das total schmückend für ein Haus finde. In Blocket kann man Schnäppchen machen, egal ob  Auto, Baumaterial oder eben Markisen, alles für wenig Geld. Bei meinem geringen Krankengeld muss ich zusehen, wie ich zurechtkomme. Jürgen kann nicht alle Ausgaben abdecken, an den Winter müssen wir auch denken, denn dann sind die Einnahmen so gut wie Null und man muss im Sommer somit Sorge tragen, dass auch im Winter etwas im Kühlschrank ist und das Feuer im Kamin lodert.

Die Markisen habe ich von Ryd abholen müssen. etwa 230 Kilometer entfernt. Ich  fragte Ilona, ob sie Lust auf eine Tagestour hat, sie stimmte ohne lange Überlegung zu. Wir konnten erst um 13.00 losfahren konnten, so war klar, dass wir erst am  späten Abend zurück sein würden. Ich entschied mich für eine Route über Land, klar hätte ich den kürzesten Weg wählen können, aber dann  hätten wir nicht das gesehen: angefangen von  einer wunderschönen blühenden Sommerlandschaft, über gepflegte oder total verspielt angelegte Grundstücke,  Badeseen, die zum Verweilen einladen, oder Gebäude, die aus längst  vergangener Zeit berichten. Wir sahen einen breiten Fluss, der sich gabelte, und einen schnell fließenden Fluss, in dem das Wasser um Felsen  brodelte.

Direkt bei der Gabelung befindet sich ein Felsen mit einem Durchmesser von etwa 7-8 Meter hat, darauf steht ein  Haus. Ich traute meinen Augen nicht: ein Wohnhaus, keine Mühle oder so, nein, ein richtiges Wohnhaus, in dem einst Menschen lebten. Eine alte knochige Holzbrücke führt über den  einen Arm des Flusses. Das romantisch und zugleich beängstigend aussehende Häuschen ist  aus dicken  Holzbalken gebaut  und hat in seinem ganzen Leben keine Farbe gesehen. Grau und verwittert ist es Zeuge der damaligen Zeit. Leider konnte ich keine Fotos machen, ein  Anhalten auf der Straße war an diesem Ort nicht möglich, da nur eine schmale Brücke über den  Fluss führte und  uns dieser Anblick gegönnt wurde. Ich versuche es mal mit Papier und Bleistift festzuhalten und dann zeige ich es hier.

Weiter ging es über die Landstraße, die zu beiden Seiten mit Sommerblumen in Hülle und Fülle übersät war. Ein See der am Ufer voller Schilf und Rohrkolben war, und die Wasseroberfläche wie mit Perlen besetzt. Soweit das Auge reicht Seerosen. Ein wunderschöner Anblick.

Na und dann sahen wir im Vorbeifahren ein  Haus….. Mein Gedanke war, hier lebt eine Familie im „Pippi Langstrumpf-Loock“. Ich beschloss, auf dem Rückweg  zu stoppen und Fotos zu machen. Was wir auch  taten, nachdem wir den  Eigentümer, entgegen  meiner Erwartung ein ganz normaler Pensionär, um Erlaubnis gefragt hatten. In jeder Ecke entdeckten wir etwas Lustiges aus einfachen Mitteln  gebastelt. Blumentöpfe, Wasserschläuche und Co. finden hier Verwendung. Wir sollten zur Weihnachtszeit zu diesem Haus zurückkehren, sicher wird in jedem Zweig der Bäume, in jeder Blumenschale, auf jeder Säule ein Licht leuchten und eine weihnachtliche Stimmung verbreiten.

Und was wäre eine solche Fahrt ohne unsere geliebten Trödelmärkte, in  jedem Ort gibt es da einen, einer größer als der andere. So konnten wir ein wenig rumschnökern und wurden bald  fündig. Einalter Gutshof groß und gut erhalten ist  komplett zu einem Loppis ausgebaut, mit einem gemütlichen Cafe. Natürlich war ein Besuch ein Muss und der leckere hausgebackene Kuchen schmeckte mit einer Tasse Kaffee hervorragend. Dieser Hof gab mir Anregung für mein kleines „Neues Vorhaben“ …

Stockholmer Schloss
Stockholmer Schloss

11.7.2015

 

Nun  habe ich nur einiges davon geschrieben, was mein komplettes Leben verändert hat. Es reicht jedoch, um mein Denken und Handeln zu verändern. Über viele Sachen denke ich intensiver nach, schätze Gesten und Worte von Menschen ab, überlege, wie sie gemeint sind.  Ich war zu leichtgläubig und bei allem habe ich „Ja und Amen“ gesagt. Das Wort „Nein“ gab es für mich nicht, das hat sich jetzt geändert.

Nach diesem Zwischenfall, ich nenne es einfach mal so, ist „Nein“ ein Wort geworden, das ich laut und mit großer Betonung ausspreche. Und das tut mir gut. Ich  habe mehr Zeit für mich  und meine Lieben. Egal ob  Jürgen oder Joel, beide merken, dass ich  wieder ruhiger und entspannter werde. Im Moment weiß ich zwar noch nicht, wie es weiter geht, jedoch  eins weiß ich: Ich  lasse mich nicht klein kriegen, ,,von  nichts und niemand“.

Ach, so mal am Rande, der Arztbesuch erbrachte die Diagnose. Ich bin völlig gesund, was meine Psyche angeht. Zwar sind die anderen gesundheitlichen Probleme groß, aber für mein weiteres Vorhaben  nicht beeinträchtigend.

Wie schon geplant, werde ich mich intensiv auf die Verwaltung und  Betreuung von  Ferienhäusern konzentrieren, ich im Haus und Jürgen beim Außenbereich. Ich glaube, das funktioniert.

Jürgen hat mich auch gebeten, hier etwas klar zu stellen. Nicht er war derjenige, der ausziehen wollte, sondern ich habe ihm die Sachen gepackt und ihn aufgefordert zu gehen, was er dann auch tun wollte.

So, nun habe ich auch das geklärt, ich will ja nichts Falsches schreiben, es hat sich soweit wieder alles eingespielt, und er liest mein  Tagebuch ebenfalls, bzw. ich lese es ihm vor, bevor ich es ins Netz stelle. Gestern war es jedoch umgekehrt, und so entstand dieses Missverständnis. Ist aber auch egal, wer wem die Koffer packt, solange man sie dann wieder auspackt und einen Neustart versucht.

Es gab auch einige positive Ereignisse. Ich hatte von meinem Klassentreffen berichtet und dass mich einige ehemalige Schulkameraden besuchen wollten. Annerose, meine Schulfreundin der gesamten 10 Schuljahre, war mit ihrem Mann hier, wir erlebten eine tolle Woche. Jeden Tag unternahmen wir etwas, das Wetter war super und so  machte es Spaß, ihnen die Gegend zu  zeigen. Wir besuchten auch  Stockholm einen Tag vor der Hochzeit des Sohnes aus dem Königshaus. Morgens um 6.00 Uhr ging es los. Nach viereinhalb Stunden  waren wir in Stockholm, die Sonne knallte vom Himmel, na Prost Mahlzeit, wo ich doch  Temperaturen bis 18 Grad als angenehm empfinde, aber Augen zu und durch. Mit dem Bus „hopp on, hopp off“ ging es 2 Stunden durch die Stadt, eine Fahrt, die unbedingt empfehlenswert ist. Wer nach Stockholm will, sollte diese Möglichkeit nutzen, denn  mit dem Auto ist es unmöglich, an viele Stellen käme man gar nicht ran, abgesehen davon, dass man ja nichts von  all diesen schönen Gebäuden und Häfen weiß.

Aber nach dieser Fahrt war ich fertig, denn die Sonne brannte unermüdlich. Annerose wollte aber gerne noch ins ABBA-Museum, ich brachte sie hin, holte aus Verständigungsgründen die Eintrittskarten  für die beiden und schickte sie hinein ins Vergnügen. Ich setzte mich in  ein kleines gemütliches Gartencafé vor dem  Museum, hörte die uns so bekannte Musik der Gruppe und trank einen Milchkaffee. Etwas erholt fanden sie mich dann dort gemütlich auf einem  Sofa aus der Zeit von  ABBA sitzen und wir machten uns auf den  Heimweg. 500 Meter bis zum Auto und ab nach Hause. Jetzt dauerte die Fahrt 5 Stunden, denn es war Feierabendverkehr.

Ein Höhepunkt an diesem Tag war, dass wir den Sieger des Eurovisions-Contest gesehen haben, der lief einfach so durch die Straßen und der Bus musste stoppen, weil sich eine Traube jauchzender Mädchen um ihn herum versammelte. Aber wie es in  Schweden eben so ist, der Bus bleibt stehen und wartet ab… Nach 10 Minuten ging die Fahrt weiter und wir konnten den Fahrtwind zur Kühlung genießen.

Nachdem die beiden wieder nach  Deutschland gefahren waren, kam eine Woche später ein neuer Besuch, auf den ich 4 Jahre gehofft habe, jedoch nie geglaubt habe, dass es jemals geschehen wird. Wollis kamen mit dem Flieger von Berlin nach Stockholm. So fuhr ich nach nur einer Woche wieder diese Strecke, diesmal mit Jürgen. Zwar hatte ich vorgehabt, mit Ilona diese Tour zu machen, doch fühlte ich mich im Moment nicht in der Lage dazu. So planten wir um und Jürgen holte mit mir meine Ersatzeltern und ganz, ganz lieben Freunde ab. Für die Heimreise hatten wir ein  Picknick vorbereitet, einen Korb mit Leckereien und Kaffee, Saft und Mineralwasser. Wir verwandelten die Kofferraumklappe, nachdem ich eine Decke darüber ausgebreitet hatte, zu einem gemütlichen Tisch. Die Insassen der vorbei fahrenden Autos lächelten uns zu und hätten wohl gerne mit uns dort gestanden.

Am  Abend waren wir zu Hause, ein  paar Stunden saßen wir noch zusammen und redeten. Müde ging’s ins Bett und Marlis konnte seit Jahren mal „Durchschlafen“, total  glücklich  stand sie morgens vor mir in der Küche und war happy. Ein Frühstück unter der großen  Eiche ließ den Tag gut beginnen, und so waren auch all die anderen Tage. Für die Woche hatte ich keinen Plan gemacht, sondern wir beschlossen am  Morgen  jeden Tages gemeinsam, was wir unternehmen wollten. Leider verging die Woche viel zu  schnell und wieder ging es nach  Stockholm zum  Flieger zur Heimreise. Nachdem  sie eingecheckt hatten und durch die Kontrolle waren, fuhren Jürgen und ich wieder Richtung Bråbo, wir hatten ja wieder die viereinhalb Stunden vor uns  und Marlis drängelte, wir sollen doch  fahren, denn sie sind eher wieder zu Hause als wir. 

So war es auch, denn wir machten zwei Mal Rast, das erste Mal, um  etwas zu  essen, und der zweite Stopp war an einer Eisdiele direkt an der Schnellstraße mit einem  Blick über einen wunderschönen See. Der Stopp tat uns beiden gut. Auch an  diesem Abend fielen wir hundemüde ins Bett und dachten an ein schnelles Einschlafen. Aber  die stehende Hitze von  28 Grad und die Mücken, die das vergessene offene Fenster ausgenutzt hatten, sorgten dafür, dass die Nacht sehr kurz war.

Aber egal, auch das ging vorbei. Die vergangene  Woche gab mir wieder neue Kraft und neuen  Mut.

“Danke für euren Besuch, Wollis, ich  habe euch  ganz doll  lieb.“

 



10.7.2015

 

Was  wäre jetzt das Einfachste….einfach schreiben, was ich heute oder gestern erlebt habe… Nein  das ist unmöglich, ich bin es mir und meinen Lesern schuldig, das Erlebte der letzten Monate nieder zu schreiben. Ich habe eine Zeit durchlebt, die ich nie wieder erleben möchte, sie war geprägt, von Angst, Enttäuschung, Wut und Ratlosigkeit, um nur einige Gemütszustände zu nennen. Ich weiß auch nicht, wo ich so richtig anfangen soll, ich denke jedoch, wenn ich den Anfang habe, werde ich wohl lange sitzen und schreiben. Ich  werde auch Fotos zu all dem was passiert ist beifügen. Bei den Dingen, die mich so aus der Bahn geworfen haben, gibt es keine Fotos, nur Bilder, die in meinem Kopf kreisen, und Worte, die  immer noch in meinen Ohren klingen, sie sind es, die mir Mut und Freude am Leben nahmen.

Ich  stand nicht nur vor dem Zusammenbruch, nein, ich habe ihn erlebt und denke, ich werde noch lange brauchen, um wieder die zu werden, die man meinem bisherigen Geschriebenen kennt. 

Ich hatte ja  mal  geschrieben, dass T… meinen Exmann ins Gästehaus holte, damit sich der arme Mann erholen kann, nachdem er einige Monate im Ferienhaus meiner Tochter ohne Wasser und Strom lebte, aus dem einfachen Grund, weil er nichts bezahlte und die Unternehmen dies nicht billigten. Er gab mir die Schuld daran, machte mir das Leben zur Hölle und schmiedete mit einem  Mitarbeiter im  BEF einen  Racheplan, welche zu 100% aufging.

 Aus einer Woche Erholung wurden nun  bereits 7 Monate, er lebt dort und genießt das Leben, er erhält Unterstützung von einem Menschen, dem ich zu 1000% vertraut hatte

Ich glaubte, in  T… einen guten Freund zu haben, er half mir bei all den Dingen, die notwendig waren, um hier leben zu können, dafür bin ich ihm auch sehr dankbar und ich habe es ihm auch noch einmal gesagt, dass ich ohne ihn nicht gewusst hätte, wie alles hier funktioniert, doch ist dies kein Grund, sich alles gefallen zu lassen und einfach „wegrationalisiert“ zu werden. Durch den Einzug von meinem Ex war für mich ein Arbeiten im BEF und somit auch  im  Gästehaus eine tägliche Herausforderung und bereitete mir Magen- und Kopfschmerzen. Es war nur eine Frage der Zeit, wann ich gesundheitlich zusammenbreche, es ließ nicht auf sich warten. Ein  Arztbesuch nach dem anderen, Medikamente in Hülle und Fülle, schlechte Laune,  Stimmungsschwankungen und Traurigkeit füllten meinen  Körper komplett aus. Für keinerlei  Freude oder gar Spaß war noch Platz. Zuhause gab es nur noch  Diskussionen über das am Tage Vorgefallene, ich wollte meine Enttäuschung und Trauer durch Reden verringern, es belastete Jürgen, es war einfach zu viel, was da ständig Neues dazu kam, und immer wieder kam es zu  Streitereien. Zu  Anfang waren sie nach einem Tag aus der Welt geschafft, doch mit der Zeit ging es nicht mehr. Das Resultat war ….die Trennung!

Er wollte sofort ausziehen und ich wollte einfach nur noch meine Ruhe und meinen inneren  Frieden wieder haben. Hals über Kopf, nach  einem  kräftigen  Streit setzte ich  mich  ins Auto und fuhr zu  Anfang ziellos einfach weg, weit weg. In  meinem  Kopf kreisten die Worte von  T…, denn er sagte:  „Astrid, du  gehörst für eine Weile in  die Psychiatrie.“ Völlig aus heiterem Himmel warf er mir diesen  Satz an den  Kopf. Nun weiß  ich zwar, warum er es damals sagte, denn  ich bin sehr direkt und verpacke die Meinung nicht in  rosarotes Seidenpapier, ich  spreche aus, wie und was ich denke. Und gerade darum  ist es mir unerklärlich, wieso er mir dies nun zum  Vorwurf macht, denn  nur eine paar Wochen  zuvor sagte er: „ Astrid,  ich  mag dich  für deine Ehrlichkeit und Offenheit, du  bist gerade heraus und redest nicht schön, wo  nichts schön  ist“.

So,  nun mach mal was aus diesen Sätzen, die ein- und dieselbe Person innerhalb kurzer Zeit von sich gibt. Ich entschloss mich, nach Västervik in die Klinik zu fahren, um mir von einem  Facharzt bestätigen zu lassen, dass ich  nicht normal bin, es war bereits 21,30 Uhr, ich  überlegte nicht lange und fuhr in  die Richtung, auf einem Rastplatz stoppte ich, denn mir war klar, dass ich zur Gefahr für die Umwelt wurde,  ich konnte mich weder auf das Autofahren, noch auf den Weg konzentrieren. Total aufgelöst und verheult machte ich Halt, ich dachte, dann  schlafe ich eben eine Weile im Auto und wenn ich mich beruhigt habe, fahre ich in die Klinik. Neben mir hielt ein Auto an, nach einer Weile klopfte es an meiner Autoscheibe, der junge Mann fragte, ob er mir helfen  könne, ich fing richtig an zu heulen und als ob ich  ihn superlange kenne, erzählte ich, was mit mir los war. Er  nahm sein Handy  und rief jemand an, ich  erfuhr kurz darauf, dass es seine Frau  war. Er gab mir das Handy und sie sagte, ich solle  mit ihrem Mann zu ihr nach  Hause kommen, denn eine Nacht im Auto wäre wohl nicht das Richtige für mich. Ich  fuhr ihm nach und 10 Minuten später saß ich in einer kleinen  gemütlichen Stube.

Im  Normalfall hätte ich umher geschaut und sicher auch vieles aus vergangener Zeit entdeckt und Fragen gestellt. In diesem Moment jedoch wollte ich einfach nur noch schlafen. Wir sprachen über den  nächsten Tag und darüber, dass sie mir helfen wollen und ich so lange, wie ich will, ihre Gastfreundschaft in  Anspruch nehmen könne. Ich  bekam ein riesiges T-Shirt als Nachtwäsche und die Frau brachte mich in ein kleines Häuschen, das sie als Ferienhaus in der Saison vermieten.  Liebevoll  machte sie mir ein  Bett zurecht und ich lag kaum im Bett, schon schlief ich tief und fest. Wie ich diese Tage dort erlebte, habe ich  ja schon im Tagebuch geschrieben. Diese Zeit half mir, über mich und die  Menschen um mich herum nachzudenken, ich kam zu  dem Entschluss, dass ich  mich wieder von einigen lösen muss, wenn sie mir auch viel bedeuten und ich sie wirklich mag. Nach einer Woche fuhr ich wieder nach Hause, denn  Bråbo und das gemütliche Häuschen sind mein  Zuhause und für nichts auf der Welt gebe ich dies wieder her. All  mein Herzblut steckt darin,  abgesehen von der ganzen Liebe und Kraft, die ich ins Café und Restaurant investiert habe. Mit Jürgen gab es Gespräche und wir versuchen einen Neustart, die Probleme um uns herum  lassen  wir, soweit es möglich ist, nicht zwischen uns kommen, was aber  nicht gerade leicht ist, denn Jürgen muss täglich ins BEF und wird immer wieder mit allem konfrontiert.

Ich hatte ja eine 100%-Krankschreibung und T.. drängte mich, ich solle mich  doch  prozentual  gesundschreiben  lassen, denn er würde mich dringend wieder im  Gästehaus brauchen, es sei doch zu merken, dass ich nicht da bin und die Dinge laufen nicht so, wie sie laufen  müssten. Also  überzeugte ich bei meinem nächsten Arztbesuch den  Doktor, dass ich wieder etwas Arbeiten gehen kann, obwohl er anderer Meinung war. Wir einigten uns auf den  Kompromiss, dass ich sofort wieder komme, wenn ich  Probleme hätte, so schrieb er mich auf 25% gesund.

Freudestrahlend ging ich nach meiner Rückkehr vom Arzt sofort zu  T… ins  BEF, um  ihm  mitzuteilen, dass ich ab Mittwoch, also in 2 Tagen, wieder arbeiten könne. Arbeit war in  der Zwischenzeit genug da, sie hatte sich zu einem großen Berg angehäuft, denn Umbaumaßnahmen hinterließen im Gästehaus ihre Spuren, die auf ihre Beseitigung warteten.  Zwei neu entstandene Zimmer mussten eingerichtet und dekoriert werden, ebenso lag ein großer Berg Wäsche da und wollte gewaschen werden. Ich  fragte T…, ob  ich  mich  gleich an die Zimmer machen solle, da kam die Ohrfeige, die richtig saß und mich  aufweckte….

„Du  bist  nicht mehr für diese Aufgabe zuständig, das mache ich nun  selbst mit meiner Frau.“  (Diese hatte mir kurz zuvor gesagt, dass sie mich bewundere, wie ich  alles so schaffe und manage.) Und außerdem  habe er ja die zwei  Männer im  Haus, die alle anderen  Arbeiten übernehmen. „Astrid, du  bist nur noch für das Frühstück der Gäste und für die Schmutzwäsche  zuständig.“

Ich glaubte, nicht richtig gehört zu haben. Alles, was ich dort aufgebaut hatte, wurde nun  von  einem Menschen übernommen, der vor mir im BEF arbeitete und dunkelrote Zahlen  geschrieben hatte. Ich  musste das erst einmal verdauen, ich drehte mich um, verabschiedete mich  innerlich vom BEF, dem Gästehaus und von „meinem  Traum“.

Ab sofort stand ich ohne Krankengeld und ohne Job da,  keine guten Voraussetzungen für ein glückliches Leben. Der letzte Funke Lebensmut erlosch, mut- und kraftlos ging ich nach  Hause. Bis heute tut es weh und ich kann mir nicht erklären,  warum das mit mir geschah. Mein  Glaube an das Gute im Menschen ist zerstört.

(Bilder kommen  morgen.)

 

 

 


16.5.2015

 

Samstagabend,  kurz vor 20.00 Uhr, es wird Zeit, dass ich mal wieder berichte, was hier so los ist.

Mein Schonverband ist ab, ich  habe Tabs drauf und ein tolles Flexpflaster, so dass ich  jedem  meine große Wunde zeigen kann. Gestern bekam ich meinen ersten Unterricht in der Motorik, das tat noch mal weh. Zu Hause nehme ich zwar Hammer, Stichsäge und Akku-Schrauber wieder in die Hand, aber das, was man da mit mir geübt hat, war doch schon was anderes. Ich muss jetzt jeden Tag 3x die Übungen machen, damit die Finger wieder voll funktionsfähig werden, denn wenn man diesen Anweisungen nicht folgt oder nur so lala macht, können die Finger etwas versteifen und denn habe ich ein großes Problem. Also jeden Tag fleißig üben, auch wenn es schwer fällt.

Heute Mittag habe ich mich kurz entschlossen, Ilona einzuladen und mit ihr durch  die Gegend zu fahren, ich musste raus und auf andere Gedanken kommen, denn nachdem man  mich so „liebevoll“ abserviert hat im Café und Restaurant, stellt man nun fest, dass ich doch gebraucht werde. Es stehen Veranstaltungen an, Gäste haben sich eingebucht, die Kommune möchte Meetings abhalten, doch keiner ist da, der das alles organisiert. Da ich aber krank- geschrieben bin, ist dies für mich keine Option, ich bin raus. Wenn ich das Ganze mit der Hand hinter mir habe und ich vielleicht auf 50 % gesundgeschrieben bin, sieht die Sache anders aus, doch werde ich auch dann nicht wieder meine ganze Kraft investieren. Ich habe etwas gelernt und das in einem schmerzhaften Crash-Kurs..

So  machten wir uns auf den Weg, um mal zu sehen, was die Löppis-Märkte so bieten. Einige haben schon geöffnet, denn die Saison geht los, somit fanden wir mit Glück ein wenig Schnick-Schnack für die Ferienhäuser Auch sie sollen gemütlich und einladend für die Gäste sein. Hier und da auf den  Fensterbrettern, Regalen und Tischen mal ein Hingucker, das macht die Sache schon interessanter. Die Urlauber sollen sehen, dass sie herzlich willkommen sind und außerdem bringen wir ihnen so auch gleich die schwedische Lebensatmosphäre näher. Denn wir Schweden -  ich zähle mich jetzt mit Absicht dazu, ich denke, im Inneren bin ich schon  lange einer - lieben diese Kleinigkeiten, die das Auge auf der Suche nach Neuem durch den Raum lenken. Sind die Dinge dann noch mit viel Liebe dekoriert, lassen sie erkennen, wie lebendig ein Raum sein kann, ganz anders als diese sterile Atmosphäre wie aus den  Bauhaushäusern. Ein Haus oder eine Wohnung muss die darin lebenden Menschen widerspiegeln. Wenn ich in einen Raum komme. möchte ich mich sofort wohl fühlen und nicht Angst haben, etwas zu  berühren und vielleicht kaputt zu machen.

Vor einiger Zeit besuchten mich Freunde aus Deutschland. Bevor sie in Deutschland los fuhren, fragten sie bei Bekannten nach dem Weg zu mir und nach der Adresse. Vor allem wollten sie eine Lagebeschreibung unseres Hauses haben. Unsere gemeinsamen Bekannten erklärten ihnen den Weg von der Fähre bis nach Bråbo und sagten, sie sollten einfach nur Ausschau nach Astrid halten. So taten sie es auch, und ohne einmal falsch anzuhalten standen sie sofort vor dem richtigen Haus, denn jeder, der mich  kennt, erkennt auch das Haus, in dem ich wohne und vor allem lebe.




9.5.2015

 

Der Wecker der Natur sang, schrie, trällerte mit Sonnenaufgang. Ich  hätte noch 2 Stunden schlafen können, denn eigentlich sollte mein Wecker erst um 7.00 Uhr klingeln, aber egal. Es hörte sich so fröhlich an, dass es einen schönen Tag zur Folge haben musste. Also Wasserkocher an und einen „Snabbkaffe“, auf Deutsch „Instantkaffee“, gekocht und los zum Fensterplatz, der wie an jedem Tag einen herrlichen Ausblick bot. Spiegelglatt liegt der See, nur an einer Stelle schlägt das Wasser Ringe, im Inneren schwimmt ein Schwan. Ein anderes Schwanenpaar ist schon von weitem zu hören, bald auch zu sehen im Direktanflug auf den Einzelschwan. Dieser macht sich groß, schlägt mit den Flügeln auf die Wasseroberfläche, dass es in allen Richtungen mächtig spitzt und schreit. Es sieht aus, als würde er die zwei zur Landung einwinken, doch genau das Gegenteil ist der Fall. Als einer der beiden auf dem Wasser aufkommt, wird er sofort über den See gejagt. Der Einzelschwan ist kein Einzelgänger, sondern verteidigt seine künftige Familie. Nach einigen Starts und Landungen der beiden lassen sie sich in einiger Entfernung nieder, der siegreiche Schwan schwimmt in den Schilfgürtel auf der gegenüberliegenden Seeseite. Nach genauerem Hinschauen erkenne ich einen zweiten Schwanenhals. Es ist seine Frau, die sich um den Nachwuchs kümmert. Das andere Paar ist schimpfend in der Ferne zu hören.

Rotkehlchen, Meise und Bachstelze sitzen vor dem Fenster auf mit Moos bewachsenen Felsen und halten Ausschau nach ihrem Frühstück. Wie gerne würde ich all die Stimmen am See und im Wald festhalten, um sie im Tagebuch noch einmal erklingen zu lassen .. Stundenlang könnte ich so sitzen, doch ich habe die Arzttermine

Bin zurück…. Ich machte mir einen Tee und nahm wieder meinen Logenplatz ein. Ein leichter Wind zieht durch die Baumkronen,  löst einzelne Kirschblüten und lässt sie am  Fenster vorbei tanzen. Ganz langsam fallen sie zu  Boden und bleiben am feuchten  Gras hängen. Die Wiese ist übersät von Tausendschönchen, Traubenhyazinthen, Löwenzahn und Schlüsselblumen, man möchte gar nicht darüber laufen aus Angst, dieses Bild zu zerstören. Am Wegrand stehen Maiglöckchen, die ersten Blütenrispen schieben sich durch das dicke Blattwerk. Die Walderdbeeren und Blaubeeren versprechen mit ihren vollen Knospendollen, dass sie viele Früchte tragen werden. Ich werde wohl fleißig in den Wald gehen und ernten und das tun, was ich Jahrelang aus Zeitmangel nicht konnte:- Marmelade kochen. Wenn die Blüte der Schlehe das hält, was sie verspricht, so bin ich auch dann mit Flaschen und Gläsern zur Stelle.

Ich hoffe nur, dass die Zecken und Schlangen die Ernte nicht zu schwer machen, denn  vor beiden habe ich höllischen Respekt. Gute Vorsorge und tägliche Kontrolle nach einem Waldspaziergang sind ein Muss. Über die Schlangen in Schweden werde ich ein anderes Mal  schreiben, bei mir fängt eine Schlange schon bei einer Blindschleiche an, obwohl sie gar keine Schlange ist.

Jetzt kommt noch eine Nacht, morgen früh zu einem weiteren  Arzttermin  und dann  wieder nach Hause. Ich  starte neu durch!




6. 5.2015


Ich sitze allein. Wenn ich aus dem Fenster schaue, blicke ich über einen See, er ist spiegelglatt, zeigt nicht die  geringste Bewegung auf der Oberfläche. Ich  habe den ganzen Tag genutzt, um über mich, mein Leben und alles nachzudenken, was mich umgibt. Gerade scheint es so, als sei mein Leben etwas aus den Fugen geraten, es wird Zeit, dass es wieder dorthin kommt, wo es hingehört. Für einige Tage bin ich von zu Hause weg, ich  brauche den Abstand zu alldem, was mich in die momentane Situation brachte. Ich muss ungestört nachdenken können, was will ich, wie soll es weiter gehen und vor allem mit wem und was. Manchmal kommt es mir vor, als schreibe ich kein Tagebuch, sondern ein Skript für einen Roman, mit Herzschmerz und so. Ich schreibe von Romantik in der Natur, von Rückblicken auf mein vergangenes Leben, von Träumen und Wünschen, von selbst Erlebtem aber auch  vom  Leben anderer, es ist wie in einen Herzkinofilm. Nur dass alles auf wahre Begebenheiten beruht, so eine Handlung fällt, glaube ich, keinem Schreiber ein. Feundschaften, die innig und unzerbrechlich sind, Intrigen mit dramatischen Folgen, Geschehnisse, die einen überraschen und Zwischenfälle, die ein ganzes Leben verändern, all das kommt in meinem Tagebuch vor, und ich fürchte, dass es noch weitere Folgen im Herz-Kino geben wird.

Mein ganzes Leben war ich die Starke, jeder konnte seine Last bei mir ablegen, sich seinen  Kummer sich von der Seele reden und Sorgen und Trauern mit mir teilen.

Als mein Papa vor fast  25 Jahren starb, war ich so in meinen eigenen Gefühlen gefangen, dass ich nicht weinen konnte, weder am Tag als ich im Krankenhaus vor seinem Bett stand, als er bereits auf der anderen Seite der Tür schlief, denn es ist eine Tür, durch die man geht wenn man die Welt verlässt, es ist eine Tür in eine andere Welt, denke ich, noch am Tage seines Begräbnisses. Dafür habe ich eine Erklärung, ich habe meinen Vater von ganzem Herzen geliebt, er musste jahrelang gelähmt im  Bett liegen und wollte jeden Tag einfach nur diese Welt verlassen, aber 4 Jahre musste er sein Leid ertragen und ich mit ihm. So war dann der eine Tag, der 16. Januar, der Tag, der uns beiden diese Last nahm. Niemand verstand, dass ich tränenlos am  Grab stand. Unter der  Last der vergangenen Jahre zerbrach meine Ehe, auch  da weinte ich nicht. Wut und  Enttäuschung waren größer als der Herzschmerz. Mit diesen Ereignissen wurde ich stärker und fast unverletzbar. Eine neue Ehe, eine neue Enttäuschung, wieder war ich  allein und wieder ohne Tränen, denn diesmal hatte ich  einen Neuanfang: „Mein schönes  Schweden“. Ich war glücklich und zuversichtlich, ich hatte Pläne und einen Traum, ein kleines Café, und dieser Traum wurde wahr. Fast 4 Jahre lebte ich mit meinem Traum, bis ich eines Tages aufgeweckt wurde. Andere Menschen beschlossen, dass sich das Café nicht rechnet und nicht „passend“ ist. Kurzerhand  wurde ich „weggeplant“ und seit vielen Jahren flossen meine ersten  Tränen. Ich glaubte aber, stark genug zu sein, es  zu verkraften, aber da irrte ich mich. Der viele Ärger mit meinem Exmann, der mir nach  Schweden hinterher kam, der Anfangsstress mit meinem Sohn, der zwar erwachsen sein will, aber auch noch das Kind in sich trägt, stellten mein Nervenkostüm  erheblich infrage. Die  Angelegenheiten mit meinem Exmann regeln sich gerade selbst und mein Sohn stellte fest, dass Mama es doch gut mit ihm meint. Nun glaubte ich, auf einem  guten Weg zu sein, doch mein Glaube sollte eine Niederlage erleben.

All diese Ereignisse der letzten zwei Jahre haben ihr Spuren hinterlassen, nicht nur bei mir, die leicht reizbar und stressempfindlich wurde, nein, vor allem bei Jürgen. Wenn er mir auch immer zur Seite stand, bei vielen  Dingen half, so hat er sich doch dabei verändert und sichzurückgezogen, in jeglicher Form. Kein entspanntes Plaudern oder Lachen mehr, Gespräche oder Diskussionen werden nicht mehr zu Ende geführt, über Gefühle wird nicht mehr gesprochen. Er sagt, diese seien bei all den Problemen der letzten zwei Jahre, die automatisch auch zu seinen wurden, auf der Strecke geblieben.

Nun weiß ich, dass ich nicht stark bin, sondern nur eine dicke Mauer um mich  gezogen habe, sie ist nun zerbrochen und seit Tagen kommen die Tränen.

 

Ich sitze mit meinem Pott Kaffee, den ich mir gerade gekocht habe, wieder an meinem Fensterplatz. Vor mir ein wunderschönes Bild. Es lädt zum Träumen ein, doch dazu habe ich nicht die richtige Stimmung, trotzdem ergreift  mich dieser Ausblick. Ich denke darüber nach, wie lange noch es auf dieser Welt noch solche Plätze gibt. Hier schöpfen wir Kraft nach Stress und harter Arbeit. Ich kann nicht lange auf die glänzende Oberfläche des Wassers schauen, sie funkelt wie abertausende Kristalle. In den kleinen Buchten, wo der Wind nicht die volle Macht über das Wasser hat, zieht nur ab und zu ein glänzender Streifen über die Oberfläche, zu kurz, um es im Bild fest zuhalten. Seit zwei Tagen höre ich den Kuckuck rufen, dies erinnert mich daran, dass dies ein Signal für den Bauern war: der Schinken, der solange in der Räucherkammer hing, war nun durchgezogen und konnte angeschnitten werden. Keinen einzigen Tag früher durfte der Schinken aus der Kammer geholt werden. Ich fragte eines Tages meinen  Papa: „Was ist, wenn es bei uns in der Nähe keinen Kuckuck mehr gibt und sein Ruf nicht zu hören ist“, er antwortete : „Es gibt immer einen dummen Vogel, der sein eigenes Kind aus dem Nest wirft und ein anderes, in diesem Falle den Kuckuck groß zieht, auch wenn er bis zur Erschöpfung dafür Futter heran schaffen muss“. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass es ein Jahr gab, in dem der Schinken in der Kammer hängen blieb.

Hier auf dem See zieht am Abend ein einsamer Singschwan seine Bahn. Gestern Abend habe ich ihm eine Weile zugesehen und ihm etwas Brot zugeworfen. Anfänglich ließ er die Brotstücke abtauchen, nach einer Weile merkte er wohl, dass ich es gut meine, und er  verschlang die Brocken. Eigentlich hatte er es nicht nötig, Futter von einem Menschen  anzunehmen, hier gibt es natürliches Futter in Hülle und Fülle, also rede ich mir ein, er wollte meine Gastfreundschaft nicht abschlagen. Direkt am Steg im dicken Schilf hat eine etwas andere Wildente, als wir sie kennen, ihr Gelege. Man kann sie aber nur bei  genauem Hinschauen erkennen, so hat sie sich und ihr Nest getarnt. Auch dies ist selten, dass ein Tier so nah an einem belebten Platz seinen Nachwuchs heran zieht.

Die Sonne meint es gut, durch die Glasscheibe komme ich hier beim Schreiben ins Schwitzen, also werde ich  nun an den Kühlschrank gehen, das Päckchen  mit den  Schinkenscheiben aufreißen, na was man so Aufreißen nennen kann, mit nur einer Hand, und so dem Kuckuck zeigen, dass ich  immer noch an diese alte Tradition  glaube.




5.5.2015

 

Ich schaue aus dem Fenster und sehe, wie der Tag sich verabschiedet. Durch die Baumkronen ist die Sonne als Feuerball sichtbar. In wenigen Tagen kann ich so eine Aufnahme nicht mehr machen, denn innerhalb der letzten  zwei Tage verwandelten sich die mit dicken Knospen bestückten Bäume in leuchtend-zartgrüne Frühlingsboten. Als ich über die Straße ging, die quer durch den Wald nach Kristdala führt, habe ich so viel Farbvarianten in Grün gesehen, das mich immer wieder staunen musste. Der größte Künstler ist eben doch die Natur. Die Buschwindröschen  im Wald und das frische Grün der Birken ergeben eine perfekte Kulisse für einen Schwedenfilm, und noch ein Häuschen dazu (es muss nicht von neuer Bauart sein, es kann ruhig schon Altersspuren haben), davor eine Sitzgruppe aus weiß gestrichenem Holz, schon ist das Bild rund.

Nur wenige Minuten später, als ich aus dem Fenster zur Straße schaue, zeigt sich der Mond, er ist fast rund. Wieder werden schlaflose Nächte kommen, denn ich habe damit so meine Probleme. Meine OP ist nun bereits einige Tage her, die Wunde will wohl heilen, sie brennt und juckt, man sagt, das ist ein gutes Zeichen. In etwa einer Woche sollen die Fäden gezogen und der dicke Verband durch einen dünneren ersetzt werden. Ich  hoffe, dass es auch  so kommt und ich wieder etwas besser mit der Hand hantieren kann, denn egal ob im Haus oder bei anderen  Arbeiten, es gibt Schwierigkeiten. Joels unterstützt mich zwar in vielen Dingen, doch stehe ich hier und da unbeholfen da. Ich bin natürlich ungeduldig, werden viele sagen, ja sicher, aber ich brauche Ablenkung, denn das Wetter macht es nicht möglich, auf der Sonnenliege zu liegen und einfach mal nichts zu tun. Ich bin ständig im Haus und da fällt mir die Decke auf den  Kopf. Ich vertraue jetzt mal auf den Wetterbericht, denn er verspricht ab Donnerstag Sonne und vielleicht versuche ich es dann mal mit Entspannung.




30.4.2015

 

Ich erlebe hier gerade den zweiten Frühling. Als ich mich in Deutschland aufhielt, waren gerade die Forsythien erblüht, die Schlehen und Mirabellenbäume mit ihren weißen Blüten erschienen in der Natur wie riesige Schneebälle und die ersten Mandelbäumchen zeigten rosa Knospen. Die Wiesen und  Kuhweiden waren im satten Grün getränkt und an den Wegrändern blühte der Löwenzahn. Früher war das die Zeit, in der ich davon hunderte von Blüten pflückte, um Löwenzahnhonig zu kochen, eine leckere und klebrige Angelegenheit.

Zwei Wochen, nachdem ich zurück bin, ist hier der Frühling im Anmarsch. Wie in Deutschland sind die Forsythien und die Mandelbäume erblüht. In zwei bis drei Tagen werden auch die prallen Knospen der Schlehen geöffnet sein. Die Böden der Wälder und Wiesen sind hier mit tausenden weißen Buschwindröschen, blauen Anemonen und Scillas bedeckt.

Auf den Wiesen ist das Gras ebenso grün, nur dass hier dicke Stauden von leuchtend gelben Sumpfdotterblumen die Blicke auf sich ziehen. Ich denke, dass etwa in einer Woche alle Wiesen mit dem Löwenzahn in Gelb getaucht sind. Sollte es meine Hand zulassen, nehme ich die Tradition des Löwenzahnhonigs wieder auf.

Meine Hand ist dick verpackt, ich soll sie hoch halten, so kann ich den Schmerz lindern, sagte der Arzt, ich weiß aber nicht wie hoch, denn die Hand ist dick geschwollen und der Schmerz sorgt dafür, dass ich den Arm schone, immer in der Hoffnung, dass eine Besserung eintritt. Nun ist es auch wieder so weit, dass ich das Tagebuch zur Seite lege, den Fernseher anschalte und mich schone. Sofa, ich komme….

 

 

 

29.4.2015 nachts

 

Um 18.00 Uhr stieg ich ins Taxi und fuhr wieder nach Hause. Noch ein bisschen bedeppert, aber ansonsten ok. Jetzt liege ich auf dem Sofa und schreibe, wie es war.

Um 11.00 Uhr fuhr ich ins Krankenhaus, ich hatte den Termin zu 12.15 Uhr, sollte jedoch ca. 30 Minuten früher dort sein. Gegen 13.00 hatte ich Beruhigungspillen und ein Blutmittel eingenommen und lag im Vorbereitungsraum. Die Tageschirurgie war bis aufs letzte Bett belegt, ich hoffte bald dran zu sein, denn für langes Warten bin ich nicht geschaffen. So gegen halb zwei wurde ich an den Tropf gelegt und ab ging‘s in den OP. Dort wurde ich gefragt, welche Art von Musik ich hören möchte. „Klassik“, so meine Antwort. Eine kurze Erklärung durch die Narkoseärztin und eh ich mich versah, befand ich mich im Traumland. Als ich meine Augen öffnete, lag ich noch auf dem OP-Tisch, und mein Blick fiel auf die Uhr genau in meiner Blickrichtung: 15.00 Uhr.

Man brachte mich zurück in den Vorbereitungsraum, nach einer viertel Stunde bekam ich ein kleines Essen serviert. Auf einem Tablett liebevoll angerichtet (mit Serviette) eine Tasse Kaffee, zwei Sandwich mit Käse, ein Glas Saft und eins mit Wasser. Aber der Knüller war eine Blume und die Worte der freundlich lächelnden  Schwester: „Välkommen tillbaka!“. Lecker war das Essen, ich hatte auch riesigen Hunger. Nach etwa 20 Minuten wurde mit heiß und weg war ich. Wach wurde ich mit einer zweiten Kanüle im Arm. Kreislauf! Bald ging es mir besser, ich durfte aufstehen und mir wurde ein Taxi gerufen.

Die Betäubung lässt nach, das heißt nun Ruhe und nix tun, also Tagebuch zu.

 

 

 

28.4.2015

 

Dienstagabend, ich  habe noch mal eine Runde ums Haus gedreht, meinen Neupflanzungen Wasser gegeben, denn nach Regen sieht es nicht aus und sie benötigen eine Starthilfe, damit der Kauf nicht umsonst war. Am Nachmittag habe ich telefonisch meinen OP-Termin bekommen und die ganze bürokratische Vorbereitung erledigt, so kann es morgen um 12.15 los gehen.

Ich fahre selbst mit dem Auto nach Oskarshamn und werde es dort stehen lassen und abholen, wenn es mir am Donnerstag wieder besser geht. So bin ich flexibel und muss niemanden bitten, mich abzuholen. Man sagte mir, die OP würde ca. 3 Stunden dauern, weiß ja nicht, was die alles machen wollen, hoffe aber, dass ich danach nicht komplett eingewickelt bin, sondern nur der linke Arm/Handbereich. Man sagte mir; ich werde mit einem Taxi nach Hause gefahren, das nenne ich mal Service …

Ich werde mich sicher etwas ausruhen müssen, um wieder fest auf den Beinen stehen zu können, so ist das natürlich eine gute Lösung. Alle fragen mich, warum ich nicht nervös und aufgeregt bin. Da kann ich nur sagen: nachdem ich hier so viel Stress um die Ohren hatte, können ein paar Stunden Tiefschlaf nur gut tun, und hinterher kann ich ja immer noch jammern, wenn‘s nötig sein sollte.

Das  mit dem Schreiben wird nicht gleich wieder am  nächsten Tag klappen, ich werde jedoch versuchen, mit dem „Ein-Finger-System“ was zu tippen, zu mindestens ein Zeichen, wie es mir geht und wie das ganze verlaufen  ist.

Ich werde mich melden, sowie der Kopf wieder klar ist….Alles wird gut!




28.4.2015


Anne Roos machte mit uns einen Kurs im Zaubau, wir sollten eine typischen Schwedenzaun aus Wacholderstämmen und Fichtenstangen bauen. Am um  8.00 Uhr ging‘s los, Anne Roos und Daniel ihr Mann kamen mit dem Material, kurz danach erschienen zwei weitere Interessenten, um die Kunst des Zaunbaus zu lernen.

In einem Steinring wurde ein Feuer entfacht zum Erwärmen der Fichtenzweige, die als Bindeseile dienen. Eine schwierige Angelegenheit, es darf nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel Hitze sein, man muss den richtigen Zeitpunkt abpassen, damit sich der Zweig verarbeiten lässt.

Nun  wurde die Richtung gekennzeichnet und die Löcher in den Boden gestoßen, in denen die Wacholderstämme gesetzt wurden, jeweils 2 Stück sich gegenüber stehend. Im Abstand von 110 Zentimeter wurde das nächste Paar aufgestellt. Danach konnten wir mit den langen  Fichtenstangen beginnen, sie sind ca. 4 Meter lang und haben einen unteren Durchmesser von 10-12 Zentimeter. Der Stamm muss langsam gewachsen sein, denn bei schnellem Wuchs ist die Haltbarkeit nicht gewährleistet und der Zaun würde bald wieder erneuert werden müssen. In zweifacher Lage kommen dann die  Fichtenzweige zum Einsatz, noch warm, so dass der Harz im Inneren des Zweiges noch flüssig ist. Sie werden zu einem Seil gewunden, mit ihm werden in einer Achterform die zwei Wacholderstämme zusammengebunden. Liegen 8 Stangen übereinander, ist die Zaunhöhe erreicht.

Am  Nachmittag um 15.00 waren wir fertig und stolz auf unser Ergebnis.




27.4.2015

 

Seit einer Woche bin ich wieder in Schweden, der Alltag hat mich wieder und mit ihm kamen  auch meine Sorgen zurück. Hier eine ganz persönliche Mitteilung von mir. Ich habe ja bereits angekündigt, dass ich in diesem Jahr das Café und Restaurant nicht öffnen werde, immer mit dem  Gedanken, wenn es mir besser geht, werde ich vielleicht einen Neustart machen mit einem Gartenlokal. Aber nein.. Ich will nicht näher auf die Gründe eingehen, sie sind menschlich enttäuschend… Denn letzten Endes haben andere über das Ende entschieden, ich hatte da nichts zu sagen. Der Traum ist ausgeträumt, ich bin wach, so weh das auch tut..

Also teile ich allen mit, die mich hier besuchten oder die es vorhaben: das Aus für „Astrids Café & Restaurang“ !

So viele liebe Menschen konnte ich kennenlernen, als sie mich in Bråbo besuchten, einen Kaffee und ein Stück Kuchen aus deutscher Küche verspeisten und dies lobten. Aber trotzdem wird behauptet, es sei nicht richtig, in einem schwedischen Ort ein Café und Restaurant mit deutscher Küche zu betreiben, es muss schwedisch sein. Dagegen zeigten mir Besuche in anderen Regionen von Schweden, dass gerade der deutsche Kuchen gern gegessen wird, aber, na ja, die Ansichten teilen sich. Ich führte in den drei Jahren ein Gästebuch, nicht eine einzige negative Eintragung, liebevolle Zeichnungen von Kindern, Fotos von Besuchern und herzliche Wünsche für mein weiteres Bestehen sind darin zu finden.

Nun muss ich zu meinen treuen Gästen sagen: „Es tut mir leid, dass ihr ab jetzt vor verschlossenen Türen steht". Vielleicht sehen wir uns ja trotzdem mal und es bleibt Zeit für ein freundliches „Hallo und wie geht‘s“, ich würde mich freuen.

Bin  ich nun wieder hellwach, so arbeite ich doch daran, einen „Neuen  Traum“ zu träumen, wenn auch durch Erfahrung geläutert, aber vorher muss ich noch einige Dinge erledigen.

 

 

 

Nach dem Blumenkauf fürs Grab
Nach dem Blumenkauf fürs Grab

26.4.2015

 

Aus Deutschland zurück…..

Ich  habe vieles erlebt, mehr als erwartet, denn eigentlich sollte es ein  Besuch bei den Kindern, Freunden, ein  Konzertbesuch und weiter nichts werden, aber wie es so schön heißt: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Es war eine etwas stürmische Überfahrt, so manchmal musste ich mich auf meiner schmalen Bank festhalten, sonst wäre ich über den Boden der Fähre gerollt. Es ging aber, ich habe sogar eine Weile geschlafen und kam ausgeruht in Rostock an. Ich hatte mich nun auf eine Weiterfahrt eingestellt mit Hupen, Drängeln, Stau und gestressten Autofahrern. Aber anscheinend hatten die meisten genau wie ich gut geschlafen und waren guter Laune.

Schon nach einer halben Stunde Fahrt auf der Autobahn sah ich am Waldrand drei  Stück Muffelwild - ein „Herr“ mit seinen zwei „Damen“. Sofort dachte ich an die vergangene Zeit, als ich noch zur Jagd ging und dabei war, als wir das Muffelwild in  Deutschland wieder ansiedelten, leider ohne den gewünschten Erfolg, denn nicht überall ist es zu finden. Desto größer war die Freude darüber, diese schönen Tiere zu sehen.

Nach einer weiteren halben Stunde sah ich eine Herde Alpakas, braune, weiße und gefleckte. Gleich nebenan auf der bereits grünen Wiese ein Sprung Rehe, Kolonien von Wildgänsen, Schwänen und Wildenten. Ein Lächeln lag mir dauerhaft auf dem Gesicht. Diese Schönheit der Natur vertreibt jeden Kummer und all die Sorgen, die man mit sich herum trägt. Darüber in den nächsten Tagen mehr, denn all diese schönen  Ereignisse sind nun wieder in den Hintergrund gerückt.

Zurück zu meiner Fahrt. Meine Laune stieg ins Positive bei den Gedanken an die folgenden Tage. Gegen Mittag war ich dann in Plaue. Den alten, dekorierten Stuhl, den ich mit Frühlingsblumen bepflanzt hatte, stellte ich heimlich in den Vorgarten meiner Freunde. Eine Thunfisch-Krabbentorte sowie eine Prinzesstorte in der Hand, stellte ich mich an die Haustür und klingelte. Das Geburtstagskind brach in Freudentränen aus, mir ging es ebenso, auch ich war bewegt und gerührt. Ein Wiedersehen mit Wollis macht mich einfach glücklich. Bald kamen die ersten Geburtstagsgäste und auch ich bekam Geschenke. Einen großen Karton mit Sämereien, Blumenknollen und Stauden, eine Karte für das Konzert von  „Unheilig“ – in  Magdeburg. An diesem Abend wurde viel geredet und gelacht, müde fiel ich ins Bett und schlief sofort ein. Am Morgen wurde ich vom Gesang einer Amsel direkt an meinem  Fenster geweckt. Ich stand auf  und als ich runter kam, war der Frühstückstisch schon liebevoll gedeckt und der Tag konnte gut gelaunt starten.

Wilma - eine Rauhaardackel-Dame - kam mich begrüßen und zeigte mir, dass auch sie sich über meinen Besuch freute. Bellen und Springen, bis sie zur Ordnung gerufen  wurde.

Da die Spargelsaison begonnen hatte, kam ich auf die Idee, ein paar Kilos mit nach Schweden zu nehmen, um mit der Familie und Ilona „Spargel satt“ zu essen.

Also fuhren wir zu einem Spargelhof. Auf dem  Weg dorthin entdeckte  ich auf dem Dach einer Kirche ein Storchennest gerade in dem Moment, als „Adebar“ startete, um auf der Wiese nebenan nach Frosch und Maus Ausschau zu halten.

Auf dem Heimweg fand ich noch etwas Seltsames zu sehen: auf einer Weide hatte ein  Vogelfreund ca. 20 verschiedene gefiederte Freunde platziert. Zwar aus Plast, aber trotzdem eine lustiger Anblick.

Konzert "Unheilig"
Konzert "Unheilig"

Am Nachmittag fuhr ich nach Magdeburg. Gut dort angekommen, erwarteten  mich  Menschenmassen soweit das Auge blickte. Das Konzert begann um 18.00 Uhr mit zwei  Vor-bands und um 20.00 Uhr ging es los: „Gänsehaut!“, von  der ersten bis zur letzten  Sekunde, und um 24.00 Uhr zurück nach Hause zu Wollis. Gegen halb zwei lag ich im Bett. Total aufgewühlt lag ich da und zählte Schäfchen, doch  dann war ich ruck zuck im  Traumhimmel.

Freitag ging es zu meinen Kindern, meine Enkel erwarteten mich, „Motte“ und „Dachs“, so  werden sie liebevoll genannt, brachten die Oma auf Trab, tat mir aber mal wieder gut.

Zwischendurch fuhr ich noch zum Grab meines Vaters.Ich  fuhr mit meiner Tochter in ein Blumengeschäft, dort kauften wir meines Vaters Lieblingsblumen: Studenten-Tagetes, und am folgenden Tag bepflanzte ich das Grab. „Paps mach‘s gut! Im nächsten Jahr wird dein Grab eingeebnet und ich werde dich an diesem  Platz nicht mehr besuchen  können. Aber du bleibst mir nah. Zu Haus werde ich einen Holunder pflanzen, diesen  Baum  liebtest du.“

Als ich in Fredersdorf war, besuchte ich meine Kusine, durch Zufall traf ich auch meinen Schwager, er freute sich, mich nach so vielen Jahren (etwa 18  Jahre) wieder zusehen. Am  Abend wurde dann gegrillt, Michi mit Kids,  Basti  mit Familie und gemeinsame Bekannte von  uns, fanden sich ein, es war eine super gemütliche Runde. Nach sehr langer Zeit saß ich mal wieder mit meinen Kindern zusammen. Ich merke, das dies mir fehlt, ich war an diesem  Abend glücklich wie schon lange nicht .

Meine Schwiegertochter zeigte mir ein Video auf ihrem Handy, das eine Freundin von ihr gerade machte. Bei Feldarbeit mit dem Traktor bekam sie Besuch von Wölfen! Es waren hautnahe Aufnahmen. Sie entstanden ca. 4 Kilometer Luftlinie entfernt. Krass oder? Später fuhren wir nach Hause zu Michi. Am Sonntag, ich hatte sehr früh ausgeschlafen, ging ich durch den Kurpark, um Brötchen zu kaufen. Ich ging über eine Brücke, die einen Angel See überquerte. Stockenten, Litzen und Haubentaucher waren  gerade beim Frühstück oder suchen danach mit ihren Köpfen tief im Wasser. Plötzlich entdeckte ich im zartgrünen Gebüsch drei Stück Rehwild, sie standen ganz still und achteten darauf, was ich machte. Ich blieb stehen und sah ihnen eine Weile zu, bald wussten sie, dass sie von mir keine Gefahr zu erwarten hatten, und ästen weiter. Ich wünschte ihnen „Guten  Appetit“ und ging mit meinen frischen Brötchen nach Hause. Nach dem Frühstück machte ich mit den Kids einen Spaziergang, und ich fühlte mich wohl in meiner Omarolle.

Am Montag hatte Mia Geburtstag. Bevor sie zur Schule musste, wurde natürlich gratuliert und die Geschenke auf dem Tisch schnell noch ausgepackt. Dazu gehörte ein Singvogel zum Aufziehen und so trällerte er später stundenlang. Michi und ich freuten uns wohl  mehr über das Geschenk als das Geburtstagskind.

Nachdem ich am Dienstag mein Auto beladen hatte, ging es wieder in  Richtung Wollis.

Plötzlich ratterte es und ich wurde zum „Pechvogel“, die Batterieanzeige leuchtete auf, die Lenkung ging sehr schwer wie bei einem uralten Traktor. 5 Kilometer entfernt wohnt mein Sohn, er arbeitet nachts und musste zu  Hause sein. Im Schneckentempo fuhr ich zu ihm. Diagnose: Keilriemen.

Lichtmaschine, Klimaanlage, Servo, Kühlung und, und, und.. alles war  betroffen,  ich sah meinen Aufenthalt in Deutschland schon zwangsweise verlängert, komischerweise blieb ich bei diesem Gedanken ruhig. Aber mein Sohn wäre nicht mein Sohn, wenn er nicht sofort Ersatz heranschaffen würde. Wir schleppten das Auto in eine Werkstatt und 1 Stunde später rolle mein Auto wieder.

„Danke, mein Kind, bist der Beste!“ Jetzt ging es nach  Brandenburg in den „Bienen-Korb“, eine kleine süße Kneipe, die Freunde von mir betreiben. Es wurde viel geredet und geplant, so auch ein Besuch im September bei mir in Schweden.

Gegen 18.00 Uhr war ich wieder bei Wollis, dort sollte mein Deutschlandbesuch ausklingen, ich habe sie verdammt gerne, denn sie sind meine „Ersatzfamilie“. Ihre Tochter, die leider krank wurde, ist so etwas wie meine kleine Schwester. (Von ihr war auch das tolle Paket mit der  Konzertkarte und der Blumenvielfalt.) Am Morgen meines Heimreisetages ging es noch in eine Gärtnerei, wo ich viele Stauden für denGarten  kaufte.

Nach dem Mittagessen – Wildscheingulasch, sehr lecker – machten Marlis und ich noch einen Spaziergang, direkt hinunter zur Havel durch einen Park, so ganz nach meinem  Geschmack, wo alles kreuz und quer wachsen kann und nicht Primel und Stiefmütterchen wie Zinnsoldaten in Reihe und Glied stehen. Zuerst erfreuten wir uns an einem Wildganz-Pärchen, das sein Nest verteidigte. Kurz darauf sahen wir ein Eichhörnchen von Ast zu Ast springen.

Am  Havelufer wurde noch ein Besuch bei Familie Biber gemacht, deren Burg bereits sehr stattlich war. Plötzlich ging es los…Ein  Frosch fing an, schnell waren hunderte von  Fröschen zu hören, also ein zweites Konzert und diesmal ganz gratis und ohne Karte. Wunderschön!!!!

Dann kam der Abschied, Tränen flossen und ich fuhr los Richtung Fährhafen  Rostock.

Auf der Strecke  entdeckte in einem Garten Schmetterlinge ohne Ende, sie waren von einer Künstlerin aus Ton gefertigt, sie hatte erst nach einem Herzinfarkt erkannt, dass das Leben auch noch schöne Dinge in sich birgt, so auch ihre Fähigkeit der Arbeit mit Ton. Natürlichwurden ein paar schöne Stücke ausgewählt und gekauft, Mitbringsel für die Lieben.

Es wurde langsam dunkel, am Wegesrand sah ich etwa 10 Stück Damwild. Am  Hafen angekommen, wurde ich vom  Geschrei der Möwen begrüßt und verabschiedet. Es ging wieder zurück nach Hause.

Ich  habe in diesen Tagen so viel Schönes gesehen und erlebt, was ich vor meinem Umzug nach Schweden nicht so wahrgenommen hatte. Schaut euch nur um! Es gibt so vieles zu sehen, was das Herz und die Seele berührt, man muss es nur zulassen.




5.4.2015

 

Bunte Ostereier und Schokoladenhasen waren heute das Erste, was ich in den  Händen hielt. Sie wurden liebevoll in ein Keramik-Ei verpackt und auf den Tisch im Esszimmer für meine Lieben gestellt. Es gab wieder einen Brunch, ganz im Sinne von Ostern. Gekochte Eier und ein Riesen-Eier-Speck-Muffin waren ein Muss..

Pünktlich um 11.00 ging es los, Jürgen hatte bereits seinen Lauf hinter sich, ich nutzte die Zeit zur Vorbereitung, und so konnten wir uns dann gemütlich zusammensetzen und alles genießen. Ilona hatte für den Nachmittag ihren leckeren Käsekuchen gebacken und der wurde auch sehr gelobt, denn unverhofft erhielten wir Besuch von einem Wikinger aus Dänemark

Von links nach rechts: Torbjörn, Jürgen, Martin
Von links nach rechts: Torbjörn, Jürgen, Martin

Er ist bei Torbjörn über die Feiertage zu Gast. Nach einem ausgiebigen Spaziergang hatten sie beschlossen, einen Besuch bei uns zu machen. Ich hatte ihn gestern bereits kennen gelernt und wir sprachen ein paar Worte zusammen. Meine offene Art gefiel ihm und somit stimmte er Torbjörn gerne zu, uns zu besuchen.

Im Gegensatz zu Torbjörn, der mit seiner Zierlichkeit nicht gerade dem typischen Bild eines Wikingers entspricht (was ungemein täuscht, denn er ist ein wahrer Wikinger mit Haut und Knochen) war Martin ein groß gewachsener junger Mann. Ganze 2 Meter und 6 Zentimeter standen vor mir, da bin ich mit meinen 1,68 m ein Zwerg dagegen. Selbst  Jürgen  ist  gegen  ihn  schmalwüchsig. Ein Bild von ihnen war ein  Muss. Ich fragte ihn, ob er etwas dagegen hat, wenn ich es hier veröffentliche, er sagte spontan ja, denn Torbjörn hatte ihm schon von meinem Tagebuch berichtet, er ist davon  begeistert, das ich von Schweden und seiner Geschichte berichte und mich somit auch für das Leben der Wikinger interessiere.

Die nächsten Tage wird hier nichts von  mir zu lesen sein, denn morgen treffe ich die letzten Vorbereitungen für meine Reise nach Deutschland. Am Dienstag werden Auto und Hänger beladen und dann ab in Richtung Trelleborg auf die Fähre, vielleicht ein paar Stunden Schlaf und am  Mittwochmorgen von Rostock aus zu meinen  Freunden und meinen  Kindern. Wenn ich zurück bin, kommen natürlich Berichte über das Erlebte, also bis dahin allen eine schöne Zeit und gönnt euch so oft  ihr könnt einen Blick in die erwachende Natur, das gibt Kraft und zaubert ein Lächeln ins Gesicht. Glaubt mir, es funktioniert.

 

 

 

 

Meine Ostereier aus dem letzten Jahr
Meine Ostereier aus dem letzten Jahr

28.3.2015

 

Es ist Samstag, ich habe noch immer Probleme mit dem Sprechen, allerdings ist eine Besserung festzustellen. Die Erkältung klingt ab, und das ist auch gut so. In etwa einer Woche will ich nach Deutschland, ich sah mich schon umbuchen. Aber da ich in Deutschland jeden Tag einen anderen Besuch bei Freunden und Bekannten geplant habe, wäre das schade, jeder hat  sich schließlich schon darauf eingestellt. Also bleibt es dabei: am 7. April geht es mit der Nachtfähre Richtung Deutschland. Freu mich schon ganz doll. Und weil die letzte Zeit mir und meinen Nerven vieles abverlangt hat, tut es mir sicher gut.

Ich brauche Abstand zu dem Ganzen hier, um mit neuer Kraft die Probleme ein für allemal zu beenden. Ich habe konkrete Vorstellungen vom weiteren Leben und ich halte daran fest, es wird zwar einiges auf der Strecke bleiben, Dinge und Menschen, die mir einmal  wichtig waren, doch ist das der Lauf des Lebens. Ich  habe in meinem Leben lernen müssen, nicht zu  fest an etwas festzuhalten, denn dann fällt das „Loslassen“ leichter.

Heute hat die Sonne schon am Morgen gelacht, noch immer scheint sie durchs Fenster ins Zimmer, das goldene Licht fällt über meine Schulter direkt auf den  Bildschirm  meines Laptops, so erkenne ich das Abendrot, das durch die blattlosen, aber schon mit prallen Knospen bestückten Baumkronen strahlt. Ich sitze hier und schreibe vor mich hin, um mich abzulenken. denn im Moment hängt mein Lebenshimmel voller Wolken, dick und grau.

Nun aber genug Trübsal geblasen. Heute habe ich das schöne Wetter genutzt, um draußen  etwas zu tun, denn morgen soll es wieder regnen und ich will zu Ostern noch einiges erledigt haben wie zum  Beispiel Kuchen backen (Schinken-Muffins) und lustige Ostereier mal anders verzieren. Im vergangenen Jahr habe ich sie mit Zwiebelschalen gefärbt und viel Zeit dafür aufgebracht. Sollte ich das alles noch hin bekommen, werde ich es hier dokumentieren in Schrift und Bild.




24.3.2015

 

Noch immer bin ich „sprachlos“. Mal kommen ein paar piepsige Töne heraus, doch dann ist gleich wieder nur ein Flüstern zu hören. Ich hoffe bloß, dass sich das bald gibt, denn es macht mich nervös und unzufrieden. Meine Erkältung zeigt keinerlei Verbesserung. Nachts sitze ich im Bett, belle vor mich hin und nicke mal kurz weg bis zur nächsten Hustenattacke.

Da es heute den ganzen Tag superschönes Wetter war, verbrachte ich ein paar Stunden draußen und  machte an meinen Frühjahraufräumarbeiten weiter. Nebenbei ein paar Maschinen Wäsche auf die Leine gebracht, die bei  Sonne und Wind luftig duftend getrocknet wurde. Es ist doch ein  großer Unterschied, ob auf der Wäscheleine unter der dicken  Eiche oder auf dem Wäschetrockner im Haus, die Wäsche hat eine fühlbare angenehme Frische.

Jürgen hat heute mal das Fahrrad benutzt, um seine Runde zu drehen. Wir hatten Werbe-Flyer für sein Unternehmen gefertigt und die müssen verteilt werden, da bot es sich an, dies mit dem Rad zu tun. Nach zweieinhalb Stunden war er zurück. Ich denke. noch mal hat er so eine Idee nicht. Das Fahrrad ist zu klein und der Sattel zu hart, was nicht ohne Folgen blieb. Gehe mal nicht näher drauf ein. Aber es hatte was Gutes die Werbung ist verteilt. Er hat ja auch einen Blick für Schönes. Egal, ob es eine kleine Blume, ein Käfer oder ein Baum ist, er hält es mit dem Handy in Bildern fest und am Abend zeigt er mir das Entdeckte. Heute war es ein Findling, in dem ein  Baum eingewachsen  ist. Die Natur ist doch  der größte Künstler, immer wieder entdecken wir etwas, was der Mensch nicht zu vollbringen mag. Meine Achtung und Liebe zur Natur wird ständig größer, so geht es auch Jürgen, er macht mich oft auf Dinge aufmerksam, die ich noch nicht gesehen  habe.

Heute bekamen wi neue Bilder von unserem Wikinger, sie zeigen das von ihm fast fertig getischlerte Bett. Ein Meisterwerk. Da macht es Spaß, ins Bett zu gehen und sich in die Wikingerzeit hineinzuträumen. Ich werde Torbjörn einfach mal fragen, was er so träumt. Der  Kunde desBauauftrages hat sich eine originale Matratze gefertigt, genau wie die Wikinger sie damals hatten. Sie hat eine Höhe von 55 Zentimetern, sagenhaft …

Morgen soll es sich noch einmal abkühlen, das heißt, ich werde im Haus weiter machen. Ich bereite die Wände im Badezimmer vor, um die Windpappe aufzubringen, und dann kann die Lattung angebracht werden. Wegen des Ameisenschadens müssen wir auf den  Gutachter warten, der kommt von Anticimex. Sie sind für die Untersuchungen an Bauwerken zuständig und zur Bekämpfung vonUngeziefer, so auch bei unseren Ameisen. Da die kleinen Krabbelviecher noch nicht so aktiv sind, müssen wir noch etwas warten, was auch den Baustopp verursacht. Da sieht man mal wieder: nicht die Größe ist es, die stark macht.

Gestern legte ich in der Küche den Fußbodenbelag, den ich im Oktober aus Deutschland mitgebracht habe, morgen mache ich die Feinarbeiten wie Ausschneiden an Türschwellen und Abschließen an Schrankkanten. Dann kommen irgendwann die Schranktüren dran, sie sollen einen roten Anstrich erhalten.. Da warte ich, bis die Sonne richtig scheint und ich draußen die Teile an der frischen Luft streichen kann und sie schnell trocknen. Also Arbeit ist genug, nun bloß schnell wieder gesund werden und mit frischem Mut und neuer Kraft losgelegt.





21.3.2015

 

Na wie geht der Satz  weiter: “Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von…“ Falsch! Es heißt: „Kommt noch was dazu.“  In meinem Falle das Schlimmste, was mir passieren  kann: Stimme weg. Schon am Donnerstag bei unserer Fahrt nach Oskarshamn musste man denken, ich sei im Stimmbruch, mal piepsig, mal  rau, doch  was  dann am  Abend von  mir zu hören war, war – nichts.