Harald Schmid

Geb. in Tittmoning, lebt seit

1965 in Berlin, verschiedene Berufe

vom Schweißer bis zum Altenpfleger.

1976-1985 Verleger der „Pegasus-Reihe,

Reihe für Literatur“ und der Reihe

„Kerben, Lyrik und Graphik in Einzelblättern“

1970 2. Preis beim Reportagewettbewerb

des Werkkreises für Literatur der Arbeitswelt

2010 1. Preis beim Aphorismuswettbewerb

des Deutschen Aphorismus-Archivs in Hattingen

 

Harald Schmids Aphorismenseite

 

Ein Aphorismus ist ein einzelner Gedanke, ein Urteil oder eine Lebensweisheit,

welches aus nur einem Satz oder wenigen Sätzen selbständig bestehen kann.

Oft formuliert er eine besondere Einsicht rhetorisch kunstreich

als allgemeinen Sinnspruch (Sentenz, Maxime, Aperçu, Bonmot).

Wikipedia.org

Aphorismen und Notate


1.           Er nimmt sich die Freiheit, die Wahrheit wenigstens im Buch zu sagen.

2.          Wer nachdenkt, darf sich widersprechen, wer nicht nachdenkt, widerspricht sich bloß.

3.           Laufkultur. Die Zahl der Mitläufer steigt.

4.           Wer sich selbst nicht mag, weiß wenigstens genau, wer sein Feind ist.

5.           Der Blender glänzt nur, um zu vertuschen, dass er ein Armleuchter ist.

6.           Intellektuelle sind Weckuhren. Sie stören den Bürger beim Schlaf.

7.           Am Ziel angelangt, bleibt die Enttäuschung über unsere verlorenen Träume.

8.            Man gewöhnt sich an alles, nur nicht ans Älterwerden.

9.           Alles wiederholt sich. Heute schmunzeln wir über die Moral  der Alten, morgen schmunzeln die Jungen über uns.

10.       Wir leben einmal in der Vergangenheit, einmal in der   Gegenwart, einmal in unseren Träumen und einmal in der Erinnerung.

11.       Ein Mensch, der nur aus lauter flüchtigen Bekanntschaften mit sich selbst besteht.

12.       Kälte entsteht dort, wo mit Liebe gespart wird.

13.       Mütter neigen zum Kannibalismus. Sie fressen zuweilen ihre Kinder.

14.       Wir sind mitten im Weltgeschehen, auch wenn wir uns zuhause einmauern.

15.       Wenn die Alten in die Flegeljahre kommen, haben  die Jungen nichts mehr zu lachen.

16.       Wir wollen alles bequemer und einfacher haben, deshalb wird alles immer komplizierter.

17.       Freies Denken ist gefährlich, denn es ist ein Balanceakt ohne Netz und doppelten Boden.

18.       Ich belausche mich selbst, um den Lauschangriffen von außen besser Parole bieten zu können.

19.       Viele schweigen über den Takt hinaus.

20.       Wer nichts wissen will, muss sich mit allem abfinden.

21.       Das Leben wird immer explosiver.

22.       Teilen ist eine Stärke der Armen, besser Rechnen eine der Reichen.

23.       Die wahren Asozialen sind die Superreichen. Sie leben auf Kosten aller.

24.       Nicht die verschiedenen Kulturen und Sprachen trennen die Menschen voneinander, sondern die gegenseitigen Voreingenommenheiten.

25.       Toleranz beruht auf gegenseitigem Respekt.

26.       Gegen Fremdenfeindlichkeit hilft Kennenlernen.

27.       Zivilcourage ist die für mich die einzige  akzeptable Form des Heldentums.

28.       Die weiße Weste gehört zur Tarnung des braven Bürgers.

29.       Filz und Kriminalität sind die Hauptfeinde der Demokratie.

30.       Wer die Politik den Politikern überlässt, hat kapituliert.

31.       Es ist im Großen und Ganzen nicht anders als im Kleinen und Kleinsten.

32.       Wo alles in Ordnung sein soll, möchte ich nicht aufräumen.

33.       Man kann sich mal verlaufen, aber man sollte sich nicht verrennen.

34.       Immer weniger Menschen haben Verlangen nach dem Himmel. Sie haben sich ihr Leben bequem in der Hölle eingerichtet.

35.       Manche halten ihre Sünden für Tugenden.

36.       Wir kommen mit nichts und gehen mit nichts. Dazwischen schlagen wir viel Lärm.

37.       In dem Lärm, der uns heute umgibt, versteht man sein eigenes Wort nicht mehr. 

38.       Es bringt nichts, ein ganzes Leben das Sterben zu üben. Es nimmt die Angst nicht vor dem Tod. 

39.       Was wir Tod nennen ist nichts anderes als die Umwandlung von Molekülen und Atomen zu neuen Lebensformen.

40.       Selbst unser vermeintliches Glück schmieden wir auf fremdem  Amboss.

41.      Eine neue Spezies ist im Entstehen - eine Mischung aus  High-Tech und menschliche Hülle: der Robotermensch.

42.       Schwer, das Licht noch vom Irrlicht zu unterscheiden.

43.       Heute sind die Originale kaum noch von den Kopien zu  unterscheiden.

44.       Nicht aus Überzeugung ahmen wir nach, sondern weil es      Mode ist.

45.       Wer sich nicht widerspricht, hinterfragt nicht.

46.       Wer nicht aus sich herausgeht, bevorzugt Isolierhaft.

47.       Am wenigsten schätzt die Freiheit, wer sie hat.

48.       Wer glaubt, frei zu sein wie ein Vogel, vergisst, dass er in einem Käfig lebt.

49.       Gelegentlich reibt man sich an der Wahrheit. Dann entsteht ein Geistesblitz.

50.       Auch beim Aphorismus kommt es darauf an, ob er auf  Brachland oder fruchtbares Ackerland fällt.

51.       Das Rückgrat des Wortes ist der Gedanke.

52.       Worte sind manchmal Alibis, Taten Beweise. 

53.       Manche Gedanken gehen mir solange auf den Geist, bis ich sie aufschreibe. 

54.       Von allen Fremdsprachen finde ich die Amtssprache am schrecklichsten. 

55.       Er beleidigt meinen Kopf. Er redet mir zum Munde.

56.       Nimm dich in acht vor den Lobhudlern! Sie loben dich solange, bis es dir gefällt.

57.       In jedem von uns steckt ein Philosoph, aber nicht jeder weiß es.

58.       Wissen öffnet den Blick hinter die Kulissen.

59.       Überall menschelt es um mich herum. Und weit und breit kein Mensch. 

60.       Auch eine noch so schöne Bildergalerie im Internet kann uns die Schönheit der Natur nicht ersetzen.

61.       Jeder Waldspaziergang ist ein Open-Air-Fest. 

62.       Wer auch auf seine innere Uhr hört, tickt richtig. 

63.       Und denk daran, du bist keine Katze, du hast keine sieben Leben.  

64.       Der Faule wartet ab, um mit dem Fleißigen am Ende dann gemeinsam den Erlös abzuschöpfen. 

65.       Das wahre Theater spielt sich hinter den Kulissen ab. 

66.       Ein guter Schauspieler findet überall seine Bühne.

67.       Auch richtig arbeitslos ist Vollbeschäftigung.

68.       Wir spinnen alle fleißig mit am Netz, in dem wir später zappeln. 

69.       Wir glauben alles im Griff zu haben, dabei geben wir täglich unser Schicksal in fremde Hände.

70.       Wir irren immer genauer. 

71.       Dass die Roboter eines Tages das Proletariat völlig ersetzen könnten, hätte sich wohl kein Arbeiter träumen lassen.

72.       Was sind wir Menschen denn anderes als verrückt gewordene Ameisen.

73.       Das Thema ist so ernst, dass man es für eine Satire halten könnte.

74.       Intellektuelle sind Sklaven des Geistes.

75.       Warum persönlich? Es geht doch auch online. 

76.       Auch Geistesarmut breitet sich immer weiter aus.

77.       Neid ist das Eingeständnis eigenen Versagens.

78.       Der Künstler braucht das Publikum, der Weise kommt mit sich selber aus.

79.       Der Kluge lernt aus seinen Erfahrungen, der Dumme bleibt darauf sitzen.

80.       Wir lieben den Nächsten mehr wegen seiner Fehler als wegen seiner Tadellosigkeit.

81.       Manchmal sind die Folgen eines Windhauches verheerender als die eines Sturmes.

82.       Es gibt zu viele Darsteller von Personen und zu wenige, die es wirklich sind.

83.       Sie suchten den Eingang zu ihren Herzen und verliefen sich im Alltag der Zweisamkeit.

84.       Die bequemste Liebe ist die des Ehemanns zu seiner Frau.

85.       Unter Gleichberechtigung verstehe ich gleiche Chancen für alle. Auch für Kinder. 

86.       Wir glauben nicht mehr an Wunder, weil wir uns an sie gewöhnt haben.

87.       Mit dem verlorenen Weiß des Schnees hat auch der Winter seine Unschuld verloren. 

88.       Wenn ein reifer Herr in den Frühling kommt, hat sich der Herbst geirrt.

89.       Ein Hoffnungsstrahl ist wie ein Sonnenstrahl. Er erweckt sofort neue Lebensgeister. 

90.       Mit der Liebe ist es wie mit der Sonne. Man geht mir ihr auf und unter.

91.       Immer mehr Menschen leiden an Herzfehlern. Ihnen fehlt die Herzensbildung.

92.       Das Herz kann man schon austauschen, aber nicht das Hirn.

93.       Die variabelste Maske ist unser Gesicht. 

94.       Die Unruhe ist der Bewegungsmelder des Schaffenden.

95.       Bücher geben die Stille zurück, die uns in der lauten Zeit der Technik und Elektronik abhanden gekommen ist. 

96.       Die Aufgabe des Schriftstellers ist, sich verständlich auszudrücken.

97.       Einseitiges Denken führt zu Gleichgewichtsstörungen.

98.       Indem ich die Dinge verkleinere, vergrößere ich sie.

99.       Wer es jeden recht machen will, hat keine eigene Meinung.

100.  Am weitesten verbreitet ist die Gedankenlosigkeit.

101.  Leichtgläubigkeit ist ein Glaubensfehler.

102.  Jedes Drama braucht seine Helden.

103.  Von der Freiheit spricht auch der Tyrann.

104.  Man kann Lebende zum Schweigen bringen, aber keine Toten.

105.  Das Leben ist viel zu reich für unseren armen Verstand.

106.  Die Wegwerfgesellschaft macht auch vor dem Menschen nicht mehr halt.

107.  Unser Leben ist ein Ausländer. Es wird immer fremdbestimmter.

108.  Der Student studiert, der Chef scheffelt und der Arbeiter resigniert.

109.  Wenn der Sumpf trocken gelegt ist, kommt die Wahrheit als Moorleiche ans Licht.

110.  Einst zogen wir aus, um die Welt zu verändern. Doch ehe wir uns versahen, änderte sie uns.

111.  Die meisten fürchten sich mehr vor der Wahrheit als vor der Lüge.

112.  Wer laut denkt, lebt gefährlich.

113.  Der Aphoristiker ist ein Außenseiter. Er ergänzt die Literatur mit von ihr ausgelassenen Sätzen.

114.  Die gerechte Strafe für manchen wäre mit seinem wahren Gesicht herumlaufen zu müssen.

115.  Vernunft ist nichts anderes als das Abwägen unserer Fähigkeiten und Möglichkeiten.

116.  Jung sein ist für die Jungen mindestens so schwer wie für die Alten alt sein.

117.  Sie lobten ihn ganz nach oben, um ihn besser abschießen zu können.

118.  Die einfachen Dinge des Lebens sind oft schwerer zu  bewerkstelligen als ein Kunststück zu schaffen oder ein Buch zu schreiben.

119.  Im Buch des Lebens schreiben auch Analphabeten mit.

120.  So mancher Satz, der gut alleine hätte schwimmen können, ist schon in einem Aufsatz ertrunken.

121.  Leistungssport ist Mord, weil viele Sportenthusiasten nicht mehr von der Couch hochkommen.

122.  Kopfstand, die tägliche geistige Yogaübung des Intellektuellen.

123.  Gesundheitswahn ist eine ansteckende Krankheit.

124.  Wie bleibt man in einer kranken Umwelt gesund?

125.  In der Kleinstadt erstickt man an mangelnder Luft, in der Großstadt am Smog.

126. Je tiefer ein Volk schläft, desto leichter lässt es sich überwachen.

127.  Unsere Zeit ist die Erfüllung der blauen Wunder.

128.  Geistreich ist noch nicht geistvoll.

129.  Träume kosten keinen Eintritt.

130.  Wer sein Ziel erreicht hat, hat es verloren.

131.  Das am häufigsten gefällte Urteil ist das Vorurteil.

132.  Beständig ist nur das Unbeständige. 

133.  Auch die Moral rennt mit der Mode mit.

134.  Wer ins Denken verliebt ist, ist auch in es verhasst. 

135.  Seltsam, es gibt immer mehr Leute die schreiben und immer weniger Schriftsteller.

136.  Unsere falsch verstandenen Freiheiten nehmen uns immer mehr gefangen.

137.  Wahre Weisheit bleibt immer gültig. Deshalb wird sie auch immer wieder von den Dichtern von Generation zu Generation weitergereicht.

138.  Die Umwandlung von Wüsten und Urlandschaften zu Beton- und  Asphaltwüsten. Fortschritt?

139.  Als sie die Sümpfe der alten Kulturen trocken gelegt hatten, begannen sie im Morast der Zivilisation zu versinken.

140.  Es ist sinnlos, dem Propheten den langen Bart zu stutzen. Er wächst doch immer wieder nach.

141.  Die Methoden der Steuereintreiber werden denen der Mafiosi immer ähnlicher.

142.  Aphorismen sind die Fußnoten im Buch des Lebens.

143.  Der Himmel auf Erden ist eine Fata Morgana.

144.  Vor dem Wind kann man sich schützen. Nicht vor der Flaute.

145.  Einen Dummkopf kann man überreden, einen Klugen muss  man überzeugen.

146.  Wer sich als Schriftsteller heute noch über Wasser halten will,  sollte sich als Ghostwriter versuchen.

147.  Der Vampirismus geht um in der Literatur. Je kürzer der Satz, desto tiefer der Biss.

148.  „Man soll immer auf Augenhöhe bleiben“, sagt die Maus zum  Elefanten.

149.  Auch die Taschendiebe haben Karriere gemacht. Sie sitzen heute in den oberen Etagen der Großbanken.

150.  Mit wachsender Bildung werden auch die Verbrechen immer raffinierter.

151.  Unfähige Demokraten sind zu allem fähig.

152.  Immer mehr graben sich lebendig ein. Ihnen genügt der Fernseher.

153.  In Friedenszeiten kommt der Krieg zu uns ins Wohnzimmer.  

154.  Die Einsamkeit vieler ist für wenige ein Riesengeschäft.

155.  Lasst euch nicht von ihren Lügen vereinnahmen. Werdet ungenießbar!

156.  Das Problem mit den ehrlichen  Menschen ist, dass sie oft nicht wissen,  was die Wahrheit ist.

157.  Alle haben die Schnauze voll. Doch es scheint ihnen zu schmecken.

158.  Die moderne Musik spiegelt die Disharmonie unserer Zeit wieder.

159.  Kein Gedanke ist so neu, dass er nicht tausend alte wiederholt.

160.  Verliebte und Künstler leiden an der gleichen Geisteskrankheit.

161.  Narren und Dichter gehen auf den Geist.

162.  Esst nicht so viel Fettgedrucktes. Es ist schädlich.

163.  Das Glück des Künstlers heißt vorbestimmter Zufall.

164.  Verzweifle nicht auf deiner Sinnsuche. Manches findet sich von selbst.

165.  Wenn man die Nase voll hat, muss man den Mund öffnen, sonst erstickt man.

166.  Vergewissere dich erst, wenn du ein Sprungbrett erklimmen willst, ob das  Becken mit Wasser gefüllt ist.

167.  Die Maske, die man sich aufsetzt, verpflichtet.

168.  Ein wertvolles Glied in der Gesellschaft sein, heißt auch, Teil einer Kette sein.

169.  Man darf nicht alles schlucken, sonst frisst es einen.

170.  Geiz macht arm, Geben glücklich, Nehmen reich.

171.  Wir lieben Märchen. Weil sie grausam sind?

172.  Ich kann mir keinen Himmel unter lauter gleichgeschlechtlichen Engeln, ohne unsere Frauen, vorstellen.

173.  Ein Paradies, dem die Hölle fehlt, ist auch eine Hölle.

174.  Wenn du in dich gehst, verlier den Ausgang nicht aus den Augen.

175.  Am tiefsten gehen die Wunden, die ein scharfer Verstand   verursacht.

176.  Der Mensch heute ist immer im Stress, deshalb übersieht er sich so häufig.

177.  Die meisten leiden heute an Kurzatmigkeit. Es fehlt ihnen der lange Atem.

178.  Wer Visionen hat, muss an seinen Träumen arbeiten.

179.  Rettungsschwimmer gesucht - Europa geht baden.

180.  Um es dem Bürger noch schwerer zu machen, hat man das Europaparlament geschaffen.

181.  Wir sind Zeitzeugen der größten Völkerwanderung der Menschheitsgeschichte.

182.  Die Essgewohnheiten haben sich geändert. Der Kannibalismus ist geblieben.

183.  Unser Leben hängt an einem dünnen Faden - unserem Blutkreislauf.

184.  Er fürchtet die Einsamkeit aus Angst, dem Rhythmus seines Herzens folgen zu müssen.

185.  Das beste Versteck ist dort, wo uns jeder findet, weil uns dort keiner sucht.

186.  Kein Gott kann auf Dauer verwaltet werden, ohne Schaden zu nehmen.

187.  Nur ausgeschlafene Träumer haben wache Träume.

188.  Manche Wahrheiten, die andere bereits um die Ohren bekommen, müssen wir erst erfinden.

189.  Der moderne Mensch ist eine Blume, die sich zwischen Asphalt und Beton ans Licht kämpfen muss.

190.  Wir lieben das Landleben. Dort treffen wir auf die künftigen Schnitzel, die wir essen.

191.  Vergeblich stellen sich die Bäume den Baggern und Kreissägen in den Weg.

192.  Dornröschen würde heute die Welt wahrscheinlich als Irrenanstalt sehen, wenn es plötzlich aufwachte.

193.  Sei wachsam im Umgang mit der Zeit. Du könntest später noch als Zeitzeuge gebraucht werden.

194.  Wer nicht alt werden will, will klug bleiben und nicht weise werden.

195.  Man sollte dem Nächsten wenigstens die eigenen Fehler vergeben können.

196.  Die harmloseste und gefährlichste Waffe ist das Wort.

197.  Gute Satire altert nicht.

198.  Wenn die Irrtümer in die Jahre kommen, heißen sie Erfahrungen.

199.  Wer seiner inneren Stimme folgt, irrt auch. Aber um wie viel weiser.

200.  Mit der Lüge kann man leben, mit der Wahrheit muss man leben.

201.  Werde nicht zum Amokläufer deiner Gedanken

202.  Ausgewogene geistige Ernährung und gesunder Wissensdurst   gehören zur Lebensfreude wie gutes Essen und Trinken.

203.  Lebensspuren - Linien, die uns zeichnen.

204.  Der Traum ist der Garten der Hoffnung.

205.  Es gibt noch Tabus. Die Moral von gestern.

206.  Auch das Glück muss wie die Liebe immer wieder neu erobert werden, sonst verblasst es.

207.  Liebe und Hass beweisen, dass der Mensch zu allem fähig ist.

208.  Für den Fernsehzuschauer ist die Welt noch eine Scheibe.

209.  Todesanzeige:  Ertrunken in der Mediensintflut.

210.  Leute, die immer das Neueste zu sagen wissen, was alle schon wissen,  nennt man Nervensägen.

211.  Schlank ist schön. Meine Bücher sind schlank.

212.  Ob ich mich wichtig nehme? Und ob und ob!

213.  Am lautesten lacht der Witzeerzähler.

214.  Die rastlose Jagd nach Neuigkeiten lässt uns immer schneller altern.

215.  Das Leben ist ein Abenteuerspielplatz auf Leben und Tod.

216.  Warnung! Überschreite nicht die Grenzen deines Horizonts.

217.  Seine Hände waren rein. Er benutzte die Ellenbogen.

218.  Würden wir nicht lügen, wären wir noch unerträglicher.

219.  Ein Dichter ist schon, wer Gedichte lesen und verstehen kann.

220.  Die Kunst des Schreibens ist nicht das sich Ausschreiben, sondern das Überflüssige wegzulassen und auf den Punkt zu bringen.

221.  Es gibt zu viele Aufreger in der Kultur und zu wenig Anreger.

222.  Aus dem Boot, in dem wir alle sitzen, ist mittlerweile eine sinkende Titanic geworden.

223.  Vierklassengesellschaft:  Jung - alt, reich - arm.

224.  Es ist ein Unterschied, ob man bescheiden sein kann oder ob man es muss.

225.  Wohlstand macht nicht satt, sondern hungrig.

226.  Das Problem mit dem Fortschritt ist, dass er uns immer zwei Schritte voraus ist.

227.  Manche halten die Einwände Andersdenkender grundsätzlich für unüberwindbare Wände.

228.  Dass immer die anderen schuld haben, das sagen die anderen auch.

229.  Die Wahrheiten, die wir öffentlich beichten, sind nicht selten unsere Lebenslügen.

230.  Der gerade Weg ist der gefährlichste, weil man ihn blind geht.

231.  Der gefährlichste Stolperstein ist die Zunge.

232.  Auf den Autobahnen sind mittlerweile mindestens so viele Geisterfahrer unterwegs wie auf den Literaturbahnen Ghostwriter.

233.  Menschen, die wir verwünschen, wünschen wir in die Hölle oder in den Himmel. 

234.  Der Aphoristiker unterscheidet sich von anderen Schriftstellern dadurch, dass er gegen und nicht mit dem Wörterstrom schwimmt.

235.  Er führt ein so langweiliges Leben, dass er sich mit den Fehlern anderer brüsten muss

236.  Die Faszination der Welt besteht darin, dass sie schön und hässlich zugleich ist.

237.  Wo nur Glanz ist, spiegelt sich Oberfläche.

238.  Es gibt so viele kluge Architekten, aber so wenig bezahlbare Wohnungen.

239.  Frieden ist Waffenstillstand, Waffenstillstand ist Kriegszustand.

240.  Der Tod bleibt beständig, nur die Todesarten variieren.

241.  Das Schlechte braucht man sich nicht auszudenken. Das bekommt man um die Ohren.

242.  Vor der Wirklichkeit kann man sich nicht verstecken. Auch nicht in seinen Träumen.

243.  Wer den Glauben an die Menschheit verloren hat, hat sich selbst aufgegeben.

244.  Nicht jeder, der was weiß, weiß dies.

245.  Die Weisheit ist zu alt, um sie neu zu erfinden, aber sie muss immer wieder neu gefunden werden.

246.  Das Werk eines Weisen - ein Fragenkatalog.

247.  Auch in den Flügeln des Pegasus nisten Parasiten.

248.  Neuester Freizeitspaß - Menschen totprügeln.

249.  Man schwätzt heute über Mord und Totschlag wie übers Wetter.

250.  Anleitung zum Mord kann man kostenlos im Internet herunterladen.

251.  Frontalzusammenstoß: Das Mittelalter mit dem 21. Jahrhundert.

252.  Die schwersten Unfälle passieren beim Zusammenprall mit der Wirklichkeit.

253.  Die Bürger rüsten sich. Jeder gegen jeden.

254.  Das Auge des Gottes Technik wacht über uns.

255.  Wir verlaufen uns mehr und mehr in den virtuellen Welten.

256.  Aphoristiker sind Zauberer. Sie zaubern von einer Sparflamme aus Worten Licht.

257.  Man verläuft sich nicht in Labyrinthen, sondern man sammelt Erfahrungen darin.

258.  Manche hören eher das Gras wachsen als den eigenen Herzschlag.

259.  Unsere Urängste nehmen immer mehr Gestalt an. Die Gnome und Drachen aus unserer Kindheit sind bereits Wirklichkeit geworden.

260.  Wenn es nachts still ist und er seinen Atem im Bett wahrnimmt, erinnert er sich manchmal an den Menschen, der ihm im Alltag verloren gegangen ist.

261.  Es sind deshalb so viele Umwege zu uns selbst, weil wir uns von außen zu oft ablenken lassen.

262.  Logik, das ist die Keule, mit der man Träume erschlägt.

263.  Das Leben ist keine Spaßgesellschaft.

264.  Zu den Menschen, die man am wenigsten kennt, zählt man selbst.

265.  Die Gedanken sind nicht frei. Sie wechseln nur die Gänge und Verliese in andere Hirne.

266.  Wenn einer von der Zukunft spricht, frag ihn, welche Richtung er meint.

267.  Manche glauben schon, dass sie etwas Besonderes tun, wenn sie das Selbstverständliche machen.

268.  Der Weise, das ist der mit dem Röntgenblick zur Seele.

269.  Das innere Auge erweitert den Blickwinkel ungemein.

270.  Es reicht nicht, die Dinge nur mit den eigenen Augen zu betrachten. Man muss sie auch durch die Augen der anderen sehen.

271.  Er hat eine selbstverräterische Angewohnheit. Er denkt laut.

272.  Er war so tief gesunken, dass man ihn aus der Oberfläche fischen musste.

273.  Nicht den großen, sondern den allzu großen Worten misstraue.

274.  Die Freiheit des Wortes endet meistens schon beim Redakteur.

275.  Träume sind manchmal Auswege aus den Albträumen des Lebens.

276.  Jeder Einzelne neigt zum Verrücktsein. Gefährlich wird's erst, wenn der Wahnsinn organisiert ist.

277.  Die Lüge ist oft eine unverzichtbare Notwendigkeit zur Rettung der Wahrheit.

278.  Die Voraussetzung zum sicheren Vordenken ist nachdenken.

279.  Die Erinnerung ist ein Bügeleisen, mit dem man die Unebenheiten des Lebens glatt bügelt.

280.  Der Sprung ins kalte Wasser ist für Leichen kein Problem. Leichen halten sich mühelos über Wasser.

281.  Vergleiche dich nicht mit einem Adler. Deinen Sturzflug überlebst du nicht.

282.  Satiriker sprechen durch die Dornenblume.

283.  Je mehr sich das Werk eines Aphoristikers widerspricht, desto mehr zeugt es von Gedankenvielfalt.

284.  Nicht selten sind unsere sogenannten Erfahrungen und Weisheiten Selbsttäuschungen.

285.  Große Männer sollte man mit gehörigem Abstand betrachten. Von der Nähe betrachtet, könnten sie schrumpfen.

286.  Es nutzt nichts, der Erste sein zu wollen. Die Akteure arbeiten im Hintergrund.

287.  Die meisten ziehen ihre selbst geschaffenen Gefängnisse der Freiheit vor.

288.  Der Schlüssel zur Freiheit liegt in deinem Inneren.

289.  Der Erwachsene ist ein verdorbenes Kind.

290.  Kinder glauben an Wunder und Erwachsene an Wunderkinder.

291.  Wer beide Augen zudrückt, verschließt sie.

292.  Voreingenommenheit ist eine dumme Art, sich die Sicht auf die Dinge zu versperren.

293.  Habe keine Angst vor der Angst, habe ruhig etwas mehr Mut, aber hüte dich vor dem Übermut.

294.  Die Menschheit wächst zusammen. Doch was ist mit den Gräben zwischen den Menschen?

295.  Die meisten sind viel zu sehr mit sich beschäftigt, um ihre Umwelt noch wahrzunehmen.

296.  Wer sich vom Wind treiben lässt, soll sich nicht über sein Schicksal beklagen.

297.  Der Poet ist der Übersetzer unserer Gefühle.

298.  Kein Maler, kein Fotograf und kein Dichter kann die Stimmung der Natur so ins Bild setzen, wie sie wirklich ist.

299.  Ob man mit der Vermenschlichung Gottes Gott etwas Gutes angetan hat?

300.  Die Frage ist nicht, ob ihr noch an Gott glaubt, die Frage ist, ober er noch an euch glaubt.

301.  Nie war der Mensch so nackt wie heute.

302.  Eine neue Spezies Mensch ist im Entstehen - eine Mischung zwischen High-Tech und menschlicher  Hülle - der Robotermensch.

303.  Was wird aus dem Menschen, wenn Roboter und Maschine alles übernommen haben?

304.  Traurig, es gibt immer mehr Menschen auf der Welt, und man kennt noch nicht einmal den Nachbarn.

305.  Armut ist nicht etwas, mit dem man sich abfinden, sondern etwas, was man abschaffen sollte.

306.  Die Menschenfresser sind zwar weniger geworden, dafür aber hat die Anzahl der Schlächter erheblich zugenommen.

307.  Der Unterschied zwischen Raubtier und Bestie ist: Raubtiere töten zur Selbsterhaltung, Bestien morden aus Überzeugung.

308.  Unsere Wege sind verstellt mit Wegweisern.

309.  Nicht jeder, der von der Wahrheit spricht, meint dieselbe.

310.  Wer sich selbst kennt, kennt viele.

311.  Manche halten sich für einmalig. Dabei sind sie nur seltsam.

312.  Wer im Alter anfängt seine Sünden zu bereuen, verleumdet seine Biografie.

313.  Mit jeder Erfahrung, die unseren Weg kreuzt, mehren sich die Kreuze.

314.  Das Leben wird immer eintöniger. Es gibt immer weniger Tabus.

315.  Immer sind es die anderen, die schuld sind. Für den Autofahrer zum Beispiel  ist es der Baum.

316.  Es gibt vier Kategorien von Typen:  Gebildete, Eingebildete, Verbildete und Ungebildete.

317.  Komisch ist nicht immer lustig.

318.  Es gibt gerade so viele Irrtümer, wie es Ansichten gibt.

319.  Manchmal gibt ein einziger Gedanke mehr zu denken auf als ein ganzes Buch.

320.  Sei vorsichtig im Umgang mit einer Null. Man weiß nie, woran sie sich hängt.

321.  Kriechen lernt man mit gebrochenem Rückgrat.

322.  Man glaubt den Menschen zu kennen und wird doch immer wieder von sich überrascht.

323.  Auch die Todesursachen haben sich geändert. Doch der Tod ist treu geblieben.

324.  Der Feind ist ein Mensch, den man genau kennt, ein Freund ist ein Mensch, den man genau zu kennen glaubt.

325.  Vernunft ist die Waage der Intelligenz. 

326.  „Ich bin auch nur ein Abbild der Natur“, sagt der Wetterlaunige.

327.  Man kann sich heute nirgends mehr sicher fühlen. Nicht mal vor sich selbst.

328.  Man muss viel im Dreck gewühlt haben, um eine saubere Biografie hinzubekommen.

329.  Die Tasten des Computers verführen zu einer Menge seichter Schreibe.

330.  In einem gesunden Menschenverstand muss auch eine Portion gesundes Misstrauen vorhanden sein.

331.  Das Problem mit den sauberen Leuten ist, dass sie mit allen Wassern gewaschen sind.

332.  Der Versuch, aus einem Menschen einen besseren machen zu wollen, scheitert daran, dass er ein Mensch ist.

333.  Hinter dem Wort 'menschlich' stehen Liebe, Hass, Mord und Totschlag.

334.  Wie stellt man es heute an, ein anständiger Mensch zu bleiben?

335.  Wer genau rechnet, verrechnet sich auch genauer.

336.  Man muss tun, was man nicht lassen kann, und lassen, was man nicht tun kann.

337.  Das Vermächtnis Gottes in Menschenhand. Das konnte nicht gut gehen.

338.  Die Götter sind nicht tot zu kriegen. Sie melden sich bei den vielfältigen  Vorstellungen, die wir von Gott haben, immer wieder zu Wort.

339.  Der Prophet, der am meisten gehört wird, ist der Sprecher des  Wetterberichtes.

340.  Warum singen beim Singen der Nationalhymne so viele daneben?

341.  Wenn eine Krähe eine Meise hat, hält sie sich für einen Opernstar.

342.  Lachen ist die beste Medizin. Doch wer wischt die Tränen hinterher weg?

343.  Comedy - Unterabteilung des Humors.

344.  Vormals waren Mord und Totschlag noch ein Ereignis. Heute sind sie an  der Tagesordnung.

345.  Man muss auch die Seitenwege kennen, wenn man auf dem geraden Weg ans Ziel kommen will.

346.  Wir sind alle Darsteller auf einer großen Puppenbühne. Die Schnüre, an denen wir hängen, bewegen andere.

347.  Was ist schon menschliche Klugheit im Vergleich zur Weisheit der Natur?

348.  Kein Künstler kann es wagen, sich mit der Vielfalt der Natur zu messen.

349.  Es gibt so viele Vorstellungen von Recht und Gesetz, wie es Bürger gibt.

350.  Wir sind alle Schauspieler in irgendwelchen Tragödien und Komödien, und bei weitem nicht alle wissen, welche Rolle sie darin spielen.

351.  Schweigen spricht Bände. Literatur - Makulatur.

352.  Wer kein Ohr hat, hört sich gerne.

353.  Wer umgarnt werden will, braucht sich nicht zu wundern, wenn er am Ende im Netz der Spinne zappelt.

354.  Er war zu weise, um sich davon überzeugen zu lassen, dass er klug sei. 

355.  Wer die Natur liebt, liebt Gott, wer sie zerstört, ist ein Frevler, er wendet sich gegen ihn.

356.  Es gibt nichts Endgültiges - außer dem Tod.

357.  Wer weiß, wie das Leben schmeckt, wird heikel.

358.  Auf der Bühne des Lebens brillieren mehr qualifizierte Schauspieler als auf den offiziellen Bühnen.

359.  Interessantes Blinde-Kuh-Spielen: Versteckspiel in sich mit anderen.

360.  Kreuzworträtsel lösen -  Leidenschaft der Fantasielosen.

361.  Passende Grabschrift gesucht? Liefere Epitaphe und Aphorismen frei Haus.

362.  Lieber ein ungeliebter Wolf sein als bloßer Mitläufer einer Schafherde.

363.  Arm ist eine Katze, die an einer Mäusephobie leidet.

364.  Der Fuchs ist schon vor dem Hahnenschrei wach.

365.  Es gibt keine Freikarten fürs Leben. Alles hat seinen Preis. 

366.  Lehrer sind Schüler, die in der Schule sitzen geblieben sind.

367.  Wir handeln das ganze Leben freiwillig unter Zwang.   

368.  Es ist keine Kunst, große Worte zu machen. Aber sie zu leben ist eine Kunst.

369.  Zwiegespräche sind Dialoge, die man mit sich selbst führt.

370.  Diese Aphoristiker! Immer müssen sie das letzte Wort haben.

371.  Mancher glaubt im Fluss zu sein und merkt nicht, dass er ins Fahrwasser geraten ist.

372.  Der Autor, dem es gelingt, über den Buchrand hinaus zu schreiben, ist in den Köpfen der Leser gelandet.

373.  Auch die Vampire sind bescheidener geworden. Sie trinken  Rotwein und trösten sich mit dem Blut aus dem Fernseher.

374.  Aus meinen Träumen hole ich mir die Freiheit, die ich zum Überleben brauche.

375.  Die Rolle des Dichters auf dem Buchmarkt wird immer zweitrangiger.

376.  Nein, es ist nicht die politische Wetterlage, die ihn stört. Es ist die Fliege an der Wand. 

377.  Nicht, dass jeder tut, was er kann, sondern dass jeder tut, was er nicht kann, ist das Problem. 

378.  Was für ein Optimist! Er glaubt noch an eine Zukunft nach der Atombombe.

379.  Die Hölle in Menschenhand kann ich mir wohl vorstellen. Aber einen Gottesstaat?

380.  Der größte Feind der Religionsfreiheit ist der Missbrauch, der mit ihr getrieben wird.

381.  Wir glauben auf Draht zu sein, aber wir sind bloß online.

382.  Heute kehrt man nichts mehr unter den Teppich. Heute stellt man es ins Internet.

 

 

Alle Texte: Copyright by Harald Schmid