Gunnar musste ein Medikament besorgen. Die Apotheke war in Unnaryd, etwa 12 km von Odensjö entfernt, einem Dorf in Südschweden, wo wir lebten..
An einem Frühlingstag, in dem schon der Sommer atmete, kurvten wir mit unseren Rädern durch den Wald. Über uns war hellgrünes funkelndes Gehänge und mir kam es vor, als radelten wir durch eine Welt aus Glas, dabei war es bloß ein Buchenwald. Einmal glänzte links in einer Bucht der Unnen, der Brudersee neben dem Bolmen, kleiner, aber in seiner Form sehr ähnlich.
Nach einer knappen Stunde waren wir in dem Städtchen. Zur Apotheke führte eine Steintreppe hinauf, Gunnar ging voraus, und als er die Tür öffnete, stieß er mit einer Frau zusammen, . Sie war etwa in meinem Alter, um die 20, und Gunnar war 40. Sie entschuldigte sich, er antwortete: „Wie angenehm.“, und man hörte seiner Stimme an, dass er es ernst meinte.
Ich stand zwei Stufen unter ihm, und konnte sehen, was mit der Frau geschah. Sie schlug die Augen nieder und lächelte in sich hinein, als wäre dort jemand, dem sie zulächelte. Das Lächeln verzauberte das Gesicht, es war so fern wie in einem Traum und so unberührbar.
Den Kopf gesenkt, noch immer lächelnd, stieg sie an mir vorbei die Stufen hinunter, der Saum des Kleides - weiß mit blauem Muster - flatterte leicht und der Wind griff in ihr dunkelbraunes Haar.
Gunnar hatte das Lächeln nicht gesehen, die Treppe war schuld. Ich hoffte, ich würde eines Tages unter ähnlichen Umständen den gleichen Spruch anwenden können. Doch die Gelegenheit kam nie. Und mittlerweile hat sich die Zeit geändert. Heute würde ich vermutlich für den Spruch eine Ohrfeige bekommen, sicher aber einen bösen Blick.
Die Zeit der Unschuld zwischen den Geschlechtern scheint für immer vorbei zu sein.