Wir verließen West-Berlin und bezogen ein kleines Haus im Land Brandenburg. Schon am nächsten Tag standen zwei Nachbarinnen mit Brot und Salz an der Haustür und hießen uns willkommen.
Als meine Frau eine Woche später den Zündschlüssel ins Auto steckte, konnte sie ihn nicht mehr drehen. Ich versuchte es auch - nein, da müssen wir den ADAC rufen. Der gelbe Engel kam, versuchte
es ebenfalls, dann meinte er: Nichts zu machen. Da muss ein neues Zündschloss rein.
Kaum war er weggefahren, sagte der Nachbar, der alles gesehen hatte: „Warte, ich komm gleich wieder.“ Zurück kam er mit einer Fahrradpumpe. Ach Gottchen, dachte ich, der hat wirklich keine Ahnung
von West-Autos. Er setzte sich ins Auto, gab zwei, drei Pumpstöße ins Zündschloss, stieg aus uns sagte: „Versuch's mal..“
Ungläubig tat ich's und, hast du nicht gesehen, der Motor sprang an.
Brandenburger Sand, sagte er, ein Körnchen genügt. Und dann verriet er mir noch einen Trick: Reißt der Keilriemen während einer Fahrt, soll die Frau einen Nylonstrumpf opfern, mit dem lässt
sich der Keilriemen bis zur Heimfahrt ersetzen.
Und fügte hinzu, so was nannte man in der DDR eine „Sibirische Lösung“.
Kürzlich las ich wieder mal was über die hohe Intelligenz der KI. Ich hatte Lust, sie zu prüfen. Ich schilderte ihr mein Problem mit dem Schlüssel und dem Zündschloss und bat um eine
Lösung. Sie gab mir mehrere Vorschläge vom Putzen des Schlüsselbartes bis zum Neueinbau eines Zündschlosses.
Dann fragte ich: Was hältst du von einer sibirischen Lösung?
Um es kurz zu machen: Davon wüsste sie nichts.
Ich denke, vielleicht sollte man, bevor man die KI fragt, immer erst mal einen Nachbarn fragen.
