Das Sturmgewehr und die Zukunft

„Was meinen Sie? Können Sie in die Zukunft sehen?

„Nee. Das kann keiner.“

„Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Garten, hübsche Blumen, vielleicht auch Tomatenpflanzen. Drei Tage kein Regen. Sie gießen. Warum?“

„Naja, das Grünzeug vertrocknen sonst.“

„Das sehen Sie voraus?“

„Das weiß ich.“

„Und wenn Sie heute kein Brot zu Hause haben, was wird morgen früh sein?“

„Ich hab kein Brot zu essen.“

„Richtig. Übrigens, was bauen Sie da zusammen?“

„G 36 K, ein Sturmgewehr. 780 Schuss in der Minute.“

„Sie sind stolz darauf.“

„Na klar. Es gibt kein besseres.“

„Es wird Menschen erschießen.“

„Hm.“

„Weiß der, der damit erschossen wird, das heute schon?“

„Na hörn Sie mal. Das weiß keiner. Keiner kann in die Zukunft sehn!“

„So, wie Sie hier an einem Sturmgewehr arbeiten, gibt es sicher auch woanders einen, der ein ähnliches Sturmgewehr zusammenbaut.“

„Bestimmt. Sogar mehrere. Sturmgewehre werden in Massen gebaut. Aber das hier ist das bessere.“

„Kann es sein, dass eines Tages jemand mit Ihrem Gewehr hier auf den schießt, der gerade ein anderes Sturmgewehr baut?“

„Möglich. Im Krieg ist alles möglich.“

„Auch im Frieden. Von Terroristen zum Beispiel, Amokläufern... Und so kann es doch auch möglich sein, dass jemand mit der Waffe Sie erschießt, die der andere fabriziert hat“.

„Möglich, ja.. Sagen Sie mal, was soll das?“

„Ich will nur sagen, Sie können sehr wohl in die Zukunft sehen. Zum Beispiel sehen Sie die Zukunft Ihres Gewehres, ja, Sie sehen sogar die Zukunft aller Gewehre. Und es kann gut sein, dass Sie damit auch Ihre Zukunft sehen.“