Zeitliches

 

10.11.18

Heute morgen bei NP. Zwei Stellen vor mir an der Kasse ein baumlanger Kerl so um die 25, ein offener, aber leicht misstrauische Blick und ich denke, mit dem könnte ich befreundet sein. Eine junge Frau ist bei ihm, klein, blass und erschöpft lehnt sie an der benachbarten Kasse. Dann dreht mir der Mann den Rücken zu und ich lese auf seiner schwarzen Lederjacke in weißer Runenschrift: „Wir treffen uns auf Walhall.“ Darunter ein verschlungenes Ornament.
Ein Nazi? Oder einfach ein Wikingerfan?
Ich habe ihn Schweden einen Wikingerfan kennen gelernt, einen Journalisten und Künstler zudem: er malte großflächige Bilder mit starken Farben, Landschaften und Wikingerszenen. Und er war äußerst sensibel. Man sah es ihm an, wie ihn Dummheit und Stumpfheit schmerzten.
Jeden Sommer packte er sein selbst gebautes Großzelt und fuhr damit zu einem internationalen Wikingerfest in Schweden, das drei Wochen dauerte. Ich war schon wieder in Deutschland, da erfuhr ich, dass er die Zeitung verlassen und sich mit Wikingerschnitzereien selbstständig gemacht hatte.
Bei aller Friedfertigkeit: er würde es nicht dulden, mit Neonazis verwechselt zu werden.
Wenn es also echte Wikinferans in Deutschland gibt: Wo stehen sie auf gegen die Nazi-Wikinger?