Zeitliches

Heute morgen im Einkaufscenter. Zwei Stellen vor mir an der Kasse ein baumlanger Kerl so um die 25, ein offener, gleichzeitig leicht misstrauische Blick, ich denke, mit dem könnte ich befreundet sein. Eine junge Frau ist bei ihm, blass und erschöpft lehnt sie an der Rückwand der Nachbarkasse. Dann dreht mir der Mann den Rücken zu und ich lese auf seiner schwarzen Lederjacke in weißer Frakturschrift: „Wir treffen uns auf Walhall.“ Darunter ein verschlungenes Ornament.
Ein Nazi? Oder einfach ein Wikingerfan?
Ich kenne in Schweden einen Wikingerfan, einen Journalisten und Künstler zudem: er malt großflächige Bilder mit starken Farben, Landschaften und Wikingerszenen. Und er ist sensibel. Man sieht es ihm an an, wenn ihn dumme oder aggressive Bemerkungen schmerzen.
Jeden Sommer packt er sein selbst gebautes Großzelt und fährt damit zu einem internationalen Wikingerfest in Südschweden, das drei Wochen dauert.

Kürzlich erfuhr ich, dass er die Zeitung verlassen und sich mit Wikingermöbeln selbstständig gemacht hat.
Bei aller Friedfertigkeit: er würde es nicht dulden, mit Neonazis verwechselt zu werden.
Es gibt auch Wikingerferans in Deutschland. Wann stehen sie auf gegen die Nazi-Wikinger?