Verse zum Singen

 

Lied eines Berliners

Da haun sie einen Altbau weg,
da buddeln sie was ein.
Ich kaue Sand, ich steh im Dreck..
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!

 

Und sieht mich mal so ein Tourist,
stellt mir der Kerl ein Bein:
Wo die Berliner  Mauer ist?
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!


Und wie ich Unter Linden geh,
schlägt einer auf mich ein,
weil ich nem Star im Wege steh.
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!

Und will ich mit der U-Bahn fahrn,
muss mir die Bank was leihn.
Das nennen die im Rathaus „Sparn“.
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!

Bin ich geschafft und liege flach
und penn beim Fernsehn ein,
da gibt es nebenan nen Krach …
Es macht kein Spaß, Berliner zu sein!

Ich hab genug, ich hau jetzt ab,
ich zieh nach Bonn am Rhein.
Da ist es friedlich wie im Grab,
da macht es Spaß, Berliner zu sein.

 


Schon ist die Welt voll Trallalla

Was tut mir denn so tierisch weh
bei jedem Schritt am dicken Zeh?
Ich humple wie ne alte Kuh..
Da iss bestimmt'n Stein im Schuh..

Ich schau mal nach - da biste ja!
Schon ist die Welt voll Trallala!

Da ist noch was, auch das tut weh,.
das liegt daran, weil ich nichts seh.
Mein Portemonee, das ist so dünn,
ich finde keinen Euro drin..

 

Da rollt was raus.. Da biste ja!
Schon ist die Welt voll Tralla.

Nachts wach ich auf und bin allein,
ich könnte vor Entsetzen schrein.
Ich war doch gestern noch zu zweit!
Kommt jetzt die kalte Einsamkeit?

Da tritt mich was.. Da biste ja!
Schon ist die Welt voll Trallala!

 

 

 

Frieda D.
 
Sie hatte mich zur Untermiete
in Kreuzberg, dritter Stock vorn.
Sie hieß – ob einer das erriete? –
Frieda Demuth, geborene Zorn.
 
Es herrschten Krieg und Frieden.
Sie nölte. Und ich junges Ding
hab keinen Krach vermieden.
Dann griff sie die Schlüssel und ging:
 
„Ick weeß nich, warum ick streite.
Det wird ja nich belohnt.
Ick jeh uff de drübensche Seite,
wo de Freundschaft wohnt.“
 
Das konnte nicht so bleiben
und Frieda machte ins Heim.
Ihr Leben blieb Schnauze-Zeigen.
Da half kein Zucker, kein Leim.
 
Nie mit dem Senat zufrieden,
war sie verschrien als links.
Sie brachte die Alten zum Sieden
und klagte dann allerdings:
 
„Ick weeß nich, warum ick streite.
Det wird ja nich belohnt.
Ick jeh uff de drübensche Seite,
wo de Freundschaft wohnt.“
 
Sie tat es nicht. Im Westen
Berlins war ihr Zuhaus.
Doch ging sie wie bei Festen
gekleidet öfters aus.
 
Am Grab des Mannes saß sie, leise.
Den Toten geht es gut.
Kein Streit um Renten und Preise.
Da fand man Frieda Demuth.
 
„Ick weeß nich, warum ick streite.
Det wird ja nich belohnt.
Ick jeh uff de drübensche Seite,
wo de Freundschaft wohnt.“

 

 

 

Lied eines Mannes

Es ist versext!

 

Geh ich durch die Stadt spazieren,

um die Freiheit mal zu spüren,

kann ich keine Runde drehen,
ohne plötzlich stillzustehen.

 

Denn ich seh in Ladenfenstern

etwas Lockendes gespenstern
und ich wünscht, ich könnt es  lassen,
dass die Hände nach ihm fassen.


Geh ich rein, um es zu kaufen,
schwitz ich, dass die Tränen laufen,
denn was Schönes, kaum bekleidet,
hat den Kauf schon vorbereitet.

Ganz verfahren ist der Karren
greife ich nach den Zigarren,
kann sie aber nicht gebrauchen,
sehn so sexy aus beim Rauchen.

Uns um den Verstand zu bringen,
gibt es Sex in allen Dingen.
Wetten, dass ich noch im Grabe
ein paar Sexspielzeuge habe.

 

 

 

Lied einer Frau 1

Die Frau kann Kinder kriegen,
der Mann bekommt die Welt.

Zum Mond, da kann er fliegen,
für's Schulbuch fehlt das Geld.

Er ist wie ne Trompete

und macht doch nur „tut-tut".
Ja, wenn er's besser täte,
dann wär es gut.

Und macht viel Wind auf Erden,
das nennt er Politik.
Und will was Großes werden,
und wird dann doch bloß dick.

Er ist wie ne Trompete

und macht doch nur „tut-tut".
Ja, wenn er's besser täte,
dann wär es gut.

Und spielt sich auf im Bette,
als wär er Supermann.
So hängt ihm die Plakette
vom TÜV doch endlich an!

Er ist wie ne Trompete

und macht doch nur „tut-tut".
Ja, wenn er's besser täte,
dann wär es gut.

 

 


Lied einer Frau 2

Du sagst mir oft, das muss nicht sein,
so lass es doch mal liegen.
Der Staub geht weg von ganz allein,
im Wind wird er verfliegen,

und ich verfolge ein Gespenst...
Aber sieh, ich hab's halt gern,
wenn‘s wie ein Stern
funkelt und glänzt.

Als unser Kind ein Baby war,
war das mir ein Vergnügen:
Ich cremt es ein, und wunderbar
tat es vor mir dann liegen

Ich denk mir schon, wie du das nennst:
Aber sieh, ich hab’s halt gern,
wenn's wie ein Stern
funkelt und glänzt.

Oft denk ich, lieber Mann,
wozu wir heut noch taugen.
Wir sahen uns beim Lieben an,
da strahlten deine Augen.

Doch wenn du heute schnarchst und pennst,
wünschte ich, du wärst ganz fern,
wo du als Stern
mich nicht mehr kennst.

 

 

 

Lied einer Frau 3

Jeden Abend ziehn wir los.
Kneipe, Kino, Diskothek..
Lärm und Trubel, riesengroß.
Plötzlich aber will ich weg..

Komm, lass uns ne Runde drehn!
Ich möcht mal die Sterne sehn..

Wird mir alles fad und grau,
kuck ich mir was Schönes an,
und beim Schmuck entsteht'n Stau,
weil ich mich nicht sattsehn kann:

Alle schrein „He, weitergehn!"
Aber ich will Sterne sehn.

Haben wir der Liebe Spaß,
läuft's nur so, wie's dir gefällt:
Deinem Auto gibst du Gas!
Und dann wird es abgestellt....

Heute Nacht, da werd ich gehn..
Du sollst dann die Sterne sehn!

 

 


Lied eines Deutschen

Ich verstehe den Franzosen,
auch den Russen, wenn’s sein muss..
Und beim Ami geht’s mit bloßen
„Yes“ recht flott im Redefluss.

Nur das Deutsch versteh ich nicht.

Reden wir dieselbe Sprache?
Sag ich meiner lieben Frau,
dass ich eine Party mache,
wird daraus ne Modenschau.

Nein, das Deutsch versteh ich nicht.

Unser Nachbar bläst Trompete
meisterhaft um Mitternacht.
Sagt er uns: Es ist ne Flöte
und er hätt‘s doch leis gemacht.

Nein, das Deutsch versteh ich nicht.

Hör ich zwei ganz leise flüstern
so, als drehten sie ein Ding:
ist der eine doch bloß lüstern
und der andre will nen Ring.
 
Nein, das Deutsch versteh ich nicht

Sachsen, Bayern und die Friesen,
jeder seine Sprache spricht,
hör ich nen Berliner niesen,
klingt’s wie'n Snsationsbericht.

Nein, das Deutsch versteh ich nicht.

Doch zum Schluss möcht ich betonen:
Deutscher Ost und Deutscher West
sind, als würde man sie klonen.
Leider stell man dabei fest:

Nur ihr Deutsch verstehn sie nicht.

 

 

 

 

Lied eines Philosophen

Und immer wieder wird es Tag
und immer wieder Nacht.
Ob mal was andres kommen mag?
Ich hab bloß leis gelacht.

Sie sagte mir, ich liebe dich,
ein Feuer sei entfacht
und brennt für dich jetzt ewiglich.
Ich hab bloß leis gelacht.

Und ein Computer hat gemobbt,
mich arbeitslos gemacht.
Der Fortschritt wird heut hochgelobt.
Ich hab bloß leis gelacht.

Ich werde alt, das Leben geht,
da hab ich mir gedacht,
dass auf m einem Grabstein steht:
Er hat bloß leis gelacht.

 

 


Lied von der Ehrlichkeit

Ja, hat der Kerl nicht schon genug?
Ist doch längst millionenreich..
Macht noch einen Steuerbetrug
und schwitzt nicht mal und wird nicht bleich..

Bin ich mal  nicht ganz ehrlich,
gleich wird’s gefährlich,
schon kommt die Polizei
auwei!

Ein Banker hatte zig Million‘
als Peanuts in den Sand gesetzt,
Er tritt zurück mit ner Pension
und kriegt nen Orden noch zuletzt..

Bin ich mal nicht ganz ehrlich
gleich wird’s gefährlich,
schon kommt die Polizei,
auwei!

Ist oben wer ein großes Tier,
sind seine Hände tellergroß:
Man füllt sie dort, man füllt sie hier
und lässt sie schließlich nie mehr los.

Bin ich mal nicht ganz ehrlich,
gleich wird’s gefährlich,
schon kommt die Polizei,
auwei!

So krieg ich nie das große Geld
und werd auch nie was erben..
Ich leb dafür wie’s mir gefällt.
Ich pfeif auf‘s Gelderwerben.

Nun seid mal alle ehrlich:
der Reichtum ist entbehrlich,
es geht ja alles mal vorbei.
Juchhei!