Auf die Schippe genommen

 

Sex zum Mitnehmen

 

Seltsames kann mir passieren,

geh ich in der Stadt flanieren.

Wie ein Esel bleib ich stehen,
so als würd ich Geister sehen....

 

Auf Plakaten, in Schaufenstern

lockt ein magisches Gespenstern
und ich wünscht, ich könnt es  lassen,
dass die Hände nach ihm fassen.


Geh ich rein, um es zu kaufen,

schwitz ich, dass die Tränen laufen,
denn was Schönes, kaum bekleidet,
hat den Kauf schon vorbereitet.

Ganz verfahren ist der Karren,
greife ich nach den Zigarren,
kann sie aber nicht gebrauchen,
sehn so sexy aus beim Rauchen.

Uns um den Verstand zu bringen,

gibt es Sex in dummen Dingen.
Wetten, dass in meinem Grabe
ich noch Sexspielzeuge habe...

 

           
Schreck am Abend

Es war am späten Abend,
da bin ich aufgeschreckt.
In alten Schriften grabend,
hab ich mich selbst entdeckt:

Er trägt die Zipfelmütze,
ein freundliches Gesicht.
Er ist der Ordnung Stütze
und sitzt gern zu Gericht.

Er hält sich selbst in Ehren,
scheut da kein Wortgefecht.
Doch will ihn wer belehren,
hört er auf einmal schlecht.

Er träumt von alten Helden,
prüft sich vorm Spiegel nackt:
Er will als einer gelten,
mit Muskeln so bepackt!

Dann tritt er mit dem linken
auf seinen rechten Fuß.
Jetzt muss er sich betrinken,
denn er hat einen Blues.

Bald schwenkt er eine Fahne,
gestärkt von Bier und Wein.
Er ist ja ein Germane,
wie könnt er anders sein.

An diesem späten Abend
war ich doch sehr bewegt
hab mich, mein Schicksal tragend,
sogleich ins Bett gelegt.


Hoffnung

Hoffnung, kleines Entelein,
werde doch ein Schwan!
(Und mein Herz wird rein
und gesund mein Zahn).

Stacheldraht hängt im Museum,
Minen kennt man nur mit e.
In Kasernen laufen rum
Kühe, euterhoch im Klee.

Ich leb mit entblößten Zähnen.
Keiner haut sie dafür ein.
Und statt eisengrauer Tränen
werd ich bunte Reime spein.

Doch ich fürchte, eh’s geschieht,
wird es Herbst noch manches Mal
und manch Ochs von Jäger sieht
Enten nur als Mittagsmahl.
 


Der Gutbürger

Jawohl, ich will Gerechtigkeit!
Doch der ist dumm und der gescheit,
drum bleibt der arm und der wird reich.
Kein Mensch ist einem andern gleich.

Ich werd mich doch   nicht länger quäln,
ich lasse jetzt die andern wähln.
Gelogen wird ja haufenweis,
ich lese nur, was ich schon weiß.

Ich muss mal sagen, wie es ist:
Ein Moslem wäre besser Christ!
Dann bräucht er seinen Vollbart nicht,
und schon wär deutsch auch sein Gesicht.

Ich danke Gott, das ist vorbei:
bei uns gibt es kein Kriegsgeschrei.
Bei andern freilich, gar nicht schön:
da hört man wieder Kriegsgedröhn.

Nicht meine Schuld, kann nichts dafür,
drum Fenster zu und zu die Tür!
Jetzt brüh ich meinen Tee und dann
schau ich mir einen „Tatort“ an.

Und wenn mal Rauch zum Himmel quillt,
da wird beim Nachbarn bloß gegrillt.
So friedlich geht es bei uns zu.
Drum, liebe Welt, lass mich in Ruh.

 

 

 

Sonntags und allein

In meinem Hirn ist nur noch Stille
und auch mein Herzschlag viel zu leis.
Ich neide jedem seine Grille
und jedem Sportler seinen Schweiß.

Auf einmal fühl ich, dass was wächst.
Von ferne nähert sich ein Lärm.
Ich schreibe los, auch wenn es ächzt.
Ist‘s das Gehirn? Ist’s das Gedärm?

Es war und ist und bleibt auch so:
Wir sind uns dann am nächsten,
sind wir allein als wär's im Klo,
dann sind wir am gesprächsten.

 



Was man nicht alles für die Geliebte tut

Damit es dich entzücke
(ich komm nicht drum herum),
klau ich dem Himmel Stücke
aus seinem Eigentum.

Und all das Funkelbare
häng ich an deine Zehn
und auch in deine Haare
als Feuerwerk. Wie schön!

Vom Wald die größten Eichen,
die rupf ich zum Bukett
und werde sie dir reichen
beim Frühstück an dein Bett.

Den Föhn drück ich zu Falten,
mach dir daraus ein Kleid,
du sollst doch nicht erkalten
in dieser kalten Zeit!

Und weinst du nachts, da renne
ich los und mache Licht,
damit ich rasch erkenne,
wo dich der Hafer sticht.



Männerleiden
 
Ein Wort zur Liebe...
Man schiebe
hinweg was sentimental,
sodann wird konstatiert:
Das ist nicht neu, das ist banal,
was einem so passiert.

Vom Herzschlag
befeuert,
glaubt man, der Tag
wird durchgefeiert...

Mit Blumen, ganz tiefroten,
begrüßt man sie
und schaut sie an
zum Steinerweichen.
Was sagt die Schönste der Despoten?
Dass sie nichts ändern kann!
Man wird doch nie
dem Traummann gleichen..

Drum wechselt rasch die Straßenseite,
kommt eine Venus auf euch zu.
Erinnert euch der alten Pleite,
kauft lieber euch ein Herz-Tattoo...

Und spät am Abend legt
euch hin, trinkt Bier gekühlt,
bis ihr, von eignem Leid bewegt,
die Tränen kommen fühlt.



Der letzte Witz

Ist das an deinen Wimpern
ein Tropfen Nitroglyzerin?
Jetzt bloß nicht damit klimpern,
sonst sind wir beide hin!
 
Wie man so sagt... Das Glück ging baden.
Wer denkt denn schon daran,
dass auch an einem seidnen Faden
ein Himmel hängen kann.

Ein Schluck noch aus dem Glase ...
Und lach doch mal! Ein Witz war das..
Denn was da rinnt an deiner Nase,
ist Wasser nur und macht bloß nass.

 


Die Dame auf dem spitzen Dach

Die Dame auf dem spitzen Dach,
sie grüßt mit einem Knicks
die Leute, die da unten stehn
und mit erschrocknem Oh und Ach
und mancher mit versoffnem Hicks
nach oben, nur nach oben sehn.

Die Dame geht dort auf und ab
sie wartet, wartet, nicht's geschieht,
dann ruht sie sich am Schornstein aus.
Nur kurze Zeit, und das Geklapp
beginnt erneut. Herrjeh, wann zieht,
sie endlich weg, denkt man im Haus.

Auch wenn es noch von oben schallt,
bald kümmert's keinen Menschen mehr.
Die Dame auf dem spitzen Dach
erwartet was und wird schon alt.
Noch immer geht sie hin und her
und langsam wird das Spitzdach flach.

 

 

Schlaflied eines Vaters

Schließ die Äuglein, schließ.
Lies dein Träumlein, lies.

Autos ohne Räder
sind wie müde Väter.

ABC und bunte Worte,
Gras und Schnee, ne Sahnetorte.

Lauter kleine Kurzgeschichten ...
Pennt es schon? Nee, mitnichten.

Will, dass ich ihm erst erkläre,
was es wär, wenn es nicht wäre.

Also sag ich: Liebes Kind,
du bist du, weil wir wir sind.

Großes Schweigen. Stummes Staunen.
Und dann steckt es seinen Daumen

in den Mund, dreht sich zu Seit'...
Himmel, ist das Kind gescheit!

 

 

 

Unter Rosen und Narzissen

 

Unter Rosen und Narzissen

hat ein kleiner Hund geschlafen.

Und ich holte ihm ein Kissen,

als mich seine Eltern trafen.

 

Dann hab ich's gelassen..

 

 

 

Gspräch mit guten Bekannten
 
Die Ohren öffne, weite
die Augen auch! Ganz dicht
rührn sich an deiner Seite
Gestalten, jede spricht.

Der Tisch brummt vor Vergnügen:
„Endlich ein Mannsgespräch!
Kein Süßholz! Keine Lügen!
Hör mal, ich sag es frech:

'ne Tür kennt keine Treue,
weil sie nie still stehn kann.
Auch unsre nagelneue
lässt jeden an sich ran!“

Die Tür dreht ihre Hüften
und quietscht: "Verdammter Bock!
Ich brauch nur mal zu lüften
den blanklackierten Rock,

schon knarrst du zum Erbarmen,
wirst weich wie Apfelmus.
Du willst mich heiß umarmen?
Komm endlich her und tu's!“

Den Sessel hält‘s nicht länger,
er strengt sich an, doch steht er fest,
er wölbt sich wie ein Sänger,
der seinen Bass ertönen lässt:

„Wie dumm ihr seid! Das Lieben
geht nur auf Polstern weich.
Bei mir könnt ihr es üben,
kommt her, ich zeig es euch!“

Und alles lacht. Ganz leise
bin ich ins Bett geflutscht,
wo mir auf Babyweise
ein Buch die Daumen lutscht.
 

 


Finito
 
In langer Wanderzeit
die Schuhe abgetreten,
und zu gescheit,
um neue zu erbeten …
 
Noch nicht am Ziel?
Ach nitschewo!
Dir hängt die Welt schon viel
zu lang am Po.
 
Und lobe dich und preise:
Bei all dem Hundeschiet
hast du dich klugerweise
vor gar nichts hingekniet.