Die letzten Tage des Kommissars  Shop 

68 - Es gab nicht nur Demos  Shop 

Die Stadt, ein Bauhelm und der Atomdoktor   Shop

 

Verse auf der Kachelwand

 

                          Schreck am Abend und so weiter....

      

    Schreck am Abend

Es war am späten Abend,
da bin ich aufgeschreckt.
In alten Schriften grabend,
hab ich mich selbst entdeckt:

Er trägt die Zipfelmütze,
ein  freundliches Gesicht
und ist zu allem nütze
aus Tradition und Pflicht.

Doch sollte man auch lachen,
weil er voll Streiche ist:
Er macht ganz gute Sachen
und zwischendurch viel Mist.

Im Osten und im Westen,
sucht er den Lebenssinn,
um jeden mal zu testen
auf seinen Höchstgewinn.
    
Er liebt es, sich zu sehen,
und steht vorm Spiegel nackt:
Wie könnt er herrlich gehen
mit Muskeln so bepackt!

Dann tritt er mit dem linken
auf seinen rechten Fuß.
Jetzt muss er einen trinken,

denn er hat einen Blues.

Bald schwenkt er eine Fahne,
im Dunst aus Bier und Wein.
Er ist ja ein Germane,
wie sollt er anders sein.


An diesem späten Abend
war ich doch sehr bewegt
und hab, mein Schicksal tragend,
zum Schlaf mich hingelegt
.

 

 

         Hoffnung

Hoffnung, kleines Entelein,
werde doch ein Schwan!
(Und mein Herz wird rein
und gesund mein Zahn).

Stacheldraht hängt im Museum,
Minen kennt man nur mit e.
In Kasernen laufen rum
Kühe, euterhoch im Klee.

Ich leb mit entblößten Zähnen.
Keiner haut sie dafür ein.
Und statt eisengrauer Tränen
werd ich bunte Reime spein.

Doch ich fürchte, eh’s geschieht,
wird es Herbst noch manches Mal
und manch Ochs von Jäger sieht
Enten nur als Mittagsmahl.

 

 

               Der Feind

 

Nachts marschiert in Sturmkolonnen
er im Traum mit der SS,
in den Hals kommt Blut geronnen
und es schmeckt wie Leckeres.
Trommelwirbel in den Rippen
ruft zum letzten Kampfe auf,
schwer wie Blei sind seine Lippen
und sein Mund: Pistolenlauf.

 

Doch wie brav sieht man ihn schlucken,
was man täglich ihm serviert,
um es abends ausspucken.
Als sein Blick zum Spiegel führt,
da verstummen die Fanfaren,

und er sieht den eignen Feind,

und er weiß, mit dem Barbaren

bleibt er lebenslang vereint.

 

 

 

              Der Gutbürger

Klar bin ich für Gerechtigkeit...
Doch der ist dumm und der gescheit,
drum bleibt der arm und der wird reich.
Kein Mensch ist einem andern gleich.

 

Ich werde mich nicht länger quäln
und lasse jetzt die andern wähln.
Gelogen wird ja haufenweis,
ich lese nur, was ich schon weiß.

 

Ich muss mal sagen, wie es ist:
Ein Moslem wäre besser Christ!
Dann bräucht er seinen Vollbart nicht,
und schon wär deutsch auch sein Gesicht.

Ich danke Gott, das ist vorbei,
bei uns gibt es kein Kriegsgeschrei.
Und darum ist das wenig schön,
man hört von fern schon Kriegsgedröhn.

Nicht meine Schuld, kann nichts dafür,
drum Fenster zu und zu die Tür!
Jetzt brüh ich meinen Tee und dann
schau ich mir einen „Tatort“ an.

Und wenn mal Rauch zum Himmel quillt,,
dann hat bloß einer falsch gegrillt.
So friedlich geht es bei uns zu.
Drum, liebe Welt, lass mich in Ruh.

 

         

            Der Fremde

Geh leise durch das Heimatland,
sie dürfen dich nicht sehn.
Du gehst mit einem Hand in Hand,
dem sie schon Stricke drehn.

Er hat die Augen ganz wie sie,
die Nase und den Mund,
und stößt er sich einmal das Knie,
so wird's wie ihres wund.

Ich seh da keinen Unterschied,
wir sind mit ihm verwandt.
Wenn einer etwas andres sieht,
hat er sich nicht erkannt

 

  

  Die Strophe der neuen Helden

 

„Deutschland über alles..“
Das klingt fast liebestoll
und hat so etwas Dralles,
das man umarmen soll.

Ich kann nicht miteinstimmen,
ich weiß auch schon warum.
Wo die Berauschten singen,
da bleib ich lieber stumm.

 

Es sind die neuen Helden
mit ihrem Kriegsgesang.
Die alten, sie erzählten
umsonst vom Untergang.

 

Aus Mündern wie aus Schloten

steigt's auf im ganzen Land,

es werden all die Toten
zum zweiten Mal verbrannt.

 

 

    Deutsches Erbe

Was sie uns hinterließen
als Erbe sozusagen,
sind keine Blumenwiesen
und keine Heldentaten.

Will ich das Erbe nennen,
kann ich nur mühsam sprechen,
doch will ich laut bekennen
ein Wort zu den Verbrechen:

Lebendig sind die Toten!
Sie haben uns verpflichtet
zu helfen den Bedrohten
und jedem, der da flüchtet.

 

  

             Der Mond

Die Nacht ist eines Magiers Mantel,
mit Flitter dekoriert.
Der Mond ist eine süße Mandel,
die ins Vergessen führt.

 

Zu träge, um sich aufzurichten,
träumt sich das Land weit fort,
und aus vergangenen Geschichten
steigt eine alte, Wort für Wort.


Die Nacht ist ein Soldatenmantel,
der Rand ist rot vom Blut.
Zur Drohne ist der Mond verwandelt
und stürzt, als alles ruht.

 

 

    Um Mitternacht und so weiter ...

 

                                                        Um Mitternacht (1)

 

Könnt er die Nacht doch transformiern
zur Wand.. Mit einem Kreidestrich
würd er darauf Gedanken schmiern,
dann hätt er Ruhe, denkt er sich.

Breitbeinig in den Sternen stehn,
ein Gott aus eigner Hand,
das ist der Mensch – und will nicht sehn:
sein Fundament ist Sand.

Er war erwählt, beglückt zu sein,
ein Liebling der Natur.
Er wurde sich und ihr zur Pein -
jetzt löscht sie seine Spur.

Und niemand weiß, wohin er ging...
Der Erde ist's egal
und wählt sich einen Schmetterling
zum neuen Prinzipal

Er hat das Fenster aufgemacht,
ihn streift ein kühler Hauch.
Er wünscht den Sternen gute Nacht
und seinem Nachbarn auch.

 

      Zu Gast bei ihr

„Die Zukunft, sie soll leben!“
rief ich und hob das Glas.
Sie lachte bloß: „Vonwegen!“
Und dann entfuhr ihr das:

„Gelobt sei mir das Gestern.
Wie schön war da die Welt.
Vergangenes zu lästern,
nur leicht dem Träumer fällt!“

Nahm sie mich auf die Schippe?
Ich war erst einmal stumm,
doch dann mit kesser Lippe:
„Nun hör mal, sei nicht dumm!

Es kommt die wundervolle
Befreiung von der Zeit.
Und aus ist's mit der Rolle
des Tods: Vergänglichkeit.

Zwar machen manche Zeilen
mit ihrer Lyrik bang:
Wir sollten still verweilen
beim Sonnenuntergang.

Nur der verstünd zu leben,
der's Abendrot beschaut.
Die Lippen sollen beben,
und frösteln seine Haut...

Wir nicht! Wir beide holen
ein Sci-Fi-Buch heran
und gehn auf Augensohlen
der Morgensonn voran.“

„Sag mal, bist du besoffen?“,
rief sie. „Jetzt ist's genug!“
Nur eins sei zu erhoffen:
„Werd endlich alt und klug!“

Dann griff sie nach dem Smartphone
und schoss ein Bild von mir.
Und murmelte: „Ich seh schon...
Vergangenes sitzt hier.“

 

 

            Nach Mitternacht

Das Dunkel ist wie schwarze Seide -
doch dann gefriert's und wird zur Wand,
und darauf schreibt mit einer Kreide
die reimentzückte, heiße Hand.

 
Am Fenster schlägt sich Feuchte nieder,
die Nacht, in grauer Joggingtracht,
sie läuft zur andren Welt hinüber.
Für wen hat sie da Platz gemacht?

Ein Silberdeckel wird gehoben
von dunkelblauem Sarkophag.
Noch bleich von seinen Träumedrogen
steigt still heraus der junge Tag.

 

In Weltraumfrost gebunden,
ist meine Schrift jetzt weggetaut,
und was ich heute Nacht empfunden,
war nur ein Hauch auf meiner Haut.


Mach auf den Gürtel! Lös die Leine!
Zum jungen Tag sag ich kokett:
"Komm doch herein... Ich bin alleine,
gehn wir zusammen jetzt ins Bett."

 

 

         

             Das Streichholz

Das wird ein Mensch wie ich und du
nicht noch einmal erleben:
Geträumtes kommt da auf uns zu,
es ist ein großes Beben.

Ein Streichholz, das die Zukunft reibt,
sind wir: nur eine Flamme.
Doch was ihr Licht ins Dunkel schreibt,
sind neuer Welt Programme.

 

 

        Fort-Schritt

Da hat wer – nenn ihn: Gott –
den Menschen konstruiert.
Das schuf dann was aus Schrott
und Gott ward liquidiert.

Jedoch – das ist zum Schrein –
der Schrott, als Mensch kreiert,
begann sich zu befrein
und hat den Menschen abserviert.

Der Schrott baut sein Genie
in jeden Kieselstein.
Der Dummkopf! Er wird nie
mehr frei und mächtig sein.

Am Schluss beherrscht die Welt
mit einem Gottverstand,
was durch die Finger fällt:
der Sand, der Sand, der Sand.

 

 

            Das  Ende

Die Haut hat er sich aufgeschlitzt,
er will noch etwas spüren,
und mit dem Blut, das aus ihm spritzt,
will er die Welt berühren...

Er ahnt, dass seine Nacht anbricht
es dunkeln die Gestirne,
verschattet vom vernetzten Licht
der künstlichen Gehirne.

Was einst gehorchte, das bestimmt
nun eigene Gesetze.
Doch seine Glut noch immer glimmt
im Glanz geraubter Schätze.

 

                Mag sein..

Mag sein, dass wir nur Träume sind,
in fernem Schlaf geträumt...
Vielleicht auch, dass ein Wind
uns hoch zu Sternen bäumt..

Mag sein, wir haben längst gelebt,
noch eh wir dran gedacht,
und wie das Licht ins Dunkel strebt,
vergehn wir in die Nacht.

Verlange nicht, es zu verstehn,
und frag nicht, was du kannst.
Lass dich von deinem Leben drehn,
bis du, ein Derwisch, tanzt.

 

 

     Um Mitternacht (2)

 

In dieser dunklen Stunde
wird fremd mir jedes Wort,
es geht aus meinem Munde
ganz einfach fort..

Die Sonne, Erde, Elektron,
die drehn sich in den Versen,
es ist die Rotation
von Staub und Universen.

Der letzte Mensch, bevor
der Zukunft erster aufersteht,
er liegt mit einem Ohr
im Dreck, das andre hochgedreht.

Und Fernen funken fremden Sinn,
sein Kopf wird Webmaschine
und pocht und sticht: ein Gobelin.
Der Kosmos lacht: Gardine.

Punkt Zwölf. Vom Rundfunk Phrasen.
Ein Tag beginnt, eine neuer.
Reformen abgeblasen.
Sie kommen uns zu teuer.

 

 

       Liebe und so weiter ...

 

       Ende einer Liebe

Seht, die Stadt reckt ihre
Glieder und sie seufzt entzückt,
weil man ihr schon früh um viere
Dröhnung in die Adern drückt!

„Müssten wir nicht endlich gehen?“
fragt Laterne eine Bank.
Und sie stolpert in ein Drehen
und verstaucht sich –  Gott sei Dank.

Eine rote Ampelscheibe
fällt herab als Rosenblatt,
sucht im Mann sich eine Bleibe,
der sein Herz verloren hat.

Tat nach einer andren schielen,
hatte sich nen Spaß gemacht.
Sagte ihr, es war nur Spielen..
Na, dann hat es halt gekracht.

Starrt auf seine nackten Beine,
steht verlorn vor seinem Bett.
Lächelt dann... Warf sie doch seine
gelben Rosen ins Klosett!

 

 

       Das verdrehte Ding

 

Welcher Schelm hat das verdrehte
Ding sich ausgedacht!
Aufgeschreckt, wie in Stampede,
stürzen Sterne
durch die Nacht
beim berühmte Kitzelspiel,
wo man unter Schmerzen lacht.
Ja, ich wäre wirklich gerne

zu nem Baum gemacht,

in den Adern Chlorophyll,

stünde einfach da ganz still.

 

Auch genehm der ewge Frieden:
dass mich keusche Engel holen,
ihre blütenzarten Finger
sind ein Windhauch allenfalls.
Doch des Frühlings leises Sieden
und zwei Augen schwarz wie Kohlen
sind gewaltige Bezwinger.
Und ich liebe, liebe abermals …

 

Als ich ihr entzückt erkläre,
dass sie meine Liebste wäre,
murmelt sie: „Schon Koks geschnupft?“
Und ich küsse ihr das Pfötchen
und ich fühl mich wie das Brötchen,
das beim Frühstück sie zerrupft.


Klüger wär's, davonzulaufen,
besser noch ne Weltraumfahrt,
reiß an Gottes langem Bart,
will mich mit ihm raufen.

 

Fall stattdessen auf die Knie,

bin erschöpft, und bitte sie:

 

„Schatz, gewähr mir Straferlass!

Was soll's sonst bedeuten?

Oder ist's nur Jägerspaß,

Lust, was zu erbeuten?

Sich mal beißen, sich mal küssen,

sind wir so gebaut?

Wollen wir das Rätsel lösen,

ja, ich denk, dann müssen

wir viel mehr entblößen

als nur unsre Haut.

Und wir finden einen schlaffen,

leiderprobten Sado-Affen...

 

Möchte dich zum Abschied fragen

(in der Seele grollt's):

Musstest du die Liebe schlagen

an ein Kreuz aus Stolz?

 

 

        Bloß ein Spaß

Ist das an deinen Wimpern
ein Tropfen Nitroglyzerin?
Bloß nicht damit klimpern,
sonst sind wir beide hin!
 
Wie man so sagt: Das Glück ging baden.
Wer denkt denn schon daran,
dass an einem seidnen Faden
auch ein Himmel hängen kann.

Ein letzter Schluck aus unserm Glase ...
Und lachen wir, ein Witz war das!
Denn was da rinnt lang deiner Nase,
ist Wasser nur und macht bloß nass.

 

 

Und doch welch Glück geliebt zu werden!
Und lieben, Götter, welch ein Glück!.
                                                        Goethe

Du willst, dass ich dir schreibe
vom Glück, das Goethe pries?
Da steht's auf meinem Leibe,
mit deinen Lippen, lies!

Auf dir steht's auch geschrieben..
und zwar als ein Gedicht.
Lass mich die Verse üben,
bis meine Zunge bricht.

Und wie sie uns entflammen,

die Worte - bis wir ruhn.

Wir warn im Glück zusammen

und wollen's wieder tun.

 

 

 

Das Leben in den Dingen

Das Leben in den Dingen
trotzt deiner Einsamkeit!
Sie reden oder singen,
sei du zu hörn bereit.
All deine Sinne weite
(doch dimm herab das Licht),
da ist dir was zur Seite,
das regt sich und das spricht.

Der Tisch brummt vor Vergnügen:
„Das wird ein Mannsgespräch!
Und kein Gesülz, kein Lügen.
Ich sag's holzhart und frech:
Die Tür ist ohne Treue,
bereit für jedermann.
Sie ächzt: Wann kommt der Neue?
Sie wackelt schon, schau an!“

Die Tür dreht ihre Hüften
und quietscht: „Verdammter Bock!
Ich brauch nur mal zu lüften
den blank lackierten Rock,
schon knarrst du zum Erbarmen,
wirst weich wie Apfelmus.
Du willst mich heiß umarmen?
Komm endlich her und tu's!“

Das Sofa hält‘s nicht länger
es rüttelt sich, doch steht es fest,
es bläht sich auf, ein Sänger,
der seinen Bass ertönen lässt:
„Dummköpfe ihr! Das Lieben
geht nur auf Polstern weich.
Wollt ihr‘s bei mir mal üben?
Ich zeig es gerne euch!“

Man lacht, und ich bin sachte
vom Stuhl ins Bett geflutscht.
Nach einem Buch ich schmachte,
das meinen Daumen lutscht.

 

            Sex-to-go

Manchmal beim Spazierengehen
bleib ich wie genagelt stehen.
Irgendwas tut da gespenstern
auf Plakaten, in Schaufenstern...

Schau ich nur und will verschnaufen,
tät ich besser, wegzulaufen.
Durch was Schönes, kaum bekleidet,
werde ich wohin geleitet...

Das verfluchte  Animieren,
das Verwirren, das Verführen..
Kann die Finger nicht von lassen,
muss mal hier, mal dorthin fassen.

Dass man mich zum Kaufen zwinge,
sind heut sexy alle Dinge,
und ich wette, dass im Grabe
ich ein tolles Sextoy habe.

 

     

         Lied und Leid einer Frau

 

Die Frau kann Kinder kriegen,
der Mann, der kriegt das Geld.
Er sagt, er sei zum Siegen,
zum Kampfe aufgestellt.

Wenn er doch bloß verräte,
was er da tut.
Ja, wenn er's anders täte,
dann wär's gut.

 

Er hält sich fürn Experten

in Sachen Politik,

er will was Großes werden,
und wird dann doch nur dick.

Wenn er doch bloß verräte,
was er da tut.
Ja wenn er's klüger täte,
dann wär's gut.

Und spielt sich auf im Bette,
als wär er Supermann.
Gebt ihm die TÜV-Plakette,
für das, was er da kann!

Wenn er doch bloß verräte,
was er da tut.
Ja, wenn er's besser täte,
dann wär's gut.

 

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