Prämiert mit dem Brandenburgischen Literaturpreis 2010

Vergriffen

 

Verse auf der Kachelwand

 

 

           Um Mitternacht
 
Er träumt, die Nacht zu transformiern
zur Kachelwand.. Mit Kreidestrich
könnt er die Verse darauf schmiern,
dann hätt er Ruhe, denkt er sich.

Breitbeinig in den Sternen stehn,
ein Gott aus eigner Hand,
so will der Mensch sich gerne sehn -
und setzt die Welt in Brand.

Er war erwählt, beglückt zu sein,
ein Liebling der Natur.
Er wurde sich und ihr zur Pein -
jetzt löscht sie seine Spur.

 

Vom Baum gesprungen, mond-
beschienen aufgewacht,
hat er, was er bewohnt,
im Größenwahn kaputtgemacht.

Nun ist er fort. Wohin er ging -
der Erde ist's egal
und wählt sich einen Schmetterling
zum neuen Prinzipal.


Er hat das Fenster aufgemacht,
ihn streift ein kühler Hauch.
Er wünscht den Sternen gute Nacht,
dem kranken Nachbarn auch.

 

 

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