Verse auf der Kachelwand 2

Nur Mut!

 

         Statt Tränen

Statt Tränen
Training der Gedanken.
Den tragischen Schwänen
Angelhaken in die Flanken!

Die Erde klafft,
und aus den Spalten steigen
neue Welten, glasgebrand.
Die Sterne schwelln vor Saft
und in des Urknalls Zweigen
pflückt heiter meine Hand.

Und Wurzeln schlägt
mein Hirn im Nichts.
Bald trägt
es Spuren des Gesichts,
das jene Macht besitzt,
die göttlich heißt,
bis es, von Lust erhitzt,
sich selbst verspeist.

Dann tausch ich alle Rosen
ein für die Windkraftglut,
die in den feuerlosen
Zugvögelfedern ruht...

 

 

Auf ein Neues

Nach der Versenkung

in die Verdunklung

folgt das Gebot:
Es werde Licht!
Und nach dem Brot
der Trauer
das Gericht
ekstatischer Schauer.

 

Aus Angst wird Stolz
nach dem Gelingen.
Es schmolz
das Härteste zu Geigen
und lässt die Saiten klingen.
Aus Mündern steigen
gehauchte Schmetterlinge.
Aufglänzt
die  Klinge
der Schöpferkraft,
durchbricht, was grenzt:
die Einzelhaft.

Zigtausend Jahre:
den Knoten
erledigt
ein Streich.
Und digitale Boten
verteilen klare
synthetische Ware
anstatt der Predigt
vom Himmelreich.

Ich dank dir, Leben, dass ich
den Aufschwung
mitschwing!
Was immer kommt, das fass ich,

es wird zu meiner Beute:
Ich spür den Sprung
in jeglichem Ding,
den Aufbruch der Freude.

 

 

                                                             Nur Mut!

 

Gehirne baun wir in Metalle

mit unserem Befehl,
die Arbeit zu verrichten.
Wir lösen unsres Körpers Kralle

und sind fidel,
als wär's ein Ankerlichten.

Wir haun den Schuhabsatz
in die Raketenpferde

und unsre Jägerhatz
scheucht auf die Sternenherde.

 

Die Ahnen krochen
durch Sand und Moos.
Und dann erzwang

ein neuer Gang
den Fortschritt der Stühle.

Wir haben sie zerbrochen

und treiben schwerelos

im Fluss der Moleküle.

.
Die Zukunft zählt.
Nur Mut!
Wer sich mit Ängsten quält,
den trifft es schlimmer
als einen Schwimmer
in Mantel und Hut.

 

 

       Revolution

Und jeden Tag Revolution...
Normal wie Zähneputzen.
Und nachts dann Sterne mit dem Phone
a1s Zielscheibe zu nutzen..

Und schießen wir daneben,
so sind wir doch vergnügt.
Der Schuss wird von uns reden,
weil er unendlich fliegt.

 

 

Wir leben auf ganz neue Art

Wir leben auf ganz neue Art
und nennen unsre Mythen,
was aus den Gräbern kroch.
Doch lastet auf der Gegenwart
die Asche vom Verglühten:
Es lebt das Alte noch.

Die Fratze hängt der ferne Krieg
grell in den Fernsehschirm.
Im Rausch, der uns zu Kopfe stieg,
döst dumpf davor das Hirn.

Der Abend spritzt sein letztes Blut
und Laserlicht zersprengt die Nacht.
Der Himmel, wie ein alter Hut,
voll Motten ist er und verflacht.

Es zittert noch die Menschenhaut,
hat Durst nach Zärtlichkeit.
Ich liebe, was so traurig schaut,
und bin die Trauer leid.

Im Zwielicht ist die Welt zu sehn,
verschwommen unsre Sicht.
Maschinen pruduziern Ideen
und der Computer spricht:

Ihr lebt zwar auf ganz neue Art.
und nennt verächtlich Mythen,
was aus den Gräbern kroch.
Doch könnt ihr eure Gegenwart
vor einer Last nicht hüten:
Es lebt das Alte noch.   

                                   

 

         Zu Gast bei ihr

„Die  Zukunft soll leben!“
rief ich und hob das Glas.
Sie lachte bloß: „Vonwegen!“
Und dann entfuhr ihr das:

„Gelobt sei mir das Gestern.
Wie schön war da die Welt.
Vergangenes zu lästern,
nur leicht dem Träumer fällt!“

Nahm sie mich auf die Schippe?
Ich war erst einmal stumm,
doch dann mit kesser Lippe:
„Nun hör mal, sei nicht dumm!

Es kommt die wundervolle
Befreiung von der Zeit.
Aus ist es mit der Rolle
des Tods: Vergänglichkeit.

Zwar machen manche Zeilen
der alten Dichter bang:
Wir sollten still verweilen
beim Sonnenuntergang.

Nur der verstünd das Leben,
der's Abendrot beschaut.
Die Lippen sollen beben,
und frösteln seine Haut...

Wir nicht! Wir beide holen
ein Sci-Fi-Buch heran
und gehn auf Augensohlen
der Morgensonn voran.“

„Sag mal, bist du besoffen?“,
rief sie. „Jetzt ist's genug!“
Nur eines sei zu hoffen:
„Werd endlich Mann und klug!“

Dann griff sie nach dem Smartphone
und schoss ein Bild von mir.
Und murmelte: „Nun geh schon...
Vergangenes ist hier...“

 

 

Astronautenkummer

Meine jüngsten Siege strafen
mich mit Ungeduld.
Ich will die Sonne beschlafen,
des Himmels letzte Unschuld.
Scheidemünzen
der Frauenliebe
fetzen die Taschen
zum Loch.
Von al1en Wünschen
bliebe
noch:
die Sonne zu naschen.

In die Fruht zu beißen,
den Kern aus dem Fleisch zu stoßen,
Flammen zerreißen
wie hauchdünne Hosen...

Ich würd mich verkaufen,
würd mich verschleudern sogar
für ein bisschen Raufen
im atomesprühenden Haar.

Ich werd der Erste sein, ich schwör's,
der auf der Sonne liegt,
der irdischen Geschlechtverkehrs
Geflatter weit überfliegt.