Verse auf der Kachelwand 2

Nur Mut!

 

         Statt Tränen

Statt Tränen
Training der Gedanken.
Den tragischen Schwänen
Haken in die Flanken!

Die Erde klafft,
und aus der Tiefe steigen
die Träume auf ins Land.
Die Sterne schwelln vor Saft
und tropfen aus den Zweigen
der Nacht auf meine Hand.

Und Wurzeln schlägt
mein Hirn im Nichts.
Bald trägt
es Spuren des Gesichts,
das jene Macht besitzt,
die göttlich heißt,
bis es, von Schöpfungslust zerschlitzt,
sich selbst verspeist.

Dann tausch ich alle Rosen
ein für die Windkraftglut,
die in den feuerlosen
Zugvögelfedern ruht...

 

 

Auf ein Neues

Nach schwarzer Verzweiflung
das leuchtende Rot
der Zuversicht.
Nach nassem Brot
der Trauer
das Linsengericht
ekstatischer Schauer.

Jeder Stein, jedes Stück Holz
will singen.
Jemand schmolz
Granit zu Geigen
und Sinfonien erklingen.
Aus Schläfen steigen
Schmetterlinge.
Es leuchtet
die  Klinge
rebellischer Kraft
in Nerven, befeuchtet
von visionärem Saft.

Zigtausend Jahre:
den Knoten
erledigt
ein Streich.
Milionen Messias-Boten
setzen klare
synthetische Ware
gegen die Predigt
vom Himmelreich.

Dank dir, Leben, dass ich
den Aufschwung
mitschwing!
Was kommt, das lass ich,

werd gern ihm zur Beute:
Ich spüre den Sprung
in jeglichem Ding,
den Aufbruch der Freude.

 

 

Kein Lied mehr

Kein Lied mehr, nein,
kein Lied mehr:
kreuz und quer
kracht was ein,

wird zum Müll gepackt,
drauf „veraltet“ steht.
Das Gebet
gleichfalls abgewrackt.

Die Menschheit fetzt ihren Kittel
ihren Flor
der Ängste mit spitzem Mittel:
schwarzem Humor.

Während Raketen die Nacht anbohren,
die Flut der Flüge anschwillt,
knirscht in unseren Ohren
der Bruch vom trauten Menschenbild.

Zufrieden heben
wir unsre Lider und blinzeln uns zu:
Vielleicht wird's immer Menschen geben,
doch nie mehr solche wie ich und du.

 

 

                                                             Nur Mut!

 

Gehirne baun wir in Metalle,

sie haben den Befehl,
den Alltag zu verrichten.
Wir lösen unsres Körpers Kralle.

Die Weite ruft, wir sind fidel,
als wär's ein Ankerlichten.

 

Der Weltraum ist der Platz,

uns aufzustellen.

Wie Wölfe sich in Rauflust bellen,

so machen wir Rabatz.

Wir haun den Schuhabsatz
in die Raketenpferde.

und unsre Jägerhatz
scheucht auf die Sternenherde.

 

Die Ahnen krochen
noch durch das Moos.
Und dann erzwang

ihr lahmer Gang
den Fortschritt der Stühle.

Wir haben sie zerbrochen

und treiben schwerelos

im Meer der Moleküle.

.
Die Zukunft zählt.
Nur Mut!
Wer sich mit Ängsten quält,
den trifft es schlimmer
als einen Schwimmer
in Mantel und Hut.

 

 

Das Wort zum Sonntag

Wehmut, fotogenes Leid. . .
Das Herz der Toten
ist zum Weiterhämmern bereit
nur in respektlosen Pfoten.

Revolution
sei die Regel. Wie Zähneputzen.
Wer vor uns wusste denn schon
den Mond a1s Zielscheibe zu nutzen?

 

Wir leben auf ganz neue Art

Wir leben auf ganz neue Art
und nennen unsre Mythen,
was aus den Gräbern kroch.
Doch lastet auf der Gegenwart
die Asche vom Verglühten:
Es lebt das Alte noch.

Die Fratze hängt der ferne Krieg
grell in den Fernsehschirm.
Im Rausch, der uns zu Kopfe stieg,
döst dumpf davor das Hirn.

Der Abend spritzt sein letztes Blut
und Laserlicht zersprengt die Nacht.
Der Himmel, wie ein alter Hut,
voll Motten ist er und verflacht.

Es zittert noch die Menschenhaut,
hat Durst nach Zärtlichkeit.
Ich liebe, was so traurig schaut,
und bin die Trauer leid.

Im Zwielicht ist die Welt zu sehn,
verschwommen unsre Sicht.
Maschinen pruduziern Ideen
und der Computer spricht:

Ihr lebt zwar auf ganz neue Art.
und nennt verächtlich Mythen,
was aus den Gräbern kroch.
Doch könnt ihr eure Gegenwart
vor einer Last nicht hüten:
Es lebt das Alte noch.   

                                   

 

Astronautenkummer

Meine jüngsten Siege strafen
mich mit Ungeduld.
Ich will die Sonne beschlafen,
des Himmels letzte Unschuld.
Scheidemünzen
der Frauenliebe
fetzen die Taschen
zum Loch.
Von al1en Wünschen
bliebe
noch:
die Sonne zu naschen.

In die Fruht zu beißen,
den Kern aus dem Fleisch zu stoßen,
Flammen zerreißen
wie hauchdünne Hosen...

Ich würd mich verkaufen,
würd mich verschleudern sogar
für ein bisschen Raufen
im atomesprühenden Haar.

Ich werd der Erste sein, ich schwör's,
der auf der Sonne liegt,
der irdischen Geschlechtverkehrs
Geflatter weit überfliegt.