Für die  „Verse auf der Kachelwand“ gab es 2010 den Brandenburgischen Literaturpreis.

Liebe

 

Dass ich mich beschwere:

Wer hat das verquere

Ding sich ausgedacht?

Wie in Panik stürmen Sterne

durch die Nacht
beim bekannten Kitzelspiel,
wo man unter Schmerzen lacht.

Im Vertraun.. Ich hätt es gerne,
dass man mich zum Baume macht.
In den Adern Chlorophyll
stünd ich einsam, aber still.

 

Lieber noch den ewgen Frieden..
Keusche Engel! Kommt mich holen!
Eure blütenzarten Finger
sind ein Windhauch allenfalls.

Doch des Frühlings leises Sieden
und zwei Augen schwarz wie Kohlen
sind gewaltige Bezwinger.
Und ich liebe, liebe abermals …
 
Als ich ihr erkläre,
dass sie meine Liebste wäre,
sagt sie: „Wieder Koks geschnupft?“

Darauf küss ich ihr das Pfötchen
und ich wünscht, ich wär das Brötchen,
das beim Frühstück sie zerrupft...

 

Und am Ende bitt ich sie

(fall zuvor auf meine Knie):

 

„Schatz, gewähr mir Straferlass!

Was soll's sonst bedeuten?
Oder ist's nur Jägerspaß,
Lust, was zu erbeuten?

Sich erst beißen und dann küssen,

sind wir so gebaut?

Lass uns jetzt das Rätsel lösen.

Dazu müssen
wir weit mehr entblößen
als nur unsre Haut...

Bist doch sonst ne Taffe..

Ob du dich das traust?

Denn vielleicht sitzt da ein Affe,

der uns laust..“

 

 

            Früher Morgen

Am Fensterglas tropft Feuchte nieder,
es ist der Todesschweiß der Nacht.
Noch einmal glüht sie auf im Fieber,
dann ist der Untergang vollbracht.

Ihr Plunder ist schon weggeschoben,
der Flohmarkt nimmt es in Beschlag,
und bleich als stünd er unter Drogen,
am Fenster lehnt der junge Tag.

Ich löse meine Gürtelschnalle
und sag zum jungen Tag kokett:

„Wir sind allein... In diesem Falle..
Lass uns gemeinsam gehn ins Bett.“

 

 

       Mann am Morgen

Hebt am Himmel sich der Vorhang,
die Kulissen sind erhellt,
gleicht es auch dem Sonnenaufgang:
ein Theater hat's bestellt...

Es erwacht die Stadt, regt ihre
Glieder und sie seufzt entzückt,
weil man ihr schon früh um viere
Drogen in die Adern drückt.

„Müssten wir nicht endlich gehen?“,
fragt Laterne eine Bank.
Und sie stolpert in ein Drehen
und verstaucht sich - Gott sei Dank.

Eine rote Ampelscheibe
wirft auf einen Mann den Blick.
Sucht da wer sich eine Bleibe
für sich selbst und einen Strick?

Denn der Mann, ein Liebesspieler,
spielte durch die ganze Nacht,
hat den süßen, kleinen Fühler
dann der Falschen zugedacht...

Starrt auf seine nackten Beine,
steht verlorn vor seinem Bett,
kichert leis.. Schmiss doch die Kleine
seine Blumen ins Klosett.

 

 

                                         Was man nicht alles für die Geliebte tut


Damit es dich entzücke
(ich komm nicht drum herum),
klau ich dem Himmel Stücke
aus seinem Eigentum.
  
Und all das Funkelbare
häng ich an deine Zehn
und auch in deine Haare
als Feuerwerk. Wie schön!
  
Vom Wald die größten Eichen,
die rupf ich zum Bukett
und werde sie dir reichen
beim Frühstück an dein Bett.
  
Den Föhn drück ich zu Falten,
mach dir daraus ein Kleid,
du sollst doch nicht erkalten
in dieser kalten Zeit!
  
Und weinst du nachts, da renne
ich los und mache Licht,
damit ich rasch erkenne,
wo dich der Hafer sticht.

 

 

       Männerleiden
 

Ein Wort zur Liebe...

Man schiebe
hinweg was sentimental,
sodann wird konstatiert:
Das ist nicht neu, das ist banal,
was einem so passiert.

Vom Herzschlag
befeuert,
glaubt man, der Tag
wird durchgefeiert...

Mit Blumen, ganz tiefroten,
begrüßt man sie

und schaut sie an
zum Steinerweichen.
Was sagt die Schönste der Despoten?
Dass sie nichts ändern kann!

Man wird doch nie
dem Traummann gleichen..

Drum wechselt rasch die Straßenseite,
kommt eine Venus auf euch zu.
Erinnert euch der alten Pleite,
kauft lieber euch ein Herz-Tattoo...

Und spät am Abend legt
euch hin, trinkt Bier gekühlt,
bis ihr, von eignem Leid bewegt,
die Tränen kommen fühlt.

 

 

      Heimliche Liebe

Wir liebten uns, das ist gewiss.
Beim ersten Blick da wussten wir's.
Wir grüßten uns, wir plauderten,
vom Wetter, Arbeit, leeren Dingen..

Die Zeit verging. Doch immer
sah ich sie zittern,
wenn ich ihr nahe trat.
Und meine Stimme war
unbrauchbar wie brüchig Holz.

Auch gestern sah ich sie
und ich erschrak und wich zurück.
Sie trug jetzt eine Brille.
Auch sie erschrak und wich zurück.
Ein alter Mann stand da vor ihr.

 

        Der Mann

Wie sonderbar das Leben spricht
zu einem Mann.
Ein Duft, ein Laut, ein Licht.
Mehr scheint ihm nicht daran.

Der Morgen rot,
der Mittag weiß.
Der Abend droht
als graues Eis.

So tröste ihn
mit einem Kuss.
Weil er das Glühn
noch lernen muss.

 

   

    Schwedische Loreley

 

Das Ruder schlug am Ufer an.
Mittsommer war’s genau.
Ich war noch ein sehr junger Mann
und sie die schönste Frau.


Der Hügel lag im Sonnenlicht
mit Blaubeerkraut und Farn,
und oben Gras, so hoch und dicht...
Sie nahm mich bei dem Arm.


Ich sah zum See. Da war ein Boot.
Schau, wie das Segel blinkt!
Noch heut seh ich im Abendrot
wie sanft es dort versinkt.

 

 

Kommen, um zu gehen

Sie kam. Und wie sie kam,
das werd ich nie vergessen.
Die von mir Abschied nahm,
sie hob mit einem kessen
Blick den Mund und ich
umfasste mit den Händen
den kleinen Kopf – tief wundig,
als wenn wir uns für ewig trennten.
Sie lächelte und war im Drehen
schon weit von mir entrückt.
Ich sah sie ihr nach und muss gestehen:
ich war von ihrem Po entzückt.

 

 

                                                            Bloß ein Spaß


Ist das an deinen Wimpern
ein Tropfen Nitroglyzerin?
Jetzt bloß nicht damit klimpern,
sonst sind wir beide hin!
 
Wie man so sagt... Das Glück ging baden.
Wer denkt denn schon daran,
dass auch an einem seidnen Faden
ein Himmel hängen kann.

Ein Schluck noch aus dem Glase ...
Ja, lachen wir! Ein Witz war das!
Denn was da rinnt längs deiner Nase,
ist Wasser nur und macht bloß nass.
 

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        Der Mann im Gras (2)
  
Ach, weckt mich nicht. Ich träume schon.
An meinem Haar, da zupft etwas
und aus der Ferne kommt ein Ton,
als kämen Schritte durch das Gras.
  
Erinner dich! Der Duft vom Tee...
Die Kerze kaum erhellte
die kleine Hütte tief im Schnee.
Im Wald ein Fuchs, der bellte.
  
Und als wir später Mund auf Mund
uns fast zu Tode drückten,
da war’s, als knüpften wir den Bund
im Himmel der Entrückten.

 

Das ist nur noch Vergangenheit.
Bist deinen Weg gegangen,
hast dich, sagst du, von mir befreit,
doch mich hältst du gefangen.
 
So bleib mir fern! Das gab's ja schon,
dass man durch langen Schlaf genas...

Und was da kommt, geht auch davon,
und über allem wächst das Gras.

 

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             Der Hund

Er läuft mir nach, kann ohne mich
wohl nicht mehr sein.
Oft sag ich ihm: "Verschone mich,
lass mich allein!"

Und schließ die Tür. Umsonst.. Schon kratzt
und winselt's leis.
Was soll ich tun? Vergnatzt
kläff ich auf Menschenweis:

„Na los, komm rein, du Biest!“
Ich kann's ja nicht vermeiden.
Was man in deinen Augen liest,
das gleicht auch meinem Leiden.

 

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          Du
  
Du mit dem Haar
aus duftendem Licht
bist gar nicht wahr,
dich gibt es nicht.

Du mit dem Mund -
ein Schlusslicht, das strahlt -
bist auch nur Schund
und teuer bezahlt.

Du mit der Haut
aus Glut und Schnee
hast ganz versaut
mein Leben in spe.

Die Kehle speit
nur ein Geschluchz.
Die Seele schreit:
Lieb mich... Versuch's..

 

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        Singel

Ich bin so allein,
wie’s gar nicht mehr geht.
Ich hätt nen Geldschein
gern hin und hergedreht,
nur des Gesichtes wegen.
Wir könnten stumm
zu zweit überlegen:
Ne Flasche Rum,
um nichts mehr zu spüren?
Doch lieber ein Buch,
um Träume zu schüren?
Vielleicht ein Gesuch
dem himmlischen Herrn
in den Computer tippen?
Ich bitt, mir aus den Rippen
das Flatterding zu zerrn!

Umsonst gefleht.
Abel ruft Kain:
Er ist so allein,
wie’s gar nicht mehr geht

 

 

 

     Astronautensehnsucht

Meine jüngsten Siege strafen
mich mit Ungeduld.
Ich will die Sonne beschlafen,
des Himmels letzte Unschuld.

Scheidemünzen
der Frauenliebe
fetzen die Taschen
zum Loch.
Von meinen Wünschen
bliebe
noch:
die Sonne zu naschen.

Ich würd mich verkaufen,
würd mich verschleudern sogar
für ein bisschen Raufen
im atomesprühenden Haar.

Ich werd der Erste sein, ich schwör's,
der ihr im Schoße liegt
und statt des irdischen Verkehrs
mit einer Sonne fliegt.