Liebe, Lüste und so weiter

Aus: Verse an der Kachelwand

 

Die Frage

Innig küsse ich dein Pfötchen
und ich kau dein Wuschelhaar.
Diene dir auch gern als Brötchen,
das frühmorgens du zerrupfst..
Und du sagst: „So ist es wahr,
dass du Koks zum Frühstück schnupfst?“

Wer nur hat sich das verdrehte
Lustding ausgedacht!
Blind wie in Stampede
stürzen Sterne durch die Nacht.

Ja, die Liebe
treibt mir Nägel
ins Gebinde
meiner Haut.
Nadelhiebe,
ein Gehäkel,
und ich winde
mich in Nesselkraut.
Und ich träum von alten Riten:
Engel, die mich holen,
ihre Finger
kalt wie Schmalz.
Doch des Frühlings leises Sieden
und zwei Augen schwarz wie Kohlen
sind gewaltige Bezwinger.
Und ich liebe, liebe abermals.

Klüger wär’s, davonzulaufen,
besser noch ne Himmelfahrt.
Reiße Gott an seinem Bart
und will heftig mit ihm zu raufen.

Bin ich dann erschöpft wie nie,
fall ich vor dir auf die Knie:

Schatz, gewähr mir Straferlass!
Was soll's sonst bedeuten?
Oder ist's bloß Jägerspaß,
Lust, was zu erbeuten?

Beißen und sich küssen,
Sind wir so gebaut?
Wollen wir das Rätsel lösen,
denke ich, wir alle müssen
tiefer uns entblößen,
tiefer noch als bis zur Haut.

Könnte sein, dort steht geschrieben:
Hat da einer Angst zu lieben?

 

Möchte dich zum Abschied fragen
(in der Seele grollt's):
Musstest du die Liebe schlagen
an ein Kreuz aus Stolz?

 

 

 

Das wahre Glück

Als würden sie mit gar nichts geizen,
versprechen Waren Glück und Lust.
Sie locken dich mit allen Reizen,
bis du sie endlich kaufen musst.

Alltäglich ist und schlaue Masche,
was einmal wie ein Wunder war.
Du stopfst dir voll die Einkaufstasche,
ein Himmel ist dir der Basar.

Und alles ruft dich laut und lüstern:
Mit mir wirst du ganz glücklich sein!
Das wahre Glück, das kann nur flüstern,
und liegt bei dir, bei dir allein.

Du willst, dass ich dir endlich schreibe:
Wo ist denn nun das Paradies?
Ich schrieb es längst auf meinem Leibe.
Mit deinen Lippen, lies

 

 

Was ein Verliebter so alles tut...

Damit es dich beglücke
(mein Schatz, das haut dich um!),
stehl ich fünftausend Stücke
von Gottes Eigentum.

Ich form die Himmelsware
zu einem Diadem,
damit dir deine Haare
nicht steil zu Berge stehn.

Ich rupfe zwanzig Eichen
und bind sie zum Bukett.
Ich werde sie dir reichen
am Morgen an dein Bett.

Den Föhn drück ich zu Falten,
mach dir daraus ein Kleid.
Du sollst doch nicht erkalten
in dieser kalten Zeit!

Und wenn du weinst, da renne
ich los und mache Licht,
damit ich rasch erkenne,
wo dich der Hafer sticht.

 

 

Früher Morgen

Seht, die Stadt reckt ihre
Glieder und sie seufzt entzückt,
weil man ihr schon früh um viere
Dröhnung in die Adern drückt.

„Müssten wir nicht endlich gehen?“
fragt Laterne eine Bank.
Und sie stolpert in ein Drehen
und verstaucht sich –  Gott sei Dank.

Eine rote Ampelscheibe
fällt herab als Rosenblatt,
rollt sich ein im Männerleibe,
der sein Herz verloren hat.

Wollte mit der LIebe spielen,
hat sich einen Spaß gemacht.
Einmal nach ner andren schielen,
na, dann hat es halt gekracht.

Sitzt am Bett mit nackten Beinen,
starrt sie an und denkt tief nach.
„Na, wie geht’s so? Lust zu weinen?“
flüstert er und seufzt dann: „Ach..“

 

 

Abschied

Ist das an deinen Wimpern
da Nitroglyzerin?
Darfst jetzt nicht damit klimpern,
sonst sind wir beide hin.
 
Wie man so sagt:  Das Glück ging baden.
Wer denkt denn schon daran,
dass auch an einem seidnen Faden
ein Himmel hängen kann.

Ein letzter Schluck aus unserm Glase ...
Ja, lachen wir, es ist ein Spaß!
Denn was da blinkt am Augengrase,
das ist nur Wasser, macht nur nass.