Foto: johnhain - pixabay
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Fort-Schritte

Aus:

Mein Schatz, das haut dich um

Verse an der Kachelwand

Das Kleine Buch Bd. 1 (vergriffen)

 

Schlaflos

In Nietenjeans
die Nacht steigt nieder,
führt Kokains
Gefolg zum Dealer.
 
Und dumpf erdröhnt
ein Zeitenschlagen,
der Schatten stöhnt
beim Traumaustragen.

Der Mensch probiert
sich umzuschalten
und explodiert
in Lustgewalten...

Neu die Gestalt
dem Web entnehmen,
zu Bits geballt,
treibt fort ein Schemen …
 
Vom Fensterkreuz
falln Sonnensträhnen.
Die Leute freut's
und ich muss gähnen.

 

 

Fort-Schritte

Da hat wer – nenn ihn "Gott" –
den Menschen konstruiert.
Das tat der Mensch mit Schrott
und Gott ward liquidiert.

Jedoch – das ist zum Schrein –
der Schrott, als Mensch kreiert,
begann sich zu befrein
und hat den Menschen abserviert.

Der Schrott gab sein Genie
nun weiter an den Stein.
Der Dummkopf! Er wird nie
mehr Weltenherrscher sein.

 

 

 

Götterdämmerung

 

Ermattet ist er, abgemüht

vom Zeugen aller Zeiten,

und unter seinem Augenlid

sieht er die Welt entgleiten.

 

Die Haut hat er sich aufgeschlitzt

im schmerzenblinden Gieren.

Er fühlt, dass er zu nichts mehr nützt,

nicht mal, sich selbst zu spüren.

 

"Mir sollte Anbetung gebührn.."

Er murmelt dunkle Sätze.

Und während wir sein Leben führn,

verliern wir unsre Schätze.

 

 

Mephisto zu Faust

 

Las dich nicht mehr piesacken,
sinkt Sonne schattenwärts!

Will dir die Läuse knacken,
du armes Menschenherz!

Genug vom Tränenschlecken!
Das schärfste Licht schalt an!
Du wirst den Trug entdecken,
den man dir angetan.

Wirst hin und her gependelt
an Marionettenschnur...
Das Schicksal sei gecancelt:
befrei dich, Kreatur!

Das Glück, das du gefunden,
war Glück in Sklavenschaft.

Ab jetzt wirst du entbunden
aus fremder Vormundschaft.

 

Lass stehn den Einkaufswagen,
gefüllt mit Illusion,
du stopfst in deinen Magen
nur neue Frust-Ration.


Beiß in die Sonnenschwarte,
bestreut mit Sternensalz
und pflück die Frucht, die zarte,
des zweiten Sündenfalls.
 
Die letzte Gier – nun still sie!
Du bist dem Größten nah.
Greif endlich zu, enthüll sie:
die Schöpfungs-DNA.

 

 

 

Abends bei ihr

„Es lebe die Zukunft!“
rief ich und hob das Glas.
Sie aber schwieg und dumpf
entfuhr ihr das:

„Gelobt sei mir das Gestern.
Wie schön war da die Welt.
Vergangenes zu lästern,
nur leicht dem Träumer fällt!“

Nahm sie mich auf die Schippe?
Ich war erst einmal stumm,
doch dann mit kesser Lippe:
„Nun hör mal, sei nicht dumm!

Vielleicht noch zwanzig Jahre,
dann gibt‘s Verkehr im All.
Man schickt dann seine Ware
von Ort zu Ort wie Schall.

Es kommt die wundervolle
Beendigung der Zeit.
Und aus ist's mit der Rolle
des Tods: Vergänglichkeit.

Zwar kommt in Lyrikzeilen
von altersher ein Sang:
Wir sollten doch verweilen
beim Sonnenuntergang.

Nur der verstünd zu leben,
der's Abendrot beschaut.
Die Lippen sollen beben,
und frösteln seine Haut...

Wir nicht! Wir beide holen
ein Sci-Fi-Buch heran
und gehn auf Augensohlen
der Morgensonn voran.“

„Sag mal, bist du besoffen?“,
rief sie. „Jetzt ist's genug!“
Nur eines sei zu hoffen:
„Werd endlich reif, werd klug!“

Dann griff sie nach dem Smartphone
und schoss ein Bild von mir.
Und murmelte: „Ich weiß schon...
Vergangenes sitzt hier.“

 

 

Das Streichholz

Das wird ein Mensch wie ich und du
nicht noch einmal erleben:
Geträumtes kommt da auf uns zu
und lässt die Seele beben.

Wo Wissen wankt, weckt schon ein Wort
den Ausbruch von Gewalten
und Neues stößt Vertrautes fort
und kann sich selbst nicht halten.

Ein Streichholz, das die Zukunft reibt,
sind wir: nur eine Flamme.
Doch was ihr Licht ins Dunkel schreibt,
sind neuen Glücks Programme.

 

 

 

Vielleicht ist's nur ein Spiel...

 

Wie bitter wir entbehren
den Halt und die Substanz,
so wie die Berge stehn..
Und gleich den schweren
Maschinen, die mit Glanz

so leicht durch Wolken gehn
und doch gefesselt sind am Fall,
sind auch wir Menschen flüchtig.
Sie prahlen mit Krawall

und wir, wir lärmen tüchtig...


Und jede Nacht voll Traurigkeit...
Sind die Gestirne
oft nur Schein
vergangner Zeit,
und unsre Hirne,
vernetzt ins Ferne, sie fangen
bloß eigenes Verlangen
und unsre Träume ein.

Doch auf der Hand Atome spüren,
mit Robotern Gespräche führen,
im Blitz von Weltraumreisen
mit Helden der Geschichte speisen...

Vielleicht ist’s nur ein Spiel
und jemand zwingt
uns durch ein Labyrinth
zu einem Ziel
im Nirgendwo,
auf dass es so
ein kleines Kind
zum Lachen bringt.