Foto: renewagner1985-pixabay
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Deutsches, Fremdes und Bekanntes

Aus:

Mein Schatz, das haut dich um

Verse an der Kachelwand

Das Kleine Buch Bd. 1

 

Hoffnung

Hoffnung, kleines Entelein,
werde doch ein Schwan!
(Und mein Herz wird rein
und gesund mein Zahn).

Stacheldraht hängt im Museum,
Minen kennt man nur mit e.
In Kasernen laufen rum
Kühe, euterhoch im Klee.

Ich leb mit entblößten Zähnen.
Keiner haut sie dafür ein.
Und statt eisengrauer Tränen
werd ich bunte Reime spein.

Und doch, Hoffnung… Eh’s geschieht,
wird es Herbst noch manches Mal
und manch Ochs von Jäger sieht
Enten nur als Mittagsmahl.

 

 

Herr Biedermann

Die alte Zeit ist längst vorbei,
die war voll Krieg und Mörderei.
Die neue, die ist auch nicht schön.
Man hört schon wieder Kriegsgedröhn.

Nicht meine Schuld, kann nichts dafür,
drum Fenster zu und zu die Tür!
Ich brüh mir einen Tee und dann
schau ich mir einen Tatort an.

Und wenn es draußen blitzt und kracht,
wird drinnen schallend laut gelacht.
Es ist schon gut, so wie es ist.
Ich mache heut mal auf Buddhist.

Ich bin auch für Gerechtigkeit.
Ist einer dumm und der gescheit,
so bleibt der arm und der wird reich.
Die Menschen sind halt niemals gleich.

Und was die Politik verspricht,
das nennt man später ein Gerücht.
Und Lügen gibt es haufenweis,
ich glaub nur noch, was ich schon weiß.

 

Steht da ein Flüchtling vor der Tür,
bitt ich, er soll woanders stehn.
Man wäre sonst gefangen hier,
man könnt ja nicht ins Freie gehn.


Und was den Mohamed betrifft:
Der wäre besser dran als Christ,
denn einen Bart bräucht er dann nicht
und so wär deutsch auch sein Gesicht.

Nur eines ist noch nicht korrekt,
es fehlt noch was, dann wär's perfekt:
Würd endlich auf den Markt gebracht,
was mich im Innern fröhlich macht.

 

 

Der Mandelmond


Umringt von Albgeschichten
liegt eines Menschen Ort.
Er kann daraus nicht flüchten,
so träumt er sie sich fort.

Die Nacht - ein Zaubermantel,
mit Flitterkram verziert.
Der Mond ist eine Mandel,
nach der der Träumer giert.

Doch wachsen Dunkelheiten
aus einem tiefen Grund.
Aus grasbedeckten Zeiten
tut sich ein Grauen kund.

Es ist ein  Rauch aus Schloten,
er zieht durchs ganze Land.
Es werden seine Toten
zum zweiten Mal verbrannt.

Die Nacht ist ein Soldatenmantel,
der Saum ist rot vom Blut.
Zur Drohne ist der Mond verwandelt
und stürzt, als alles ruht. 

 

 

Der Fremde

Geh leise durch das reiche Land,
sie dürfen dich nicht sehn.
Du gehst mit einem Hand in Hand,
dem sie schon Stricke drehn.

Er hat die Augen ganz wie sie,
die Nase und den Mund,
und stößt er sich einmal das Knie,
so wird's wie ihres wund.

Ich seh da keinen Unterschied,
wir sind mit ihm verwandt.
Wenn einer etwas andres sieht,
hat er sich nicht erkannt.

 

 

Ein Germane

Da ich nie richtig traurig bin,
bin ich auch nie ganz heiter.
Ich suche nach dem tiefern Sinn,
das ist auch viel gescheiter.

Ich steh für Umwelt und den Wald,
da lass ich mir nichts sagen.
Was ich besitze, das ist alt,
und neu ist nur mein Wagen.

Ich wäre gern im Zentrum drin,
das hat schon seinen Lockreiz.
Kommt aber dann der Ärger hin,
halt ich mich lieber abseits.

Ein Kind wirft zu mir einen Ball,
da kommt er angeflogen.
Ein Attentat? Ein Überfall?
Ich werfe mich zu Boden.

Und in der Nacht, da bin ich nackt
und kann im Spiegel sehen:
Zwar bin mit Muskeln ich bepackt,
doch fällt mir schwer das Gehen.

Ich schreie links, ich brülle rechts,
man darf sich doch beschweren!
Ich bin gekränkt, sogar verletzt,
will jemand mich belehren.

Wieso das ist? Da fällt mir ein,
was ich schon lange ahne:
Ich muss wohl ziemlich närrisch sein.
Ich bin ja ein Germane!

 

 

Der Sohn

Anfangs war ich ein Gewehr,
schoss auf alles kreuz und quer.
Und ich schritt in Sturmkolonnen,
mit dem Zeichen der SS
und im Mund kam Blut geronnen,
schmeckte süß wie Leckeres.
Galgen waren meine Rippen
hängte sich mein Herz dort auf,
und wie Blei kam's von den Lippen
und der Mund: Pistolenlauf.


Später dachte ich, ich sei
ein Rebell, doch war's nur Pose,
War beim Demonstriern dabei
brav mit  Schlips und Bügelhose.

Abends hingeduckt
an der Theke. Gläser kippen,
wenn ich diskutiere.
Jedes Wort ist ausgespuckt
wie beim Trümmerschippen.
Wie ich in den Spiegel stiere,
seh ich meinen Feind.
Und es schweigen die Fanfaren
und ich hör, wie etwas weint,

als die Eltern glücklich waren.

 

 

 

Auf neuen Wegen!

Erfreu dich deines Muts,
er gleicht der Kraft des Sterns,
der Dunkelheit zerschneidet.
Klag nicht des verlornen Guts,
hol dir das Neue, lern's,
wie man nicht länger leidet.

Sei niemals dünkelhaft,
es geht sich auch auf neuen Wegen!
Und lös dich von Gefangenschaft
aus Ablenkung und Rausch, die dich
in Ketten legen!
Das alles, bitt ich,
lass dir nicht zweimal sagen.
Und du wirst sehn:
Verwirklicht ist der Traum der Ahnen,
dass dort, wo Starke Schwache tragen
und Fahnen dem Wind widerstehn,
sich menschliche Zeiten anbahnen.