Das kaputte Telefon in der Ferienhütte


Mein Telefon war kaputt, der schwedische Telia-Mann kam schon am nächsten Tag, er nahm den Hörer, klopfte und horchte an ihm herum. Dann ging er hinaus, zog die Aluminiumleiter von seinem Auto, stellte sie an die Hütte und schon wenige Minuten später rief er vom Dach, wo die Telefonleitung vom Mast ins Haus ging: „Hey! Du kannst mal deinen Freund anrufen.“
Eric heißt er, wohnt etwa 10 km entfernt von hier. Der freut sich immer, wenn es bei ihm klingelt, auch wenn man sich nur nach dem Wetter bei ihm erkundigt. Ich klingel ihn also an.
Eine Minute später trete ich auf die Terrasse und rufe zum Dach hinauf: „Es ist Japan dran, glaub ich.“
„Jaso. Ist dein Freund in Japan?"
„Nein, er wohnt hier im Dorf.."
„Wieso ist er dann in Japan?“
„Er ist doch nicht in Japan.. Ich meine.. Das Telefon ist in Japan.. Das heißt..“

Verdammt, ich kann immer noch nicht perfekt Schwedisch.
„Jaso.“
Der Mann rasselt die Leiter runter, ohne die Sprossen zu nehmen, geht in die Hütte, greift sich den Hörer und spricht mindestens 50 Wörter, so viel hat ein Schwede in meiner Gegenwart noch nie gesprochen.
Er legt den Hörer auf und sagt: „Die Leitung ist in Ordnung.“ Dann blickt er mich scharf an. „Vielleicht ist dein Freund doch in Japan?“
„Mit dieser Nummer?“ Ich erlaube mir den Gesichtsausdruck eines Kunden, der am Können eines Fachmannes zu zweifeln beginnt. „Bitte, wähl selbst!“
Er wählt, es ist noch ein altes Scheibentelefon, ich höre das Rufzeichen und dann, wie Eric am Apparat ist. Sofort unterhalten sie sich über das Wetter.
Nach einer Weile legt der Telia-Mann den Hörer auf.
„Dein Freund sagt, das Wetter ist genau wie im letzten Jahr, nur schlechter.“
Er geht hinaus, nimmt die Leiter, schiebt sie aufs Auto und weg ist er.
Um ehrlich zu sein, ich trau dem Braten nicht. Das ging mir alles viel zu schnell.
Ob ich mal einen Test mache? Aber wenn wieder Japan am Apparat ist? Ich kann doch nicht mit Japan telefonieren, wenn ich mit Eric sprechen will.
Schließlich nehme ich allen Mut zusammen und wähle seine Nummer.
Und wieder legt ein Japaner los, ohne nach Luft zu schnappen.
Entsetzt lege ich auf. Was ich bis jetzt schon an Auslandsgebühren zu zahlen habe, geht auf keine Kuhhaut.
Es klingelt. Das Telefon klingelt. Wunderbar. Der Teil funktioniert. Was jetzt?
Vorsichtig hebe ich den Hörer ab.
„Ja?“
Es ist Eric.
„Hör mal, ich hab gerade Besuch.. Ein finnischer Junge. Der will unbedingt mal mit dir telefoniern. Häng nicht wieder ein. Hier.. Matthäi, sag mal was..“
„Verdammter Bengel!“, sage ich, lege den Hörer auf den Tisch und bringe mich in einiger Entfernung in Sicherheit. Aus der Ferne hört es sich an, als zerschlage jemand mit einer Klappe begeistert etwas Gäserners.
Das also ist Finnisch, nicht Japanisch. Wieder was gelernt.
Ich glaube, das Klappern und Klirren dauerte eine halbe Stunde. Es war nur ein Ortsgespräch.