Dieter Lenz

Berliner Baufieber

Komödie

In Berlin fällt die Mauer – und plötzlich kommt vom Osten was, womit keiner gerechnet hat.

Und im Westen der Stadt beginnt das Baufieber.

 


Die Personen sind
PETER Tiedge, ca. 40, Architekt und Bauunternehmer
PAUL Tiedge, ca. 30, Taxifahrer, Bruder des Architekten
SABTNE, ca. 20, Ostberlinerin (Prenzlauer Berg), Arbeiterin
ZANDER, ca. 50, Investor aus dem Bundesgebiet
FRAU KRA,MER, Rentnerin, wohnhaft in Eichwalde bei Berlin
Ein STASI-MANN

Der Ort

ist die Wohnung von PETER Tiedge

Die Zeit
ist vom Mauerfall bis über ein Jahr danach

Das Bühnenbild
Eine Wohnung am Kurfürstendamm in Berlin. Eine weiße Sitzlandschaft mit einem Tisch davor, rechts und links davon zwei Fenster auf den Kudamm hinaus, links ein Computertisch mit Drehstuhl – al1es ganz nach der Vorstellung des Wohnungsinhabers, eines Architekten.
An einer Stelle ist eine Spiegelwand, zumindest eine größere Spiegelfläche, weniger um hineinzusehen, sondern in erster Linie als optischer Reiz. Rechts ist eine Tür zur Küche, links ist eine Tür zum Schlafraum, der Wohnungseingang ist rechts von der Küchentür zu denken.
Weitere Einrichtungen zeigen den fast futuristischen Geschmack des Wohnungsinhabers, wobei der Verdacht aufkommen könnte, manches sei aus Provokation ausgesucht worden.
Nach dem 1. Akt, wenn eine Zeitspanne von einem Jahr nach dem Mauerfall verstrichen ist, 1ässt sich an kleinen, aber wesentlichen Änderungen erkennen, dass der Architekt Genießer eines wirtschaftlichen Aufschwunges ist.



1. Akt

1. Szene
(Der zweite Tag nach dem Mauerfal1. Durch die geschlossenen Fenster dringt der fröhliche Lärm der Ostberliner)

PETER und PAUL

PETER (Telefonhörer auflegend): Das kann doch nicht wahr sein... Keiner da!
PAUL: Na hör mal! Revolution! Da bleibt doch kein Arsch zu Haus..
PETER: Die Mauer ist seit zwei Tagen offen und noch immer spielt alles verrückt. Und auch noch hier auf dem Kudamm! Vor meinem Haus! Solln sie doch drüben feiern!
PAUL: Es gibt kein drüben mehr! Mann, ist doch super! Karneval in Rio bei uns! Lass mal wat davon rein.. (öffnet ein Fenster, Gelächter, Gejauchze, Gesang „So ein Tag, so wunderschön wie heute..“)
PETER (verärgert): Mach das Fenster zu! Wir haben November!
PAUL (hält das Fenster geöffnet): Quatsch! Wir haben Revolution!
PETER: Und wenn zehnmal Revolution ist: Bei mir nicht! (PAUL lacht) Lach nicht... Hier geht's drunter und drüber. Sogar in meinem Büro ist keiner.. (am Fenster) Und die da: die schwänzen auch ihre Arbeit, ist das die deutsche Art, Revolution zu machen?
PAUL: Oller Miesepeter. . .
PETER: Nenn mich nicht Miesepeter. (zeigt nach draußen) Da! Laufen auf dem Kudamm rum, aIs gehöre er ihnen. Von Rechts wegen müssten sie von der Polizei weggeräumt oder von den Autos totgefahren werden. Ein Taxifahrer sollte das wissen..
PAUL: Mensch.. kapier doch! Die Freude! Alles freut sich! Und du nicht? Komm.. Klemmen wir uns ne Sektflasche unter den Arm und gehen wir runter! Fangen wir uns ne Revolutionärin!
PETER: Lass das Revolutionsgequatsche. Fiel ein Schuss? Gab es Tote? Brannten Gebäude? Barrikaden? Kerzen! Kerzenlichter auf den Straßen! Sie feiern Weihnachten! Ein bisschen früh, denk ich.. (schließt das Fenster)
PAUL: Schade, dachte, wir begrüßen unsre Brüder und Schwestern..
PETER: Ein Bruder reicht mir.
PAUL: Dabei solltest du dich am meisten freun! Du kriegt jetzt was zu tun! Was da drüben alles gebaut werden muss! Die reinste Goldgrube für nen Architekten und Bauunternehmer!
PETER: Wie denn? Hab ich Beziehungen zu den Kommunisten?
PAUL: Ha!
PETER: Was heißt hier Ha! (tippt im nervösen Vorbeigehen auf eine Computertaste)
COMPUTERSTIMME: Guten Tag, ich bin dein Turm, bau mich.
PAUL: Sag ihm endlich, er soll die Klappe halten..
PETER: Halt du die Klappe.. Ich könnt den längst baun, wenn ich ein Grundstück hätte!
PAUL: Ha!
PETER: Schon wieder Ha! Was soll das!
PAUL: Beim dritten Mal wird’s ein Lacher. Ich hab da nämlich was, du wirst es nicht glauben..
PETER: Ein Grundstück? Du meinst einen Parkplatz.
PAUL: Schön wär's. (Telefon klingelt)
PETER (greift zum Telefon): Tiedge.. (verwundert) Wer bitte? Was? Wer sind Sie? Sabine?
PAUL (zuckt zusammen): Ach du dicker Vater.. (hastig) Gib ma her, det is für mich..(ins Telefon) Sabine! Bist du's? Na k1ar, det bin ich! Wat? Wahnsinn? Jaja.. Wahnsinn. Wo biste? Wat? Drüben.. Wie meinste.. Hüben? Also hier.. Halt, stop, wart ma.. (reicht PETER mechanisch den Hörer, der legt ihn auf) Sie sagt, die Mauer is offen...
PETER (spöttisch): Ist nicht wahr!
PAUL: Und jetzt kommt se rüber.. Siehste, das haben wir davon. Die Mauer ist offen und schon beginnt der Weltuntergang. . .
PETER: Machst du Witze?
PAUL: Ein Witz? Dass die Mauer offen ist? Eine Tragödie ist das! Nie im Leben hatt ich gedacht, daß mir det mal passieren könnte!
PETER: Was geht dich die Mauerl an!
PAUL: Ne ganze Menge.. Bruder! Mein lieber großer Bruder, mein einziger! Hör mal her! Jetzt heißt es zusammenhalten, was da jetzt aus dem Osten rüberrolIt, det kann uns glatt unter sich begraben!... Hör ma1, wir sind doch Brüder, stimmt's? Und mit den Pees bei unsren Vornamen könnte man uns glatt verwechseln, stimmt's? Außerdem diese auffallenden Ähnlichkeiten! Erstens: wir beide sind männlichen Geschlechts; zweitens wir sind geborene Berliner, wir haben sogar dieselben Eltern!, drittens: wir lieben Frauen, gutes Essen.. fahren Auto... sprechen deutsch... und sitzen jetzt beide in der Patsche.
PETER: Ich mag deine Späße nicht. Nicht heute! Hör auf damit!
PAUL (heftig): Ich versuch dir was zu erklären!
PETER: Dann tu es!
PAUL: Jut. Ich hab ne Braut drüben.
PETER: Na und? Was anderes hab ich von dir gar nicht erwartet. Die Ostbräute! Ich weiß Bescheid, mein Lieber. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, was?  Wär ein Wunder, wenn du als Taxifahrer keine gehabt hättest! Kapier endlich: Du bist verheiratet, du Fremdgänger!
PAUL: Der korrekte Ausdruck ist Grenzgänger. Und ich tu's, damit meine Ehe g1ücklich ist. Ja, deswegen! Und schrei mich nicht an!
PETER (wieder ruhig): Na schön, meinetwegen, du bist grenzgegangen. Für dich offenbar was Gutes, was soll die Aufregung.
PAUL: Weil du eine ine Ostbraut hast. Schrei nicht! Das kannst du natürlich nicht wissen.. war ja ooch'n Jeheimnis, bis jetzt! Aber nu greift Gorbatschow in unser Privatleben! Und jetzt bestraft es uns, weil er zu früh jekommen ist, der Mistkerl!
PETER: Schluss jetzt. Ich hab keine Zeit für deine Späßchen.
PAUL: Mir ist es toternst. Also, paß auf. (langsam sprechend) Dich besucht jetzt deine Geliebte. (Silbe für Silbe) Ge-lieb-te. So nennst du doch so was. Siehst du. Und sie heißt Sabine. Und ich heiße Peter, Peter Tiedge.
PETER: Was?
PAUL: Was kann ich dazu, dass du so berühmt bist? Sogar drüben! (PETER zuckt zusammen) Lass das! Mich hat der Schlag getroffen! Und jetzt... Zähl bis tausend, bevor du was sagst. Nach hundert sie alles schon viel besser aus.
PETER: Du verdammter Hochstapler!
PAUL: Ehrlich, erst war's mir nicht recht, wirklich.. Aber dann ging es schon nicht mehr. Ich sagte Tiedge, Vorname P... Über das Pee kam ich nicht hinaus, da war ich schon der bekannte Westberliner Architekt Peter Tiedge. Und denn verklickerte das einer dem andern.. Und dann... Sie waren so glücklich!
PETER: Du meinst Sabine!.. Du sagst ihr die Wahrheit.. Sofort!
PAUL: Warte! (holt eine Leporello-Mappe aus der Jacke, läßt sie aufgehen, das Leporollo rol1t herunter) Alles Visitenkarten meiner Ostbekanntschaft! Haben die jetzt Sammlerwert?
PETER (greift sich die Karten): Zeig her! (1iest)
PAUL (seufzend): Wir waren zwei so glückliche Paare! Hier meine Frau und ich und drüben ich und Sabine.
PETER (liest laut): VE Stadtbaubetrieb, PGH Potsdam, PG Aufbau..
PAUL: Alles lief  geschmiert wie auf der Autobahn und nu muss mir'n Geisterfahrer entgegen kommen!
PETER (liest immer lauter): Projektierungsbüro.. Projektierungsbüro.. Projektierungsbüro... Das sind ja alles Leute von meinem Fach!
PAUL: Ha!.. Das war jetzt das dritte Mal.. Komisch, ich lach ja gar nicht..
PETER (liest weiter) : Baudirektion... Berliner Stadtarchitekt.. Was, den kennst du auch?
PAUL: Mit dem hab ich ne Flasche Wodka...
PETER: Großer Gott! (starrt ins Leere)
PAUL (beunruhigt): Wat is? Isset so schlimm?
PETER: Ruhe! Lass mich nachdenken! (entschlossen) Jetzt hör mal gut zu, du Halunke!
PAUL (wie vorher): Ich werd's nicht mehr tun.. Ist vorbei.. Ehrlich! Nie wieder!
PETER: Im Gegenteil, du machst es weiter...  Jedenfalls so lange, wie ich es bestimme. Ist das klar?
PAUL: Nee! Niemals! Ich bin kein Hochstapler!
PETER: Das ist ein Auftrag, ein brüderlicher Befehl! Ab jetzt ist deine Hochstapelei ein Glücksfall..
PAUL: Echt? Für wen?
PETER: Ich sag dir was! Das ist der Schlüssel zum Ostberliner Grundstücksmarkt!
PAUL: Ein Hochstapler und ein Einbrecher.. Schöne Brüder sind wir!
PETER: Groß denken, Paule, groß denken! Du hast ja keine Ahnung, was jetzt hier abgeht.. Im Nachhinein ist deine Frechheit ein durchaus lobenswertes und vernünftiges Verhalten.
PAUL: Denk mal an. Aber..
PETER (ihn unterbrechend): Zuerst einer deiner üblichen dummen Streiche, aber jetzt.. einfach genial. Allerdings nur in Verbindung mit meinen Interessen!
PAUL: Ich bin dir sehr verbunden, wirklich, aber jetzt kommt die Sabine..
PETER: Kein Aber! Du machst weiter. Du bleibst Peter Tiedge. Und wir arbeiten zusammen, wir besorgen uns ein Grundstück und ich bau mir den den Turm.. Also los.. Hier, ruf mal gleich einen nach dem andern an! (gibt ihm die Visitenkarten zurück) Vereinbare ein Treffen, möglichst schnell.. Und sag, du bringst deinen Partner mit, deinen Bruder!  (Es klingelt stürmisch)
PAUL: Det isse !
PETER: Wer?
PAUL: Na, die Sabine..
PETER: Laß sie rein, 1aß sie rein... und denk daran!... Du bist der Architekt! Ich bin bloß dein Mitarbeiter... (Es klingelt) Na los doch! (Er setzt sich an den Computer, als würde er arbeiten)
PAUL (geht an die Türsprechanlage): Ja, hallo..
SABINEs Stimme (vergnügt): Mach uff, du Knackarsch!
PAUL (drückt den Türöffner, zu PETER): Entschuldige... Prenzelberg...

Blackout


2. Szene

(SABINE kommt, mit zwei vollen Plastiktragetaschen, legt sie auf einen Sitz, es klirrt)

SABINE: Pauleken !
PAUL: Bienchen!
SABINE (fliegt in seine Arme): Paule! Ick bin da!
PAUL: Nee, du bist hier!
SABINE: Vereint! Für immer vereint!
PAUL: Ich begrüße das neue Vereinsmitglied.
SABINE (löst sich): Laß dir ankiekern... Nee! Du siehst ja jenauso aus wie bei uns! Keen bissken anders...
PAULE: Aber du! Du siehst anders aus! Du hast so'n Funkeln in den Augen!
SABINE (aufjauchzend): Ja... det Einkoofsfunkeln! (zeigt auf die Taschen) Kiek ma... Proppevoll. Fuffzehn Glas englische Konfitüre.. Ick hab gleich det Regal leerjeräumt, weeßt du, wann se
wieder wat rinkriegn.. (sieht PETER) Hoppla, Besuch?
PETER (erhebt sich, förmlich): Gestatten...
PAUL: Mein Bruder... und Mitarbeiter.. fch beschäftige ihn bei mir.
SABINE: Haste nich jesacht, er is Taxifahrer?
PAUL: Er will nicht mehr aufm Bock, er lässt sich umschuln...
SABINE (zu PETER): Ick bin die Sabine und Sie sind der Paule, nich?
PETER (überrascht): Sie kennen mich?
SABINE: Klar doch.. Hat er mir jenau erzähIt.. Aber wat duzen wir uns.... Wir sagn gleich du zueinander, ja? Jut. (schaut sich um) Nee, is det Klasse! Det is nich Plaste und Elaste aus Schkopau! Det is Fakt! Und wat für'n Spiegel! Da kann sich der janze Kudamm drin spiegeln, wa? Und wo jehn die Türn hin? (lauft zu den Türen, schaut dahinter, verschwindet hinter einer)
PAUL (laut): Nu mach ma Feierabend, Bruderherz...
PETER (verwirrt): Feierabend?
PAUL: Na hör ma... Du kannst doch nicht dauernd Überstunden machen! Was soll denn deine Frau von mir denken?
SABINE (kommt wieder): Det Bett hat die richtije Größe.. Wohnt Paule auch hier?
PAUL: Nee, der hat doch Frau und drei Kinder.. Die warten schon auf ihn..
PETER: 3 Kinder?
PAUL: Oder sind es schon viere?
PETER: Es sind nur zwei. Wenn überhaupt. Darf ich vielleicht noch fragen, wann ich wiederkommen soll?
PAUL: Na, morgn natürlich... aber nicht zu früh!
PETER: Ist zehn spät genug?
PAUL: Ja, ich denke schon.. Schließlich wol1en wir noch ein bißchen feiern, du verstehst... Wiedervereinigung und so.
PETER: Um ehrlich zu sein. .
PAUL: Untersteh dich !
PETER: . . ich bleib auch gern hier.
PAUL: Nee, geh mal lieber zu deiner Familie. Aber du kannst natürlich auch weiterfeiern.. Janz Berlin ist ja nu ne Party.. Und denn kannste dir den Rausch in einem schönen Hotel ausschlafen, bevor du zu Muttern heimkommst. Keine Sorge, ich zahl dir die Übernachtung..Na, zieh dir den Mantel an und hau ab! Der hängt an der Garderobe! (PETER ab)
SABINE: Paule! Wat bin ick glücklich!
PAUL: Na, und ich erst ma. . Plötzlich bin ich'n janz andrer Mensch.
SABINE: Paule ! Nu könn wa heiraten !
PAUL: Wat?... (fasst sich) Ich geb dir' n guten Rat. Zähl bis tausend, nach hundert.. Es kann doch nicht dein Ernst sein, dich schon wieder in Fesseln legen zu lassen, jetzt, woste grad frei geworden bist!
SABINE: Jut.. nich sofort.. Aber gleich!
PAUL: Und wenn ich schon verheiratet wär?
SABINE: Det hättste mir jesacht. Nu sei nich so steif! Freu dich! Det is doch die Wiedervereinigung! Nu sind wir endlich zusammen, jetzt fängt ne janz neue Zeit an! Ja, nu fängt det Lebn erst richtig an, bis vorjestern ham wa bloß die Zeit totjeschlagn.. Jetzt könn wir allet sehn, allet tun, wat wir wolln, einkoofn, wat wir wolln, verreisen, wohin wir wolln.. Kalifornien! Ick will sofort nach Kalifornien! San Francisco! Paule! Wann fliejen wir? (Lauter Gesang von draußen, hauptsächlich Frauenstimmen: So ein Tag, so wunderschön wie heute.. ) Hörma! Sie singen! (reißt ein Fenster auf) Wat der Momper kann, kann ick ooch.(klettert aufs Fensterbrett, schreit) Berlin, nun freue dir! (schaut runter) Der Kudamm liegt mir zu Füßen.. Wenn ick jetztt runterfall, fall ick weich... Vor lauter Menschen seh ick det Pflaster nich.. Hör doch! Sie singen! Sing mit! (singt) So ein Tag, so wunderschön wie heute, so ein Tag.. (bricht plötzlich in Tränen aus) Paule, daß ick det noch erleben darf!
PAUL: Ach du liebes Mütterchen.. komm lieber da runter. (hilft ihr runter. SABINE trocknet sich die Augen. )
SABINE: Sach ma, Paule.. liebste mir? Und denn: wie stark?
PAUL: Fängste schon wieder an. .
SABINE: Det is doch unsre Zukunft.
PAUL: Nu hör ma zu. In solch einem historischen Moment: die Mauer zerbrochen, der Ostblock bröselt, da sind menschliche Jefühle... (denkt nach) Ja, da sind menschliche Jefühle wie
Sand im Jetriebe. Wir müssen die Nerven behalten, jetzt jeht's nämlich ums Ganze. Um Ganzberlin, um Ganzdeutschland, um Ganzeuropa! Diese Zukunft, die meine übrigens auch, wirft große Schatten voraus! Da heißt es Ruhe bewahren.
SABINE: Nu red keenen Stuß. . Fakt is, ick bin bei dir! Det is für mich historisch, det krempelt det janze Leben um. Du, hier bin ick! Kannste dir det vorstelln! Det is doch ne janz andre Luft hier! Jetzt werd ick ma kräftig durchatmen... und denn jehn wir ran.
PAUL: An wat?
SABINE: Na, an unser neues Leben!
PAUL: Nicht so hastig.. Ruhe bewahren, sag ich! Wie nach nem Verkehrsunfall... Wer jetzt nen Fehler macht, muss nachher dafür blechen..Ich werd uns ma wat zur Beruhigung holn.. (ab.SABINE schaut sich um, geht an den Computer. PAUL kommt mit Sekt und G1äsern)
SABINE: Kiekste damit Video?
PAUL: Quatsch. Mein PC. Persönlicher Computer.
SABINE: Muss ick da eifersüchtich werdn?
PAUL: Nicht in der Nacht.(Sie spielt an der Tastatur, PAUL erschrocken) Nich!
C0MPUTERSTIMIME: Guten Tag. Ich bin dein Turm. Bau mich.
SABINE: Meint der mir?
PAUL: Achwat. Mich.
SABINE: Und wat sollste tun?
PAUL (schaltet den Computer ab): Haste doch gehört. Ich soll den Turm baun. Hab heut aber keine Lust.
SABINE: Und det sacht der jedsma, wennste ihn drückst?
PAUL: Ja.
SABINE: Komm ma her, du!
PAUL: Sehr wohl, die Dame.. (kommt, in jeder Hand ein gefülltes Sektglas)
SANINE: Noch näher! (PAUL geht näher) Janz dicht. Und nu drück mir.
PAUL: Wie denn? (Sie nimmt ihm die G1äser ab, PAUL drückt sie)
SABINE: Juten Tach. Ick bin deine Frau. Nimm mich.
PAUL: Ach du dicker Vater! (Pause) Im Film kämen jetzt die Geigen.

Blackout

Fortsetzung folgt

 

 

Und zum Theaterstück das Buch:

Die Stadt, ein Bauhelm und der Atomdoktor

Satirischer Roman

von Dieter Lenz

3. Auflage 2018

208 S., Format 12,5 x 18 cm, Softcover

 

Eine geteilte Stadt soll nach der Vereinigung eine Metropole werden. Die Schicksale von Menschen aus dem West- und dem Ostteil der Stadt (darunter ein Pressefotograf, der zum Atomdoktor wird) und der Bau von drei Wolkenkratzern auf einer durch den Wegfall der Mauer freien Brache namens

"Poltauer Platz" stehen im Mittelpunkt der Geschehnisse.

 

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