Der Hund, der Nofretete war

 
Ein Hund ist mir zugelaufen, und der ist merkwürdig. Ich lese einen Artikel über Nofretete und immer wenn ich den Namen lese, bellt der Hund. Hört der etwa ihren Namen? Heißt der womöglich so? Ich rufe: „Nofretete!“, und, tatsächlich, er kommt zu mir.

Läuft mir da ein Hund zu und heißt „Nofretete“! Der hat doch keine Ahnung, wer oder was Nofretete ist.

Wir gehen zur Ausstellung mit der Nofretete-Büste, er setzt sich davor und weint. Das sagen die Leute, aber er kneift nur das linke Auge zu, das hat die Nofretete nämlich verloren.
Sie schicken mich hinaus, es ist gegen die Museumsordnung, einen Hund mitzubringen. Es hat sicher keinen Sinn, wenn ich ihnen sagte, dass mich der Hund mitgenommen hat.
Zu Hause seh ich ihn mir genauer an. Ja, das Gesicht ist spitz, aber sonst wenig Ähnlichkeit. Wahrscheinlich eine Seelenwanderung.
„Also du bist Nofretete“, sage ich. „Und ich muss dich wie eine Königin behandeln?“
Er bellt zustimmend und ab sofort wird er königlich verwöhnt. Nur noch teures Hundefutter, kraulekraule und so weiter. Geradezu alles darf er. Liegt auf meinem Bett und schnarcht.
Bis ich ihn reden höre, mit einem anderen Hund. Der versteht ihn nicht. Natürlich nicht, er spricht ja auf einmal in meiner Sprache.
Ich schnappe ihn mir: „So, wie ein Mensch reden kannst du also auch.“
„Ja“, sagt er.
„Und hast mich reingelegt. Wer bist du nun wirklich?“
„Albert Einstein.“
Gestern waren wir in Potsdam, im Haus vom Einstein, das ist jetzt ein Museum, der Hund lief mir voraus, obwohl er nicht eintreten durfte, aber er schmuggelte sich zwischen den Beinen der Leute durch.
Und dann kamen wir an eine Wand, da war ein Foto, auf dem streckt der alte Einstein die Zunge heraus.
Und was tat der Hund? Er setzte sich davor und tat dasselbe.
Was mach ich mit einem Hund, der Einstein ist? Nofretete wär mir lieber gewesen.
Ich mach jetzt einen Abendkurs in Mathematik. Er besteht darauf. Sonst, sagte er, wird er mich vor allen Leuten „Dummkopf“ nennen.