Ideen zur Gründung eines modernen Volkstheaters


Anlass dieser Ideen war das Sterben eines Volkstheaters in Berlin: des Hansa-Theaters. Als ich mit meinem prämierten Mauer-Volksstück zum Hansa-Theater kam, lehnte es der damalige Theaterleiter ab: Er kenne sein Publikum, das wolle von der Mauer nichts mehr wissen.
Zwei Jahre später führe Brigitte Grothum das Stück im Hebbel-Theater auf (dazu wurde es für 4 Wochen angemietet) und war ein Publikumserfolg.
Bei meinem nächsten Stück hieß es beim Hansa-Theater: „Nein, das können wir nicht bringen, auf der Bühne müsse es sauber zugehen.“
Tatsächlich handelte mein Plot von zwei Berliner Brüdern, der jüngere war ein Leichtfuß mit kriminellem Einschlag und hatte eine Freundin, die eine Schwangerschaft vorgab, damit er sie heirate. Der Vater der Brüder, ein "Grüner" vom Lande, wohnte bei dem älteren und wollte auf dem Balkon einen Garten anlegen. Alles spielte in dieser Wohnung.
Das Hansa-Theater brachte weiter die alten, „bewährten“ Stücke (dazu Frank Wedekind in "Der Kammersänger": Lieber graben die Theaterleitungen zehn tote Autoren aus als einen lebenden zu nehmen.), das Publikum blieb weg, das Theater ging pleite.

 
In Berlin gibt es schon lange kein Volkstheater mehr.
Ich denke, es ist Zeit für ein modernes Volkstheater, ein Volkstheater mit Stücken, in denen sich die heutige Zeit und der heutige Mensch wiederfinden. Ich bin überzeugt, an Autoren für solche Stücke herrscht kein Mangel. Aber es fehlt an Theatern  und/oder an mutigen Theaterleitern.
Also: Wie wär’s, wenn Schauspieler und das Publikum ihr eigenes Volkstheater gründeten?               
Ich hätte da ein paar Vorschläge:

Schauspieler und ihr zukünftiges Publikum gründen ihr eigenes Theater.

Sicher gibt es Theaterinteressierte in der Stadt (ich denke, es müsste schon mindestens eine Kreisstadt sein), die gerne mitmachen wollen.
Jedes Gründungsmitglied des Theatervereins beteiligt sich finanziell durch eine Einlage: 100 Euro, Studenten und Schüler: 20 Euro, Hartz-IV-Empfänger 1 Euro (pro forma sozusagen).
Die Mitglieder (Schauspieler und Publikumsmitglieder) sind stimmberechtigt bei der Auswahl der Stücke.
Übrigens wird den Mitgliedern auch angeboten, hinter der Bühne und in der Verwaltung mitzuarbeiten. Kostenlos. Einfach aus Spaß. (Wie überhaupt die ganz Theatergründung und Theaterführung Spaß machen soll).
Die Schauspieler geben Publikumsabende (für die Mitglieder ist der Eintritt kostenlos, andere zahlen Eintritt), das sind vergnügliche Abende mit Sketche, Liedern u.a... Eine Art Kabarett-Abend.
Durch die Mitgliedseinlagen wird man wohl nicht genug Geld hereinbekommen, also müssen Sponsoren und Spender her. Man kann Theatersitze „spenden“ oder „sponsoren“, z.B. mit 400 Euro bis aufwärts (die teuersten sind in der ersten Reihe). Der Spender/Sponsor wird durch ein Schildchen auf der Rücklehne genannt – der Platz ist für ihn frei, wenn er als Zuschauer kommt.
Und dann sollte jede Aufführung einen Sponsor aus umliegenden Unternehmen/Geschäften haben. Der Autor des Stückes ist verpflichtet (warum nicht?), für den Sponsor lustige Werbe-Reime zu erfinden, die dann an den Wänden des Theaterraumes platziert werden.
Ist ein Stück erfolgreich, sollte man eine Tournee in den umliegenden Städten überlegen (Aufführungen jeweils am Wochenende).
Dazu braucht man einen Manager, der alles organisiert, Kontakt mit der Presse hält und das Wirtschaftliche nicht aus dem Auge verliert, der freilich müsste fest angestellt sein.
Die Schauspieler sind am Erlös einer Aufführung beteiligt.

Einmal im Jahr eine Mitgliederversammlung.
Das sind nur ein paar Ideen. Bestimmt gibt es noch weitere.. Am Ende könnte man die Ideen sortieren und zusammenfassen in „Anleitung zur Theatergründung mit Publikum