Der Begriff Volkstheater geht auf das 18. Jahrhundert zurück und bezieht sich ursprünglich auf Theater für das Volk im Sinne des Dritten Standes. Nach dem Literaturwissenschaftler Jürgen Hein gibt es Volkstheater als „Intention“ (nämlich Theater für das Volk zu machen) oder als „Institution“ (also als „Haus“, privatwirtschaftliches Unternehmen oder öffentliche Einrichtung).

(wikipedia.de)

Gebt Berlin ein Volkstheater!

Szenenfoto aus "Nie wieder Köpenick" (Von links nach rechts: Ezard Haußmann, Wolfgang Bahro, Debora Weigert, Horst Pinnow)
Szenenfoto aus "Nie wieder Köpenick" (Von links nach rechts: Ezard Haußmann, Wolfgang Bahro, Debora Weigert, Horst Pinnow)

 

Es sah wie Glück aus, aber dann war es wohl Pech. Vor 28 Jahren gewann ich in Berlin einen Theater-Wettbewerb zum Thema „Mauerfall“. Das Volksstück hieß „Die Mauerspechte“. Mit dem Thema „Wiedervereinigung“ ergänzt, wurde es unter dem Titel „Nie wieder Köpenick“ im Hebbel-Theater aufgeführt. Es war ein Publikumserfolg. (Szenenfotos und das Lesestück unter Nie wieder Köpenick)

Ohne den Erfolg damals hätte ich keine weiteren Stücke geschrieben. Aber ich tat es.  Welch ein Fehler. Hamburg hat ein großes Volkstheater, München hat's, Köln hat's – Berlin aber nicht. Also alles umsonst? Nein. Ich eröffnete mein Lesetheater.

Und bin weiter überzeugt, in die berliner Theaterlandschaft  gehört neben den anderen großen Theatern auch ein Volkstheater. Ein aufregend modernes Volkstheater mit festem Ensemble und aktuellen städtischen Themen vom Schwank bis zur Satire. Themen gibt es in Berlin mehr als genug. Wie z. B. zum 30. Jubeljahr der deutschen und der berliner Wiedervereinigung:

Berlin, nun freue dir! und Der Friseursalon

Anklicken und ansehen! (Und an die Kritiker und Verächter des Volkstheaters: Keine Angst, man stirbt nicht davon..)

Übrigens.. Wer geht eigentlich ins Theater? Hier eine Statistik:

 

                                       Demographische Merkmale des Bühnenpublikums
72 % verfügten über ein Studium, 17 % über das Abitur und nur eine kleine Minderheit war ohne gehobene formale Bildung. Ähnlich war dies bei den Opernbesuchern, hier besaßen sogar 75 % ein Studium. Die formale Bildung der Besucher und speziell der Akademikeranteil ist damit im Vergleich zu früheren Studien außergewöhnlich hoch (vgl. Reuband 2012; Keuchel/ Larue 2012). Im Hinblick auf die Geschlechterzusammensetzung war ein überproportionaler Anteil von weiblichen Besuchern beobachtbar (63% Theater, 58 % Oper). Die Besucher entstammten zu 2/3 aus der Stadt selbst und kamen fast ausnahmslos in Begleitung.
                                                                                            Zitat aus www.kulturmanagement.net

 

Und das mit der Minderheit soll so bleiben? Nein. Doch wo ist in Berlin ein Theaterangebot für Menschen ohne akademische Bildung? Auch sie verdienen ein Theater und das sollte genauso öffentlich gefördert werden wie die anderen Theater. Wahrscheinlich wäre eine große Förderung gar nicht nötig, denn die Mehrzahl der Menschen ist nicht akademisch gebildet. (Ich gehöre dazu.) Außerdem kämen nicht nur Berliner in ein Volkstheater, sondern auch Berlin-Besucher, die das Leben in der deutschen Hauptstadt als Drama, Komödie, Schwank oder Satire sehen wollen.

Daher: Gebt Berlin ein Volkstheater! Boulevardtheater hat es schon genug. Ein deftiges Volkstheater soll es sein mit Berliner Geschichten von heute! Und so wird - ganz nebenbei - Berlins Theaterlandschaft lebendiger und reicher.

(Übrigens gibt es in einigen Bezirken kleine Privattheater mit einem Volkstheatertitel.. Tut euch zusammen!)
                                                                                                                                       Dieter Lenz