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Mit Fotos von Beate Stübe, Thomas Lenz, Eika Aue, Detlef Nickel
und Texten von Jürgen Mahrt, Eika Aue, Dieter Lenz

3. Auflage
DIN A 5, Softcover, 96 Seiten, 92 Fotos, 17 Texte, 19,80 €      

 

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 Eika Aue

Geboren in Hamburg.

Studium Soziologie und Psychologie

an der TU und FU Berlin, Uni Bremen.

Tätig in der Medienbranche, danach selbständig.

Lebte in Hamburg, Bremen und Kiel.

Ihre große Liebe aber gilt Berlin,

dort ist sie zu Hause

Eikas Berlin-Journal (aktuell)

      Steine der Erinnerung

 

So richtig schön kann die Lieblingsstadt ja nicht überall sein. Klar. In solchen Fällen hilft die positive Erinnerung - wie in dieser trostlos scheinenden Gegend zwischen den U-Bahn-Stationen Spichernstraße und Hohenzollernplatz in Wilmersdorf. In der Nikolsburger Straße 11 war die Keimzelle für den Stadthaus-Verlag, auf dessen Website ich mein Berliner Journal veröffentliche.. Hier arbeitete Dieter Lenz  den für den Bau-Verlag und hatte den Status, Studentenjobs zu vergeben. Einen davon bekam ich, um das Bafög aufzubessern. Welch ein Glück. Und so begegneten wir uns seit über 50 Jahre immer wieder. In diesem schönen Haus gab es nicht nur den bekannten Fachverlag. Einige Etagen darüber wohnte die berühmte Schauspielerin Edith Clever. Uns war sie aus Bremen bekannt, wo sie unter Kurt Hübner den legendären Ruf des Theaters am Goetheplatz damals mitbegründete. Fast geschlossen ging die Truppe damals nach Berlin, um hier an einem noch berühmteren Theater ins Leben zu arbeiten: der Schaubühne am Halleschen Ufer. Eine Pilgerstätte, in der Edith Clever großartige Rollen hatte. 1971 wurde ihre Tochter Friederike geboren. Friederike wurde Malerin und die Mutter, heute 77 Jahre alt, arbeitet als Regisseurin. Wir erinnern uns an große Bühnen- und Kinomonologe, die der Regisseur Hans-Jürgen Syberberg mit Edith Clever in den 80er Jahren inszenierte, z. B. "Die Nacht", "Penthesilea", "Die Marquise von O." Ich habe immer gehofft, der verehrten Schauspielerin auch einmal dort im Treppenhaus zu begegnen, aber das blieb nur Dieter Lenz vorbehalten.

Beim Verlassen des Hauses ist mir damals nie die prachtvolle Kirche am Hoenzollernplatz aufgefallen, die auf der anderen Straßenseite steht (direkt dem Haus gegenüber). Damals hatte ich wohl keinen Blick dafür, denn meine Kathedralen waren Theater, Uni und Kreuzberger Kneipen. Heute bewundere ich den norddeutschen Backstein-Expressionismus von Fritz Höger, der nicht nur diese Kirche in den 30er Jahren erbaut hat, sondern auch das berühmte Chile-Haus in Hamburg, meiner ersten Heimatstadt. Dieses futuristisch anmutende Kraftwerk Gottes wurde 1990/91 umgebaut. Wie in vielen Kirchen, finden hier inzwischen außer den Gottesdiensten auch Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen vieler Art statt. Für mich ist es das reine Architektur-Museum, das ich zur Besichtigung empfehle. Sicher hat es was zu bedeuten, dass Bauverlag und Sakral-Architektur sich gegenüber lagen. Aber was?

Wenn ich dem ehemaligen Bauverlag und der Kirche den Rücken drehe, stehe ich auch schon sofort vor einem Sünden-Babel. Das Gebäude eines ehemaligen Pumpwerks der Wasserbetriebe wurde zur Party-Location umgebaut. Eine große Brauerei hat die Finger im Spiel und sorgt dafür, dass der Kreislauf der Flüssigkeiten niemals zum Stillstand kommt. Der Name „Wasserwerk“ ist Tarnung für „Bierfabrik“.

 

             Noch einmal Babylon ?

 

Als ich an der U-Bahn-Haltestelle Klosterstraße (Foto) ausstieg, war es für mich wie die Fortsetzung meines Museumsbesuchs auf den Spuren Nebukadnezars. Umgeben von dekorativen Kacheln mit babylonischen Palmen (Foto) steige ich zum Klosterviertel empor. Hier war im Mittelalter das Zentrum der Stadt.

An den turbulenten Umschlagplatz der Händler und Handwerker erinnert nichts mehr. Alte und neue, riesige Verwaltungsgebäude geben dem Viertel ein eher langweiliges Gesicht. Da fällt eine schöne Jugendstilfassade, wie man sie in Berlin nur noch selten findet, auf: das Bürohaus der Gebr. Tietz (Foto) stammt aus dem Jahr 1904.

Mein Interesse geht aber heute in Richtung Spree, darum überquere ich die verkehrsreiche , unschöne Stralauer Straße, vorbei an der schuppigen Fassade der Berliner Wasserbetriebe, die ihre ausgezeichnete Kantine auch für Nicht-Mitarbeiter öffnen. Hier kann man hinter Schaufensterglas alte Berliner Stadtansichten betrachten. Auf der anderen Straßenseite ist die Moderne Zeit zu bewundern, die imposante niederländische Botschaft, vom Stararchitekten Rem Koolhaas 2004 erbaut. (Fotos) Nach dem Koolhaas-Haus am Checkpoint Charly ist es das zweite Gebäude des mit vielen Preisen ausgezeichneten Rotterdamer Baumeisters.

Noch ein schneller Blick vom Spreeufer hinüber auf das Märkische Museum, den historischen Hafen, die Mühlendammschleuse und die alte Häuserzeile des Märkischen Ufers. (Foto)

Auf einer Brandmauer zwischen den Baustellen dort fand ich dieses Gedicht:

Berlin
Der Morgen ist ein besudeltes Kleid
Eine Seite mit einem Eselsohr
Ein Klecks
Die Stadt
Eine halb abgeschminkte Frau
Doch zuckend bäumt sie sich in den Himmel
Wie ein blaues Pferd von Marc im Luftgeschirr
Berlin
Die Sonne gelb

 

Bei den Promis von gestern

VIPs bevorzugen Pankow als Wohnort eh und je. Diese Gegend war bei der Parteipro-minenz von gestern und vorgestern beson-ders beliebt. Im Villenviertel Niederschön-hausen wohnten vor dem Krieg viele Indu-strielle, die von der DDR-Regierung enteig-net wurden. Die Bonzen setzten sich in die schönsten Häuser, vornehmlich am Majakowskiring. Die ovale Ringstraße wurde nach Vladimir Majakowski (1893 - 1930) benannt.   Der „rote Poet“ vertrat den russischen Zweig des Futurismus in der Dichtung. 1922/23 besuchte er mehrmals Berlin und war fasziniert vom KaDeWe.
Der Majakowskiring war zu DDR-Zeiten ein „Städtchen“ in der Stadt, abgeriegelt mit Sperren-Kontrollen und einer Mauer rings herum. Bis 1960 wohnte hier die Parteiprominenz, die später in eine Waldsiedlung nach Wandlitz im Norden von Berlin umzog, um noch abgeschirmter zu sein.
Die ruhige Ringstraße ist auch heute noch ein beliebter Wohnort. Im denkmalgeschützten Haus Nr. 46-48 wohnt die Schauspielerin Jasmin Tabatabai. Eine große Messingtafel an der Fassade zeigt, dass hier einst Otto Grotewohl wohnte. Im Haus Nr. 34 lebte Johannes R. Becher, Kulturstaatsminister ab 1954 und Verfasser der DDR-Nationalhymne. „Auferstanden aus Ruinen...“  Eines der prominentesten Häuser, von dem öfter mal ein Spaziergänger ein Foto macht,  ist das das Haus Nr. 58. Hier wohnte Erich Honecker mit seiner ersten Ehefrau. In der Fachwerkvilla schräg gegenüber lebte Günter Schabowski. Das Haus beherbergte ein Café, aber es ging leider pleite.
Ein edles Gebäude mit zwei korinthischen Säulen am Eingang war das offizielle Gästehaus der DDR. Links und rechts wurden Wirtschaftsdelegationen von weit her untergebracht. Auch an einem kasachischen Kindergarten mangelte es nicht.
Von urbanem Leben kann hier keine Rede sein. Es ist alles still hier, als wäre niemand zu Hause. Kein Laden, kein Geschäft.. Jede Flasche Wein, jedes Stück Brot und Käse muss aus den Einkaufszonen hierher geholt werden.  Doch wer so teuer wohnt, hat natürlich auch ein Auto.
Ich drehe noch eine Runde und wünsche mir jetzt den legendären Udo Lindenberg-Song zu hören : „Sonderzug nach Pankow“.
1983 wollte Udo mit dem Oberindianer  Erich Honecker einen Cognac trinken.
Das hätte Stimmung ins „Städtchen“ gebracht.