Mensch, renaturiere dich!

Ja, das klingt lustig. Aber noch viel lustiger ist die Wirklichkeit.

Da laufen sie herum, meist jüngere Menschen, mit dem Smartphone vor der Nase auf der Suche nach Gespenstern.

Und es heißt: Gut so! So kommen sie wieder in die Realität. Der elektronisch vernetzte Mensch findet wieder zurück in die Wirklichkeit.

Wirklich?

Denn sie sind ja nicht mit den Augen, der Nase, dem Ohr, der Berührung mit Händen und Füßen in der Wirklichkeit, sondern mit einem Smartphone unter der Nase. (Wann gibt es den Smartphone-Nasenhalter?)

Und da starren sie auf etwas, was es gar nicht gibt.

Ja, das ist lustig.

Nein, das ist gespenstisch. Und während die Menschen den Gespenstern folgen, wird für sie die reale Wirklichkeit immer virtueller. Sachte entgleitet ihnen ihr Körper, sie werden Teil einer virtuellen Welt.

Bis sie gegen eine Laterne laufen. Macht nichts. Sie rappeln sich auf und ziehen weiter, immer den Gespenstern nach.

Was geht da eigentlich vor? Entsteht gerade eine neue Menschenart? Der Homo elektronicus?

Wir treiben uns im Internet herum oder in elektronischen Spielen, wir werden dort geradezu heimisch.

Dabei haben wir einen Körper, dessen Sensoren weit effektiver sind als die der Technik: die Sinne. Ein Leben ohne sie wäre kein Leben mehr.

Wir können riechen, wir können fühlen, wir können schmecken, können hören, können den Blick schweifen lassen, so leben wir – und die ganze Welt gehört uns.

„Trinkt, o Augen, was die Wimper hält, vom goldnen Überfluss der Welt...“ (Aus dem Abendlied von Gottfried Keller)

Wollen wir die Welt für eine Scheinwelt hingeben, unsere Körper gegen Bits und Bytes eintauschen?

Vielleicht wäre das ein Fortschritt. Aber wohin und wozu? 

Für den Menschen brauchte es fast 14 Milliarden Jahre Entwicklung.

So ein Produkt gibt man doch nicht einfach so auf.

Mensch, renaturiere dich!

 

Siehe hierzu auch:

Dieter Lenz

Die letzten Tage des Kommissars

 In der Titelgeschichte geht es um die Zukunft des Menschen in Verbindung mit der Genetik, die anderen Erzählungen handeln vom Universum und seinem Schöpfer, von der Macht der Natur, dem Sinn des Lebens und von einem der virtuellen Welt verfallenen Mann, den der Sex zurück ins wirkliche Leben bringt.

136 S. , 105 x 185 mm, Softcover, 9,50 € 

ISBN 978-3922299-43-1

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