Die Sprache - Brücke oder Mauer

 

Nein, ich will nicht viele Worte machen. Denn damit beginnt es schon. Allein die Masse von Wörtern kann schon eine Mauer bauen.

Am Anfang war das Wort, heißt es in der Bibel. Ich weiß nicht, was Bibelfachleute dazu sagen. Für mich ist es der erste Stein, auf dem wir unsere Brücken zueinander bauen sollen.

Jedenfalls ist die Sprache dazu da, um uns untereinander verständlich zu machen.

Werden aber zu viele Worte gebraucht, wie es meistens unsere Politiker tun, wird es nebelig. Nachher weiß keiner, was eigentlich gesagt worden war. Diese Sprechweise beherrschen Politiker meisterhaft. Und dann wundern sie sich, wenn die Leute nicht mehr hinhören.

Es geht auch um die Wortwahl. Als ich zum ersten Mal das Wort „Agenda 2010“ las, kapierte ich rein gar nichts. Das Wort wurde aber so oft benutzt, dass ich nachschlagen musste. „Agenda“ ist die Bezeichnung für eine Liste der Aufgaben, die man abarbeiten muss. Also eine Arbeitsliste. So könnte man es sagen und eine„Arbeitsliste 2010“ hätte ich sofort verstanden.

Solche Worte, heißt es, versteht man noch besser im Kontext. Aha. Schon wieder ein Fremdwort. Was sagt das Lexikon? „Zusammenhang“. Hätte man sagen können. Ja, denn manches Wort versteht man besser im Zusammenhang mit anderen Begriffen oder Sachverhalten.

Oft wird auch von „Usern“ gesprochen. Auf deutsch „Nutzer“. Nun ja, vielleicht gibt es in solchen Fällen keine deutschen Nutzer, dann muss man es wohl so sagen.

Und es gibt noch viele andere Worte von Fachleuten und Gebildeten, die von vielen Menschen nicht verstanden werden, und doch immer wieder benutzt werden.

Zum Beispiel das Wort „Eliten“. Schon wieder was, bei dem ich nachschlagen musste. Das Lexikon gibt eine lange Erklärung ab. Ich verkürze: Eliten sind die führenden Leute in Bildung, Wirtschaft, Politik.

Übrigens, es sind die Eliten selbst, die dieses Wort benutzen.

Ja, so wird die Sprache zu einer Mauer, gewollt oder nicht gewollt. Und dann wundern sich die Eliten (Erklärung siehe oben), dass der normale Bürger misstrauisch wird. Er denkt: "Was reden die da für ein Zeug? Das versteht doch keiner.. Wollen die was verheimlichen? Womöglich verschaukeln die uns?"

Und aus Misstrauen wird Empörung und schließlich Aufruhr.

Es gibt da einen in der USA, der macht es ganz anders. Es sind nicht nur die plumpen und üblen Themen, die so gut bei den Zuhörern ankommen. Er hält sich an Luthers Wort: Man muss dem Volk aufs Maul schauen. Aber ich trau ihm nicht. Überhaupt nicht. Er macht das zu gut und zählt doch zu den Eliten, wirtschaftlich gesehen. Sehr merkwürdig.

Nein, einen deutschen Donald Trump will ich auf keinen Fasll. Aber ein Luther wäre nicht schlecht.

Und jetzt mein Appell, Verzeihung, Aufruf:

Liebe Eliten, artikuliert euch kommunikativ!

Wie bitte? Ich sollte sagen „Redet verständlich?“

Richtig. Aber ich fürchte, das verstehen die Eliten nicht.