Woher kommt die Gewalt?

 

Einmal war Gewalt ein Tabu. In den Medien durfte sie nur angedeutet werden.

Doch dann passierte etwas. Gewalt wurde zu einem Mittel der Kunst. Sie sollte schockieren und sie tat es. Man war schockiert, aber mit heimlichem Behagen, und der Publikumserfolg war groß.

Nach und nach nahmen in den Medien die Gewaltszenen einen immer größeren Raum ein. Natürlich war das Publikum noch immer gegen die Gewalt, doch wenn sie „ästhetisch“ daher kam, war sie akzeptabel. In der Besprechung eines ungewöhnlich brutalen Films war zu lesen, er sei sehenswert – besonders weil die Gewaltszenen ästhetisch perfekt gelungen seien.

Und so wurde die Gewalt zu einem Mittel der Unterhaltung, das heißt: zu einem profitablen Geschäft.

Und dann kamen die Computerspiele. Pfeif auf die Ästhetik. Der Run auf das blutigste Kriegsspiel begann.

Von der Vorstellung zur Verwirklichung, vom Gedanken zur Tat ist es nur ein kurzer Weg.

Was der Mensch beim Zusehen als wonnig empfindet, will er bald selbst mal ausprobieren. Und dann, wie es so treffend heißt, hat er Blut geschmeckt: Die Tat brachte Lustgewinn, sogar Befriedigung.

Befriedigung, was für ein Wort im Zusammenhang mit der Gewalt. Aber der Mensch ist so gebaut.

Seit Urzeiten schläft ein Wilder in ihm, und es braucht nur einen Anstoß, um ihn zu wecken.

Damit die Gewalt dem Homo Sapiens kein schlechtes Gewissen macht – denn ein Wilder will er ja keinesfalls mehr sein – rechtfertigt er sie mit einer Ideologie. Oder einer Religion. Oder einfach mit dem Andersartigen, der Hautfarbe, der Kultur.

Warum gab es Tabus, als die Menschen noch Wilde waren?

Sie waren klüger als wir.

Sie wussten, dass man den Menschen vor sich selbst schützen muss.

Siehe auch "Das Boot im Garten"