Es gilt das gedachte Wort.

 

Zu Kaisers Zeiten sagte man nicht „Unterhose“, man sagte schamhaft „die Unaussprechliche“.

Leben wir wieder in schamhaften Zeiten? Ganz sicher nicht.

Aber ähnliche Wortmasken gibt es auch heute. Hier ein paar Beispiele:

Sagt einer „Atommüllentsorgung“, dann heißt das „Ablagern von Atommüll“. Und jetzt keine Sorgen mehr? Von wegen. Der Atommüll ist immer noch da, und das einige hundert Jahre lang.

Sagt einer „Freisetzung von Arbeitskräften“, dann meint er „Entlassung von Arbeitern“. Von wegen Freiheit..

Und verkündet ein Konzern Kostensenkung, dann heißt das „Abbau von Arbeitsplätzen“, hoppla, jetzt fall auch ich schon darauf herein, natürlich heißt es „Entlassung von Arbeitern und Angestellten“.

Und die Jobcenter sprechen von denen, die sie aufsuchen, als von ihren Kunden. Schön wär’s, dann wären sie nämlich Könige. Aber sie sind das Gegenteil, sie sind Arbeitsuchende, im Grunde sogar um Arbeit Bettelnde, denn sie haben das zu nehmen, was sie vom Jobcenter bekommen. Wenn sie was bekommen.

Schämen sich die Leute, die Dinge beim Namen zu nennen?

Nein, sie sind raffinierte Wortschöpfer, sie wollen eine schlechte Sache schönreden. Sprachästheten, die uns über die schmutzige Wirklichkeit täuschen wollen.

Früher hatten Lügen kurze Beine, heute verpasst man ihnen schöne, lange Beine.

In Diktaturen muss man zwischen den Zeilen lesen. Gott sei Dank leben wir in einer Demokratie, da herrscht Meinungs- und Pressefreiheit.

Aber wir werden lernen müssen, hinter den Worten zu lesen.

DL